Wie intelligente Netze und Scanner helfen können, Fischbestände zu schützen

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Datum 11.12.2020
Lesezeit 3 Min.

Wie intelligente Netze und Scanner helfen können, Fischbestände zu schützen

Von Giovanni Prati, CNN Business

Trondheim, Norwegen (CNN Business) Kommerzielle Fischerei dezimiert das Leben in unseren Meeren. Trawler fangen Fische schneller, als die Bestände sich erholen können. Auch Delfine und Schildkröten werden oft in ihren riesigen Netzen gefangen.

Mehr als ein Drittel der weltweiten Fischbestände waren 2017 bereits als überfischt eingestuft. Am akutesten ist das Problem in Entwicklungsländern. Die Europäische Union hofft, diese Problematik zumindest in den eigenen Gewässern mithilfe von Investitionen in Technologie lösen zu können.

Dazu wird ein Projekt namens SMARTFISH H2020 finanziert. Geleitet wird dieses vom norwegischen Unternehmen SINTEF Ocean, das in Partnerschaften mit Fischereiunternehmen, Technologieanbietern und Universitäten Geräte entwickelt, mit denen die Auswirkungen dieser Branche auf die Meeresfauna verringert werden können.

Eine der von diesem Unternehmen getesteten Innovationen ist eine neue Art von Schleppnetz namens SmartGear. Es gibt Geräusche ab und verwendet LED-Lampen in verschiedenen Farben und mit unterschiedlicher Leuchtkraft, um nur die gewünschten Fischarten ins Netz zu locken. Andere Fische hingegen werden dazu animiert, fortzuschwimmen.

„Wir möchten den Fischern das Leben vereinfachen“, erklärt Rachel Tiller, leitende Forschungswissenschaftlerin bei SINTEF Ocean, im Gespräch mit CNN Business. „Das Problem ist, dass wir keine Daten haben. Wir wissen nicht, wie groß der Fischbestand im Meer ist, und das müssen wir herausfinden.“

SINTEF versucht, diese Informationslücke zu füllen. Zu diesem Zweck werden Laser eingesetzt, um die Fische zu scannen, die an Bord eines Schiffs gezogen werden. Eine andere Technologie, die gerade ausprobiert wird, ist der CatchScanner. Er erstellt eine 3D-Farbabbildung eines Fisches, die mithilfe von KI analysiert wird, um das Gewicht zu schätzen und die Fischart zu identifizieren.

CatchScanner könnte auch bei der Bekämpfung von Regelverstößen helfen. Einige Fischereischiffe fangen mehr Fische, als laut EU-Fangquoten zulässig ist. Zudem werden oft Fische der falschen Größe und Art gefangen. CatchScanner könnte dies verhindern, indem die Technologie Informationen über Fänge automatisch in einer Datenbank erfasst und sie den Behörden zur Verfügung stellt – beispielsweise den nationalen Küstenwachen.

In Europa arbeiten etwa 75.000 Menschen in der Fischereibranche. Die Nachfrage nach Meeresfrüchten steigt, und das Meeresleben ist zunehmendem Druck ausgesetzt. Der Europäische Meeres- und Fischereifonds (EMFF) für den Zeitraum 2014–2020 hat 6,4 Milliarden Euro (7,6 Milliarden US-Dollar) für Projekte wie SMARTFISH H2020 reserviert, um Fischereien zu modernisieren, Fangquoten zu überwachen, Daten zu kommerziell gefischten Arten zu erheben und nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen.

„Unsere Idee ist, die gesamte Lieferkette zu digitalisieren“, erklärt Vivian Loonela, Sprecherin für Maritime Angelegenheiten und Fischerei der Europäischen Kommission. Entwicklungen wie SMARTFISH H2020 könnten dabei helfen, meint sie. „Wir brauchen intelligente Technologien, und wir erschließen das Potenzial von KI und maschinellem Lernen.“

Die Europäische Union kann ihren Mitgliedstaaten die Einführung der SMARTFISH-H2020-Innovationen nicht verbindlich vorschreiben. Ihr Erfolg wird von der Nachfrage im Markt abhängen. Laut Tiller haben jedoch viele Fischereiunternehmen in ganz Europa Interesse gezeigt. „Einige dieser Technologien können nur mit hohem Kostenaufwand an Bord von Fischereischiffen eingesetzt werden“, erklärt sie. „Fischer müssen also die Vorteile erkennen können, um sie an Bord haben zu wollen.“

Fischer Aitor Larrañaga wird das SmartGear-Schleppnetz mit seinem Unternehmen Larrasmendi Bi demnächst vor der spanischen Küste ausprobieren.

Er sieht intelligente Technologie mit Begeisterung. Seiner Meinung nach sind in der Fischereibranche Innovationen erforderlich, um die Nachhaltigkeit zu verbessern. „Die Welt entwickelt sich weiter“, sagt er. „Wir können nicht mehr auf die gleiche Art arbeiten wie vor 200 Jahren.“

 


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