Es gibt noch viel zu tun: Gründerinnen in der Digitalwirtschaft

Digitale Vorreiter

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Datum 13.12.2016
Lesezeit 3 Min.

Es gibt noch viel zu tun: Gründerinnen in der Digitalwirtschaft

Laut deutschem Startup Monitor liegt der Frauenanteil in den Gründerteams in den deutschen Digital-Unternehmen bei gerade 13,9 Prozent. Für die Volkswirtschaft sind das beunruhigende Zahlen, verzichtet sie so auf das unternehmerische Potenzial vieler gut ausgebildeter Frauen.

Wer im nicht sehr gründungswilligen Umfeld in Deutschland nach den Gründen forscht, kommt schnell auf Themen wie Kinderbetreuung oder soziale Sicherung selbständiger Frauen. Auch der zu geringe Fokus auf Bildung und Ausbildung in den MINT-Bereichen wird angeführt. Allerdings sind die Einstiegshürden vielfältiger und subtiler, wie die Studie „Neue Welt und alte Rollen? Zur Situation von Gründerinnen in der deutschen Digitalwirtschaft“ des Vodafone Institut für Gesellschaft und Kommunikation in Kooperation mit Women in Digital e.V. zeigt.

Studie zu Gründerinnen in der Digitalwirtschaft

112 Unternehmerinnen in der Digitalwirtschaft wurden quantitativ befragt. Dazu kamen zehn persönliche sowie acht Telefoninterviews – hier die wichtigsten Ergebnisse:

  • Gründerinnen sind rund vier Jahre älter als Gründer, sie haben im Durchschnitt mehr als vier Jahre Berufserfahrung, teilweise mit Branchenerfahrung, vorzuweisen.
  • 81 Prozent der Gründerinnen haben einen Fachhochschul- oder Universitätsabschluss.
  • Frauen gründen oft als Soloselbständige (42 Prozent). Damit bleiben sie auf der einen Seite flexibel, auf der anderen Seite besteht die Gefahr, alles selbst machen zu wollen.
  • Mit 53 Prozent der Gründungen in den Bereichen Konsum- und Unternehmensdienstleistungen sowie 26 Prozent in der Informations- und Kommunikationstechnik besetzen Frauen ähnlich Felder wie Männer. Klassische Felder wie Textil und Einzelhandel landen bei jeweils fünf Prozent.
  • Nur wenige Unternehmerinnen gründen aus finanzieller Notwendigkeit (20 Prozent). Die überwiegende Mehrheit (91 Prozent) gründet, um sich selbst zu verwirklichen, um ihre eigene Chefin zu sein (87 Prozent) oder aus sozialer Verantwortung (63 Prozent).

Neue Wirtschaftszweige statt klassischer Branchen

Die Studie brachte zutage, dass Frauen nur noch selten in klassischen Branchen wie Textil und Einzelhandel (jeweils 5 Prozent) gründen, sondern stattdessen zu 53 Prozent Felder wie Konsum- und Unternehmensdienstleistungen besetzen, gefolgt von Informations- und Kommunikationstechnik.

Das Vodafone Insitut hat die Studie zur Situation von Gründerinnen in der Digitalwirtschaft in Deutschland veröffentlicht.

Bild: Vodafone Institut

Das Bild der Unternehmerin: Erst das Geschlecht, dann das Geschäft?

Das Bild einer Unternehmerin wird unter anderem durch das Elternhaus und Ausbildung, aber auch durch die Medien geprägt. So zeigt die Studie, dass sich fast jede zweite Unternehmerin (41 Prozent) mit ihrem Vorhaben nicht ernst genommen fühlt. Fast zwei Drittel (64 Prozent) glauben, dass es Gründerinnen immer noch schwerer haben als ihre männlichen Pendants.

Zu den Herausforderungen zählen die Gründerinnen weniger praktische Hürden wie die Organisation der Kinderbetreuung, sondern subtilere Effekte durch Rollenbilder und Stereotypen.

Kritik an Selbstdarstellung und Wunsch nach Vorbildern

Kritisch sehen die Gründerinnen die Selbstdarstellung vieler Gründer in den eher männlich dominierten Start-up-Netzwerken und sind selbst nicht bereit, sich auf eine als übertrieben empfundene Darstellung der eigenen Erfolge einzulassen.

Auch bei der Finanzierung ihrer Unternehmen setzen die Frauen eher auf den Rückhalt von Freunden und Familie als auf Kredite, Venture Capital oder andere externe Finanzmittel. Einige Gründerinnen bedauerten es allerdings ausdrücklich, dass sich Gründerinnen weniger untereinander unterstützten und es an Vorbildern erfahrener Unternehmerinnen mangele.

Ideen für mehr Gründerinnen in der Digitalwirtschaft

Um mehr Frauen zu Gründungen in der zukunftsträchtigen Digitalwirtschaft zu motivieren, sollten sich laut Aussagen der befragten Gründerinnen folgende Punkte verbessern:

  • Besserer Zugang zu Netzwerken: Zum einen sollten sich Frauen aus der Digitalwirtschaft in speziellen Foren treffen und austauschen und beruflich unterstützen. In (gemischten) Netzwerken sollte auf Diversität und konkrete Einbeziehung von Gründerinnen geachtet werden.
  • Empowerment bei der Selbstvermarktung: Trainings, Workshops und Coachings würden Frauen helfen, ihre Ideen gezielter zu vermarkten.
  • Mehr weibliche Mentoren und Vorbilder
  • Mehr Unternehmertum in der (Schul-)Ausbildung
  • Neuer „Mindset“ auf Seiten der Kapitalgeber
  • Verbesserte Kinderbetreuung
  • Kompetenzerweiterung im Tech-Bereich

F-LANE Accelerator fördert Gründerinnen im Tech-Bereich

Um dem abzuhelfen, hat das Vodafone Institut mit dem F-LANE-Programm den europaweit ersten Accelerator gegründet. Eingeladen sind von Frauen gegründete Start-ups aus der ganzen Welt, sich für das sechs Wochen dauernde Programm zu bewerben. Ziel ist es, die Beteiligung von Frauen an der technologischen Entwicklung zu erhöhen und die Situation von Mädchen und Frauen mithilfe von Technologie zu verbessern.

In den sechs Wochen leben und arbeiten fünf Gründerteams zusammen in Berlin. Der Fokus der Start-ups muss auf Frauen liegen, auch wenn die Teams aus Männern und Frauen bestehen dürfen. Im Accelerator werden die Teams mit einer Starthilfe und dem Kontakt zu Vodafone als Großinvestor oder anderen Kapitalgebern unterstützt. Dazu kommen Beratung und Coaching, Training und die Verknüpfung mit Netzwerken wie der Vodafone Family, dem globalen Impact-Hub-Netzwerk sowie dem Netzwerk der Social Entrepreneurship Akademie.

Der erste Durchlauf startet im Februar 2017, Bewerbungen sind ab sofort über www.f-lane.com möglich.

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