Windows 10 Enterprise und IoT Enterprise im Vergleich

Digitales Business

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Datum 16.11.2018
Lesezeit 7 Min.

Windows 10 Enterprise und IoT Enterprise im Vergleich

Bereits seit dem Jahr 2015 bietet Microsoft neben Windows 10 Enterprise für den Office-Bereich eine IoT-Variante namens Windows 10 IoT Enterprise für Desktops, Kleingeräte und Wearables an. Vor allem für bisherige Linux-Nutzer soll das System eine Alternative sein. Wie unterscheiden sich die angebotenen Versionen und für wen sind sie geeignet?

Mit der Entwicklung von Windows 10 IoT Enterprise geht Microsoft einen weiteren großen Schritt auf Industrieanwender zu, die bislang eher auf das Open-Source-Betriebssystem Linux setzen. Neben einer Desktop-Variante, die im Wesentlichen genau wie ein „normales” Windows 10 funktioniert, jedoch um IoT-Funktionen ergänzt wurde und mehr Sicherheit bietet, gibt es noch Windows 10 IoT Core für Kleingeräte und Windows 10 IoT Mobile Enterprise für Wearables. Neben einer besonders einfachen Installation setzt das System auf hervorragende Anpassbarkeit an verschiedene IoT-Umfelder.

 

Unterschiede & Gemeinsamkeiten der verschiedenen Versionen

Ganz wie die Vorgängerversionen ist Windows 10 im Consumer-, aber auch im Enterprise-Bereich für Büroanwendungen schon seit Jahren etablierter Standard und dominiert dort neben MacOS unangefochten den Markt. Bei eingebetteten Systemen, also Betriebssystemen für Kleingeräte wie Kassensysteme oder Signatur-Pads und Co., ist hingegen das Open-Source-Betriebssystem Linux weiterhin sehr stark verbreitet. Mit Windows 10 IoT Enterprise will Microsoft das ändern.

Betrachtet man Windows 10 Enterprise und seine IoT-Variante für den Desktop (oder Laptop) im direkten Vergleich, fallen zunächst keine großen Unterschiede auf. Es handelt sich bei Windows 10 IoT Enterprise im Grunde um eine vollwertige Windows-10-Version mit allen bekannten Funktionen aus dem Consumer-Bereich. Allerdings fehlen einige sonst vorinstallierte Apps, wie beispielsweise Skype, der Sprachassistent Cortana oder der Edge-Browser. Dafür besitzt IoT Enterprise andere Funktionen, die nicht in der herkömmlichen Windows-10-Variante enthalten sind. Im Unterschied zu Windows 10 Enterprise haben Sie mit Windows 10 IoT Enterprise folgende Möglichkeiten:
Sperren Sie einzelne Laufwerke mit Hilfe der Lockdown-Funktionen gegen unbefugten Zugriff.

  • Versehen Sie das Windows-System beim Hochfahren mit Ihrem eigenen Logo, sodass es für den Kunden wie eine Eigenentwicklung aussieht.
  • Nutzen Sie einen Recovery Stick, um bei einem möglichen Systemabsturz die Funktionalität problemlos wiederherstellen zu können.
  • Loggen Sie automatisch und ohne Passworteingabe einen bestimmten Benutzer ein (praktisch für den Fall, dass das System einmal unerwartet neu startet und Sie nicht anwesend sind).

 

Windows 10 IoT Enterprise als LTSB-Version bietet verlängerte Updatezyklen

Ein großer Vorteil von Windows als kommerziell betriebenem System ist sicherlich die regelmäßige Versorgung mit Updates. In weitgehend autark laufenden Systemen mit IoT-Anschluss können sich Updates jedoch als Problem erweisen: Treten Kompatibilitätsprobleme auf, müssen Updates zurückgenommen werden, oder das System gerät ins Stocken oder läuft vorübergehend nicht mehr. Um dem entgegenzuwirken, stellt Microsoft eine sogenannte LTSB-Version (Long Term Servicing Branch) seines Betriebssystems bereit. Diese erhält nur alle zwei bis drei Jahre neue Versionen, die dafür aber gründlich getestet und mit allen gängigen Peripheriegeräten vollständig kompatibel sind. Reine Sicherheitsupdates und sogenannte „Hotfixes” werden aber trotzdem noch regelmäßig und bei Verfügbarkeit ausgespielt – nur eben nicht Änderungen an der Grundfunktionalität. Für welche Version Sie sich letztlich entscheiden, hängt vor allem davon ab, wie zügig Sie bei Problemen vor Ort sein und eingreifen können.

 

Video: YouTube / Arrow Electronics

 

Windows 10 IoT Enterprise: Unterschiede zu Linux

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen bereits Systeme mit IoT-Anbindung einsetzen, kann ein Wechsel zu Windows IoT Enterprise aus mehreren Gründen sinnvoll sein. Neben der kontinuierlichen Versorgung mit Updates bietet Windows vor allem diese Vorteile:

  • Das System ist einfach zu installieren und läuft auf den meisten Prozessorarchitekturen, ohne dass manuell Treiber installiert oder umfangreiche Anpassungen vorgenommen werden müssen. Auch ältere Prozessoren wie Intel Pentium und Celeron werden unterstützt.
  • Im Falle der Core-Edition werden sowohl Intel- als auch ARM-Architekturen unterstützt und das System ist besonders „schlank” aufgebaut – was wiederum Rechenleistung und Speicherplatz spart.
  • Die grafische Bedienoberfläche ist von Windows 10 Enterprise und seinen Vorgängerversionen bekannt, wodurch lange Einarbeitungszeiten entfallen.
  • Mithilfe einer Testversion können Sie herausfinden, ob das Windows-System für Ihre Anforderungen geeignet ist, bevor Sie sich für einen Kauf entscheiden.

Nichtsdestotrotz wird es auch weiterhin Anwender geben, die lieber auf das Open-Source-System Linux setzen. Schließlich bietet auch dieses System eine Menge Vorteile für IoT-Anwendungen, gerade was die Anpassbarkeit an verschiedene Umgebungen angeht:

  • Zu dem Open-Source-Betriebssystem existiert eine riesige Entwickler-Community, die im Bedarfsfall mit Tipps und vielleicht auch dem einen oder anderen Treiber aushilft. Eine solche Community ist für Windows 10 IoT in seinen Varianten erst in der Entstehung begriffen beziehungsweise im Vergleich noch nicht so groß.
  • Der Quellcode von Linux ist offen einsehbar und Sie können Ihre Installation quasi beliebig selbst verändern und an Ihre Bedürfnisse und die angeschlossene Hardware anpassen. Allerdings ist das nur hilfreich, wenn Sie über die entsprechenden Fachkenntnisse verfügen.

 

Ein Laptop mit Windows 10 IoT Enterprise überwacht eine Industrieanlage

In Industriebetrieben kann Windows 10 IoT Enterprise dabei helfen, die Produktionskette zu überwachen und Probleme rechtzeitig zu erkennen.

Windows 10 IoT Enterprise, Core und Mobile Enterprise: 3 Versionen, 3 Einsatzzwecke

Windows 10 IoT Enterprise verfügt bereits von Haus aus über diverse Sicherheitsmerkmale, die vor allem in der Industrie und im Handel von Bedeutung sind. Schließlich steuert ein entsprechendes System normalerweise Teile der Wertschöpfungskette – sei es zur Überwachung von Maschinensensoren, zur Produktionssteuerung oder als Kassensystem vor Ort im Geschäft. Dementsprechend gibt es besondere Anforderungen an die Sicherheit solcher Systeme. So können Sie bei Windows 10 IoT Enterprise beispielsweise verhindern, dass Ihre Mitarbeiter die eigentliche Bedienoberfläche ausblenden und im Internet surfen oder fremde Software installieren.

Während die normale IoT-Enterprise-Edition von Windows 10 auf jedem beliebigen Rechner läuft, auf dem auch das „normale” Windows 10 laufen würde, findet die Core-Variante des Betriebssystems vor allem in Klein- und Kleinstcomputern ihr Einsatzgebiet. Microsoft hofft hier, wie im Consumer-Bereich auch, gegenüber dem Open Source-Konkurrenten Linux mit einfacherer Wartung und besserem nativem Hardwaresupport zu punkten. Mithilfe des sogenannten ICD („Imaging and Configuration Designer”) können Sie diverse Geräteklassen für industrielle Anwendungen, mobile Geräte und bestimmte Kleingeräte, wie beispielsweise den Raspberry Pi, aufbauen und diese verwalten.

Außerdem unterstützt die Core-Version sogenannte UWP-Apps („Universal Windows Platform”), die Sie beispielsweise mit Microsoft Visual Studio 2017 bauen können. Mithilfe von XAML (“Extensible Application Markup Language”, eine von Microsoft entwickelte Beschreibungssprache für grafische Oberflächen und Workflows) können Sie außerdem Benutzereingaben realisieren und in Ihre Apps die notwendige Logik einbauen.

Windows 10 IoT Core kommt somit vor allem in Hardwareprodukten ohne „klassischen” separaten Bildschirm zum Einsatz und steuert beispielsweise Kleinroboter, Wandthermostaten mit eigenem, spezialisierten Display oder intelligente Zapfanlagen. Auf Wunsch kommt es auch ganz ohne Bedienoberfläche aus. Voraussetzung für die Anwendung in Kleincomputern ist natürlich, dass das Betriebssystem besonders schlank daherkommt und mit geringen Hardwareanforderungen zurechtkommt. Das ist bei der Core-Version der Fall.

Bei Windows 10 IoT Mobile Enterprise wiederum handelt es sich im Grunde um eine Weiterentwicklung von Windows Mobile als Betriebssystem für Smartphones, die jedoch technisch gesehen auf Windows 10 IoT Core basiert. Im Gegensatz zur Core-Version verfügt Windows 10 IoT Mobile ab Werk über eine grafische Benutzeroberfläche, die Sie eventuell von Windows Mobile kennen (das sogenannte „Modern Design” mit Kacheloptik). Das mobile Betriebssystem unterstützt ausschließlich ARM-Architekturen und die genannten UWP-Apps. Sie können es sowohl auf bestimmten ARM-Smartphones als auch auf tragbaren Industriegeräten mit dieser Architektur installieren und verwenden. Auf diese Art können Sie unter anderem mobile POS-Systeme und Mobilgeräte für die industrielle Anwendung herstellen, die dann helfen, Ihre IoT-Infrastruktur zu steuern und zu überwachen.

 

Welche Version ist optimal für meinen Einsatzzweck?

Überlegen Sie zunächst, was Sie vorhaben: Geht es um die Steuerung einer Produktionsanlage, von Peripheriesystemen oder eine POS-Lösung mit großem Bildschirm? Dann dürften Sie mit Windows 10 IoT Enterprise gut bedient sein. Wollen Sie hingegen einen Kleincomputer einsetzen oder eine Robotersteuerung programmieren und weitgehend oder komplett auf die Windows-Bedienoberfläche verzichten, dürfte die Core-Version interessant sein. Die Mobile-Version von Windows 10 IoT Enterprise wiederum ist vor allem für den Einsatz in mobilen Kleinstcomputern wie Armbändern und Wearables, aber auch in Microsoft-Smartphones und tragbaren POS-Systemen konzipiert und bislang noch wenig verbreitet.

 

Zusammenfassung

  • Von Windows 10 Enterprise gibt es mehrere IoT-Versionen für unterschiedliche Einsatzzwecke.
  • Bei Windows 10 IoT Enterprise handelt es sich um eine vollwertige Windows-10-Lizenz, jedoch mit einigen Unterschieden, was die vorinstallierten Apps und die eingebauten Sicherheitsfunktionen angeht.
  • Sie können sich zwischen laufenden und turnusmäßigen Updates (LTSB-Version) entscheiden, um eine größtmögliche Betriebssicherheit zu gewährleisten.
  • Windows 10 IoT Core ist für den Einsatz in Kleincomputern mit geringer Hardwareleistung und wenig bis keiner grafischen Oberfläche gedacht.
  • Windows 10 IoT Mobile dient zum Einsatz in mobilen Kleinstcomputern, tragbaren POS-Systemen und Wearables.
  • Wenn Sie großen Wert auf ein programmierbares Open-Source-Betriebssystem mit etablierter Entwickler-Community legen, sind Sie mit Linux ebenfalls gut beraten – die nötigen Fachkenntnisse vorausgesetzt.

 

Welchen Einsatzzweck können Sie sich für Windows 10 IoT Enterprise vorstellen? Oder setzen Sie lieber auf den Open-Source-Klassiker Linux?

 

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