Autonomes Fahren 2019: Marktüberblick und aktuelle Trends

Digitale Vorreiter

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Datum 13.08.2019
Lesezeit 7 Min.

Autonomes Fahren 2019: Marktüberblick und aktuelle Trends

Vollständig selbst fahrende Autos, weniger Risiken im Straßenverkehr und eine besonders effiziente und umweltschonende Mobilität: Autonomes Fahren rückt in greifbare Nähe. Immer schnellere Computer, Big-Data-Analyseverfahren und 5G-Vernetzung schaffen die Voraussetzungen für den nächsten Entwicklungsschritt in Sachen zukünftiger Auto-Mobilität. Wir haben für Sie einen Marktüberblick zum Thema autonomes Fahren zusammengestellt.

Bereits auf dem Mobile World Congress (MWC) 2019 hat Vodafone Neuigkeiten im Bereich vernetzten Fahrens angekündigt: Gemeinsam mit dem Reifenhersteller Continental arbeiten die Innovationspartner an einem „digitalen Schutzschild”. Alle Verkehrsteilnehmer sollen dabei untereinander interagieren und potenzielle Gefahren vorausschauend umgehen. Eine globale Partnerschaft mit dem US-amerikanischen Telekommunikationsunternehmen AT&T zum Thema vernetztes Fahren wurde ebenfalls auf dem MWC angekündigt. Immerhin sind autonomes Fahren und vernetzte Mobilität keine Themen, die im nationalen Alleingang gelöst werden können. Neue Technologien benötigen schließlich gemeinsame, grenzübergreifende Standards. Dementsprechend entstehen aktuell durchaus herstellerübergreifende Allianzen zu diesem Thema.

 


Die drei Marktsegmente im „Connected Cars”-Bereich

Effiziente Fahrzeugvernetzung vereinfacht in der Folge die Aufgaben eines Fahrers und bedeutet erhöhte Sicherheit für alle Beteiligten. Beteiligt sind neben den Automobilherstellern natürlich auch deren Zulieferer sowie Hersteller von Sensoren und Infotainmentsystemen.

Doch auch Vodafone mischt kräftig im Markt für autonomes Fahren mit: Immerhin gelingt wirkliche autonome Mobilität, insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten, nur mit Hilfe stabiler drahtloser Datenverbindungen auch über weite Entfernungen hinweg. Und das geht nur mit einem zuverlässigen Mobilfunknetz.

Laut einer aktuellen statista-Studie, dem Connected Car Market Report 2018, teilt sich der Markt derzeit in drei Hauptsegmente mit einem Gesamt-Marktvolumen von 1,4 Milliarden Euro in 2019 auf: 

  • Hardware-Konnektivität („Connected Hardware”)
  • Infotainment-Dienste („Infotainment Services”)
  • Fahrzeugbezogene Dienste („Vehicle Services”)

 

Marktsegment #1: Hardware-Konnektivität

Der größte Marktanteil beim Thema Fahrzeugvernetzung entfällt auf Hardware-Konnektivität – auch als Internet der Dinge im Mobility-Bereich bekannt. Hier wird mit einem Marktvolumen von etwa 1,3 Milliarden Euro gerechnet (2017: 900 Millionen Euro).

Im Wesentlichen geht es dabei um die Frage, wie grundlegende Telematikaufgaben realisiert werden können. Dazu gehört unter anderem das Senden und Empfangen begrenzter Datenmengen auch unter schwierigen Bedingungen – beispielsweise über Schmalband-IoT

Doch auch die Mensch-Maschine-Interaktion ist Teil dieses Marktsegments: Immerhin ist es beim autonomen Fahren mehr denn je notwendig, dass das Fahrzeug klar versteht, was der Nutzer möchte und umgekehrt. Dabei geht es nicht nur um das Fahrziel, sondern auch darum, ob der Mensch in das autonome Fahren eingreifen will oder gar muss.

Ein weiterer Bereich betrifft die Vernetzung und Integration mit vorhandenen Smartphones. Schließlich erfolgt schon heute ein Großteil der Routen- und Fahrtplanung nicht innerhalb des Fahrzeugs, sondern bereits daheim oder von unterwegs.

 

Marktsegment #2: Infotainment-Dienste

Schon jetzt sind moderne Fahrzeuge teilweise vernetzt: In fast allen Fahrzeugen befindet sich heutzutage beispielsweise ein Navigationssystem. Neben fest eingebauten Varianten gibt es jede Menge Anbieter freier oder kommerzieller Smartphone-Navigationssysteme wie Google Maps, Apple Maps, HERE WeGo oder Sygic.

Die entsprechenden Apps (oder eben deren Onboard-Variante) sollten nicht nur über stets aktuelles Kartenmaterial verfügen, sondern auch optimierte Fahrtrouten für die jeweilige Verkehrslage anbieten.

Zukünftig sorgt die Anzeige wichtiger Parameter des Straßenverkehrs, beispielsweise auf einem Head-Up-Display (HUD), für ein Gefühl der Sicherheit. Zudem kann es auch andere Informationen anzeigen, Musik abspielen und so ganz einfach der Unterhaltung dienen.

 

Marktsegment #3: Fahrzeugbezogene Dienste

Was tun im Fall einer Panne? Auch autonome Fahrzeuge können Störungen unterliegen, ganz ausfallen oder bleiben am Ende ihrer Reichweite, einfach stehen. Dabei ist es egal, ob sie mit fossilen Brennstoffen oder elektrisch betrieben werden. Hier sind nicht nur Assistenzsysteme im Falle einer Panne gefragt, sondern auch Dienste, die über die simple Anzeige von Problemen mit dem Fahrzeug hinaus gehen. Eine automatische Benachrichtigung des Pannendienstes mit Informationen zur Pannenursache ist beispielsweise denkbar.

Des weiteren sollte jedes Fahrzeug „over-the-air” mit Updates versorgt werden können. Sogar eine Fahrzeug-Fernsteuerung oder eine Fahrerberatung nach Fehlverhalten erscheinen nicht mehr utopisch:

Im weltweiten Vergleich belegt Deutschland beim Thema Umsatzvolumen im Bereich Connected Cars immerhin einen respektablen fünften Platz, Europa insgesamt landet auf Platz Drei:

 

Ausklappbare Informationsgrafik

Infografik: Umsatz mit Connected Cars weltweit im Jahr 2019

 

Die fünf Stufen des autonomen Fahrens

Die internationale Definition der Autonomielevel (in Deutschland begleitet durch die Bundesanstalt für Straßenwesen) hat fünf Stufen:

  • Stufe 0: Fahrer allein: Der Fahrer fährt komplett allein und ohne Hilfsmittel.
  • Stufe 1: Assistiertes Fahren: Bestimmte Assistenzsysteme, wie sie heute schon weit verbreitet sind, erleichtern beispielsweise das Einparken oder helfen, den korrekten Abstand zu halten.
  • Stufe 2: Teilautomatisiertes Fahren: Diese Art von Fahrzeugen kann bereits ohne Fahrer einfachen Strecken folgen und regelt – unter optimalen Bedingungen – auch den Abstand zum Vordermann.
  • Stufe 3: Hochautomatisiertes Fahren: Fahrzeuge dieser Entwicklungsstufe können nicht nur geradeaus fahren und die Spur halten, sondern auch unter bestimmten Bedingungen überholen oder ausweichen.
  • Stufe 4: Vollautomatisiertes Fahren: Hier ist prinzipiell und wie von der Ingenieurs- und Automobilindustrievereinigung SAE definiert, kein Fahrer mehr nötig, um von A nach B zu gelangen.

Welches sind die Key Player bei Connected Cars?

Autonomes Fahren gilt als eine der Schlüsseltechnologien für die Mobilität der Zukunft und dementsprechend beschäftigt das Thema alle großen Automobilhersteller. Allen gemein ist das Ziel, das Fahren auf unseren Straßen sicherer, komfortabler und effizienter zu machen, indem die mögliche Fehlerquelle „menschliches Versagen” weitgehend eliminiert wird.

Geht man von fünf Entwicklungsstufen bei fahrerloser Mobilität aus, befindet sich die Automobilindustrie aktuell (laut Robert Carter, EVP Sales für Nordamerika) auf Stufe zwei oder drei (siehe Infokasten). Die technischen Voraussetzungen für höhere Autonomiestufen sind prinzipiell vorhanden; es fehlen allerdings rechtliche Rahmenbedingungen und eine flächendeckende 5G-Verfügbarkeit. 

Im Folgenden verraten wir Ihnen, was der Stand der Dinge bei einigen wichtigen Herstellern ist:

Tesla Motors

Nach eigenen Angaben verbaut Tesla Motors, der Elektroauto-Pionier aus den USA, schon jetzt in seinen Fahrzeugen standardmäßig „modernste Hardware für das autonome Fahren”. Auch wenn die Tesla-Modelle bis auf Weiteres noch nicht ohne Fahrer auskommen werden, glaubt man in der Firmenzentrale in Palo Alto daran, dass der Fahrer in naher Zukunft nur noch “aus rechtlichen Gründen” am Steuer sitzen wird. 

Nachfolgendes Video zeigt eine Testfahrt, in der das Fahrzeug seine Umgebung analysiert, die Informationen bewertet und selbständig in zugehörige Fahrmanöver umsetzt:

 

Video: YouTube / New Car 365

 

BMW

Auch der bayerische Automobilhersteller BMW hat im Bereich des assistierten Fahrens einiges im Programm. Eine aktive Geschwindigkeitsregelung mit Stop&Go-Funktion soll Fahrer während Verkehrsstaus entlasten und ist schon länger verfügbar. 

Auch eine Auffahr- und Personenwarnung mit City-Bremsfunktion hilft, mögliche Unfälle ohne menschliches Zutun zu verhindern. In den neuesten Modellen des Herstellers gibt es außerdem Lenk- und Spurführungsassistenten, die zumindest teilautomatisiertes Fahren der Stufen 1-2 ermöglichen.

 

Mercedes

Bei Mercedes-Benz steht nach eigenen Angaben nicht mehr im Vordergrund, ob die Technik hält, was sie verspricht, sondern ob der Mensch will, was die Technik kann. Diese ambitionierte Aussage macht deutlich, dass Sensoren und automatische Systeme inzwischen mehr erfassen, analysieren und auswerten können als der Mensch. 

Neben einem futuristischen Lastkraftwagen mit dem Namen Future Truck 2025 zeigen die Schwaben derzeit prototypisch an einem modifizierten S-Klasse-Modell namens „F 015 Luxury in Motion”, wie sie sich die Zukunft der Mobilität vorstellen.

 

Video: YouTube / Mercedes-Benz 

 

Toyota 

Der japanische Fahrzeughersteller Toyota beschäftigt sich intensiv mit dem autonomen Fahren. Auf der CES 2019 hat Toyota einen eigenen Prototyp für autonomes Fahren auf Basis der Lexus-Modelle (Teil des Toyota-Konzerns) vorgestellt.

 

Volkswagen und Audi

Ulrich Eichhorn, Leiter Konzern Forschung und Entwicklung bei Volkswagen, sieht die Herausforderungen beim autonomen Fahren so: „Automatisiertes Fahren nutzt der Gesellschaft ohne Frage bei Umweltschutz, demografischem Wandel, Wirtschaft und Verkehrssicherheit.”. 

Neben den üblichen Assistenzsystemen, die schon heute in Fahrzeugen beider Marken erhältlich sind, experimentiert der VW-Audi-Konzern derzeit mit einer futuristisch anmutenden Konzeptstudie namens SEDRIC („Self Driving Car”). Es soll nach Konzernangaben bereits Stufe 5 des autonomen Fahrens erreicht haben.

 

Die Welt auf dem Weg zum vollautonomen Fahren

Bis sämtliche motorisierten Fahrzeuge auf dem Planeten fahrerlos unterwegs sein werden, ist es noch ein weiter Weg. Jedoch ermöglicht es die 5G-Technologie schon heute, verschiedenste Geräte in großer Anzahl und über weite Strecken hinweg miteinander zu vernetzen. 

Während die meisten autonomen Fahrsysteme bis heute vor allem auf Kamerabilder, Abstandssensoren und eine möglichst störungsfreie Umgebung beim Fahren angewiesen sind, könnten später auch Fußgänger, Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer (anonymisiert) ihre aktuelle Position und Geschwindigkeit fortlaufend übermitteln. So würde es hinter engen Kurven und bei schlechten Sichtverhältnissen nur noch selten Überraschungen geben.

Hintergrund ist, dass nicht nur im Fahrzeug selbst, sondern auch an mindestens einer zentralen Stelle sichergestellt wird, dass Kollisionen gar nicht erst entstehen können. Außerdem können auf diese Art Straßensperren, Hindernisse und Unfälle auf dem Weg zum Ziel noch schneller erkannt werden. Die Reduzierung von Verkehrsstaus wäre ein weiterer, angenehmer Nebeneffekt.

Um der Herausforderung fehlender 3D-Karten einschließlich der Positionen von Bordsteinen, Verkehrsinseln und anderen Hindernissen zu begegnen, hat ein Konsortium aus Audi, BMW und Daimler kürzlich den Dienstleister HERE für 2,5 Milliarden Euro übernommen. Das Ziel hierbei: Je genauer das verfügbare Datenmaterial ist, umso weniger Aufgaben muss das Fahrzeug selbst während der Fahrt erledigen – und umso sicherer wird diese.

Mehr zu den rechtlichen Aspekten beim Thema autonomes Fahren verrät Ihnen unser Blog-Partner CNN. Außerdem erfahren Sie an anderer Stelle in diesem Magazin, wie die Technik im Hintergrund von Vehicle-to-everything (V2X) arbeitet. 

Mit Ryd (vormals TankTaler) wiederum können Sie schon heute einen ersten Eindruck vom Connected Car erleben – indem Sie Ihr Fahrzeug mittels der eingebauten OBD-Diagnosebuchse mit einer App verbinden. So wird schon heute fast jedes Fahrzeug auf Wunsch zum Connected Car.

 

Welche Wünsche haben Sie an das Thema „Autonomes Fahren” und „Connected Cars”? Wir sind gespannt auf Ihre Einschätzung zu den Entwicklungen der nächsten Jahre.

 

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