- Die wahre Geschichte hinter Geiselnahme live: Der Fall Eloá Pimentel – das Besondere an dem Fall
- Der Fall Eloá Pimentel: Wie kommt es zu der Geiselnahme?
- Das unverantwortliche Verhalten der Medien im Fall Eloá Pimentel
- Das Versagen der Polizei im Fall Eloá Pimentel – und das Ende der Geiselnahme
- Eloá Pimentel: Die wahre Geschichte und der unglaubliche Twist um ihren Vater
Die wahre Geschichte hinter "Geiselnahme live: Der Fall Eloá Pimentel": Die 15-jährige Eloá wird 2008 von ihrem Ex-Freund entführt, vier Tage gefangen gehalten und dann ermordet. Millionen Brasilianer:innen sehen dem Kidnapping live im Fernsehen zu – Polizei und Medien versagen.
Die wahre Geschichte hinter Geiselnahme live: Der Fall Eloá Pimentel – das Besondere an dem Fall
Zwei Geiseln, ein Entführer und zahlreiche Fehler von Polizei und Medien: Der Fall Eloá Cristina Pimentel gilt als eines der erschütterndsten Geiseldramen Brasiliens – mit mehreren Besonderheiten. Bis heute handelt es sich um die längste Entführung mit tödlichem Ausgang in Brasilien. Der Täter hielt seine Ex-Freundin Eloá Pimentel und deren Freundin über 100 Stunden in einer Wohnung fest, also mehr als vier Tage. Das Medienspektakel ist riesig: Das Kidnapping-Drama wird stundenlang live im Fernsehen übertragen. Reporter:innen interviewen Entführer und Opfer und verhindern, dass die Behörden ihre Arbeit machen können.
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Hinzu kommen eklatante Fehler der Polizei. Die Beamt:innen sprechen stundenlang mit dem Geiselnehmer, kommen aber zu keinem Ergebnis. Obwohl die 15-jährige Nayara freikommt, wird sie zurückgeschickt und erneut gekidnappt. Die versuchte Befreiung erfolgt zu spät, ist schlecht koordiniert – und Eloá stirbt.
Der Netflix-Film "Geiselnahme live: Der Fall Eloá Pimentel" erzählt die wahre Geschichte der Entführung und Ermordung des jungen Mädchens. Er ist ab 12. November zu sehen. Die True-Crime-Doku des brasilianischen Regisseurs Cris Ghattas rekonstruiert das Geschehen. Angehörige, Ermittler:innen und Augenzeugen erzählen ihre Sicht der Dinge. Außerdem zeigt der Film Tagebuchauszüge von Eloá.
Der Fall Eloá Pimentel: Wie kommt es zu der Geiselnahme?
Es ist Montag, der 13. Oktober 2008 in der brasilianischen Großstadt São Paulo. Die 15-jährige Eloá Pimentel kommt gerade von der Schule nach Hause. Sie gilt als freundliches, intelligentes und lebensfrohes Mädchen. Bei ihr sind ihre beste Freundin Nayara da Silva und zwei männliche Schulkameraden. Sie wollen gemeinsam an einem Schulprojekt arbeiten. Die Wohnung haben sie für sich: Eloás Eltern sind bei der Arbeit, ihr Bruder noch in der Schule.
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Doch dann hören sie seltsame Geräusche auf dem Flur. Jemand bricht in die Wohnung ein: Lindemberg Fernandes Alves. Die Geiselnahme beginnt – er richtet eine Pistole auf Eloá Pimentel. Der 22-Jährige ist ihr Ex-Freund. Kurz vorher hatte sie die Beziehung beendet. Die beiden waren zweieinhalb Jahre lang ein Paar, obwohl er deutlich älter ist als sie. In der Gegend hat er den Ruf, aufbrausend und gewalttätig zu sein.
Alves hat nicht damit gerechnet, dass Eloás Freund:innen auch da sind. Eigentlich wollte er seine Ex-Freundin und sich selbst töten. Erst als der Vater einige Stunden später heimkommt, wird klar, was vorgefallen ist.
Das unverantwortliche Verhalten der Medien im Fall Eloá Pimentel
Eine Spezialeinheit der Polizei beginnt Verhandlungen mit dem unberechenbaren Verbrecher. Zwar lässt er die beiden Jungen frei, doch Eloá und Nayara hält er weiter als Geiseln gefangen. Zudem hat er häufig Wutausbrüche und ändert seine Meinung ständig.
Am nächsten Morgen berichten die ersten TV-Reporter:innen. Dadurch werden andere Medien aufmerksam, sie schicken ebenfalls Journalist:innen zum Tatort. Millionen Menschen schauen sich die Berichte an – auch Alves. Sein Verhalten wird noch sprunghafter. Er zwingt Eloá Pimentel während der Geiselnahme, den Daumen aus dem Fenster in Richtung der Kameras zu heben. Dann geht er zu einem anderen Fenster und beginnt, wahllos Schüsse auf die Straße abzugeben.
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Der Täter sonnt sich in der Aufmerksamkeit und hat immer weniger Lust, mit der Polizei zu verhandeln. Am Mittwoch lässt er Naraya gehen. Im Gegenzug sollen die Behörden den Strom wieder einschalten, den sie als Druckmittel abgestellt haben.
Dann ruft ein Reporter mitten in der Krise in der Wohnung an – ohne Wissen der Polizei und Eloás Familie. Der für solche Situationen untrainierte Mann interviewt Alves mehrere Minuten und spricht auch mit dem weinenden Opfer. Diese Jagd nach Einschaltquoten gefährdet Menschenleben: Das Interview schmeichelt dem Ego des um Aufmerksamkeit buhlenden Täters.
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Immer öfter zeigt er sich am Fenster, mit Eloá als Schutzschild vor sich. In einem weiteren Interview versucht die Reporterin sogar, mit dem Täter zu verhandeln, obwohl sie dafür nicht ausgebildet ist – was mit der Polizeiarbeit kollidiert. Ein Experte erklärt voller Überzeugung live im TV, dass Alves sich in einer "Phase" befinde, er und die "leidenschaftliche" Eloá würden am Ende heiraten.
Reporter:innen belauschten Gespräche zwischen Polizist:innen vor Ort, die diskutieren, wie sie Eloá befreien können. Die TV-Sender verbreiten diese geheimen Informationen – und Alves hört zu. Dank der Dauerberichterstattung sieht er auf dem Fernsehgerät genau, was die Spezialeinheit vor dem Haus macht.
Das Versagen der Polizei im Fall Eloá Pimentel – und das Ende der Geiselnahme
Am Donnerstagmorgen fordern Polizist:innen die traumatisierte und gerade freigelassene Nayara auf, zurück zum Haus zu kommen. Alves will mit ihr sprechen und dann zusammen mit den beiden Mädchen herauskommen. Er verlangt, dass keine Polizist:innen im Haus sind. Die Spezialeinheit stimmt zu und schickt die 15-Jährige ganz allein ins Haus. Doch Alves zieht sie in die Wohnung, sie befindet sich erneut in seiner Gewalt.
Schließlich greift die Spezialeinheit zu – nach 100 Stunden. Sie sprengt die Tür auf, es sind vier Schüsse zu hören. Dann stolpert Nayara blutend aus der Wohnung: Alves hat ihr ins Gesicht geschossen. Aber sie überlebt schwer verletzt. Die Polizei überwältigt den Verbrecher.
Eloá Pimentel wird ins Krankenhaus gebracht, sie fällt in ein Koma. Der Kidnapper hat sie an Unterleib und Kopf getroffen. Fünf Tage später wird sie für hirntot erklärt, die Maschinen werden ausgeschaltet.
Damit ist die wahre Geschichte hinter "Geiselnahme live: Der Fall Eloá Pimentel" noch nicht zu Ende. Medien und Polizei werden heftig kritisiert. Warum hat die Spezialeinheit nicht früher zugegriffen oder Scharfschützen eingesetzt? Warum dauerte es mindestens sieben Sekunden zwischen der Sprengung der Tür und der Stürmung der Wohnung? Die Verzögerung gab Alves Zeit, die Mädchen zu attackieren.
Bei der Rekonstruktion des Falls reagiert die Spezialeinheit zu allem Überfluss mit Lügen. Die Polizei behauptet, dass sie die Wohnung nur gestürmt habe, weil von drinnen ein Schuss zu hören war. Doch das stimmt nicht. Denn Alves schießt erst, als die Tür gesprengt wird.
Der Täter wird später zu einer Haftstrafe von 98 Jahren verurteilt. Die brasilianische Gesetzgebung begrenzt die Strafzeit jedoch auf dreißig Jahr.
Eloá Pimentel: Die wahre Geschichte und der unglaubliche Twist um ihren Vater
Der tragische Fall Eloá Pimentel hat noch eine weitere, überraschende Wendung. Eloás Vater Everaldo Pereira dos Santos ist während der Geiselnahme seiner Tochter im Fernsehen zu sehen. Er liegt auf einer Trage und wird medizinisch behandelt, weil er zusammengebrochen ist. Doch ein Ermittler erkennt sein Gesicht: Es handelt sich um einen Mann, der zwei Menschen umgebracht und einer korrupten Polizeieinheit angehört haben soll.
Damals ist ihm die Flucht gelungen, er wurde jedoch in Abwesenheit schuldig gesprochen und zu 33 Jahren Gefängnis verurteilt. Er lebt 15 Jahre unter falschem Namen in São Paulo und gründet eine Familie. Seine Frau und seine Kinder haben keine Ahnung, wer er wirklich ist.
Nach dem Tod seiner Tochter flieht er erneut. Durch die TV-Aufnahmen werden die Ermittler:innen auf ihn aufmerksam und heften sich erneut an seine Fersen. Im Dezember 2009 wird der Mann verhaftet und sitzt bis 2014 im geschlossenen Vollzug. Ab 2014 wird ihm offener Strafvollzug gewährt.
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