Cyberkriminelle nutzen vermehrt künstliche Intelligenz, um Unternehmen und Privatpersonen schneller, effizienter und automatisiert anzugreifen. Wo Kriminelle früher noch Wochen oder Monate für das Entdecken von Sicherheitslücken benötigten, findet die KI Einfallstore in Firmennetze in Sekunden und greift tausende Unternehmen weltweit zeitgleich an – genug Rechenleistung vorausgesetzt.
Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Cybergefahren vor, die durch den Einsatz von KI noch unberechenbarer werden.
Ransomware verschlüsselt wichtige Firmendaten und fordert Lösegeld, um die Daten wieder freizugeben. KI kann derartige Angriffe noch gefährlicher machen. Laut Statista sind mehr als die Hälfte aller Firmen in Deutschland bereits Ziel einer Ransomware-Attacke gewesen. Oft gelangen die Hacker:innen dabei per Social Engineering an die Informationen, die den Ransomware-Angriff erst möglich machen. Sie rufen beispielsweise vor einer Attacke im jeweiligen Unternehmen an, um die korrekten Namen von Ansprechpartner:innen herauszufinden. Eine KI kann diese Anrufe problemlos übernehmen und mit unterschiedlichen Stimmen in unterschiedlichen Sprachen hunderte Mitarbeitende gleichzeitig anrufen. Sie forscht so lange, bis sie die gewünschten Informationen hat (sogenanntes KI-gestütztes Social Engineering).
Einige Zeit später startet der eigentliche Ransomware-Angriff. Es kommt beispielsweise eine E-Mail, bei der selbst erfahrene Mitarbeiter:innen nicht sofort wissen, ob die enthaltenen Informationen der Wahrheit entsprechen oder nicht. Ist etwa die Warnung vor einer Kontosperre oder die Ankündigung eines Pakets echt oder eine Fälschung? Sie selbst oder ein Mitglied Ihres Teams klicken eventuell zu schnell auf einen Link – und die Attacke startet.
Es sind nur fünf Schritte vom Eindringen ins IT-System bis zur Lösegeldforderung.
Phishing
Die Angreifer:innen nutzen beim Phishing aus, dass Menschen zunächst eine Art Basisvertrauen haben, wenn beispielsweise eine E-Mail eines vermeintlichen Partnerunternehmens im Postfach landet, die täuschend echt aussieht. Die nachfolgende Tabelle zeigt, warum KI-gestützte Phishing-Angriffe, die auf Social Engineering basieren, für kleine und mittlere Unternehmen besonders gefährlich sind – und weshalb selbst geschulte Mitarbeitende bei der Erkennung solcher Angriffe zunehmend an ihre Grenzen stoßen.
Meist sehr viele inhaltliche und grammatikalische Fehler im Text, bedingt durch schlechte Übersetzung aus dem Englischen
Sprachlich korrekt und überzeugend
Auffällige und alarmistische Formulierungen
Nüchterner, geschäftlicher Stil
Generische Massen-E-Mails
Individuelle Formulierungen, die auf die adressierten Personen und Unternehmen zugeschnitten sind
Leicht erkennbar für geschulte Mitarbeitende, z.B. anhand immer gleicher Muster und Vorgehensweisen
Selbst für erfahrene Mitarbeitende schwer zu erkennen – aufgrund vieler individueller Anpassungen
Wenig Anpassung an Gegenmaßnahmen, daher leicht technisch zu filtern
Ständige Anpassung durch die dahinterstehenden KI-Modelle, daher schwerer zu filtern
Deepfakes
Cyberkriminelle verwenden künstliche Intelligenz nicht nur zur Verbesserung ihrer Ransomware. Angreifer:innen setzen beispielsweise vermehrt auf sogenannte Deepfakes, also mittels KI erzeugte Imitationen von Originalen. Solche Deepfakes können beispielsweise sein:
Die täuschend echt nachgebaute Webseite Ihres Unternehmens
Eine scheinbar echte E-Mail von Ihrer Geschäftsbank, komplett mit Logo und Buttons zum Anklicken (die dann auf eine gefälschte Webseite führen)
Ein Voice Clone (auf Deutsch: Stimmenimitat) der Geschäftsführung, das mithilfe eines Videos aus dem Internet generiert wurde und Sie am Telefon auffordert, Firmengelder ins Ausland zu überweisen
Solche Deepfakes sind in den vergangenen Jahren immer besser geworden und mittlerweile nur noch schwer von Originalen zu unterscheiden. Glücklicherweise gibt es inzwischen auch KI-Werkzeuge, die solche KI-Deepfakes ihrerseits erkennen können, etwa das DeepFake-o-Meter der Universität Buffalo oder Deepfake Total vom Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC).
Automatisierte Cyberangriffe
Künstliche Intelligenz hat nicht nur die Qualität vieler (nicht aller) Cyberangriffe verbessert, sondern auch die Anzahl der Angriffe insgesamt erhöht. So setzen bestimmte Hacker-Kollektive vermehrt auf automatisierte Cyberangriffe.
Hierbei kommen sogenannte KI-Agenten zum Einsatz. Agenten sind Programme, die einmal gestartet werden und dann die ihnen vorab gestellten Aufgaben selbständig erledigen. Sie reagieren sogar auf das Verhalten der Gegenseite. Mit entsprechend leistungsfähiger Hard- und Software können Cyberkriminelle jeden Tag viele zehntausend potenzielle Opfer automatisiert attackieren, beispielsweise mittels:
Automatisierten Netzwerk-Scans, die Firmennetze von außen gezielt auf Schwachstellen überprüfen
Sprachrobotern, die sich am Telefon wie echte Menschen verhalten, Dialoge führen können und ihre Gesprächspartner:innen dazu auffordern, ihre Computer für eine angebliche Internet-Wartung per Remote-Zugriff freizugeben