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Digital Twins

So optimieren Sie Prozesse mit digitalen Zwillingen

Digital Twins (auf Deutsch: digitale Zwillinge) sind virtuelle Abbilder physischer Objekte, Prozesse oder Systeme. Sie sind über Echtzeitdaten mit ihrem realen Gegenstück verbunden und helfen Unternehmen, Produkte schneller und günstiger zu entwickeln.

In der Industrie 4.0 sind digitale Zwillinge längst etabliert: Große Firmen wie Airbus, Bosch und Nordex nutzen die Technologie bereits erfolgreich. Welche Möglichkeiten diese Tools bieten, zeigt dieser Beitrag.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste zu Digital Twins in Kürze

  • Digital Twins (digitale Zwillinge) sind virtuelle Abbilder physischer Objekte, Prozesse oder Systeme.
  • Sie tauschen in Echtzeit Informationen mit ihrem realen Gegenstück aus.
  • Anwendungsbereiche reichen von der Automobilindustrie über die Medizin bis zum Städtebau.
  • Plattformen wie Azure Digital Twins und offene Standards wie die Asset Administration Shell unterstützen die Umsetzung.
  • Digital Twins senken Entwicklungskosten, ersparen in einigen Fällen physische Prototypen und verbessern die Wartung durch Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung).
Agrarwirtin arbeitet am Tablet. Im Hintergrund sind Erntemaschinen zu sehen.

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Was sind Digital Twins?

Im Unterschied zu klassischen Fertigungsplänen enthält ein Digital Twin deutlich mehr Informationen. Er kann Eigenschaften des realen Objekts innerhalb seiner Umgebung simulieren.
Digital Twins: Definition

Digital Twins (deutsch: digitale Zwillinge) sind virtuelle Abbilder physischer Objekte, Prozesse oder Systeme. Sie stellen Daten ihres realen Gegenstücks in Echtzeit dar.

Erste praktische Anwendungen von Digital Twins gehen auf die NASA zurück: Nachdem auf der Apollo-13-Mission ein Sauerstofftank im Servicemodul explodiert war, entwickelte man einen Digital Twin des Servicemoduls. Ziel war es, herauszufinden, was die Explosion verursacht hatte – um solche Zwischenfälle künftig zu vermeiden.
Für den Aufbau von Digital Twins hat sich die Asset Administration Shell (AAS) als offener Standard etabliert. Sie beschreibt Objekte einheitlich und herstellerübergreifend. Seit 2023 ist sie auch international genormt, als IEC 63278. International setzt sich zudem das Digital Twin Consortium für einheitliche Begriffe und Architekturen ein.
Die technische Grundlage für Digital Twins liefert häufig das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT), insbesondere in Form des Industrial Internet of Things (IIoT) in der Produktion.

Wie funktioniert ein Digital Twin?

Ein digitaler Zwilling tauscht Daten mit seinem realen Gegenstück aus. Er kann eine komplette Fertigungsreihe mit Millionen Artikeln repräsentieren. Oder er wird für jeden einzelnen Artikel neu erstellt, etwa wenn sich die Ausstattung innerhalb einer Serie stark unterscheidet, wie in der Automobilindustrie.
Bestandteile eines Digital Twin können beispielsweise sein:
  • Baupläne für die Herstellung des Objekts
  • Digitale Modelle, die physische Eigenschaften simulieren
  • Ein virtueller Nachbau der Steuerungslogik und aller Sensoren und Aktoren
  • Informationen zum Fertigungsprozess
  • Erfahrungen und Rückmeldungen aus dem praktischen Einsatz
Daten, die vom realen Objekt zum digitalen Zwilling fließen, werden als Digital Shadow (digitaler Schatten) bezeichnet. Informationen, die umgekehrt vom Zwilling zurück an das physische Objekt gehen, heißen Digital Trigger (digitaler Impuls). So entsteht ein Funktionskreislauf: Das reale Objekt generiert Daten, die in Echtzeit an den digitalen Zwilling gesendet werden. Auf Basis dieser Daten können die Verantwortlichen das Objekt oder System beispielsweise steuern oder Einstellungen anpassen.

Digital-Twin-Typen: Product, Factory und Process Twin

Je nach Anwendungsfall unterscheiden sich Digital Twins in ihrem Fokus:
  • Ein Digital Product Twin bildet ein einzelnes Produkt ab, etwa ein Fahrzeug oder eine Maschine.
  • Ein Digital Factory Twin simuliert eine komplette Fertigungsstätte inklusive des Layouts und des Materialflusses.
  • Ein Digital Process Twin bildet einen Ablauf ab, etwa eine Produktionslinie oder einen Logistikprozess.
Für den Aufbau von Digital Twins unterscheidet man grundsätzlich zwei Herangehensweisen: Technische Konstruktionsmethoden arbeiten auf Basis physikalischer Gesetzmäßigkeiten, etwa anhand von Bauplänen. Datengetriebene Methoden hingegen nutzen künstliche Intelligenz, insbesondere Deep Learning und Machine Learning, um Aufbau und Verhalten des Zwillings aus Daten abzuleiten. Beide Ansätze lassen sich auch kombinieren.

Digital Twins: Beispiele und Anwendungsbereiche

Die Einsatzgebiete für Digital Twins in Unternehmen ziehen sich durch nahezu alle Branchen und Abteilungen:
  • Automobilindustrie: In den digitalen Zwillingen verkaufter Fahrzeuge speichern Hersteller Informationen zu Nutzung und Werkstattaufenthalten. So lässt sich ablesen, wie sich Nutzungsmuster auf die Haltbarkeit einzelner Komponenten auswirken. Die Mercedes-Benz Group etwa stellt ihre digitalen Zwillinge auch Vertragswerkstätten zur Verfügung.
  • Gesundheitswesen und Medizin: Digitale Zwillinge von Patient:innen können zeigen, welche Ernährungs- oder Verhaltensumstellungen den Heilerfolg beeinflussen. Forschende des Weizmann Institute of Science statteten z.B. hunderte Personen mit Blutzuckermessgeräten aus und werteten die Daten mit künstlicher Intelligenz aus. Auch in der Akutmedizin helfen Digital Twins als Weiterentwicklung elektronischer Patientenakten.
  • Produktion und Industrie 4.0: Airbus nutzt Digital Twins für seine Produktionsanlagen, um Fertigungsschritte in Echtzeit zu überwachen. Bei Bosch Rexroth dient eine 3D-Visualisierung als gemeinsame Datenbasis für Ingenieur:innen. Der Windkraftanlagenhersteller Nordex erstellt per IIoT verknüpfte digitale Zwillinge seiner Anlagen, um diese effizienter betreiben und warten zu können.
  • Supply Chain und Einzelhandel: Simulationen ganzer Wertschöpfungsketten helfen dabei, Warenbestände zu optimieren und frühzeitig auf Lieferengpässe zu reagieren. Smart Products speichern zudem Informationen aus ihrem eigenen Herstellungsprozess in ihrem digitalen Zwilling.
  • Städtebau: Stadtplaner:innen erstellen digitale Zwillinge ganzer Stadtteile, um Verkehrsströme zu simulieren oder die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs zu optimieren. Die Stadtverwaltung Eindhoven nutzt digitale Zwillinge bereits für Vorhersagen zu Mobilität, Klima und Energiebedarf.
Wie eine Smart Factory von Digital Twins profitiert und wie Predictive Maintenance konkret funktioniert, zeigen unsere weiterführenden Beiträge.
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Digital Twins, IoT und Digital Thread

Im Internet der Dinge (IoT) hält der digitale Zwilling dauerhaft Kontakt mit seinem physischen Gegenstück. Je mehr Geräte und Maschinen im Unternehmen vernetzt sind, desto größer und exakter ist die Datengrundlage für Entscheidungen auf Basis von Digital Twins.
Der Digital Thread (digitaler Faden) ergänzt den Digital Twin. An diesem virtuellen roten Faden sammeln Sie alle Informationen, die die Herstellungskette betreffen, von der Entwicklung über die Fertigung bis zum Vertrieb. Während sich der Digital Twin über die Eigenschaften eines Objekts definiert, folgt der Digital Thread dessen Informationen wie ein roter Faden über den gesamten Lebenszyklus.
Wie IoT-Plattformen technisch funktionieren und wie Big Data Analytics Entscheidungen auf Datenbasis unterstützen, erklären unsere weiterführenden Beiträge.

Digital-Twin-Software und -Technologien

Für die Erstellung und den Betrieb von Digital Twins existieren heute zahlreiche Software-Plattformen.
Azure IoT und Azure Digital Twins von Microsoft zählen zu den bekannten Cloud-Plattformen für den Aufbau digitaler Zwillinge. Daneben etablieren sich offene Standards wie Eclipse BaSyx, eine quelloffene Referenzimplementierung auf Basis der Asset Administration Shell (AAS).
Künstliche Intelligenz wertet die Daten von Digital Twins aus und erkennt darin Muster für Predictive Maintenance oder Prozessoptimierung. Virtual-Reality-Anwendungen (VR) machen digitale Zwillinge für Entwicklungsteams erlebbar, noch bevor ein Prototyp existiert.
Augmented Reality (AR) blendet Informationen aus dem digitalen Zwilling direkt in die reale Umgebung ein, etwa bei der Wartung. AR-Brillen zeigen Wartungspersonal wichtige Informationen direkt vor den Augen, sodass Techniker:innen stets beide Hände frei haben. Edge Computing verarbeitet die dafür nötigen Daten direkt vor Ort, was die Reaktionszeit verkürzt.
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Vorteile von Digital Twins

Folgende Vorteile von Digital Twins kann Ihr Unternehmen nutzen:
  • Effizientere Entwicklung: Entwicklungsschritte lassen sich parallel am physischen Objekt und am Datenmodell durchführen – je nachdem, was schneller oder günstiger ist.
  • Wegfall physischer Prototypen: Digitale Zwillinge simulieren Produkteigenschaften und sparen so in manchen Fällen den zeit- und kostenintensiven Bau von Prototypen.
  • Predictive Maintenance: Schwachstellen zeigen sich in der Simulation frühzeitig, wodurch sich Wartungsintervalle optimieren und Ausfälle reduzieren lassen.
  • Simulation und Optimierung: Ingenieur:innen testen die Auswirkungen von z.B. Fahrverhalten oder Materialbelastung, bevor der erste Prototyp entsteht.
  • Bessere Entscheidungen über den Lebenszyklus: Erfahrungen aus Nutzung und Kundenfeedback fließen kontinuierlich in die Weiterentwicklung ein.

Unser Fazit: Mit Digital Twins schneller und günstiger entwickeln

Digital Twins verbinden physische Objekte, Prozesse und Systeme mit ihrem virtuellen Abbild. So schaffen sie die Datengrundlage für schnellere und günstigere Entwicklung. Außerdem helfen sie, eine vorausschauende Wartung einzuführen und ein Produkt über seinen ganzen Lebenszyklus hinweg zu begleiten.
Zahlreiche Branchen nutzen die Technologie bereits erfolgreich: von der Automobilindustrie über die Medizin bis zum Städtebau.
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Durch die intelligente Vernetzung von Maschinen und Gegenständen werden unter anderem Produktion und Logistik effizienter gestaltet. So sparen Sie wichtige Ressourcen und erweitern Ihre Geschäftsmodelle.

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Digital Twins: Häufig gestellte Fragen (FAQ)

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