Logistik der Zukunft: Vom vernetzten Lager zum automatisierten Einkauf

Digitaler Ausblick

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Datum 20.07.2017
Lesezeit 3 Min.

Logistik der Zukunft: Vom vernetzten Lager zum automatisierten Einkauf

Halbautonome Roboter und lernende Maschinen, ein eigenes 4G-Netz und innovatives Rechenzentrum: so könnte das Lagerhaus für einen vollautomatisierten Supermarkt aussehen. Der britische Online-Händler Ocado möchte die Zukunft des digitalen Einkaufs schon jetzt einläuten und mit seinem wegweisenden Service-Modell nach Europa expandieren.

Für den wöchentlichen Einkauf führt der Weg längst nicht mehr zwangsläufig in den Supermarkt: Fast jeder zweite Deutsche zeigt sich laut einer aktuellen Studie offen für die Lebensmittelbeschaffung über das Internet. Während das E-Food-Geschäft hierzulande bislang aber noch nicht der ganz große Wurf ist, hat er sich in Großbritannien bereits als ernst zu nehmender Markt etabliert. Seit der Jahrtausendwende setzt der Serviceanbieter Ocado eigene Maßstäbe für den E-Commerce – und die fangen in vollautomatisierten Lagerhäusern an.

Fleißige Roboter mit sanften Händen

In karger Umgebung transportieren schweigsame Roboter und Förderbänder Waren durch die Lagerhalle. Jedes der rund 48.000 Produkte aus dem Sortiment des Online-Supermarktes hat seinen Platz, jeder Container seinen Barcode und jede Maschine ihren Befehl. Selbst das Zusammenpacken der Einkaufskörbe möchte das Unternehmen künftig vollständig flexiblen Roboterhänden überlassen: Sie sollen von der Birne bis zur Wurst Produkte jeder Form, Größe und Konsistenz ohne Beschädigungen für den Versand vorbereiten. Noch übernehmen Menschen das sogenannte Picking – wirken in diesem scheinbar magischen Zusammenspiel der Maschinen und Fließbänder aber schon jetzt wie Exoten. Und auch im Unsichtbaren überlässt der E-Food-Pionier das Lebensmittelmanagement durchweg außergewöhnlicher Technik.

Breit vernetzt statt hoch gestapelt

Die guten alten Hochregale, die beispielsweise Ikea zur Selbstabholung nutzt, haben bei Ocado ausgedient. Damit sich die halbautonomen Roboter nicht gegenseitig im Weg stehen, fahren sie unermüdlich ein Gittersystem in der Größe von mehreren tausend Quadratmetern ab. Kommuniziert wird über ein eigens entwickeltes 4G-Netz, das enormen Anforderungen gewachsen sein muss: Für die geringen Latenzzeiten und vor allem Menge der vernetzten Clients, die sich dazu auch noch ständig bewegen, brauchte es einige Spezialanpassungen.

Ein Mesh verbindet mehr als tausend Fließbänder

Von den Rechnern an den Einpackstationen bis hin zu den Anzeigegeräten sind alle technischen Komponenten der Lagerhalle in einem Kubermesh vernetzt, dessen eigens entwickeltes Tool Ocado als Open-Source-Software bereitstellt. Der offensichtlichste Vorteil dieser Cluster-Strategie liegt in der hohen Ausfallsicherheit: Selbst wenn eine Komponente lahmliegt, bleibt das System online und voll funktionsfähig. Das Ganze ist ein Puzzle aus hunderten Algorithmen und vernetzten Maschinen, die bis zu 8000 Container gleichzeitig über die kilometerlangen Bänder bewegen. Ohne Big Data, Cloud-Systeme, Sensoren und künstliche Intelligenz geht in diesem hochkomplexen Organisationskosmos nichts.

Seine Logistik-Software nutzt Ocado jedoch nicht nur für das eigene Geschäft, sondern bietet sie mit der Ocado Smart Platform auch als Dienstleistung für andere Supermärkte an – und möchte mit eben dieser nun auch die Lagerhäuser des europäischen Lebensmittelhandels fit für die Zukunft machen.

Die Dimension, in der Ocado seine Verteilzentren vernetzt, ließe sich sicherlich nicht von heute auf morgen adaptieren, könnte aber Vorbildcharakter haben und auch hierzulande den E-Commerce ankurbeln. Denn dass das Internet of Things über die Fertigungsindustrie hinaus für zahlreiche Geschäftsprozesse enormes Optimierungspotenzial birgt, zeigen bereits zahlreiche Unternehmensbeispiele.

Kann ein hochvernetztes Lagerhaus dem E-Food-Markt zum Durchbruch verhelfen? Welche Herausforderungen haben Sie in der Logisitik? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

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