Cloud & Hosting

Anwendungsmigration

IT-Infrastrukturen zukunftssicher transformieren

Die Modernisierung der IT-Landschaft ist für zukunftsorientierte Unternehmen kein optionales Projekt mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit. Eine strukturierte Anwendungsmigration ermöglicht es, gewachsene, jedoch veraltete Systeme kontrolliert abzulösen und geschäftskritische Applikationen in leistungsfähige Cloud-Strukturen zu übertragen. Doch wie gehen Sie dabei am besten vor? Unser Ratgeber klärt auf.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste zu Anwendungsmigration in Kürze

  • Eine erfolgreiche Anwendungsmigration umfasst neben den reinen Daten auch alle Abhängigkeiten, Konfigurationen und Betriebssystem-Ebenen.
  • Die Wahl der passenden Migrationsstrategie (z.B. Rehosting oder Refactoring) bestimmt maßgeblich den Projekterfolg und die künftigen Gesamtkosten für den Betrieb.
  • Ein standardisiertes 5-Phasen-Modell von der Bestandsaufnahme bis zum Betrieb minimiert Ausfallzeiten und sichert die Business Continuity.
  • Eine fundierte Compliance- und Sicherheitsplanung fängt Risiken bezüglich DSGVO, NIS2 und BSI-Vorgaben frühzeitig ab.
  • Managed-Services-Provider begleiten IT-Entscheider:innen bei der Tool-Auswahl und dem dauerhaften Cloud-Betrieb nach der Anwendungsmigration.
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Was ist Anwendungsmigration?

Der Begriff „Anwendungsmigration“ bezeichnet die gezielte Verlagerung von Unternehmensanwendungen aus einer bestehenden Umgebung in eine andere (normalerweise modernere) Zielarchitektur. Das beinhaltet im B2B-Umfeld weit mehr als eine einfache Datenübertragung in ein neues System: Die gesamte Anwendung inklusive ihrer Datenbestände, Netzwerkkonfigurationen, peripheren Abhängigkeiten und spezifischen Systemumgebungen ist zu berücksichtigen.
In der Praxis ist im internationalen Kontext häufig von „Application Migration to Cloud“ die Rede. Denn der Migrationspfad führt heute fast immer von lokalen Serverstrukturen in eine Cloud-Infrastruktur.
Anwendungsmigration: Definition und Abgrenzung
  • Anwendungsmigration: Transferiert ein komplettes Anwendungssystem auf eine neue Zielplattform (Software, Logik, Konfigurationen und Abhängigkeiten).
  • Cloud-Migration: Ein übergeordneter Prozess, bei dem IT-Komponenten, Workloads und Infrastrukturen in eine Cloud-Umgebung überführt werden.
  • Datenmigration: Konzentriert sich ausschließlich auf das Verschieben von reinen Datenbeständen ohne die verarbeitende Applikationslogik (z.B. Datenbanken).
Für einen fundierten Einstieg in moderne Cloud-Infrastrukturen lohnt sich ein Blick in unseren Beitrag zu Cloud-Lösungen für Unternehmen. Oder sind Sie noch unsicher, ob Sie Anwendungen und mehr in die Cloud migrieren sollten? Dann finden Sie wertvolle Entscheidungshilfen in unserem Artikel On-Premises oder Cloud: Zwei Lösungen im Vergleich.

Anwendungsmigration in die Cloud: Vorteile für Unternehmen

Viele IT-Verantwortliche stehen vor der Herausforderung, dass starre On-Premises-Architekturen den steigenden Anforderungen an Skalierbarkeit und Innovationsgeschwindigkeit nicht mehr gewachsen sind. Wenn Sie IT-Anwendungen präzise und geplant in die Cloud überführen, heben Sie erhebliche Effizienzpotenziale und sichern auch langfristig die technologische Resilienz Ihres Unternehmens.
Die Cloud-Anwendungsmigration bietet sowohl für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) als auch für Konzerne messbare Wettbewerbsvorteile. Ein wichtiger Punkt ist die Optimierung der IT-Gesamtkosten (Total Cost of Ownership, TCO) gegenüber starren On-Premises-Architekturen.
Eine strategische Cloud-Migration sichert folgende Kernvorteile:
  • Nahtlose Skalierbarkeit: IT-Ressourcen lassen sich je nach Workload und Anzahl an Nutzer:innen in Echtzeit flexibel hoch- oder herunterskalieren.
  • Präzise Kostenkontrolle: Durch das Pay-per-Use-Prinzip entfallen hohe Vorab-Investitionen, stattdessen haben Sie planbare operative Ausgaben.
  • Höhere Business-Agilität: Neue Software-Features oder Entwicklungsumgebungen sind innerhalb von Minuten statt Wochen einsatzbereit.
  • Fortschrittliche IT-Sicherheit: Führende Cloud-Umgebungen bieten standardmäßig hochmoderne Verschlüsselungen und automatisierte Sicherheits-Patches.
  • Maximale Innovationsfähigkeit: Sie haben direkten Zugriff auf cloudnative Technologien wie künstliche Intelligenz, Big Data Analytics und Serverless-Dienste.
  • Flexibler Remote-Zugriff: Mitarbeiter:innen können ortsunabhängig auf produktive Unternehmensanwendungen zugreifen, die zudem hochverfügbar sind.
Weitere technologische Details zu den einzelnen Cloud-Modellen finden Sie in unseren Fachartikeln zu Public Cloud, Private Cloud sowie zur Hybrid-Cloud, die das Private- und das Public-Modell verbindet.
Das Bild zeigt eine Hand unter einer symbolischen Wolke

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Das 6R-Modell bei der Cloud-Anwendungsmigration

Für eine erfolgreiche Cloud-Transformations-Roadmap (im Englischen: Application Migration to Cloud Strategy) hat sich in der Praxis das sogenannte 6R-Modell etabliert.
Die R-Ansätze im Change Management

Der Begriff „6R-Modell“ leitet sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe für die Migrationsstrategien her. Er wurde im Cloud-Umfeld vor allem von Amazon (AWS) geprägt.

Die Wurzeln des Modells liegen jedoch beim IT-Marktforschungsunternehmen Gartner. Im Jahr 2011 veröffentlichte das Unternehmen (unter der Federführung von Analyst Richard Watson) ursprünglich ein 5R-Modell. Es definiert fünf Migrationspfade: Rehost, Refactor, Revise, Rearchitect und Replace. In der Praxis existieren inzwischen auch Abwandlungen als 4R- oder 7R-Modell. Hier werden einzelne Aspekte zusammengefasst, weggelassen oder hinzugefügt.

Das 6R-Modell trägt dem Umstand Rechnung, dass bei einer Cloud-Migration meist viele unterschiedliche Systeme überführt werden, die jeweils eigene Charakteristika haben.
Deshalb erfordert jede Applikation im Portfolio Ihrer IT-Abteilung je nach technologischem Reifegrad einen individuell angepassten Migrationsansatz.
Rehost (Lift-and-Shift)
1:1-Verschiebung der Anwendung in die Cloud ohne jegliche Code-Änderungen
Gering
Schnelle Migration von herkömmlichen (Legacy-)Systemen aufgrund von Rechenzentrumsschließung
Replatform (Lift-tweak-and-shift)
Optimierung der Kernarchitektur ohne Änderung des Funktions-Codes
Mittel
Datenbank-Plattformwechsel, etwa Nutzung von Managed Databases zur Reduzierung des Administrationsaufwands
Refactor (Re-architecting)
Komplette Neugestaltung der Applikationsarchitektur unter Nutzung nativer Cloud-Features
Hoch
Umwandlung monolithischer Software in agile Microservices
Repurchase (Drop-and-shop)
Ablösung der alten Eigenentwicklung durch ein standardisiertes Cloud-Produkt
Gering bis mittel
Umstellung eines internen CRM-Systems auf eine schlüsselfertige SaaS-Lösung
Retain
Belassen der Applikation in der bestehenden On-Premises-Umgebung aus technischen oder regulatorischen Gründen
Kein Aufwand
Hochgradig spezialisierte Altsysteme, deren Cloud-Umbau unwirtschaftlich wäre
Retire
Vollständige Abschaltung der Anwendung, da die Prozesse nicht mehr benötigt werden oder redundant sind
Gering (nur Archivierung)
Konsolidierung der IT-Landschaft nach Fusionen oder Systemwechseln
Strategie (Originalbegriff)
Kurzbeschreibung auf Deutsch
Technischer Aufwand
Typischer B2B-Einsatzfall

Anwendungsmigration Schritt für Schritt: Die 5 Phasen im Überblick

Die Anwendungsmigration in die Cloud orientiert sich an einem praxiserprobten 5-Phasen-Modell. So vermeiden Sie ungeplante Ausfallzeiten und wahren die Systemintegrität.
  1. Discovery (Bestandsaufnahme): Systematisches Erfassen der bestehenden IT-Infrastruktur, aller Software-Komponenten sowie ihrer komplexen Abhängigkeiten untereinander
  2. Strategie (Bewertung und Zuordnung): Analyse der Cloud-Readiness und Zuordnung jeder einzelnen Anwendung zu einer der zuvor beschriebenen Migrationsstrategien des 6R-Modells
  3. Planung (Architektur & Design): Festlegung der Zielarchitektur, Definition von Meilensteinen, Erstellung von Roll-back-Szenarien und Budgetierung
  4. Migration (Transformation): Die eigentliche technische Überführung der Workloads, gefolgt von intensiven Funktions- und Penetrationstests
  5. Betrieb (Optimierung): Kontinuierliche Überwachung, Performance-Tuning sowie die Etablierung eines professionellen Cloud-Kostenmanagements
In den Phasen 3 und 5 gewinnen finanzielle Aspekte stark an Bedeutung. Erfahren Sie hierzu mehr unter FinOps: Cloud-Kosten im Unternehmen optimieren sowie zur vertraglichen Absicherung in unserem Artikel zu Cloud Service Level Agreements.
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Typische Herausforderungen und Risiken bei der Anwendungsmigration

Jede tiefgreifende IT-Transformation birgt eigene Herausforderungen, die Sie im Rahmen eines proaktiven Risikomanagements lösen sollten. Wer typische Fehler bei der Migration von Anwendungen im Vorfeld kennt, steuert das Projekt sicherer ans Ziel.
  1. Datenverlust und -korruption: Verlorene oder beschädigte Daten sind ein mögliches Risiko im Rahmen einer Migration. Abhilfe schaffen strikte, validierte Back-up-Routinen, bei denen das Vorgehen immer gleich ist und das Back-up nach der Erstellung auf Vollständigkeit und Lesbarkeit überprüft wird. Außerdem sollten transaktionssichere Synchronisations-Tools während des entscheidenden Übernahmeschritts zum Einsatz kommen. Nur so stellen Sie sicher, dass nicht aufgrund eines Fehlers bei der Übernahme-Software Risiken für Ihre Daten entstehen. Zu den sicheren Migrations-Tools zählen die hauseigenen Tools von AWS und Azure, aber auch z.B. Oracle GoldenGate und (im Open-Source-Bereich) Debezium.
  2. Ungeplante Ausfallzeiten: Ein wichtiges Ziel bei der Anwendungsmigration ist es, die (geplanten) Ausfallzeiten so gering wie möglich zu halten. Hinzu kommen mögliche Ausfälle durch nicht funktionierende Zielsysteme und andere Probleme. Mit hybriden Parallelumgebungen (Sie lassen Ihr altes On-Premises-System und das neue Cloud-System eine Zeit lang parallel laufen) oder mit schrittweiser Migration (Sie übertragen nur einzelne Systeme und testen, ob der Übergang reibungslos funktioniert) minimieren Sie das Ausfallrisiko.
  3. Kompatibilitätsprobleme: Legacy-Software läuft oft auf veralteten Betriebssystemen. Umfassende Tests in sogenannten Sandbox-Umgebungen sind vor der eigentlichen Migration Pflicht. Hierdurch stellen Sie sicher, dass alles auch in der (moderneren) Umgebung funktioniert. Die produktive Arbeit findet so lange weiterhin im alten System statt.
  4. Unerwartete Kostenfallen: Fehlende Transparenz führt schnell zu „Cloud-Wildwuchs“. Ohne zentrale Kontrolle fordern IT-Teams in der Cloud eventuell später ungenutzte Ressourcen an – ein teurer „Wildwuchs“ entsteht. Ressourcen-Tags (Metadaten-Etiketten für jede Cloud-Instanz) schaffen hier Abhilfe. Sie ordnen jede aktivierte Leistung konkreten Projekten, Abteilungen oder Kostenstellen zu. So behalten IT-Entscheider:innen die volle Budgettransparenz und vermeiden teure Kostenfallen.
  5. Mangelndes Change Management: Die Transformation scheitert oft am Faktor Mensch. Frühzeitige Schulungen Ihrer IT-Teams für die neuen Cloud-Besonderheiten sind von zentraler Bedeutung.
Besonders im DACH-Raum müssen Sie regulatorische Besonderheiten beachten, etwa DSGVO-Konformität, die neuen NIS2-Richtlinien sowie Branchenvorgaben des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik). Sie müssen zwingend in der Cloud-Architektur verankert werden. Wertvolle Hilfestellungen dazu bietet unser Beitrag zur Cloud Compliance.

Application Migration to Cloud: Tools, Anbieter und Managed Services

Für die technische Durchführung der Anwendungsmigration stellen die großen Cloud-Anbieter spezialisierte Migrations-Frameworks und automatisierte Discovery-Tools bereit:
  • AWS Application Migration Service (AWS Transform MGN): Ermöglicht die hochgradig automatisierte, blockbasierte Replikation (Vervielfältigung) von physischen, virtuellen oder cloudbasierten Quellservern direkt in die AWS-Umgebung. Optimal geeignet für effizientes Rehosting.
  • Azure Migrate: Hierbei handelt es sich um den zentralen Hub von Microsoft für die Erkennung, Bewertung und Migration von Workloads. Das Tool bietet tiefe Einblicke in Abhängigkeiten und liefert präzise Größen- und Kostenschätzungen für virtuelle Maschinen.
  • Google Cloud Migration Center: Dieses einheitliche Framework gewährt datengetriebene Einblicke, um Migrationsaufwände zu schätzen und Anwendungen schrittweise in die Google Cloud zu überführen.
Für viele IT-Abteilungen ist es im Tagesgeschäft unwirtschaftlich, tiefes Spezialwissen für all diese Cloud-Tools aufzubauen. Hier kommen strategische Managed-Services-Partner ins Spiel, die Sie bei der Anwendungsmigration unterstützen. Von der ersten Discovery-Phase, um das geeignete Modell nebst Partner zu finden, über die Architekturberatung bis hin zum dauerhaften Betrieb hochverfügbarer Cloud-Infrastrukturen – erfahrene Cloud-Spezialist:innen entlasten Ihre internen Teams.
Erfahren Sie mehr über moderne Anwendungsarchitekturen in unseren Artikeln zu Microsoft Azure und AWS Lambda sowie in unserem Beitrag über Managed Hosting.
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Unser Fazit: Eine strukturierte Anwendungsmigration spart Kosten und stärkt die Innovationskraft

Eine erfolgreiche Anwendungsmigration ist kein reines IT-Infrastrukturprojekt, sondern ein fundamentaler Hebel für die digitale Business-Transformation. Wer den Wechsel von On-Premises-Systemen zu modernen Cloud-Strukturen strategisch angeht, umgeht typische Risiken, senkt langfristig die Betriebskosten und steigert gleichzeitig die Innovationskraft signifikant.
Unternehmen, die mit Cloud-Spezialist:innen arbeiten und auf automatisierte Tools setzen, reduzieren Schätzungen zufolge ihre Migrationszeiten um bis zu 40 %.
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Anwendungsmigration: Häufig gestellte Fragen (FAQ)

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