Digitale Barrierefreiheit: Diese Apps und Gadgets helfen Menschen mit Handicap

Digitale Barrierefreiheit: Diese Apps und Gadgets helfen Menschen mit Handicap

Für Menschen mit Handicap kann moderne Technik das Leben nicht nur bequemer, sondern auch ein großes Stück unabhängiger und „normaler“ machen. Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung zeigen wir Dir, wie sie heute und in Zukunft vom technischen Fortschritt profitieren können.

Während die Autoindustrie eifrig an intelligenten und autonomen Karosserien bastelt, können Dich körperlich beeinträchtigte Menschen mit einigen zukunftsweisenden Transportmitteln bereits überholen. Die Technik für Rolli-Fahrer ist mitunter smarter als gegenwärtige Auto-Neuheiten und hebt das Mobilitätsgefühl gehbehinderter Menschen auf ein neues Level.

Digitale Barrierefreiheit mit intelligenten Rollstühlen

Pionierarbeit in Sachen autonome Mobilität leisteten Informatiker der Freien Universität Berlin mit einem Rollstuhl, den Du per Augenbewegung steuern kannst. Der smarte Rolli scannt seine Umgebung mit Lasern, Kamerasensoren und Kinect-Technologie, um Zusammenstöße zu verhindern. Wie der autonome Rolli funktioniert, demonstrierte das Team auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin – und zwar im Jahr 2011! Damit sind die Tüftler aber lange nicht die Ersten. Die Universität Bremen stellte 2002 Rolland vor, den ersten Elektro-Rollstuhl mit Autopilot und Spracherkennung. Dank Ultraschallsensoren, Kamera und Bordcomputer konnte sich das Gefährt in Gebäuden selbstständig bewegen und sogar Glastüren erkennen. Trotz all dieser frühen Meilensteine: Zur Serienreife haben es diese intelligenten Rollstühle noch nicht geschafft – smart sind die neuesten Modelle auf dem Markt aber allemal.

Whill Ci: Der Tesla des Bürgersteigs

Die japanische Firma Whill gilt seit Jahren als Trendsetter unter den Rollstuhl-Herstellern. Vierradantrieb ist bei den Hightech-Rollis eine serienmäßige Selbstverständlichkeit, immerhin möchten auch gehbehinderte Menschen Offroad und in Schneelandschaften mobil sein. Der jüngste Bestseller, das Modell Ci mit Bluetooth-Schnittstelle, Elektroantrieb und USB-Ladebuchse fürs Smartphone, lässt sich mittels Controller oder per iPhone steuern. Über die Mobile-App kannst Du zum Beispiel den Fahrmodus wählen, Betriebsdaten wie den Batteriestatus abrufen und Dich unterwegs per Sprachnachricht über Probleme oder Hindernisse informierten lassen.

E-Chair: Ein Elektro-Rollstuhl, der sich selbst verfrachtet

Der Autohersteller Ford hat sich währenddessen einem anderen Alltagsproblems von Rolli-Fahrern angenommen: Dem Ein- und Ausladen des unhandlichen Gefährts. Seine Lösung präsentierte Ford im Jahr 2016 beim Kreativwettbewerb „Ford Global Mobility Challenge“ mit dem E-Chair. Der smarte Elektrorollstuhl soll sich ohne menschliche Hilfe in den Kofferraum verfrachten, am Ziel per Touch-Befehl selbstständig ausladen und zur Fahrertür gerollt kommen. Bislang ist das Ganze nur ein Konzept, das in ein ganzheitliches Fahrzeugsystem aus Sensoren und Bluetooth-Steuerung integriert werden soll.

Mehr als eine künstliche Stütze: Bionische Prothesen und Exoskelette

Aufrecht stehen und gehen ohne Gefühl in den Beinen – Exoskelette machen es möglich. In Kliniken sind die motorisierten Körperstützen zu therapeutischen Zwecken auf dem Vormarsch. Die futuristisch anmutenden Geh-Roboter von Herstellern wie Ekso Bionics helfen Querschnittsgelähmten zum Beispiel nach einem Unfall oder Schlaganfall, wieder die ersten eigenen Schritte zu wagen. Auch außerhalb der Reha sind Senioren oder gehbehinderte Menschen mit Power-Anzügen wie dem Superflex wieder flott auf den Beinen oder entfalten mit den tragbaren Körpergerüsten ungeahnte Kräfte.

Dass bionische Prothesen fehlende Gliedmaßen voll funktionsfähig ersetzen und sogar Teil des eigenen Körperempfinden werden können, haben wir Dir in unserer Reihe #TheFutureIsExciting bereits gezeigt. Nicht trotz, sondern dank einer künstlichen Hightech-Hand führt der Professor Bertolt Meyer wieder ein ganz normales Leben.

Intelligente Morgenroutine: Wenn der Roboter beim Ankleiden hilft

In Senioren-WGs und Pflegeeinrichtungen sind technoide Helfer bereits als Animateure oder Aushilfskraft im Dienst, um menschliche Pflegekräfte zu entlasten. Hier könnte Kollege Robo eines Tages auch beim Ankleiden körperlich eingeschränkten Personen zur Hand gehen. Genau für diese Aufgabe trainieren Forscher vom Georgia Institute of Technology derzeit einen sogenannten PR2-Roboter, einen vorgefertigten Bot auf Basis einer offenen Programmierplattform. Bis jetzt beschränken sich seine Fähigkeiten darin, einen menschlichen Arm in den Ärmel eines Morgenmantels zu fädeln. Allerdings arbeitet der Bot quasi blind: Statt „Augen“ in Form von Kameras nutzt er Sensoren, die „spüren“, wie viel Kraft er aufwenden muss, um den Stoff behutsam über den Arm zu ziehen. Vom kompletten Ankleiden ist diese Maschine zwar noch weit entfernt, aber hey: es ist ein Anfang.

Dot: Mit dieser Smartwatch können Blinde chatten  

Ein Wearable, das Schritte zählt, vor Regen warnt und per Vibration über eingehende Anrufe oder Nachrichten informiert: Dot ist auf dem ersten Blick eine ganz normale Smartwatch. Allerdings ersetzt dieses schicke Accessoire aus Südkorea das digitale Display durch eine analoge Anzeigefläche, auf der 30 bewegliche Punkte sitzen. Diese synchronisieren sich via Bluetooth mit dem Smartphone es Trägers und übersetzen alle Informationen in Blindenschrift. Mit diesen Braille-Zeichen können Sehbehinderte nicht nur digitale Nachrichten lesen, sondern über die dazugehörige App auch antworten, Anrufe entgegennehmen und diverse Zusatzfunktionen wie Fitness-Tracker nutzen.

GigaKombi

Mit „Be my Eyes“ leihst Du Blinden Dein Augenlicht   

Wie erkennen blinde Menschen eigentlich, wann ein Lebensmittel abläuft, oder ob eine Hose zu den Schuhen passt? Die App Be my Eyes könnte Dir vor Augen führen, welche alltäglichen Situationen für Menschen mit einer Sehhinderung problematisch sind – und Du kannst ihnen ganz unkompliziert dabei weiterhelfen. Das funktioniert so: Nach dem kostenlosen Download aus dem Google– oder App-Store registrierst Du Dich als sehbehinderter User oder als Helfer. Meldet ein Nutzer mit Sehbehinderung ein Problem, verbindet ihn die App per Video-Anruf mit einem freiwilligen Helfer aus der Community. Dieser „leiht“ ihm dann sein Augenlicht, indem er sagt, was er im Livestream sieht. Auf die Weise soll die App bereits mehr als 1,7 Millionen Freiwillige und 104.000 Sehbehinderte aus über 150 Ländern miteinander vernetzen.

Mobile Gebärdendolmetscher: Digitale Barrierefreiheit für Gehörlose

Was heißt nochmal „Schoko-Eisbecher ohne Sahne“ auf Gebärdensprache? Im weltweit größten Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache findest Du garantiert eine Antwort. Statt umständlicher Erklär-Skizzen visualisiert die digitale Version auf Deinem Android und iOS-Gerät die gesuchte Gebärde in einer kurzen Videosequenz.  Ein kleiner Schnupperwortschatz mit Grundbegriffen steht kostenlos in den App-Stores bereit. Weitere Begriffe kannst Du in zehn Themenpakete dazu kaufen.

Wie gut Gehörlose und moderne Telekommunikationstechnik zusammenpassen, zeigte im Juli auch ein besonderes Event in einem Vodafone-Shop in Recklinghausen. Bei der Aktion „Ein Tag für Gehörlose“ konnten sie mit Unterstützung eines Gebärdendolmetschers all ihre Fragen rund um Smartphones, Internet und das Produktportfolio des Düsseldorfer Anbieters loswerden.

Natürlich machen auch Spracherkennungs-Apps die Welt für Gehörlose deutlich einfacher. Die ganze Bandbreite technologischer Möglichkeiten für Menschen mit einer Behinderung ist aber noch lange nicht ausgeschöpft. Digitale Barrierefreiheit bedeutet für sie nicht nur mehr Mobilität und eine leichtere Kommunikation, sondern vor allem ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben.

Auf welche Apps und Gadgets möchtest Du im Alltag nicht mehr verzichten? Wir freuen uns auf Deinen Kommentar.

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