Digitale Vorreiterinnen Teil 2: Anja Hendel von Porsche im Interview

Digitale Vorreiter

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Datum 12.04.2019
Lesezeit 4 Min.

Digitale Vorreiterinnen Teil 2: Anja Hendel von Porsche im Interview

Frauen in Führungspositionen sind in deutschen Unternehmen immer noch die Minderheit. Doch: Warum ist das so und was kann dafür getan werden, dass sich das ändert? Wie sieht das in anderen Digitalunternehmen aus? In unserer Serie „Digitale Vorreiterinnen“ werfen wir einen Blick über den Tellerrand und haben verschiedene erfolgreiche Frauen zu ihrem Berufsalltag in innovativen Unternehmen befragt.

Anja Hendel – eine starke weibliche Führungskraft in einer von Männern dominierten Branche. Doch der Anteil an Top-Managerinnen steigt beim Autobauer Porsche kontinuierlich. In der zweiten Folge unserer Interviewreihe verrät Ihnen die Leiterin des Porsche Digital Labs, warum Diversität bei Porsche eine zentrale Rolle spielt und wie Anja Hendel bei jungen Mädchen und Frauen das Interesse an Technologie fördert.

Was ist Ihre aktuelle Position und wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Berufsleben aus?

In dieser spannenden Zeit der Transformation verantworte ich bei Porsche die Bereiche Innovation und Digitale Transformation im Finanzbereich. Darüber hinaus leite ich gemeinsam mit meinem Kollegen Mahdi Manesh die Porsche Digital Labs. Der Schwerpunkt dieser Technologie-Labore liegt auf digitalen Lösungen aus den Feldern der künstlichen Intelligenz, Blockchain und IoT.

Einen typischen Arbeitstag gibt es bei mir nicht. Ich bin viel an unseren Standorten in Zuffenhausen, unserem Hauptsitz, Berlin und Tel Aviv unterwegs, um für unsere Anwendungsfälle die bestmöglichen Teams zusammenzustellen. Typisch ist daran vor allem, dass ich mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun habe und sehr viel online und vor allem auch offline kommuniziere.

Was begeistert Sie an Ihrer jetzigen Position?

Am meisten Freude bereitet mir, dass ich mit vielen tollen Menschen und spannenden Technologien neue Wege gehen darf. Wir kombinieren die klassische deutsche Ingenieurskunst, die unsere Kollegen bei Porsche perfektioniert haben, mit Zukunftstechnologien wie künstlicher Intelligenz oder dem Internet der Dinge. Wir nennen das im Lab auch „Next Level German Engineering“. Neben KI finde ich die Entwicklungen rund um Quanten Computing aktuell hochspannend.

Was inspiriert Sie? Wie bleiben Sie up-to-date?

Mich inspirieren vor allem Menschen mit anderen Blickwinkeln. Ich interessiere mich sehr für Kunst und Musik. Nicht selten gibt mir das eine völlig neue Perspektive auf scheinbar vertraute Dinge.Um up-to-date zu bleiben lese ich sehr viel. Neben den Onlinemedien und Twitter schätze ich auch das gute alte Buch, am liebsten Hardcover.

Welche Methoden helfen Ihnen, eine gute Work-Life Balance zu halten? Was hilft Ihnen dabei, mit stressigen Situationen im Arbeitsalltag umzugehen?

Das Tolle an meiner Arbeit ist, dass ich mich sehr viel mit Dingen beschäftigen kann, die mich inspirieren. So kommt gar nicht erst viel Stress auf. Falls es doch einmal passiert, ziehe ich meine Laufschuhe an, höre einen guten Podcast und lasse den Stress hinter mir zurück.

Welche Eigenschaften machen, Ihrer Meinung nach, einen guten Leader aus?

Wer gut führt, hat ein Gespür für die richtige Zusammenstellung eines Teams. In meinen Augen befruchtet Andersartigkeit Kreativität und Produktivität. Es geht darum, die Menschen im Team zu entwickeln und ihnen Vertrauen zu schenken. Ein guter Leader ist außerdem Vorbild für andere, vor allem für sein Team. Mir persönlich ist auch wichtig, dass ich Vorbild sein kann für Mädchen und junge Frauen. Sie sollen entdecken, dass Technologie für Frauen genauso spannend ist wie für Männer.

Warum gibt es nach Ihrer Einschätzung so wenige weibliche Führungspersonen und Gründerinnen in Deutschland?

Viele verschiedene Faktoren spielen zusammen, dass Deutschland hier hinterherhinkt. Einer davon ist sicherlich unsere Kultur. Ich habe dänische Wurzeln und weiß, dass es in den nordischen Ländern eine Selbstverständlichkeit ist, dass Frauen und Männer gleichberechtig sind – bei der Arbeit und im Haushalt. Dafür braucht es soziale Akzeptanz, aber auch die notwendigen Rahmenbedingungen. In vielen Bereichen wird noch viel zu wenig an Vielfalt gedacht. Ich wünsche mir mehr Mut, einen Blick für gute Ergänzungen und Blickwinkel zu bekommen. So entstehen gleichzeitig Vorbilder, die wir dringend brauchen.

Gleichberechtigung am Arbeitsplatz: Was würden Sie sich in Zukunft wünschen oder was würden Sie sofort ändern, wenn Sie die Möglichkeit hätten?

Wir leben bei uns im Porsche Digital Lab Gleichberechtigung und Vielfalt. Die Hälfte unserer Softwareentwickler und -architekten sind Frauen. Und zwar aus aller Welt. Damit möchte ich mit unserem Team gerne Vorbild sein. Für andere Bereiche, für andere Unternehmen.

Wenn Sie jungen Frauen einen Karriereratschlag geben könnten, wäre das …

Ich hatte oft den Anspruch an mich, Probleme selbst zu lösen und Herausforderungen allein zu meistern. Heute weiß ich: Das macht es nur unnötig schwer. Im allerbesten Fall hat man genau dafür eine Mentorin oder einen Mentor – eine Person in einer ähnlichen Branche, die die Fallstricke kennt und mit Rat und Tat zur Seite steht. Wenn ich die Zeit noch einmal zurückdrehen könnte, hätte ich mir diese Person schon so früh wie möglich gesucht. Nach 20 Jahren als Frau in der Digital-Branche habe ich inzwischen auch so einige Erfahrungen gesammelt, die ich gerne weitergeben will. Das gilt auch für das Thema Scheitern: Natürlich ist es wichtig, aus jedem Fehler zu lernen. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, diese Erkenntnisse nicht für sich zu behalten. Sprich mit anderen darüber, teile deine Erfahrungen, die positiven wie die negativen. So kannst du einen positiveren Umgang mit Erfolgen und Misserfolgen vorleben.

Anja Hendel

Anja Hendel

Unternehmen: Porsche

Position: Leiterin, Technologielabor Porsche Digital Lab

Standort: Berlin

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Tag lang Digitalkönigin von Deutschland. Welchen analogen Prozess würden Sie sofort digitalisieren?

Behördengänge!

Was macht für Sie einen digitalen Vorreiter aus? Was bedeutet Digitalisierung/Digitalkompetenz für Sie?

Für mich bedeutet Digitalkompetenz, mit diversem Blick Lösungen zu bauen, die uns zu einem besseren Leben verhelfen.

Was Sie sonst noch loswerden wollen:

Wir freuen uns über alle, die mit uns die digitale Zukunft der Mobilität gestalten wollen! Wir nennen es auch #NextLevelGermanEngineering!

Neugierig geworden? Mehr Digitale Vorreiterinnen finden Sie auf featured Business. Hinterlassen Sie uns auch gerne einen Kommentar

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