Beauty and the Bester: Die wahre Geschichte der True-Crime-Doku auf Netflix

Ein Mörder täuscht seinen Tod vor, um aus dem Gefängnis zu entkommen – und eine renommierte Ärztin hilft ihm dabei. Anschließend leben die beiden ein Jahr lang in Saus und Braus. Wir erzählen die wahre Geschichte hinter "Beauty and the Bester".

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Netflix-Dokuserie "Beauty and the Bester" erzählt die wahre Geschichte eines unglaublichen Gefängnisausbruchs.
  • Ein zu lebenslänglicher Haft verurteilter Südafrikaner täuscht seinen Tod vor. 
  • Eine Leiche und ein Feuer in seiner Zelle sollen den Anschein erwecken, er sei umgekommen.
  • Der Mann hat mehrere Helfer:innen, darunter seine Freundin, eine Promi-Ärztin.

Beauty and the Bester: Die Netflix-Serie zu einem aufsehenerregenden Fall

Die True-Crime-Serie "Beauty and the Bester" auf Netflix erzählt die wahre Geschichte eines außergewöhnlichen Kriminalfalls. Der Name spielt auf den englischen Titel des Märchens "Die Schöne und das Biest" an, also "The Beauty and the Beast". Wie konnte der verurteilte Mörder Thabo Bester aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Südafrika fliehen und fast ein Jahr lang untertauchen? Und wieso half die angesehene Ärztin Dr. Nandipha Magudumana dem Verbrecher?

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Die drei Folgen der Doku zeigen Interviews mit Freund:innen, Expert:innen und Familienmitgliedern, darunter Magudumanas Vater. Zudem siehst Du Aufnahmen aus dem Gericht sowie Ermittlungsdokumente.

Bester und Magudumana haben versucht, die Veröffentlichung der Serie juristisch zu stoppen. Sie behaupten, die Doku verleumde sie und verletze ihr Recht auf Privatsphäre. Netflix zeigt die Episoden wie geplant ab dem 12. September 2025.

Die wahre Geschichte hinter "Beauty and the Bester": Wer ist Thabo Bester?

Thabo Bester gilt als einer der berüchtigtsten Verbrecher der südafrikanischen Kriminalgeschichte. Der Mann ist ein verurteilter Mörder, Serienvergewaltiger und Hochstapler, der mit seiner spektakulären Flucht aus dem Gefängnis Schlagzeilen macht.

Geboren wird Bester 1986 in Johannesburg. Nach eigener Aussage wächst er in schwierigen Verhältnissen auf. Schon als Teenager fällt er durch kriminelle Machenschaften und Betrügereien auf. Mit 19 Jahren sitzt er wegen Betrugs zwei Jahre im Gefängnis.

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Als er wieder auf freiem Fuß ist, vergewaltigt er zwei Frauen. Sein skrupelloses Vorgehen beschert ihm den Namen "Facebook-Vergewaltiger": Über Social Media ködert er junge Frauen mit angeblichen Jobangeboten. Später ermordet er seine Freundin, das Model Nomfundo Tyhulu. 2011 bekennt Bester sich schuldig, die Vergewaltigungen begangen zu haben – 2012 gesteht er auch den Mord. Er wird zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Der Verbrecher sitzt im Mangaung Correctional Centre ein, einem privaten Hochsicherheitsgefängnis in Bloemfontein in der südafrikanischen Provinz Free State. Sogar dort setzt er seine Betrügereien fort: Er betreibt eine Medien- und Event-Firma, angeblich eine Tochterfirma des Unterhaltungsriesen 21st Century Fox. Einmal hält er sogar mithilfe seines Laptops und via Internet eine Rede auf einer Konferenz. Den Teilnehmer:innen erzählt er, dass er sich in den USA befinde.

"Beauty and the Bester": Der vorgetäuschte Tod eines Verbrechers

Dank einer Kombination aus Täuschung, Hilfe von außen und erschreckenden Lücken im Sicherheitssystem des Gefängnisses schafft es Thabo Bester im Mai 2022, aus dem Hochsicherheitsknast zu entkommen. Dahinter steckt ein ausgeklügelter Plan: Zuerst bricht ein Feuer in seiner Zelle aus. Dann finden die Behörden dort eine Leiche, die bis zur Unkenntlichkeit verbrannt ist. Der Insasse wird für tot erklärt. Das Justizministerium gibt Besters Tod am selben Tag öffentlich bekannt. Demnach soll er Selbstmord begangen haben. Aber in Wahrheit ist es gar nicht der Mörder und Vergewaltiger, der in der Zelle ums Leben kam.

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Schon bald gibt es Zweifel an der offiziellen Geschichte. Im Oktober 2022 veröffentlicht die südafrikanische Investigativjournalistin Marecia Damons einen Artikel zu Besters Tod. Darin geht es vor allem um die Untersuchung nach dem Brand. Anfang 2023 zitiert sie in einem weiteren Text aus dem Obduktionsbericht zu der Leiche, die in der Zelle gefunden wurde. Demnach sei die Person schon vor dem Ausbruch des Feuers nicht mehr am Leben gewesen.

In mehreren weiteren Artikeln enthüllt die Reporterin, dass die Polizei wegen Mordes ermittelt und Bester seinen Tod vorgetäuscht hat. Damons erwähnt auch erstmals die Promi-Ärztin Dr. Nandipha Magudumana. Die Frau, die für Schönheitsbehandlungen bekannt ist, soll sich vor Gericht als Besters Frau ausgegeben haben. Dort fordert sie, dass die Leiche aus der Zelle freigegeben und an sie übergeben wird. Im März 2023 erscheinen sogar Fotos, die das Paar beim Shoppen zeigen.

Erst eine Woche nach dem Erscheinen der Fotos geben die Behörden zu, dass Thabo Bester in Wahrheit aus dem Gefängnis entkommen und nicht tot ist – also fast ein Jahr nach seiner Flucht.

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Bester kann nur aus dem Knast entkommen, weil er mehrere Helfer:innen hat. Zu ihnen gehören Dr. Nandipha Magudumana, ihr Vater, Mitarbeiter:innen des Gefängnisses und sogar hochrangige Beamt:innen von Behörden. Offenbar läuft das Täuschungsmanöver in mehreren Schritten ab. Zuerst bringen die Helfer:innen mit einem Auto einen Leichnam ins Gefängnisgebäude. Sie müssen sich nicht einmal ausweisen. Dann schaffen sie den Toten in Besters Zelle und legen ein Feuer. Die Überwachungskameras sind ausgeschaltet.

Angeblich verlässt Bester das Gefängnisgelände anschließend zu Fuß: Er spaziert schlicht und einfach hinaus.

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Nach seiner Flucht aus dem Gefängnis lebt Bester ungestört in einer Luxusvilla in einem noblen Stadtteil von Johannesburg – zusammen mit Nandipha Magudumana. Er verwendet ein Pseudonym, TK Nkwana. Nach kurzer Zeit beginnt der Mann wieder mit seinen Betrügereien: Mit seiner Freundin betreibt er eine Fake-Immobilienfirma. Die beiden überzeugen mehrere Opfer, Anzahlungen für Bauprojekte zu leisten, die jedoch nie fertiggestellt werden. Als der Schwindel im März 2023 auffliegt, setzen sich Bester und Magudumana offenbar nach Tansania ab.

Am 8. April 2023 nimmt die Polizei das Paar in der dortigen Großstadt Arusha fest. Sie werden abgeschoben und treffen einige Tage später in Südafrika ein. Seitdem sitzen die beiden in verschiedenen Institutionen in Haft. Bester wartet auf seinen Prozess, der im November 2025 starten soll. Die Verhandlung wurde allerdings bereits mehrfach verschoben. Die Anklagepunkte sind unter anderem: Betrug und Korruption, Schändung einer Leiche und Strafvereitelung.

Auch Magudumana muss sich vor Gericht verantworten. Sie versuchte zwar, juristisch gegen ihre Abschiebung vorzugehen, allerdings vergeblich. Offenbar gibt es 38 Anklagepunkte gegen sie, darunter Beihilfe zur Flucht, Brandstiftung und Schändung einer Leiche. Ihre Lizenz als Ärztin hat sie verloren.

Acht Helfer:innen sind in Zusammenhang mit Thabo Besters Flucht aus dem Gefängnis angeklagt. Mindestens drei Beamt:innen verschiedener Behörden sind entlassen worden.

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