Digitale Vorreiterinnen Teil 1: Anna Kaiser & Jana Tepe von Tandemploy im Interview

Digitale Vorreiter

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Datum 07.03.2019
Lesezeit 4 Min.

Digitale Vorreiterinnen Teil 1: Anna Kaiser & Jana Tepe von Tandemploy im Interview

Frauen in Führungspositionen sind in deutschen Unternehmen immer noch die Minderheit. Doch: Warum ist das so und was kann dafür getan werden, dass sich das ändert? Wie sieht das in anderen Digitalunternehmen aus? In unserer neuen Serie „Digitale Vorreiterinnen“ werfen wir einen Blick über den Tellerrand und haben verschiedene erfolgreiche Frauen zu ihrem Berufsalltag in innovativen Unternehmen befragt. 

Lesen Sie in der ersten Folge unserer neuen Interviewreihe mehr über Jana Tepe und Anna Kaiser, die Gründerinnen des Start-ups Tandemploy und erfahren Sie, warum die beiden nicht an den Begriff Work-Life-Balance glauben und was sie jungen Frauen zur Karriereplanung raten.

Was ist Ihre aktuelle Position und wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Berufsleben aus?

Wir, Anna und Jana sind die CEOs von Tandemploy, wir teilen uns die Geschäftsführung. Einen typischen Tag gibt es bei uns nicht, jeder Tag bei uns ist anders.

Was begeistert Sie an Ihrer jetzigen Position?

Dass wir viel bewirken können, im eigenen Unternehmen und bei unseren Kunden, denen wir ebenfalls auf ihrem Weg zu „anderer Arbeit“ helfen – mit unserer Tandemploy Software. Unsere Software ist übrigens eine Art „Business-Tinder“: Sie vernetzt Kolleg*innen innerhalb von Unternehmen für verschiedene Themen und (neue) Arbeitsformen, z.B. für Projekte, Peer Learning, Jobrotationen oder Jobsharings, Lunch Dates oder ein Mentoring.

Wie bleiben Sie up-to-date?

Wir führen Diskussionen und geben Impulse rund ums Thema „Neues Arbeiten“ und „Anders wirtschaften“. Zudem sind wir gerne auf Events unterwegs.

Wer inspiriert Sie?

Andere Unternehmer*innen, die sich trauen, Dinge anders zu machen. Außerdem inspirieren uns besonders Menschen, die eine gewisse Portion zivilen Ungehorsam mitbringen und sich trauen, überholte Regeln & Gewohnheiten in Frage zu stellen.

Welche Methoden helfen Ihnen, eine gute Work-Life Balance zu halten? Was hilft Ihnen dabei, mit stressigen Situationen im Arbeitsalltag umzugehen? 

Wir glauben nicht an Work-Life-Balance bzw. mögen den Begriff nicht: Er suggeriert, dass Leben und Arbeit zwei unterschiedliche Dinge sind (und Leben gut und Arbeit schlecht ist). Die Arbeit ist aber Teil des Lebens, Arbeitszeit ist Lebenszeit. Uns geht es darum, dass das Leben insgesamt stimmig ist und dass Berufliches gut vereinbar mit anderen Lebensbereichen, also der Familie, eigenen Projekten oder Ehrenämtern ist. Was uns persönlich hilft: Die Tandempartnerin. So können wir auch mal entspannt nicht da sein, im Urlaub zum Beispiel. Haben beide nicht einmal unsere Mails auf dem Handy und sind auch im Urlaub wirklich offline – die jeweils andere checkt das Postfach in dieser Zeit. Außerdem: Ausgleich schaffen! Yoga, Sport, Reisen, Freunde und Familie. Anna spielt seit neustem Cello, ich surfe …

Jana Tepe: "Mit dem richtigen Team geht alles!"
Anna Kaiser: "Wir haben so viel Wissen über "gute Arbeit" und müssen es nur endlich in die Tat umsetzen."
Beide halten nicht viel von einer 40-Stunden-Woche und profitieren neue Ansätze des Arbeitens (beispielsweise Team-Mosaik).
Anna Kaiser (35) und Jana Tepe (32) sind die CEOs von Tandemploy.

Welche Eigenschaften machen, Ihrer Meinung nach, einen guten Leader aus? 

Ein guter Leader hat eine klare Vision und kann diese kommunizieren, setzt einen Rahmen, aber lässt innerhalb dessen Mitarbeiterinnen maximal Freiheit, den eigenen Weg zu gehen (Helping Hands). Außerdem schaut er zu, dass alle Mitarbeiterinnen die optimalen Rollen ausfüllen, sieht aber auch, wenn irgendwo mehr Power benötigt wird und handelt entsprechend. Ein guter Leader schafft eine wertebasierte Arbeitsumgebung, einen guten Rahmen (idealerweise noch ein schönes Büro) und bleibt in stressigen Zeiten ein Ruhepol. Auch eine gute Fehlerkultur ist uns wichtig: Jeder macht auch mal Fehler, die Kunst ist es, diese zuzugeben und sich selbst zu bessern, daran zu wachsen.

Was macht für Sie einen digitalen Vorreiter aus? 

Ein digitaler Vorreiter sollte sich stets die Frage nach dem „Wozu?“ zu stellen, bevor er/sie des Digitalisierens wegen digitalisiert. Am Ende sollte die Digitalisierung den Menschen dienen, ihr Leben besser machen. Ein digitaler Vorreiter digitalisiert also an den Stellen, an denen tatsächlicher Mehrwert entsteht: für die Menschen, für die Wirtschaft, für die Gesellschaft. Dazu muss man die digitalen Möglichkeiten kennen und verstehen, aber vor allem mit gesundem Menschenverstand handeln.

Warum gibt es nach Ihrer Einschätzung so wenige weibliche Führungspersonen in Deutschland?

Das hat sicher sehr viele Gründe, wir wünschen uns definitiv mehr davon! Dass es immer noch weniger Frauen in Führungspositionen gibt, ist historisch und kulturell bedingt. Erst seit den 70ern dürfen Frauen in Deutschland überhaupt einen Job annehmen und wählen, ohne ihren Mann um Erlaubnis zu fragen. Dazu kommen die männlich dominierten Führungsetagen, in denen Thomasse im Vorstand kleine Thomasse nach sich ziehen (siehe Thomas-Kreislauf). Unternehmenskulturen sind oft sehr männlich geprägt, Strukturen noch sehr unflexibel und nicht besonders lebensfreundlich.

Und wie sieht es bei den Gründerinnen aus?

Es gibt ja grundsätzlich ein ausgewogenes Verhältnis, nur eben bei Start-up/Tech-Gründungen nicht; hier kann ein Grund sein, dass im Bereich IT immer noch mehr Männer studieren. Wir sind allerdings auch keine IT-lerinnen und haben ein Softwareunternehmen gegründet. Geht alles, mit dem richtigen Team, also: nur Mut und #einfachmachen!

Jana Tepe & Anna Kaiser

Jana Tepe & Anna Kaiser

Unternehmen: tandemploy

Position: CEOs

Alter: 32 & 35

Standort: Berlin

Was würden Sie sich in Zukunft wünschen, um mehr Gleichberechtigung zu schaffen?

So vieles! Wir haben so viel Wissen über „gute Arbeit“ und müssen es nur endlich in die Tat umsetzen. Work smarter instead of harder. Wir brauchen maximal flexible Arbeitsmodelle, mehr Kollaboration und gegenseitige Unterstützung unter Kollegen, mehr interdisziplinäre Projekte und einen lebendigen Wissensaustausch (Öffnen von Silos), ein Umdenken in den Führungsriegen, aber auch mehr Mut bei den Mitarbeitern. Neue Strukturen und Arbeitsmodelle ermöglichen Männern UND Frauen ein anderes Arbeiten, denn nur wenn auch Männer flexibilisieren, gewinnt die Gesellschaft insgesamt und wir können Arbeit gerechter verteilen und Familienleben anders organisieren.

Wenn Sie jungen Frauen einen Karriereratschlag geben könnten, wäre das …

#einfachmachen

Zu Chancen erstmal „ja“ sagen – und später überlegen, wie man was angeht und ggf. noch lernt. Wichtig ist, dabei authentisch zu bleiben: Wir brauchen keine „männlichen“ Attribute, um erfolgreich zu sein, sondern einfach Kompetenz, Menschlichkeit, Klarheit, ein selbstsicheres Auftreten, Empathie und gute Kommunikations- und Teamfähigkeiten.


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