Home-Office: Die Vorteile und worauf Sie achten sollten

Digitales Business

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Datum 22.05.2019
Lesezeit 5 Min.

Home-Office: Die Vorteile und worauf Sie achten sollten

Home-Office ist seit Jahren ein kontrovers diskutiertes Thema: Handelt es sich um einen Weg zu mehr Produktivität oder sinkt diese hierdurch? Immer mehr Firmen erlauben ihren Mitarbeitern die flexible Heimarbeit – unter besonderen Voraussetzungen. Wir zeigen Ihnen, wann und wie solche Regelungen sich auch für Ihr Unternehmen lohnen, wo die Besonderheiten und mögliche Risiken liegen.

Sind meine Angestellten von zu Hause aus produktiver und konzentrierter als im Büro? Wichtige Fragen, die sich Arbeitgeber in Zeiten von Telearbeit, Flex-Office und Co. immer wieder stellen müssen. Immerhin knapp 40 Prozent der deutschen Unternehmen bieten im Jahr 2019 laut Bitkom inzwischen flexible Home-Office-Regelungen an. Doch ist das immer sinnvoll? Die wichtigsten Vor- und Nachteile der Arbeit von zu Hause oder unterwegs finden Sie hier im Überblick.

 

Home-Office: Was hinter dem englischen Begriff für Heimarbeit steckt

Der Begriff der „Telearbeit” ist schon seit 1989 bekannt. Damals beschäftigte eine Schweizer Großbank mehrere Dutzend Mitarbeiter in sogenannten Telearbeitszentren – mit Erfolg. Unter dem Schlagwort „Home-Office” wiederum werden einzelne Arbeitstage zu Hause verbracht – bei der reinen Telearbeit hält der Arbeitgeber häufig gar keinen festen Arbeitsplatz mehr vor.

So oder so: Die Arbeit ganz oder teilweise von zu Hause aus zu ermöglichen, erfordert Vertrauen von Unternehmensseite – und von den Mitarbeitern Selbstorganisation und Disziplin. Moderne Technik, stabile Breitband-Internetverbindungen, Videokonferenz-Systeme und Cloud-Lösungen wie Microsoft Office 365 ermöglichen flexibles und ortsungebundenes Arbeiten von technischer Seite her. Doch bleibt möglicherweise Wichtiges auf der Strecke, wenn Kollegen sich weniger „live” austauschen können? Kann das Arbeiten allein im Büro daheim und unter Zuhilfenahme von Chat, Videokonferenz und Co. genauso kreativ und inspirativ sein, wie der zwischenmenschliche Austausch mit den Kollegen vor Ort im Büro?

 

Heimarbeit bringt höhere Arbeitsmotivation und Effizienz

Eine wissenschaftliche Studie der University of Stanford hat sich der Thematik des Remote-Arbeitsplatzes gewidmet und über 500 Angestellte im Home-Office und unter ständiger Ablenkung im Büro beobachtet. Das Ergebnis überrascht kaum: 13,5 Prozent mehr Effizienz unter den Arbeitnehmern – und das bei weniger Krankheitstagen und weniger genommenen Pausen, 2.000 US-Dollar Bürokostenersparnis im Schnitt und zumindest kurzfristig höhere Zufriedenheit bei den Arbeitnehmern.

Eine sinnvolle Regelung zum Thema Heimarbeit kann sich also definitiv für beide Seiten lohnen. Immerhin kann der Arbeitgeber freie Arbeitsplätze während der Home-Office-Zeit der Kollegen auch anderweitig verplanen – ein Vorgehen, das insbesondere beim „Flexible Seating”-Modell gerne praktiziert wird.

 

Welche Voraussetzungen gibt es für das Arbeiten zu Hause?

Grundsätzlich gilt: Arbeitgeber, die Home-Office-Regelungen anbieten, sollten das für alle Beschäftigten tun – soweit es die Art der Tätigkeit zulässt. Außerdem muss sichergestellt sein, dass die Mitarbeiter zu Hause über dieselben oder ähnliche Arbeitsmittel verfügen, wie vor Ort im Büro. Neben dem genannten Breitband-Internetanschluss sind meist zumindest ein Laptop, ein dienstlich erreichbares Telefon und eine (weitgehend) störungsfreie Umgebung vonnöten. Wie Sie eine Home-Office-Regelung konkret einrichten, verraten wir Ihnen an anderer Stelle im Detail.

 

Video: YouTube / Fit für Digital

 

Bedeutet Home-Office das Ende der Büroarbeit?

Außerdem offenbart die oben genannte Studie weitere interessante Erkenntnisse: Etwa die Hälfte aller Remote-Arbeiter entschied sich nach Ablauf des Experiments wieder für das Büro – aus vornehmend zwei Gründen:

  • Arbeitnehmer erfuhren weniger Anerkennung und Lob für ihre Leistungen, da weniger Feedback gegeben wurde.
  • Es besteht das Risiko, bei dauerhafter Abwesenheit vom Büro den direkten Austausch mit den Kollegen zu vermissen.

„Ein Nachteil der Heimarbeit ist, dass die Mitarbeiter und was sie leisten, viel zu oft nicht gesehen werden“, erklärt der Stanford-Forscher Nicholas Bloom.

Auch die IBM-Marketingchefin Michelle Peluso sieht die fehlende Innovation, die durch interpersonellen Austausch entsteht, als möglichen Nachteil für allgemein gültige Home-Office-Regelungen an. Nichtsdestotrotz überwiegen offensichtlich die Vorteile, die durch eine höhere Flexibilität bei der Wahl des Arbeitsortes entstehen.

 

Flex-Office: Sinnvoller Kompromiss aus Home- und Office-Arbeit?

Um eben beschriebenen, möglichen Nachteilen für einzelne Beschäftigte zu entkommen, sollten Sie sich für einen Kompromiss entscheiden. Vereinbaren Sie mit Ihren Home-Office-Arbeitern feste Präsenzzeiten/-tage im Büro – so sollten Sie sowohl den möglichen Einsamkeits-Faktor, als auch die fehlende Anerkennung in den Griff bekommen. So bewahren Sie auch den kollaborativen Ansatz in Ihrem Unternehmen und lassen Kollegen nicht zu weit auseinanderrücken. Für Notfälle und aus besonderem Anlass kann der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin dann trotzdem noch zusätzliche Arbeitstage daheim spontan beantragen.

Einen besonderen Anreiz für eine Beschäftigung bei Ihnen kann eine vorhandene Home-Office-Regelung vor allem Pendlern mit weiten Strecken oder Kollegen, die nach ihrer Elternzeit ins Berufsleben zurückkehren möchten sowie Alleinerziehenden bieten.

 

Von einer sinnvollen Regelung profitieren beide Seiten

Machen Sie sich vor der Umsetzung Gedanken über klare Richtlinien zum Thema Remote-Arbeitsplatz und besprechen Sie diese auch mit Ihren Arbeitnehmern. Von einer durchdachten und wohl umgesetzten Strategie werden schlussendlich Arbeitnehmer und Arbeitgeber profitieren; davon ist nicht nur Nicholas Bloom überzeugt.

„Die Notwendigkeit, fünf Tage in der Woche an einen Arbeitsplatz zu gehen, fußt auf Zeiten, in denen die Menschen noch in eine Fabrik gingen, um Produkte am Fließband herzustellen“.

Unternehmen, die in Ihren festen und starren Strukturen verharren, werden nach und nach ihre Attraktivität für den Arbeitnehmer verlieren und somit ins Hintertreffen geraten, so der Forscher.

Home-Office kann also – bei richtigem Einsatz und strategisch sinnvoller Umsetzung – ein Plus für beide Seiten sein, ist aber auch immer eine individuelle Charaktersache. Besonders in kleineren Unternehmen mit kollaborativem Ansatz und gelebter Meetingkultur sollte mit diesem Thema bedacht umgegangen werden.

 

Wertvolle Tipps für optimale Produktivität am Remote-Arbeitsplatz

Damit Heimarbeit optimal gelingt und effizient abläuft, sollten Sie Ihren Mitarbeitern einige Tipps mit auf den Weg geben. Immerhin lassen sich eine Menge Störfaktoren ganz leicht ausschalten und so dauerhaft die Produktivität auch am Remote-Arbeitsplatz hochhalten:

  • To-Do-Listen erstellen: Um von Anfang an ein gewisses Arbeitspensum sicherstellen, können Aufgabenlisten ein wertvolles Hilfsmittel sein. Machen Sie Ihren Mitarbeitern klar, dass Sie bei Remote-Arbeit dasselbe oder zumindest ein ähnliches Arbeitspensum erwarten, wie vor Ort im Büro. Ob Mitarbeiter diese Listen selbst erstellen oder Sie diese vorgeben, liegt sicherlich an der Art der jeweiligen Tätigkeit.
  • Fernseher aus und Streaming-Dienste verbannen: Wer zu Hause anfängt, Filme oder Serien zu schauen, lässt sich von diesen allzu leicht in den Bann ziehen. Dadurch kann schon mal ein halber oder voller Arbeitstag herum sein, ohne dass etwas Produktives erledigt wurde.
  • Die Arbeit am aufgeräumten Schreibtisch erledigen: Die Aussicht auf einen Arbeitstag im Bett oder auf dem Sofa mit eingeschaltetem Laptop mag verführerisch sein: Doch grade eine solche „Arbeitshaltung” kann zu geringer Produktivität oder gar zu kleinen Nickerchen verführen. Besser ist es also, konsequent einen aufgeräumten Schreibtisch vorzuhalten, der nur für die Arbeit reserviert ist.
  • Besorgungen gehören nicht in die Arbeitszeit: Mal eben zum Bäcker, in den Supermarkt oder gar ins Bekleidungsgeschäft: Stellen Sie von Anfang an klar, dass Home-Office nicht bedeutet, dass zwischendurch Tätigkeiten gestattet sind, die ganz klar in die Mittagspause oder die Freizeit gehören. Allzu leicht werden aus kleineren Besorgungen sonst ganze Shopping-Touren.
  • Sauberkeit ist wichtig, aber nicht Teil der bezahlten Arbeit: Arbeiten wie das Putzen der Wohnung, Staubsaugen oder Wäsche waschen sollten ebenfalls Teil der Mittagspause oder der Freizeit sein. Zwischendurch mal eine Maschine Wäsche anzustellen, ist sicherlich kein Problem: Geht es aber um den wöchentlichen Großputz, sollte dieser ganz klar Freizeitbestandteil sein.

Wie Sie insgesamt für noch mehr Produktivität am Arbeitsplatz sorgen, verraten wir Ihnen außerdem an anderer Stelle in diesem Blog.

 

Wie handhabt Ihr Unternehmen das Thema Home-Office? Können Sie die positiven Effekte auf Motivation, Flexibilität und Effizienz bestätigen? Erzählen Sie uns gerne in den Kommentaren davon.

 

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