Barrierefreie Websites erstellen: Worauf es ankommt

Digitales Business

Digitales Business

Datum 21.05.2019
Lesezeit 4 Min.

Barrierefreie Websites erstellen: Worauf es ankommt

Mit dem Begriff der „digitalen Barrierefreiheit” verbinden viele Menschen den Zugang zum Internet für Menschen mit Handicap. Dabei geht es etwa bei der Erstellung von barrierefreien Websites nicht allein um Sehbehinderte, sondern viel mehr um den intuitiven Zugriff auf digitale Inhalte im Web. Dabei spielt eben nicht nur die Inklusion von Menschen beispielsweise mit Sehbehinderungen eine Rolle: Verständliche und leicht nutzbare Angebote sind auch für die Ansprache möglichst breiter Zielgruppen auf allen Geräten wichtig.

Im Zeitalter von „Ubiquituous Communication” oder „Ubiquituous Computing”, also der allgegenwärtigen Verfügbarkeit von digitalen Kommunikationsgeräten, bezieht sich Barrierefreiheit zunehmend auf einfache Zugänglichkeit von Informationen im Internet. Wir zeigen Ihnen, was Sie beim Erstellen von barrierefreien Websites bedenken sollten.

 

Eine barrierefreie Website hat mehr als nur eine Vorlese-Funktion

Wer an Barrierefreiheit denkt, dem fallen vielleicht zunächst besondere Anpassungen für Menschen mit dauerhaften Einschränkungen ein. Doch auch eine daheim vergessene Brille oder ein verstauchtes Handgelenk können das Nutzererlebnis trüben. Denn inzwischen stehen uns fast immer und fast überall digitale Geräte und ein Internetzugang zur Verfügung.

Der ungehinderte – eben barrierefreie – Zugang zu dieser Welt ist im Prinzip für alle Menschen gleichermaßen wichtig. Ob sie nun unter einer dauerhaften Einschränkung leiden, oder temporär in ihren Möglichkeiten begrenzt sind, und egal, auf welchem Gerät der Zugang erfolgen soll. Hauptsache, die Nutzerführung und die Usability stimmen und passen zur aktuellen Situation.

Auch die zunehmende Zahl älterer Anwender macht möglichst einfache Lösungen und barrierefreie Websites erforderlich, wenn Sie als Anbieter von Waren und Dienstleistungen nicht potentielle Kunden ausschliessen wollen. Insgesamt können Sie daher nur davon profitieren, wenn Sie Ihren Internetauftritt barrierefrei gestalten.

Video: YouTube / gugler* brand & digital

Grundsätzlich ist ein barrierefreier Zugang also für alle Nutzer wünschenswert. Dennoch gibt es natürlich verschiedene Gruppen, die von einem solchen Konzept besonders berücksichtigt werden sollten – auch, weil Sie zu einigen Vorkehrungen gesetzlich verpflichtet sein können. Besonders beachten sollten Sie daher die Bedürfnisse von

  • Blinden und Sehbehinderten: Sie können visuelle Inhalte nicht oder schlecht wahrnehmen
  • Gehörlosen und Schwerhörigen: Audio-Inhalte sind für sie nicht nutzbar
  • Motorisch Behinderten: Sie können Eingabegeräte wie Maus oder Tastatur unter Umständen nicht nutzen
  • Menschen mit Lernbehinderung: Komplexe Inhalte oder die Bedienung technischer Geräte können ihnen Schwierigkeiten bereiten
  • Menschen mit Sprachschwierigkeiten: Eingaben und Suchen (vor allem in einer fremden Sprache) können problematisch sein

 

Video: YouTube / Stiftung Bürgermut

 

Wichtige Merkmale von barrierefreien Websites

Bei der Gestaltung Ihres barrierefreien Webangebotes sollten Sie auf einige Punkte achten, um für ein möglichst breites und diverses Publikum erreichbar zu sein.

– Einfache Sprache: Insbesondere Behörden und öffentliche Einrichtungen sind dazu angehalten, ihre Informationsangebote auch in Einfacher oder Leichter Sprache vorzuhalten. Mit Inhalten in Einfacher Sprache werden nicht nur Menschen mit Lernschwierigkeiten eher erreicht; sie sind auch für Menschen geeignet, die gerade erst dabei sind, Deutsch zu lernen.

– Vorlesbarkeit: Wählen Sie ein Content-Management-System (CMS), welches Ihre Inhalte in geeigneter Form zur Verfügung stellt. Pflegen Sie die „Alt-Tags” für alle Seitenelemente, damit beim Vorlesen beispielsweise eingebundene Bilder und Grafiken beschrieben werden können.

– Übersichtliche Struktur und Verständlichkeit: Bereits bei der Konzeption sollten Sie auf eine schlüssige Struktur achten. Halten Sie sich an Gestaltungsregeln, die auch in anderen Medien gelten – verzichten Sie auf “Bleiwüsten”, und lockern Sie längere Texte und Beschreibungen mit erklärenden Bildern oder Videos auf. Vor dem Launch kann ein Usability-Test Aufschluss über Schwachpunkte geben.

– Darstellung auf allen Geräten: Wählen Sie ein CMS, mit dem sich die Inhalte Ihrer Website auf den unterschiedlichen Geräten flüssig darstellen lassen – je nach Einsatzbereich adaptiv oder responsiv.

Die sogenannte Sprachausgabe ist nur ein Beispiel, wie digitale Barrierefreiheit verbessert werden kann – und sie steht als Funktion inzwischen auf fast allen Smartphones, eReadern, Tablets und Computern standardmäßig zur Verfügung.

Es gibt Serviceanbieter, die auf Wunsch die Barrierefreiheit Ihrer Website testen und Schwachstellen aufzeigen.
Allgemeine Informationen zur Gesetzeslage rund um Barrierefreiheit können Sie auf der Website der Bundesfachstelle Barrierefreiheit einsehen. Das Informationsangebot dort ist kostenlos. Die Bundesfachstelle existiert seit 2016 und basiert auf §13 des Behindertengleichstellungsgesetzes.

 

Von Barrierefreiheit profitieren alle Nutzer

Das Thema der digitalen Barrierefreiheit ist also keinesfalls auf Menschen mit Handicaps beschränkt: Wenn Sie Ihre Webseite nach den wichtigsten Kriterien barrierefrei gestalten, ist das für viele Nutzer attraktiv. Damit zahlt sich der Aufwand langfristig natürlich auch für Sie aus, denn mit einer barrierefreien Webseite schließen Sie alle potentiellen Kunden ein.

 

Ist das Webangebot Ihres Unternehmens bereits barrierefrei oder gibt es Nachholbedarf? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen? Wir freuen uns auf eine anregende Diskussion in den Kommentaren.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Facebook Twitter WhatsApp LinkedIn Xing E-Mail