Das Least-Privilege-Prinzip basiert auf der einfachen Regel: Jede:r Benutzer:in, jede Anwendung und jedes System erhält nur die Berechtigungen, die zur Erfüllung der jeweiligen Aufgabe tatsächlich erforderlich sind, und nicht mehr. Im Folgenden gehen wir auf die wichtigsten Grundlagen für dieses Prinzip ein.
Kontotypen
Ein wichtiger Bestandteil von Least Privilege ist die Trennung von normalen Benutzerkonten und privilegierten Konten.
Beispiel:
Ein:e Administrator:in arbeitet im Alltag mit einem normalen Benutzerkonto.
Für administrative Tätigkeiten gibt es ein separates Konto mit erweiterten Rechten.
Diese Rechte werden nur dann genutzt, wenn sie tatsächlich nötig sind.
Dadurch sinkt das Risiko, dass Schadsoftware oder Angreifer:innen automatisch Administrationsrechte erhalten.
Kontotypen bei Least Privilege und ihre Rechte
Tägliche Arbeit von Beschäftigten
Anwendungen nutzen, Dateien bearbeiten, E-Mails senden
Keine Software-Installation, keine Administration
Poweruser:in bzw. erweitertes Benutzerkonto
Zusätzliche Anwendungen nutzen, bestimmte Systeme verwalten
Keine vollständigen Administratorrechte
Systeme konfigurieren, Benutzer verwalten, Software installieren
Nur für administrative Aufgaben
Servicekonto (nicht-menschliches Dienstkonto)
Betrieb von Anwendungen und Diensten
Automatisierter Zugriff auf benötigte Ressourcen
Keine Anmeldung durch Personen, nur definierte Rechte
Notfälle und Wiederherstellung
Automatisierter Zugriff auf benötigte Ressourcen
Nutzung nur im Ausnahmefall und mit Protokollierung
Role Based Access Control (RBAC)
Zur Umsetzung des Least-Privilege-Konzepts gehört zunächst die Analyse, welche Tätigkeiten eine Person oder ein System ausführen muss. Man spricht auch von Role Based Access Control (RBAC). Anschließend werden ausschließlich die hierfür notwendigen Zugriffsrechte vergeben. Beispiel:
Beschäftigte im Vertrieb dürfen Daten von Kund:innen einsehen und bearbeiten.
Sie benötigen jedoch keinen Zugriff auf Personalakten oder Serverkonfigurationen.
Ein Datenbankdienst darf auf seine zugehörige Datenbank zugreifen, jedoch nicht auf andere Unternehmenssysteme.
Dadurch gibt es keine unnötigen Berechtigungen oder solche, die über den Zuständigkeitsbereich einer Person oder Anwendung hinausgehen.
Just-in-Time-Zugriff
Sie sollten privilegierte Rechte nur temporär vergeben. Der sogenannte Just-in-Time-Zugriff erlaubt Zugriffe nur für einen klar definierten Zeitraum.
Beispiel:
Kontinuierliche Überprüfung
Wichtig zu wissen ist: Least Privilege ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Berechtigungen müssen regelmäßig überprüft werden, da sich Rollen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten in Unternehmen fortlaufend ändern.
Typische Maßnahmen sind:
Regelmäßige Berechtigungsprüfungen
Entfernen nicht mehr benötigter Zugriffe
Überwachung privilegierter Konten
Dokumentation und Genehmigung von Rechteänderungen