Zwischen Liebe, Verlust, Einsamkeit und Trauer: Das epische Netflix-Drama "Train Dreams" erzählt die tragische Geschichte des Holzfällers Robert. Doch die letzten Szenen lassen verschiedene Interpretationen zu. Wir erklären das Ende von "Train Dreams": Was passiert mit der Hauptfigur Robert? Kehrt seine Tochter zurück?
Achtung, der folgende Text enthält Spoiler! Wenn Du den Film noch nicht gesehen hast, solltest Du lieber nicht weiterlesen.
"Train Dreams": So steuert die Handlung auf das Ende zu
Robert Grainier (Joel Edgerton) hat seine Eltern nie kennengelernt und weiß nicht, wie alt er ist. Er wächst in einer Kleinstadt in Idaho bei Pflegeeltern auf und verlässt die Schule früh, um Holzfäller zu werden. Zugehörig fühlt er sich nirgendwo – bis er Gladys (Felicity Jones) begegnet. Erst jetzt verändert sich sein Leben zum Guten. Die beiden heiraten und bekommen eine Tochter, Katie. Doch im Netflix-Film "Train Dreams" von Regisseur Clint Bentley ist dies nicht das Happy End.
"Lillys Verschwinden": Das Ende erklärt – taucht das Mädchen wieder auf?
Weil Robert ihren Lebensunterhalt als Eisenbahnarbeiter verdient, muss er zu seinem Leidwesen längere Zeiträume fern von daheim verbringen. Als er eines Tages von einem Arbeitsauftrag zurückkommt, erwartet ihn eine Tragödie: Ein Waldbrand hat die Gegend verwüstet, die Hütte der Familie ist abgebrannt. Von Gladys und Katie fehlt jede Spur, ihre Überreste werden nie gefunden.
Der Schmerz über den Verlust der beiden geliebten Menschen stürzt Robert in eine tiefe Depression. Nur mithilfe seines Freundes Ignatius Jack (Nathaniel Arcand) findet er ins Leben zurück. Zudem hilft es ihm, zu sehen, wie sich die natürliche Welt um ihn herum regeneriert, selbst nach völliger Verwüstung.
Schließlich baut er seine Hütte wieder auf und lebt fortan allein im Wald. Er trifft andere Menschen und kümmert sich um Tiere. Aber der Mann verwindet nie, dass er Frau und Tochter verloren hat. Und er hört nie auf zu hoffen, dass sie wieder auftauchen. Immer wieder läuft er durch den Wald und glaubt, ihre Geister zu spüren. Die Hoffnung und das Warten helfen ihm, am Leben festzuhalten. Am Ende von "Train Dreams" kommt es zu einer überraschenden Wendung – und Roberts Leben verändert sich erneut.
Das Ende von Train Dreams erklärt: Ist das wilde Mädchen Roberts Tochter?
Eines Tages erkrankt Robert an einem hohen Fieber. Im Traum besucht ihn seine Frau. Darin sieht er Gladys vor ihrer Hütte, als sie das Feuer bemerkt. Sie kann zwar mit der kleinen Katie entkommen, aber dann stürzt sie und kann nicht mehr aufstehen. Das Kind ruft verzweifelt um Hilfe. Als Robert erwacht, ist er sicher, dass seine Tochter überlebt hat.
Kurz danach hört er eine Art Heulen vor der Tür und findet draußen ein verletztes, schmutziges Mädchen. Sie verhält sich eher wie ein Tier als ein Mensch. Er kümmert sich wie ein Vater um sie, richtet ihr Bein und wäscht ihr das Gesicht. Er nennt sie sogar Katie. Doch am nächsten Morgen ist das Mädchen spurlos verschwunden. Traum und Wirklichkeit lassen sich nicht voneinander trennen: Robert weiß nicht, ob das, was er erlebt hat, wirklich war. Sicherheitshalber stellt er jeden Tag Essen vor der Hütte ab und hofft, dass sie zurückkommt. Aber das tut sie nie.
"Der Kristallkuckuck": Das verstörende Ende der Netflix-Serie erklärt
Dass es sich bei dem wilden Mädchen wirklich um Claire handelt, ist sehr unwahrscheinlich. Wie sollte sie all die Jahre allein überlebt haben, ohne dass sie jemand gefunden hätte? Aber hat überhaupt jemand Robert besucht, oder war das alles nur ein Traum? Das lässt "Train Dreams" bis zum Ende bewusst offen.
Allerdings sieht Robert im Verlauf der Handlung immer wieder den Geist eines Menschen, der nicht mehr lebt – den des ehemaligen Kollegen Fu Cheng. Rassistische Arbeiter hatten den chinesischstämmigen Arbeiter brutal angegriffen und von einer Brücke gestoßen. Robert versuchte zu helfen, aber er griff nicht energisch genug ein. Darum wird er sein Leben lang von Schuldgefühlen geplagt.
Ob das Mädchen nur in Roberts Einbildung existiert, bleibt letztlich der Fantasie des Publikums überlassen. "Es ist nicht ganz klar, ob es tatsächlich geschieht oder nur in seinem Kopf passiert", verrät Regisseur Bentley gegenüber dem Netflix-Magazin Tudum: "Es ist seine Art, die Trauer zu verarbeiten – diese seltsame Wiedervereinigung mit seiner Tochter, oder mit diesem Kind, das vielleicht seine Tochter ist oder auch nicht."
Welche Rolle spielt Claire für Robert?
Robert freundet sich in "Train Dreams" mit einer Frau namens Claire (Kerry Condon) an, einer Angestellten der US-Forstverwaltung. In vielerlei Hinsicht ist sie das Gegenteil von ihm: Sie hat die Welt bereist und lebt ein Leben voller Abenteuer. Aber ihre gemeinsame Erfahrung von Verlust und Einsamkeit schafft ein Band zwischen ihnen. Claire ist ebenfalls allein und hat ihre Familie verloren. Sie zeigt der Hauptfigur, dass es auch andere Wege gibt, damit umzugehen. Gleichzeitig verurteilt sie Robert nicht für sein Einsiedlerdasein.
Mehr als eine Freundschaft entsteht zwischen den beiden jedoch nie. Ihre Beziehung dreht sich ausschließlich darum, Einsamkeit zu verstehen und einen Umgang mit ihr zu finden.
Robert am Ende von Train Dreams: Eine Erklärung für den Astronauten und den Flug
Am Ende von "Train Dreams" ist Robert allein und läuft durch die Straßen der Stadt Spokane in Washington. Er schaut in ein Schaufenster, wo ein Fernseher läuft. Auf dem Bildschirm ist zu sehen, wie ein Raumfahrzeug um die Erde kreist. Es ist der erste Flug eines US-amerikanischen Astronauten in der Erdumlaufbahn. "Oh, ist das …?", fragt er laut, und eine Frau antwortet: "Das sind wir."
Der Astronaut ist ein Spiegel von Roberts eigenem Dasein: einsam, aber dennoch verbunden. Er erkennt, dass sein kleines, unscheinbares Leben Teil einer größeren Geschichte ist – der Geschichte der Menschheit, die bis ins All reicht. Robert ist nicht völlig allein, sondern "Teil von uns". Der Erzähler sagt dazu: Er "beginnt gerade erst, ein schwaches Verständnis seines Lebens zu entwickeln, obwohl es ihm nun bereits entglitt."
In den letzten Szenen des Films sitzt Robert in einem Doppeldeckerflugzeug und sieht zum ersten Mal die Welt von oben. Nicht nur betrachtet er die Landschaft, die er mitgestaltet hat und die ihn prägte. Er fühlt sich auch "endlich der Welt verbunden", wie der Erzähler sagt. Durch die neue Perspektive entdeckt er, wie alles zusammenhängt und dass er und alles andere nur ein kleiner Teil von etwas Großem sind.
Der Pilot erinnert ihn: "Hey, Du solltest Dich besser an etwas festhalten." Das ist metaphorisch gemeint, als Erinnerung daran, dass das Leben schnell vorbeizieht. Trotz aller Verluste hat der Held der Geschichte noch etwas, an das er sich halten kann – seine Verbindung zur Welt, die Erinnerung und die Hoffnung. Am Ende von "Train Dreams" stirbt Robert allein und friedlich.
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