Aktuelle Lageberichte des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zählen Überlastungsangriffe zu den häufigsten Bedrohungen für Unternehmensnetzwerke. Ein solcher Distributed-Denial-of-Service-Angriff, kurz DDoS-Angriff, kann Server, Websites und ganze Netzwerke innerhalb weniger Minuten lahmlegen. DDoS-Protection erkennt solche Überlastungsangriffe frühzeitig und schützt Ihr Unternehmen davor. Doch welche Modelle gibt es und wie wählen Sie das richtige aus? Unser Beitrag klärt auf.
DDoS-Protection schützt Server, Websites und Netzwerke vor gezielten Überlastungsangriffen.
Angreifer:innen nutzen für DDoS-Angriffe meist große Bot-Netzwerke (Botnetze), um ein Zielsystem mit massenhaften Anfragen zu überlasten.
Ein wirksamer Schutz erkennt bösartigen Datenverkehr in Echtzeit und filtert ihn heraus, bevor er Schaden anrichtet.
Unternehmen wählen zwischen cloudbasierten Lösungen, Hardware-Lösungen im Rechenzentrum und On-Premises-Systemen, je nach Aufwand und Budget.
Die NIS2-Richtlinie (Richtlinie zur Netz- und Informationssicherheit) und die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verpflichten viele Unternehmen zu einem dokumentierten Schutz vor DDoS-Angriffen.
Zu den wichtigsten Kriterien bei der Anbieterwahl zählen Reaktionszeit, Zertifizierungen und eine Qualifizierung durch das BSI.
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DDoS-Protection: Definition und Funktionsweise in Unternehmen
DDoS-Protection bezeichnet alle technischen Maßnahmen, mit denen Unternehmen ihre Server, Websites und Netzwerke vor Überlastungsangriffen schützen. Ziel ist, dass Systeme, Daten und Dienste verfügbar bleiben.
Ein erfolgreicher DDoS-Angriff hat für Unternehmen häufig Umsatzausfälle, Vertragsstrafen und einen Vertrauensverlust bei Kund:innen zur Folge. Solche Attacken sind deshalb – soweit möglich – unbedingt zu vermeiden. Für IT-Entscheider:innen zählt ein durchdachter DDoS-Schutz deshalb zu den zentralen Aufgaben.
DoS und DDoS im Vergleich
Ein DoS-Angriff (Denial of Service) stammt von einem einzelnen System und lässt sich meist durch das Sperren einer IP-Adresse abwehren. Ein DDoS-Angriff nutzt dagegen viele verteilte Systeme gleichzeitig, oft ein gekapertes Botnetz. Diese Verteilung macht eine Abwehr deutlich anspruchsvoller.
DDoS-Angriffe: Angriffsarten und Angriffsvektoren
DDoS-Angriffe unterscheiden sich stark in Technik und Zielrichtung. Für einen wirksamen Schutz sollten Sie die relevanten Angriffsarten kennen:
Volumetrische Angriffe zielen auf die schiere Masse ab und sind eine sehr verbreitete Form. Sie überfluten die Netzwerkverbindung mit massenhaftem Datenverkehr und wirken auf den unteren Netzwerkebenen des ISO/OSI-Protokolls (Ebene 3/4: Netzwerk/Transport).
Protokoll-Angriffe nutzen Schwachstellen in Netzwerkprotokollen aus und erschöpfen dadurch Serverressourcen (ebenfalls Ebene 3/4).
Applikations-Angriffe zielen auf die Anwendungsebene (Ebene 7) und ahmen legitime Nutzeranfragen nach.
In der Netzwerktechnik hat sich das OSI-Schichtenmodell etabliert, um komplexe Vorgänge innerhalb des Netzes aufzugliedern.
Überblick und Beispiele für die wichtigsten DDoS-Angriffe
Volumetrische Angriffe
Ebene 3/4
UDP-Flood (User Datagram Protocol), ICMP-Flood (Internet Control Message Protocol)
Überlastung der Bandbreite
Protokoll-Angriffe
Ebene 3/4
SYN-Flood, Ping of Death
Erschöpfung der Serverressourcen
Applikations-Angriffe
Ebene 7
HTTP-Flood, Slowloris
Überlastung von Webanwendungen
Ebene
Beispiel
Typische Wirkung
Weitere Informationen zu den einzelnen Angriffsarten finden Sie in unserem ausführlichen Artikel zu DDoS-Angriffen.
Hinter vielen dieser Angriffe stehen übrigens Botnetze. Das sind gekaperte Geräte, die Angreifer:innen ferngesteuert für massenhafte Anfragen einsetzen. Im Fokus der Angriffe stehen vor allem Betreiber kritischer Infrastrukturen (KRITIS) sowie Unternehmen mit öffentlich erreichbaren Online-Diensten.
In Deutschland gilt ein DDoS-Angriff rechtlich als Computersabotage nach § 303b des Strafgesetzbuchs (StGB) und ist strafbar. Je nach Schwere des Falls drohen Geldstrafen oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.
Wie DDoS-Mitigation funktioniert: Erkennung, Scrubbing-Center und Traffic-Filterung
Was also tun, wenn ein Angriff gerade läuft? Während sich DDoS-Protection mit dem Schutz von Systemen beschäftigt, geht es bei der DDoS-Mitigation („Mitigation“ = „Abmilderung“) um die konkrete Abwehr im Falle eines Angriffs.
Eine wirksame Mitigation folgt einem klar strukturierten Ablauf. Vier Schritte sorgen dafür, dass legitimer Datenverkehr Ihre Systeme erreicht, während bösartiger Traffic blockiert wird:
Erkennung: Monitoring-Systeme identifizieren ungewöhnliche Muster im Datenverkehr in Echtzeit.
Umleitung: Der verdächtige Datenverkehr wird automatisch zu einem Scrubbing-Center (auf Deutsch etwa „Säuberungszentrum“) umgeleitet.
Scrubbing: Im Scrubbing-Center (auch Cleaning-Center genannt) trennt die DDoS-Protection-Lösung bösartigen von legitimem Datenverkehr.
Filterung: Nur bereinigter, legitimer Datenverkehr erreicht Ihre Server und Anwendungen.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt Unternehmen, Mitigation-Kapazitäten frühzeitig einzuplanen und ihre Funktion regelmäßig zu testen.
DDoS-Protection-Lösungen im Vergleich: Cloud, Hardware-Appliance und On-Premises
Für die Umsetzung von DDoS-Protection stehen Ihnen unterschiedliche Bereitstellungsmodelle zur Verfügung. Sie unterscheiden sich in Aufwand, Kosten und erforderlichem Know-how.
Cloudbasierte Lösungen benötigen keine eigene Hardware und lassen sich schnell einrichten. Ein Content-Delivery-Netzwerk (CDN) oder ein vorgeschalteter Reverse Proxy filtern den Datenverkehr, bevor er Ihre Infrastruktur erreicht.
Hardware-Appliances sind eigens eingerichtete Server für den DDoS-Schutz. Sie laufen im eigenen (meist angemieteten) Rechenzentrum und bieten volle Kontrolle, erfordern jedoch spezialisiertes Fachpersonal.
On-Premises-Lösungen eignen sich vor allem für Unternehmen mit hohen Anforderungen an die Datenhoheit. Ihr Betrieb erfordert ebenfalls spezialisiertes Personal.
Eigenschaften der wichtigsten DDoS-Schutzmodelle im Überblick
Cloudbasiert
Niedrig
Kalkulierbare Servicegebühr
Sehr hoch
Hardware-Appliances
Hoch
Hohe Anfangsinvestition, laufende Wartungskosten
Mittel
On-Premises
Sehr hoch
Hohe Investitions-, Wartungs- und Betriebskosten
Niedrig bis mittel
Aufwand
Kosten
Skalierbarkeit
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Technische Maßnahmen: Server, Websites und APIs wirksam vor DDoS-Angriffen schützen
Neben der grundsätzlichen Bereitstellungsart einer Schutzlösung spielen konkrete technische Maßnahmen bei der DDoS-Protection eine zentrale Rolle. Die folgende Checkliste fasst die wichtigsten Maßnahmen zusammen:
Web Application Firewall (WAF): Sie überwacht den Datenverkehr zwischen Anwendungen und dem Internet. So kann eine Web Application Firewall schädliche Anfragen direkt auf der Anwendungsebene herausfiltern.
DNS-Schutz: Er verhindert die gezielte Überlastung durch massenhafte Anfragen beim Domain-Name-Server, der für die „Übersetzung“ von Webadressen in IP-Adressen zuständig ist. Bei einer solchen Überlastung ist Ihre Webseite evtl. nicht mehr erreichbar.
Rate Limiting: Es begrenzt die Anzahl der Anfragen pro Nutzer:in und Zeitfenster.
Kontinuierliches Monitoring: Es überwacht den Datenverkehr dauerhaft und automatisiert. So erkennt Continuous Monitoring Auffälligkeiten frühzeitig.
Patch-Management: Updates schließen bekannte Sicherheitslücken in Betriebssystemen und anderer Software zuverlässig.
Traffic-Filtering: Die Überwachung des eingehenden Datenverkehrs hilft dabei, verdächtige Muster zu erkennen und den Angriffsverkehr zu blockieren, während legitimer Datenverkehr durchgelassen wird.
Intrusion-Detection-Systeme (IDS): Diese Systeme überwachen Netzwerke, um verdächtige Aktivitäten oder potenzielle Angriffe zu erkennen. Außerdem können Intrusion-Detection-Systeme bei einer Gefährdungslage alarmieren und bereits Gegenmaßnahmen einleiten.
Content Delivery Networks (CDNs): Verteilte Netzwerke werden genutzt, um den Datenverkehr aufzuteilen und Angriffe abzufangen, bevor diese das interne Netzwerk des Unternehmens erreichen.
Tipp: Managed-Hosting-Lösungen integrieren viele dieser Maßnahmen bereits im laufenden Betrieb, inklusive einer vorgeschalteten DDoS-Protection.
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Das können Unternehmen selbst für den DDoS-Schutz tun
Einige Branchen sind ganz besonders von DDoS-Angriffen betroffen, beispielsweise das Finanzwesen, Behörden, Handel und Telekommunikation. Hacker:innen sehen diese Bereiche oft als attraktive Ziele und erhoffen sich hohe Lösegeldzahlungen, da Ausfälle von Servern und Webseiten schnell zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden führen.
Es gibt eine ganze Reihe an Dingen, die Unternehmen selbst tun können, um technische DDoS-Protection-Lösungen zu unterstützen. Dazu gehören:
Blacklisting und Whitelisting: Erstellen Sie Listen mit bekannten Angreifer-IP-Adressen (Blacklists) und vertrauenswürdigen Quellen (Whitelists). Diese Listen sollten regelmäßig aktualisiert werden, um ihre Wirksamkeit zu erhalten.
Angriffsanalysen und Security-Bulletins: Die Analyse von Angriffsmustern hilft, Trends zu erkennen und den DDoS-Schutz anzupassen. Newsletter und Veröffentlichungen wie Bulletins helfen dabei, über Angriffsmethoden auf dem Laufenden zu bleiben und Vorsorgemaßnahmen auf dem aktuellen Stand zu halten.
Maßnahmen zur Notfallwiederherstellung: Definieren Sie Prozesse und bereiten Sie Notfallverfahren vor, die im Falle eines DDoS-Angriffs greifen. Nur dann können Sie Ihre Dienste schnellstmöglich wiederherstellen.
Notfallplan: Legen Sie fest, wer im Fall eines DDoS-Angriffs wofür verantwortlich ist. Ein solcher Cyber-Notfallplan erleichtert allen Beteiligten die Entscheidungen und das Vorgehen.
Stabile Internet-Verbindung: Stellen Sie sicher, dass Ihre Internet-Verbindung ausreichend ist. Eine höhere Bandbreite gibt Ihnen mehr Zeit, auf Angriffe zu reagieren. Redundante Internet-Verbindungen über verschiedene Provider erhöhen zusätzlich die Ausfallsicherheit.
DDoS-Protection-Anbieter auswählen: Service, SLA und Compliance (NIS2, DSGVO, BSI)
Die Wahl des passenden Anbieters entscheidet über die Wirksamkeit Ihres DDoS-Schutzes. Folgende Kriterien helfen bei Bewertung und Vergleich verschiedener Services:
Service Level Agreement (SLA): Es legt die garantierte Verfügbarkeit und Reaktionszeit im Falle eines Angriffs vertraglich fest.
Time-to-Mitigate: Diese Kennzahl zeigt, wie schnell der Anbieter einen Angriff abwehrt.
24/7-SOC: Ein durchgehend besetztes Security Operations Center (SOC) reagiert auch außerhalb der typischen Geschäftszeiten.
Zertifizierungen: Nachweise wie ISO 27001 belegen etablierte Sicherheitsprozesse.
BSI-Qualifizierung: Dienstleister, die nach § 3 des BSI-Gesetzes (BSIG) qualifiziert sind, erfüllen klar definierte Mindeststandards.
Compliance mit NIS2 und DSGVO: Der Anbieter sollte alle gesetzlichen Vorgaben einhalten, die für Ihr Unternehmen ausschlaggebend sind.
Die europäische NIS2-Richtlinie verpflichtet viele Unternehmen zu einem dokumentierten Sicherheitskonzept, das auch DDoS-Protection einschließt. In der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sind Regeln und Pflichten für den Umgang mit personenbezogenen Daten festgelegt.
Wichtig zu wissen: Sowohl das Traffic-Volumen in Ihrem Unternehmen als auch das SLA-Niveau beeinflussen die Höhe der Kosten für eine DDoS-Protection-Lösung.
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Unser Fazit: DDoS-Protection ist ein wesentlicher Teil jedes sicheren Geschäftsbetriebs
DDoS-Protection schützt Ihre Server, Webseiten und Netzwerke vor gezielten Überlastungsangriffen und stellt so ihre Verfügbarkeit sicher. Wenn Sie die passenden Maßnahmen ergreifen und einen passenden DDoS-Protection-Anbieter wählen, können Sie mögliche Ausfallzeiten spürbar reduzieren. Die Übersichtsseite zu den Vodafone Sicherheitslösungen bündelt passende Bausteine wie Managed Firewall, Security Operations Center und DDoS-Protection für Unternehmen jeder Größe.
DDoS-Protection erkennt ungewöhnlichen Datenverkehr in Echtzeit und leitet ihn meist zu einem Scrubbing-Center um. Dort werden bösartige Anfragen von legitimem Traffic getrennt. So erreicht nur bereinigter Traffic Ihre Server und Anwendungen.
Guter DDoS-Schutz kombiniert mehrere Maßnahmen: etwa eine Web Application Firewall, sogenanntes Rate Limiting, redundante Netzwerkanbindungen und kontinuierliches Monitoring. Je nach Unternehmensgröße eignen sich cloudbasierte Lösungen, Hardware-Appliances oder On-Premises-Systeme.
Ja, in Deutschland gilt ein DDoS-Angriff als Computersabotage nach § 303b StGB und ist strafbar. Je nach Schwere des Falls drohen Geldstrafen oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.
Die Kosten richten sich nach dem gewählten Modell. Cloudbasierte Lösungen berechnen meist eine kalkulierbare, monatliche Servicegebühr. Hardware-Appliances (eigene Server in einem Rechenzentrum) und On-Premises-Lösungen am Sitz des Unternehmens erfordern höhere Anfangsinvestitionen. Traffic-Volumen und SLA-Niveau (Service Level Agreement, Vertragsvereinbarungen zur Dienstgüte) beeinflussen die Höhe der Kosten.
Unternehmen können zwischen cloudbasierten Anbietern, Hardware-Appliances und On-Premises-Lösungen wählen. Es gibt auch Managed-Hosting-Provider, die DDoS-Protection direkt in ihr Leistungsangebot integrieren. Bei der Auswahl eines Anbieters zählen Service Level Agreement, Time-to-Mitigate, Zertifizierungen und eine BSI-Qualifizierung.
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