Heweliusz: Die wahre Geschichte hinter dem Untergang der polnischen Fähre

Beim Untergang der polnischen Fähre "Jan Heweliusz" vor der Küste Rügens kommen im Jahr 1993 mehr als 50 Menschen ums Leben. Jetzt hat die Netflix-Serie "Heweliusz" die wahre Geschichte hinter dem schweren Schiffsunglück adaptiert.

Eine wahre Geschichte: Der Untergang der Jan Heweliusz

Neben dem Untergang der "Estonia" 1994 mit über 850 Toten ist das Unglück der "Jan Heweliusz" eine der schlimmsten Schiffskatastrophen im Nachkriegs-Europa. Die Fähre sinkt auf dem Weg von Polen nach Schweden in der Nähe der Ostsee-Insel Rügen. 55 Menschen kommen ums Leben, nur neun Passagiere überleben. Das Schiff war in einen schweren Sturm geraten, aber auch menschliches Versagen und marode Technik sind für das Unglück verantwortlich.

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Aus der wahren Geschichte der "Jan Heweliusz" machte Netflix eine aufwendige Serie. Die fünf Episoden von "Heweliusz" zeichnen den Hergang des Geschehens so genau wie möglich nach. Die Macher:innen ziehen dafür unter anderem Zeugenaussagen und Gerichtsdokumente heran.

Aus Rücksicht auf die Angehörigen sind die Charaktere allerdings fiktiv. Die polnische Serie von Regisseur Jan Holoubek läuft seit dem 5. November 2025 auf Netflix.

Die wahre Geschichte der Jan Heweliusz: Das ist ihre geplante Fahrt

Am Abend des 13. Januar 1993 legt die polnische Eisenbahn-Fähre "Jan Heweliusz" in Świnoujście ab (auf Deutsch: Swinemünde). Der Ort liegt auf der polnischen Seite der Ostsee-Insel Usedom. Das 126 Meter lange Schiff macht sich auf den Weg nach Ystad in Schweden. Es soll dort nach einer sieben- bis achtstündigen Fahrt ankommen, also am Morgen des 14. Januar.

An Bord befinden sich insgesamt 64 Menschen: 29 Besatzungsmitglieder und 35 Passagiere. Die meisten sind Lkw-Fahrer aus Schweden, Österreich und Ungarn. Die Fähre transportiert außerdem 28 Lastwagen und zehn Eisenbahnwaggons.

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Alles sieht nach einer Routine-Überfahrt aus. Es herrscht Windstärke 6 bis 7, was einem steifen Wind entspricht. Was die Passagiere nicht wissen: Es gibt eine Orkanwarnung – aber die ignoriert der Kapitän der Fähre, Andrzej Ulasiewicz.

Der Untergang der Jan Heweliusz: Das ist der Ablauf des schweren Unglücks

Plötzlich tobt das Orkantief "Verena" los – mit Windstärke 12. Es peitscht mit Spitzengeschwindigkeiten von 160 Kilometern pro Stunde über das Meer. Die Wellen sind bis zu vier Meter hoch. Die heftigen Bewegungen sorgen dafür, dass sich im Bauch der Fähre einige Waggons und Lastwagen aus ihren Verankerungen lösen. Offenbar sind sie schlecht oder gar nicht gesichert.

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Gegen 2 Uhr nachts bekommt das Schiff Schlagseite. Um 3:32 Uhr meldet die Besatzung, dass es Probleme mit der Ladung gibt. Kapitän Andrzej Ulasiewicz weist die Crew an, Ballastwasser in die Ausgleichstanks zu pumpen. Das soll das Schiff wieder ausbalancieren. Dann neigt sich die Fähre gefährlich auf die andere Seite. Ulasiewicz lässt das Wasser wieder zurückleiten. Aber die Fähre ist bereits so stark zur Seite gekippt, dass eine Stabilisierung zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich ist.

Um 4:35 Uhr hat das Schiff schließlich 30 Grad Schlagseite. Die Crew fordert die Passagiere auf, zu den Rettungsstationen zu kommen. Die meisten werden im Schlaf überrascht. Zwei Minuten später sendet die "Jan Heweliusz" einen Funkspruch mit der Bitte um sofortige Hilfe. Wegen des Sturms ist es nicht möglich, Beiboote ins Wasser zu lassen. Nur wenige Passagiere schaffen es, auf die Rettungsinsel zu springen.

Um 4:45 Uhr folgt der Notruf "Mayday": Die Crew zeigt damit akute Lebensgefahr und eine schwere Notlage an. Die Fähre hat jetzt eine Schlagseite von 70 Grad. Um 5:27 Uhr folgt ein zweiter Notruf. Danach verschwindet die "Jan Heweliusz" von den Radarschirmen.

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Um 5:50 Uhr treibt das Schiff kieloben im Wasser. Gegen 11 Uhr am Vormittag des 14. Januars 1993 sinkt die Fähre dann endgültig, knapp 20 Seemeilen östlich der Jasmund-Halbinsel von Rügen. Damit ist die wahre Geschichte der "Jan Heweliusz" aber noch nicht zu Ende erzählt.

Jan Heweliusz: Kaum Überlebende trotz internationaler Rettungsaktion

Nach den Hilferufen der "Jan Heweliusz"-Besatzung werden sofort Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Dänische und deutsche Rettungshubschrauber fliegen los, Seenotkreuzer und eine Fähre machen sich auf den Weg zur Unglücksstelle.

Auch die Inhaber von Fischkuttern wollen helfen. Sie müssen allerdings wieder umkehren, weil der Sturm immer noch tobt und der Wellengang zu hoch ist. Tagelang sind Retter:innen unterwegs, um nach Überlebenden zu suchen.

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Die Rettungsaktion ist wegen der Wetterbedingungen extrem schwierig. Der Funkverkehr funktioniert nur schlecht, an vielen Orten brechen sogar die Telefonverbindungen ab.

Letztendlich können nur neun Menschen gerettet werden, allesamt Besatzungsmitglieder. Aufgrund der Passagierlisten vermuten die Behörden, dass 55 Menschen in dem eiskalten, nur drei Grad kalten Wasser ums Leben kamen. Zehn Leichen werden nie gefunden.

Später gibt es Spekulationen, über die schwedische Zeitungen und Der Spiegel berichten: Auf der "Jan Heweliusz" sollen häufig Geflüchtete als blinde Passagiere mitgereist sein. Sie haben sich angeblich in plombierten Waggons und Containern versteckt. Einige Lkw-Fahrer wollen bei vorherigen Überfahrten Stimmen gehört haben. Das würde bedeuten, dass die Menschen im Fall eines Unglücks keine Chance gehabt hätten, sich zu befreien.

Starben bei dem Untergang der "Jan Heweliusz" also noch mehr Menschen? Polnische Behörden weisen Gerüchte zurück, dass sich auf der Unglücksfähre Flüchtlinge befanden.

Pannen, Mängel und Versagen: Die Ursachen für den Untergang der Jan Heweliusz 

Wer ist schuld an dem verheerenden Untergang der "Jan Heweliusz"? Ein Seegericht kommt später zu dem Schluss, dass Reederei, Schiffsgesellschaft und das Seeamt Stettin verantwortlich sind – und der Kapitän. Der Mann ließ die Fähre trotz der Warnung vor einem Sturm auslaufen. Augenzeug:innen erzählen später, dass die Fähre schon im Hafen Schlagseite hatte.

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Offenbar hatte die Reederei zudem schwerwiegende Mängel an der "Jan Heweliusz" vertuscht: So kam es wohl immer wieder zu Mängeln und Pannen. Die Fähre war eigentlich nicht seetauglich. Wenige Tage vor dem Unglück wurde zudem eine Ladeklappe beim Anlegemanöver schwer beschädigt und nicht korrekt repariert.

Schon beim ersten Auslaufen der Fähre im Jahr 1977 gab es Probleme, weil eine Maschine einen Schaden hatte. Mehrmals kam es zu Zusammenstößen und Beinahe-Kollisionen mit anderen Schiffen, Kaimauern und Hafenlagen. Einmal kenterte die Fähre sogar und blieb monatelang an der Hafenmauer liegen. Bei einem weiteren Unfall kippten mehrere Laster um; die "Jan Heweliusz" konnte nur mit großer Anstrengung stabilisiert werden. Außerdem war das Schiff nach einem Brand mehrerer Laster beschädigt und musste repariert werden.

Das Wrack der Jan Heweliusz: Die wahre Geschichte dahinter

Das Wrack der "Jan Heweliusz" liegt auf der Backbordseite in der Ostsee, in einer Tiefe zwischen zehn und 25 Metern. Es befindet sich in der deutschen Wirtschaftszone und ist inzwischen vollkommen mit Miesmuscheln bewachsen.

Im Jahr 1995 beschließen die Regierungen von Polen und Deutschland, die Überreste der Fähre nicht zu bergen. Das Wrack gilt als Grabstätte und die Totenruhe soll gewahrt werden. An Bord werden immer noch viele Leichen vermutet. Zudem wäre die Bergung sehr aufwendig, teuer und gefährlich. Eine Leuchttonne markiert die Stelle, an der es liegt – das soll Schiffe in der viel befahrenen Gegend warnen.

Teile des Decks sind stark einsturzgefährdet, immer wieder stürzen rostige Teile ab. Das Wrack ist immer wieder das Ziel von Taucher:innen. Doch die Ausflüge zum Rumpf sind lebensgefährlich: Mehrere Menschen sind bislang bei Tauchexkursionen zur "Jan Heweliusz" ums Leben gekommen.

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