Mit Smart Retail mehr Kunden ins Geschäft locken

Technologie

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Datum 23.08.2019
Lesezeit 7 Min.

Mit Smart Retail mehr Kunden ins Geschäft locken

Der stationäre Einzelhandel kann und sollte gegen die wachsende Konkurrenz des E-Commerce insbesondere mit emotionalen Einkaufserlebnissen punkten. Dabei unterstützen zunehmend intelligente Technologien wie Digital Signage, Virtual und Augmented Reality sowie künstliche Intelligenz. Es gibt bereits viele Ideen und Konzepte zur Digitalisierung des Handels – kurz: Smart Retail.

Wenn der Name Amazon fällt, verdüstern sich die Mienen deutscher Marketer bisweilen. Der US-amerikanische Online-Versandspezialist ist dank seines Logistiksystems heute sortimentsübergreifend der bedeutendste Wettbewerber des stationären Handels in Deutschland. Die wachsende Dominanz des E-Commerce trifft auch noch auf frustrierte Verbraucher: Laut der Studie der IT-Beratung Capgemini empfinden 40 Prozent der Deutschen den Besuch im Einzelhandel als unangenehme Pflicht. Was fehlt, sind Komfort und Funktionen ähnlich dem Einkauf im Internet, sowie eine Verknüpfung von offline zu online.

Einzelhändler investieren daher viel Zeit und Ressourcen in die Produktplanung und Entwicklung ihrer Werbestrategien. In diesem sogenannten Retail-Segment wird dafür genau das getan, was im Onlinehandel schon lange Standard ist: eine Analyse der kompletten Customer Journey. Schon 2016 ergab eine EHI-Studie, dass 65 Prozent der befragten Einzelhändler das Kundenverhalten im Laden messen, um ihren Vertrieb und Service zu optimieren. Stärken Sie mit smarten Lösungen die Kundenbeziehungen und erzielen Sie binnen kürzester Zeit einen messbaren ROI.

 


Vom „Verkauf” zum emotionalen Shopping-Erlebnis

Der englische Begriff „retail” stammt ursprünglich aus dem Alt-Französischen. Dort bedeutet „retaille” soviel wie „abgeschnittenes Teilstück”. Übersetzt heißt „retail” einfach nur „Verkauf” und steht für alle Aktivitäten rund um den Absatz von Produkten an Endverbraucher. Im Gegensatz zum Großhandel („Bulk-Geschäft”) muss der Einzelhändler also besonderes Augenmerk auf eine geeignete Kundenansprache beim Einzelkunden legen. Außerdem ist eine ansprechende oder zumindest passende Produktpräsentation vonnöten. Online geschieht dies meist mit Hilfe von hochauflösenden Detailfotos des Produkts, Werbevideos und gelegentlichen How-to-Anleitungen (wo sinnvoll). Während Online-Videos und Produktfotos nach ihrer Erstellung ohne nennenswerte Zusatzkosten tausendfach geklickt werden können, kostet eine individuelle Beratung durch Verkaufspersonal im Einzelhandel vor allem eines: Zeit. Und Zeit ist bekanntlich Geld. Hinzu kommt die Notwendigkeit zur ansprechenden Produktpräsentation, meist auf begrenztem Raum.

Kann sich der Handel überhaupt noch aus diesem Dilemma zwischen individueller Beratung und Kostendruck befreien? Sagen wir es so: Er könnte. Durch Emotion. Und indem er die intelligente Integration von Zukunftstechnologien mit Nachdruck vollzieht. Innovationen versprechen Virtual Reality, vernetzte digitale Screens mit Interaktionspotenzial und intelligente Shopping-Apps mit echtem Mehrwert. Das sind ideale Voraussetzungen für ein digitales Einkaufserlebnis neben real erlebbaren Produkten im Ladengeschäft.

Doch die Protagonisten scheinen weithin noch träge: Nur 18 Prozent der Unternehmen mit 20 bis 499 Mitarbeitern haben bereits Beratungsleistungen zur digitalen Transformation des eigenen Geschäfts in Anspruch genommen, vermeldet der Digitalverband Bitkom nach einer repräsentativen Unternehmensbefragung. Drei Viertel der Mittelständler (75 Prozent) geben an, dass das für sie kein Thema sei.

 

IoT-based Retail: Das smarte Regal für die Kundenanalyse

Häufig fehlen den Einzelhändlern aber auch Informationen, die für Online-Retailer quasi wie selbstverständlich vorhanden sind: Wann kommen wie viele Kunden ins Geschäft? Worauf reagieren sie im Store? Und wie wirkt sich das auf den Umsatz aus? Diese Fragen müssen Einzelhändler beantworten können, um das stationäre Einkaufserlebnis zu verbessern.

Vodafone hat mit einer Testinstallation eines intelligenten Regals auf der CEBIT 2018 gezeigt, wie der Einzelhandel das Warenmanagement und die Instore-Werbung automatisieren kann. Das Produktregal war zu diesem Zweck mit diversen Sensoren, Kameras und Monitoren ausgestattet, deren Daten sowie Funktionen verknüpft wurden. Ein so ausgestattetes Regal kann entnommene Ware erkennen, bei der permanenten Inventur unterstützen und rechtzeitig vor Fehlbeständen warnen.

Auf einem Screen könnten Kunden zudem neben projektspezifischer Werbung auch noch erweiterte Produktinformationen via QR-Code und NFC aufrufen. So können Sie weitere Anhaltspunkte zu den Kundeninteressen erhalten, die Zufriedenheit durch gezielte Angebote steigern und leere Regale vermeiden. In der Testinstallation zeigte Vodafone zudem einen NB-IoT-Dash Button, mit dem Sie auf Knopfdruck Produkte nachbestellen können.

 

Von InStore-Tracking bis Audience Measurement

In der Praxis unterstützt Vodafone Sie beim Kunden-Tracking mit seiner IoT-Plattform. Sie erlaubt es Ihnen, individuelle Lösungen flexibel im eigenen Geschäft unterzubringen. Erhobene Daten unterschiedlicher IoT-Geräte im Store werden in Echtzeit an die cloudbasierte Plattform übermittelt und zusammenhängend ausgewertet. Auf dieser Datengrundlage können Händler ihre Kunden sowie deren Präferenzen besser verstehen und entsprechend reagieren.

Doch damit nicht genug: Das sogenannte InStore-Tracking zählt in Echtzeit Besucher im Geschäft, mit der Option, Laufweganalysen zu erstellen. Beim Audience Measurement werden Merkmale wie das Geschlecht, ungefähre Alter und die Stimmung des Kunden erkannt. So können Einzelhändler im Geschäftsalltag Besucherströme analysieren und anhand fundierter Erkenntnisse das eigene Geschäft optimieren. So lassen sich Angebote gezielt positionieren und die Produktpalette entsprechend der Kundenwünsche erweitern.

 

Digitale Umkleidekabine: Dank IoT das passenden Outfit finden

Wie Sie im Modegeschäft mit dem Internet of Things neue Einkaufserlebnisse schaffen, hat Vodafone schon mal in Zusammenarbeit mit dem spanischen Smart Systems-Spezialisten JogoTech demonstiert. Die IoT-Experten bieten einen intelligenten Spiegel an, der in einigen Filialen des Modeunternehmens Mango bereits als Shopping-Butler dient. In der Umkleidekabine scannen Kunden einfach das Etikett eines Kleidungsstücks ein, das eine Software mit dem Warenbestand abgleicht. Der Kunde kann dann im Anzeigemodus des Spiegels einsehen, in welchen weiteren Ausführungen das Kleidungsstück erhältlich ist, passende Produktvorschläge abrufen und in Echtzeit das Verkaufspersonal kontaktieren, das ihm die gewünschte Ware in die Umkleidekabine reicht.

 

Video: YouTube / Vodafone Deutschland

 

Virtuelle Erlebniswelten binden Kunden: IKEA und Bosch machen es vor

Die Experimentierfreudigkeit der Unternehmen nimmt weiter zu: Ikea erprobte im Sommer 2016 in der Filiale Berlin-Lichtenberg den Einsatz von drei Stationen mit VR-Brillen. In einer Art virtuellem Wohnzimmer konnten die Kunden von der Tapetenfarbe bis hin zum Billy-Regal oder dem Couch-Bezug  etliche Komponenten selbst konfigurieren. Ein abgestimmter 3D-Sound  unterstützte das „Eintauchen“ in die Ikea-Erlebniswelt.

 

Video: YouTube / HorizontNet

 

In der Bosch „Experience Zone“ wiederum treffen die Vorteile von Digital Signage auf ein intelligentes Shop-in-Shop Konzept, das inzwischen weltweit zum Einsatz kommt. Ein in den Ladenbau integriertes Terminal mit Touchscreen soll die Kunden zur Interaktion anregen – etwa indem es Do-it-yourself-Anleitungen anbietet. Alle Infos über die nötigen Utensilien lassen sich über die Stele sofort ausdrucken oder via QR-Code ans eigene Smartphone senden.

 

Video: YouTube / dimedis GmbH

 

Fakt ist: Die hohe Innovationsrate der Digitalisierung stellt dem Einkaufsprozess immer mehr unterstützende Technologien zur Verfügung. So stellt Deutschlands Handel derzeit sukzessive von Papier auf digitale Preisschilder um. Dies spart nicht nur Kosten, sondern verknüpft die Regal-Informationen mit den Smartphones der Besucher per drahtloser Near Field Communication (NFC).

Die Kunden können so nicht nur Informationen zum Produkt abrufen, etwa über enthaltene Allergene, sondern sich auch über eine verknüpfte hauseigene App mittels Standortinformationen zum gewünschten Artikel lotsen lassen.

 

Smart Retail: Der datengestützte Weg zum intelligenten Shop

Inzwischen versucht ein Joint Venture des IT-Konzerns Microsoft und der Beratungsgesellschaft Accenture, den „Supermarkt der Zukunft“ zu kreieren. Gestengesteuerte Monitore animieren die Kunden zur Interaktion an Regalen. Wer auf ein Produkt zeigt, erhält eine Liste von Informationen – vom Inhaltsstoff bis hin zum ökologischen Fußabdruck. Die Systeme helfen den Händlern im Idealfall, ihr Angebot besser an die tatsächlichen Bedürfnisse der Verbraucher anzupassen – indem sie auswerten, welches Produkte aus welchem Grund auch immer hoch im Kurs steht und welches nicht.

Die Datenanalyse wird zu einem wichtigen Baustein für Smart Retail: In- und Outdoor Retail Analytics helfen den Händlern auszuwerten, welche Bewegungen ihre Kunden vor der Tür oder im Laden vornehmen, welche Einkaufspräferenzen sie haben. Über Dashboard-Lösungen visualisiert, können auch die Mitarbeiter aus den Daten lernen – und etwa die Beratungsleistung verbessern.

 

Video: YouTube / Microsoft in Business

 

Digitale Assistenzsysteme optimieren die Einkaufstour

Auch künstliche Intelligenz wird in Zukunft stärker im stationären Handel erfahrbar sein. Der IT-Konzern IBM hat mit dem kognitiven System „Watson“ einen intelligenten Assistenten entwickelt, der den Einkauf grundlegend verändern soll. Er erkennt und interpretiert in Sekundenschnelle  die Präferenzen eines Kunden – wenn er sich dem System als reale Person zu erkennen gibt. Dabei bezieht „Watson“ in seine Analysen auch den digitalen Fingerabdruck ein, den der Kunde bereits im Netz in den sozialen Medien oder beim Online-Shopping hinterlassen hat.

Digitalisierung wird in Zukunft ein immer wichtigerer Erfolgsfaktor für den Einzelhandel. Die Verschmelzung von digitalen und analogen Erlebnissen im stationären Handel führt zu einer noch stärkeren und effektiveren Kundenzentrierung. Unternehmen können diese Chance ergreifen und Kundenerlebnisse schaffen.

 

Vodafone ConnectedBusiness: Konnektivität als Service

Dass die Customer Journey erfolgreich ist, merken Sie, wenn Ihre Kunden mehr Zeit im Geschäft verbringen. Ein simples, aber effektives Tool für Einzelhändler, Café-Betreiber und andere Dienstleister bietet Vodafone ConnectedBusiness übrigens mit einem separaten Gäste-WLAN für den In- und Outdoor-Bereich. Ein solches Angebot wirkt sich positiv auf die Zufriedenheit Ihrer Kunden aus und verlängern deren Aufenthaltsdauer. In der Folge steigert das den Umsatz, und Sie erfahren mehr über die Gewohnheiten Ihrer Gäste. Mit der skalierbaren Lösung können Sie beispielsweise die Besucherfrequenz messen und erhalten nebenbei eine Wired-, Wireless- und Security-Lösung aus einer Hand.

Außerdem bietet die jährlich stattfindende ECE-Retail-Messe Einzelhändlern Gelegenheit, sich vor Ort über neueste Trends zu informieren.

 

Setzen Sie bereits Smart-Retail-Konzepte oder Teile davon in Ihrem Geschäft um? Wir freuen uns, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns in den Kommentaren teilen. 

 

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