Ähnlich wie die UTM-Firewall integriert auch die sogenannte Next Generation Firewall (NGFW, auf Deutsch: Firewall der nächsten Generation) verschiedene Services in einem Produkt. Daher werden UTM-Firewalls und NGFW manchmal fälschlich gleichgesetzt.
Die UTM-Firewall wird gerne für kleine und mittlere Firmennetze verwendet. Sie benötigt weniger Rechenleistung als eine NGFW und wird daher häufig als Software bereitgestellt. Eine NGFW verwendet hingegen äußerst rechenaufwändige Analyseverfahren und wird daher meist als Hardware-Lösung errichtet.
Zu den Analyseverfahren der NGFW gehört insbesondere die sogenannte Deep Packet Inspection (DPI, auf Deutsch: Tiefgehende Datenpaketkontrolle). Diese geht über die klassische Stateful Inspection hinaus, die auch jede UTM-Firewall beherrscht. Sie durchsucht bei eingehenden Datenpakete nicht nur die Metadaten der sogenannten Paket-Header, sondern auch die nachfolgenden Nutzdaten.
Dadurch findet sie beispielsweise verdächtige Muster und Signaturen, die tief in Online-Dokumenten, gepackten Dateien oder Webseiten versteckt sind und filtert diese gezielt heraus.
Dieser Prozess wird auch als Packet-Sniffing (Datenpaket-Schnüffeln) bezeichnet. Hierfür konfigurieren Netzwerkexpert:innen die DPI vorher mit Analyseregeln und Mustertabellen. Das DPI-Verfahren ist insgesamt sehr aufwändig und erfordert viel Fachwissen. Derartige NGFW kommen daher vor allem in größeren Firmennetzen zum Einsatz.
Die nachfolgende Tabelle vergleicht eine klassische Firewall mit einer NGFW und einer UTM-Firewall.
Kontrolle des Datenverkehrs anhand von IP-Adressen, Ports und Protokollen
Erweiterte Firewall mit tiefgehender Anwendungs- und Inhaltsanalyse
Kombination mehrerer Sicherheitsfunktionen in einer zentralen Lösung
Je nach Produkt Layer 3 und 4 oder Layer 3 bis 7
Deep Packet Inspection (DPI)
Intrusion Prevention System (IPS)
Antivirus- und Malware-Schutz
Meist vollständig integriert
Benutzer- und Identitätsverwaltung
Hoch, in der Regel über Dienstleister
Private Netzwerke und kleinere Firmennetzwerke
Mittlere und große Unternehmensnetzwerke mit hohen Sicherheitsanforderungen
KMU, die eine All-in-One-Lösung suchen
Einfach, kostengünstig und schnell
Sehr hoher Schutz durch moderne Sicherheitsfunktionen
Viele Sicherheitsfunktionen in einer Lösung und einfache Verwaltung
Schutz nur auf Netzwerkebene, keine Erkennung moderner Angriffe
Höhere Anschaffungs- und Betriebskosten
Leistungsengpässe bei vielen aktivierten Funktionen möglich
Wie die Tabelle zeigt, ist die UTM eine Allround-Firewall für mittelgroße Netze. Sie überzeugt durch ihre Multifunktionalität bei gleichzeitig vertretbarem Leistungsbedarf. Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verwenden daher UTM-Lösungen.
Auch die klassische Firewall ist in Unternehmen nach wie vor sehr beliebt. Sie wird heute aber meist nur noch in Kombination mit weiteren Sicherheitswerkzeugen und Diagnosetools eingesetzt, um eine möglichst lückenlose Cyber Security zu gewährleisten. Auch als zusätzliche Absicherung innerhalb eines nach außen gut abgeschirmten Firmennetzes und als lokaler Schutz für einzelne Endgeräte hat die klassische Firewall weiter ihre Daseinsberechtigung.