Digitale Symbole in jeweils einem Zahnradumriss als Symbolbild für serviceorientierte Architektur (SOA)
Digitalisierung

SOA: Serviceorientierte Architektur verstehen und richtig nutzen

Unsere Welt wird immer komplexer und Kunden immer anspruchsvoller. Dem muss auch die Informationstechnik Rechnung tragen, denn Produkte sollen weiterhin nicht nur günstig, sondern obendrein auf individuellen Bedarf zugeschnitten sein. Damit jedoch nicht jede Anforderung im Geschäftsprozess von Grund auf neu programmiert werden muss, gibt es serviceorientierte Architekturen (SOA).

Bei jeder Bestellung durch einen Kunden wird üblicherweise ein ganzes Räderwerk an Vorgängen in Bewegung gesetzt. Zunächst müssen Sie als Händler prüfen, ob und in welcher Menge das gewünschte Produkt vorrätig ist. Parallel dazu muss ermittelt werden, ob der Kunde ausreichende Bonität besitzt, ein Auftrag geschrieben und gegebenenfalls die Logistik in Gang gesetzt werden. Außerdem sind Aspekte wie die Rechnungslegung und die Zahlungsverwaltung zu berücksichtigen.

Bei all diesen Vorgängen spielt die Informationstechnik (IT) eine entscheidende Rolle und sorgt für effiziente Bestell- und Abwicklungsvorgänge. Gleiches gilt für Dienstleistungsangebote wie beispielsweise die Kreditvermittlung: Auch hier spielen unterschiedliche Aspekte eine Rolle, die miteinander sinnvoll verzahnt und in Beziehung gesetzt werden müssen.

Doch nicht jeder Vorgang im Unternehmen läuft identisch ab: Manchmal werden lediglich einzelne Aspekte aus der Gesamtmenge möglicher Vorgänge herausgegriffen und an anderer Stelle wieder zu neuen Geschäftsprozessen zusammengesetzt. Damit das gelingt, ist IT-seitig ein modularer Aufbau der einzelnen Vorgänge sinnvoll und notwendig. Hier kommt die service- oder dienstorientierte Architektur (SOA) ins Spiel.

Inhaltsverzeichnis

SOA: Das steckt hinter dem Begriff

Bei der service- oder dienstorientierten Architektur handelt es sich strenggenommen um ein Entwicklungsparadigma. Bei diesem Vorgehen stehen anstelle komplexer Gesamtvorgänge und deren spezifischer Umsetzung in der IT unternehmerische Teilaufgaben im Mittelpunkt der Betrachtung. Bei der SOA werden komplette Geschäftsprozesse sozusagen „top-down” zerlegt, in Teilbereiche heruntergebrochen und anschließend in die jeweils nur benötigten Modulen wieder zusammengesetzt.
Das Ziel der SOA ist es, zunächst vergleichsweise hohe Kosten für die Entwicklung von IT-Modulen für bestimmte Aufgaben in geringere Gesamtkosten aufgrund steigender Flexibilität zu überführen. Möglich wird dies dadurch, dass einzelne Bestandteile einer SOA beliebig genutzt und miteinander kombiniert werden können. Nach einer gewissen Zeit entfällt somit der Aufwand für die Entwicklung neuer Module, da diese nur noch logisch miteinander verknüpft oder „orchestriert” werden müssen.
Seit 1996 wird SOA aus begrifflicher Sicht als „Erfindung” des Marktforschungsunternehmen Gartner angesehen. Es handelt sich jedoch nicht um ein eigenes System oder eine festgelegte Architektur, sondern um eine Sichtweise auf Entwicklungsziele und das beabsichtigte Zusammenspiel von Softwarekomponenten.
Ein entsprechendes Prinzip fand bereits 1991 bei Architekturspezifikationen wie CORBA Anwendung und kann als konsequente Fortführung des „Objektorientierten Programmierprinzips” (OOP) und der „Remote Procedure Calls” (RPC) gesehen werden.
Im Jahr 2006 wiederum entwickelte OASIS, eine Organisation für die Weiterentwicklung strukturierter Informationsstandards, eine übergreifende Definition des SOA-Begriffs als „Paradigma für die Strukturierung und Nutzung verteilter Funktionalität, die von unterschiedlichen Besitzern verantwortet wird”. Lediglich das Zusammenspiel der Module wird hiernach von dem verwendenden Unternehmen (oder der Abteilung) verwaltet. Die Entwicklung einzelner (Teil-)Aufgaben (meist abseits des eigentlichen Kerngeschäfts) wird hingegen den jeweiligen „Profis” überlassen.
Serviceorientierte Architekturen sind somit Teil des Prozessmanagements (GPM) beziehungsweise des IT-Service-Managements (ITSM), wenn es um die Abbildung typischer Anwendungen in der IT geht. Immer mehr solcher SOA-Dienste werden inzwischen aus der Cloud heraus und nicht mehr lokal aufgerufen und gewartet.
Infografik zu serviceorientierter Architektur (SOA) am Beispiel eines Handelsgeschäfts
Egal, ob online oder offline: SOA-Ansätze bilden beide Vorgangsarten geeignet ab.
Junge Geschäftsfrau telefoniert am Schreibtisch

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Ziele und Vorteile der serviceorientierten Architektur (SOA)

SOA spart auf Dauer Kosten

Wie oben bereits erwähnt, spart die konsequente Anwendung des SOA-Prinzips auf Dauer Kosten. Nicht nur die hausinterne Programmierung bestimmter Funktionalitäten entfällt, da immer mehr Module als fertige Bausteine aus der Cloud heraus bezogen werden können – irgendwann existiert für fast jeden Bedarf bereits das richtige Modul mit den passenden Schnittstellen.

SOA spart Bürokratie und Aufwand

Wann immer sich typische Geschäftsprozesse IT-seitig vollständig abbilden lassen, entfallen aufwändige händische Arbeiten. Außerdem müssen Abteilungen nicht mehr untereinander Daten und Belege austauschen – dies geschieht soweit wie möglich vollelektronisch. 

SOA spart Zeit und dient der Kundenzufriedenheit

Während früher Geschäftsprozesse wie die Erfassung von Bestellungen, die Bonitätsprüfung des Kunden und der Versand der Ware grundsätzlich nacheinander abliefen, lassen sich diese Teile einer Prozessabwicklung sowohl automatisieren, als auch (teil-)parallel durchführen. 
So ist es möglich, bei eingehenden Kundenanfragen bereits die Ware zu kommissionieren und nur bei negativer Bonität oder fehlendem Zahlungseingang den bereits laufenden Versandprozess (rechtzeitig) zu stoppen. Der Kunde erhält seine Ware (oder seinen Kredit oder eine andere Dienstleistung) in der Folge normalerweise deutlich schneller, als das noch vor wenigen Jahren denkbar gewesen wäre.

SOA zentralisiert Wissen und macht Neuentwicklungen schneller

Während früher einzelne Abteilungen eines Unternehmens noch jeweils ihre eigenen, maßgeschneiderten Anwendungen verwendeten, bietet eine SOA die Möglichkeit der Zentralisierung der gesamten IT-Struktur. 
Einzelne Abteilungen definieren nur noch ihre Anforderungen – den Rest erledigt die SOA nach Bestimmung der notwendigen Module durch entsprechenden Methodenaufruf (meist in der Cloud). Dementsprechend verbleibt die Prozessverantwortung weiterhin in der Abteilung, die den Prozess ausführt. Sie muss sich jedoch nicht mehr mit Aufgaben und Besonderheiten aus und Schnittstellen zu anderen Abteilungen befassen.
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Die Implementierung von SOA

Am Anfang der SOA-Implementierung steht der Entwurf: Was soll wie abgebildet werden? Welche möglichen strukturellen Abzweigungen gibt es im Standardprozess und was soll dann passieren? Um das darzustellen, empfiehlt es sich zunächst, den gewünschten Prozess in einer geeigneten Sprache wie UML oder SoaML zu modellieren.
Anschließend sollte festgelegt werden, welche Dienste benötigt werden, welche Eingaben diese erfordern und was mögliche Ergebnisse jedes Teilprozesses sind. Wie die einzelnen Prozesse im Hintergrund ablaufen (wie also die Ergebnisse im Detail ermittelt werden), ist hingegen nicht von Belang.
Anschließend kann und sollte ein Verzeichnisdienst (Repository) wie beispielsweise UDDI zum Einsatz kommen. In ihm lässt sich nachsehen (ermitteln), welche Dienste es gibt und wie diese genutzt werden. Die eigentliche Kommunikation zwischen der Anwendung und dem benötigten Dienst erfolgt dann über SOAP, XML, REST oder andere Protokolle.
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Was zunächst nach einer sinnvollen Herangehensweise an Geschäftsprozesse vor allem für Großunternehmen klingt, bringt auch kleinen Unternehmen Vorteile. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn diese auf Wachstum ausgelegt sind und ihr Leistungsangebot schnell diversifizieren wollen. Achten Sie jedoch unbedingt darauf, jegliche cloudbasierten Services auf deren Datenschutzaspekte hin zu überprüfen. Das gilt vor allem dann, wenn es um sensible Aspekte wie Zahlungsdaten oder Adressen (beispielsweise für den Versand) geht.
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Microsoft 365 Business: Die Vorteile für Unternehmen gegenüber On-Premises-Lösungen

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