Eine PAM-Einführung ist ein strategisches Projekt, kein rein technisches. Klare Vorbereitung und ein schrittweises Vorgehen sind entscheidend, sowohl für die technische Umsetzung als auch für die Akzeptanz bei den Nutzenden. Die folgenden Schritte helfen Ihnen dabei, strukturiert vorzugehen.
Schritt 1: Bestandsaufnahme aller privilegierten Konten
Bevor Sie PAM einführen, müssen Sie wissen, was Sie schützen wollen. Führen Sie eine vollständige Inventur aller privilegierten Konten durch: lokale Admin-Konten, Domain-Konten, Service-Accounts, Cloud-Identitäten, Notfallkonten. In der Praxis zeigt sich bei diesem Schritt häufig, dass verwaiste Konten existieren, die niemand mehr aktiv verwaltet. Sie stellen ein Sicherheitsrisiko dar, weil niemand die Kontrolle darüber hat.
Schritt 2: Risikobewertung und Priorisierung
Nicht alle privilegierten Konten sind gleich kritisch. Priorisieren Sie: Welche Konten können bei Missbrauch den größten Schaden anrichten? Beginnen Sie mit den kritischsten Systemen: typischerweise Domain-Admins, Backup-Systeme, Produktionsdatenbanken und Cloud-Root-Konten.
Schritt 3: PAM-Lösung auswählen
Wählen Sie eine Lösung, die zu Ihrer Infrastruktur, Ihrem Team und Ihrem Budget passt. Beantworten Sie dazu folgende Fragen:
On-Premises, Cloud oder SaaS – welches Betriebsmodell passt zu Ihrer IT-Strategie?
Unterstützt die Lösung Ihre bestehenden Systeme (Windows, Linux, Cloud-Plattformen, Datenbanken)?
Welche Ressourcen haben Sie für Einführung und laufenden Betrieb?
Welche Compliance-Nachweise muss die Lösung liefern können?
Schritt 4: Credential Vault einrichten und befüllen
Überführen Sie die inventarisierten Konten in den zentralen Vault. Legen Sie Rotationsrichtlinien fest: Wie häufig sollen Passwörter rotieren? Welche Komplexitätsanforderungen gelten? Dieser Schritt dauert je nach Umfang Wochen bis Monate. Planen Sie also ausreichend Zeit ein.
Schritt 5: Session Management aktivieren
Konfigurieren Sie den Session Broker so, dass privilegierte Zugriffe nur noch über das PAM-System laufen. Aktivieren Sie das Session Recording und legen Sie fest, wer auf die Aufzeichnungen zugreifen darf. Stellen Sie sicher, dass Ihre Datenschutzabteilung eingebunden ist; denn Sitzungsaufzeichnungen können personenbezogene Daten enthalten.
Schritt 6: Just-in-Time-Zugriff einführen
Dieser Schritt erfordert oft einen kulturellen Wandel: Administrator:innen, die bisher dauerhaft Admin-Rechte hatten, müssen nun Zugriffe anfordern. Kommunizieren Sie den Mehrwert klar, schulen Sie die Teams und führen Sie JIT-Zugriffe zunächst für ausgewählte Systeme ein, bevor Sie es unternehmensweit ausrollen.
Schritt 7: Monitoring, Auditing und kontinuierliche Verbesserung
PAM ist kein einmaliges Projekt, sondern ein laufender Prozess. Überprüfen Sie regelmäßig die Zugriffsrechte, werten Sie Session-Aufzeichnungen bei Anomalien aus und passen Sie Richtlinien an neue Anforderungen an. Integrieren Sie PAM-Alarme in Ihr bestehendes SIEM-System, um auf verdächtige Muster in Echtzeit reagieren zu können.