eHealth: Digitale Praxis entlastet Ärzte

Digitale Vorreiter

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Datum 17.10.2019
Lesezeit 5 Min.

eHealth: Digitale Praxis entlastet Ärzte

Eine moderne Arztpraxis kommt nicht an der Digitalisierung vorbei. Digitale Infrastrukturen haben viele Vorteile und werden teilweise auch von den Krankenkassen gewünscht oder sogar gefordert. Bei der Errichtung digitaler Strukturen müssen besonders im Gesundheitswesen einige Punkte berücksichtigt werden. Lesen Sie darüber in unserer Reportage über Dr. Hagar, einem Kieferorthopäden aus Freiburg.


Mit Hilfe konsequenter Digitalisierung können Verwaltungswege und Wartezeiten verkürzt werden. Eine bessere Datenübersicht ist ebenfalls möglich. Für Patienten bedeutet das zudem eine verbesserte Versorgung und effizientere Behandlung. Eine digitale Umstellung des Gesundheitswesens würde langfristig Kosten einsparen. Das ist also nicht nur für einzelne Arztpraxen, sondern auch gesamtwirtschaftlich ein Gewinn.

 

Digitale Kieferorthopädie

Die Praxis von Dr. Ahmad Hagar in Freiburg ist voll digital. Bei ihm beginnt das digitale Erlebnis schon mit dem Erstkontakt. Termine können bei ihm bequem online gebucht werden. Auch der Anamnesebogen wird online ausgefüllt: Die Patienten geben dabei ihre Krankengeschichte und eventuelle Beschwerden an.

So kennt Dr. Hagar die Geschichte des Patienten, noch bevor dieser die Praxis betritt. Er kann sich also gründlich auf jeden Termin vorbereiten. Für ihn bedeutet das mehr Zeit, um auf den Patienten persönlich einzugehen. Denn trotz Digitalisierung steht der Mensch bei Dr. Hagar im Vordergrund. Seine Patienten nenne er deshalb auch gern Gäste.

„Das Zwischenmenschliche ist mir sehr wichtig. Ich möchte, dass jeder Patient sich bei uns wohl fühlt.”

Bei der Online-Anamnese hört die Digitalisierung für den jungen Arzt nicht auf. Zahnspangenhersteller bekommen digitale Datensätze übermittelt, Patientenakten werden digital geführt. Auch das umständliche Verfahren, mit dem klassischerweise Zahnabdrücke genommen werden, gehört in seiner Praxis der Vergangenheit an.

 

Dr. Ahmad Hagar

Dr. Ahmad Hagar lebt die Digitalisierung in seiner kieferorthopädischen Praxis in Freiburg vor.

 

3D-Druck statt Abdruck

Ist der Patient erstmal registriert, geht es im Behandlungszimmer voll digital weiter. In vielen Praxen sind immer noch Gipsabdrücke die Basis der Therapieplanung. Für diese Prozedur müssen Patienten auf eine Masse namens Alginat beißen. Viele finden das unangenehm oder haben sogar mit Würgereflexen zu kämpfen.

5G und medizinische Versorgung: Die Zukunft von eHealth

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In der Praxis von Dr. Hagar gibt es damit keinerlei Schwierigkeiten: Der Kieferorthopäde setzt auf digitale 3D-Modelle, die er mit einem sogenannten Intraoralscanner erstellt. Das geht schnell und ist für den Patienten angenehm und schmerzfrei.

Im Anschluss kann er diese Daten blitzschnell an den Zahnspangenhersteller seines Vertrauens weiterleiten. Der Postweg entfällt, und die Patienten erhalten die Zahnspangen deutlich schneller als beim analogen Prozess. Wird dennoch mal ein haptisches Modell benötigt, greift Dr. Hagar einfach auf den praxiseigenen 3D-Drucker zurück und fertigt es selbst an.

 

Der gute Draht zu den Patienten

Eine voll digitalisierte Praxis bedeutet nicht, dass der Mensch keine Rolle mehr spielt. Als Arzt hat Dr. Hagar schließlich eine große Verantwortung: „Es ist immer noch so, dass die Planung letztlich ein Mensch machen muss. Der Computer weiß nicht, wo sind Knochen, wo sind keine Knochen? Wie sieht das Zahnfleisch aus? Gibt es irgendwelche Befunde im Kiefergelenk? Gibt es allgemeine Erkrankungen?” Für den jungen Arzt ist das ein besonderer Reiz bei seiner Arbeit: „An der Kieferorthopädie macht mir besonders viel Spaß, dass man nicht aufhört zu denken. Dass ich hier körperliche Schwerstarbeit mache, wäre gelogen, aber das Gehirn schaltet sich nie aus.”


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In der digitalisierten Praxis geht vieles schneller und unkomplizierter. Auch die Beziehung zu den Patienten wird durch die Highspeed-Anbindung der Praxis neu definiert. Neben dem Dentalspiegel hat Dr. Hagar auch das Smartphone immer griffbereit. Auf den sozialen Medien ist @doc.hagar sehr aktiv und will so Barrieren zwischen ihm und seinen Patienten abbauen: „Der Patient kennt uns schon durch die Sozialen Medien und hat nicht das Gefühl, er komme zum ersten Mal in die Praxis.”

Das kommt gut an, denn seine Gäste sind überwiegend Teenager, die den Tag selbst zu einem großen Teil online verbringen. Dass es in der Praxis freies WLAN gibt, wird daher dankend angenommen.

Die Arbeit mit Teenagern ist auch einer der Gründe, weshalb Dr. Hagar sich für die Kieferorthopädie entschieden hat: „Die sind so unverbraucht, so ehrlich, meistens gut drauf und haben lustige Sachen zu erzählen. Man bekommt einen coolen Input und geht als reicherer Mensch nach Hause – also vom Horizont her.“

 

Video: YouTube / Unitymedia Business

 

High-Speed-Arzt: Schnelles Internet ist Voraussetzung

Mit der Vernetzung optimiert Dr. Hagar seine Prozesse enorm. Allerdings setzt die Digitalisierung der Praxis auch eine leistungsfähige und stabile Internetverbindung voraus. Dafür hat sich der Digitalfan schnelles Internet per Coax-Glasfaserkabel ins Haus geholt, damit immer genug Bandbreite zur Verfügung steht, um Daten mit Laboren und Zahnspangenherstellern auszutauschen, neue Patienten zu erfassen oder mit ihnen online zu kommunizieren. Die schnelle Verbindung ist auch für zukünftige Entwicklungen nutzbar und ausbaufähig.

 

eGA: Die elektronische Gesundheitsakte

Das zentrale Element von eHealth, also der vernetzten Gesundheitsversorgung, ist die elektronische Gesundheitsakte (eGA) der einzelnen Patienten. Darin werden Informationen wie Befunde, Diagnosen, Therapiemaßnahmen, Behandlungsberichte und Impfungen festgehalten. 

Die eGA soll für Ärzte und Zahnärzte Zeit sparen und effizientere Behandlungen ermöglichen. Die Patienteninformationen sollen dazu zentral abrufbar sein. Die Einwilligung der Patienten ist allerdings unerlässlich. Sie behalten die alleinige Verfügungsgewalt über ihre Daten. 

Voraussetzung ist die elektronische Gesundheitskarte. Diese fungiert schon seit 2015 als Nachweis, um Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch nehmen zu können. Bereits jetzt können auf Wunsch Notfalldaten auf der Karte hinterlegt werden.

eHealth allgemein: Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung

Wie durchsetzungsfähig sind solche vernetzten Praxen in Deutschland wirklich? Dazu beantwortet Julia Hagen vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien e.V. (Bitkom) einige Fragen:

Wie kann Digitalisierung das Gesundheitssystem revolutionieren?

Julia Hagen: „Moderne Technik ermöglicht eine medizinische Versorgung auch dort, wo die Infrastruktur dünn und Ärzte überlastet sind. Katalysator für die Telemedizin kann die digitale Patientenakte sein. Vorhandene Daten können so verstärkt – auch mobil – genutzt werden.”

Werden deutsche Praxen bald alle digital? Was ist der Status Quo unter Ärzten?

Julia Hagen: „Deutschland spielt bereits eine führende Rolle in der medizinischen Forschung und bei der Entwicklung neuer Technologien. Laut einer Umfrage unseres Digitalverbands Bitkom sehen 7 von 10 Ärzten die Digitalisierung als große Chance für die Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig sehen sie jedoch Wirtschaft und Politik in der Pflicht. Allerdings beklagen viele auch die fehlenden Mittel für die Umsetzung, die starke Regulierung des Gesundheitssektors als Hürde sowie Bedenken bei IT-Sicherheit und Datenschutz.”

Was ist die größte Herausforderung bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems?

Julia Hagen: „Der Datenschutz ist ein wichtiger Faktor. 74 Prozent der Bundesbürger möchten selbst darüber bestimmen, welche Ärzte Zugriff auf die digitalen Daten in ihrer E-Akte haben. 60 Prozent geben aber auch an, dass sie damit einverstanden wären, dass behandelnde Ärzte die Daten einsehen und an einen anderen behandelnden Arzt weitergeben.”

 

Die Gespräche mit Dr. Ahmad Hagar und Julia Hagen wurden ursprünglich von Unitymedia geführt. Unitymedia gehört seit 2019 zum Vodafone-Konzern.

 

Wollen auch Sie Ihre Praxis zukunftsfähig machen? Oder wie sehen Sie das Thema eHealth aus der Patientenperspektive? Wir sind gespannt auf Ihre Sichtweisen.

 

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