Robert De Niro: Synchronsprecher Christian Brückner vorgestellt

Eine ganze Generation wuchs mit Christian Brückners Stimme auf, denn seit „Der Pate – Teil II“ (1974) ist er der feste deutsche Synchronsprecher für Robert De Niro. Darüber hinaus leiht er auch Harvey Keitel und Martin Sheen seine Stimme, spricht Dokumentarfilme und stand selbst vor der Kamera. Wir stellen Dir die deutsche Stimme hinter Robert De Niro vor.

Das Wichtigste in Kürze

  • Christian Brückner ist seit 1974 der feste deutsche Synchronsprecher von Robert De Niro.
  • Brückner lieh Robert De Niro in über 90 Filmen seine Stimme.
  • Zusätzlich sprach Brückner mehr als 700 Hörproduktionen ein, darunter zahlreiche Hörbücher.
  • Brückner erhielt 2018 das deutsche Bundesverdienstkreuz für sein Lebenswerk.

Synchronsprecher von Robert De Niro: Wer ist Christian Brückner?

Christian Brückner würdest Du auf der Straße vielleicht nicht erkennen, seine tiefe, markante Stimme dafür sofort. Seit über 50 Jahren ist er die deutsche Synchronstimme von US-Schauspieler Robert De Niro. Doch seine Karriere ist deutlich facettenreicher und reicht von Hörbüchern und Hörspielen bis hin zu bekannten Dokumentarfilmen.

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Die Karriere des 1943 in Waldenburg (Niederschlesien) geborenen und in Köln aufgewachsenen Synchronsprechers begann im Theater. Nach zwei abgebrochenen Studien der Theologie, Germanistik, Theaterwissenschaft und Publizistik verschafften ihm Schauspielkurse und Sprecherunterricht erste Jobs in Rundfunk und Theater. Zu seinen ersten Produktionen zählte unter anderem Dylan Thomas „Unter dem Milchwald“.

Als Synchronsprecher ist Brückner ab den frühen 60er-Jahren aktiv, unter anderem in Klassikern wie „Bonnie und Clyde“ (1967) als Stimme von Warren Beatty sowie als Jon Finch in Hitchcocks „Frenzy“ (1972).Seinen ersten im Rundfunk gesprochenen Satz („Haltet den Dieb, der hat Apfelsinen geklaut“) verdankte er übrigens seinem Vater, der als Toningenieur beim WDR arbeitete.

Ab 1974: Feste Synchronstimme für Robert De Niro

Robert De Niro und Christian Brückner sind seit über 90 Filmen ein untrennbares Duo – zumindest, was die deutsche Synchronisation des US-Schauspielers betrifft. Angefangen hat alles 1974 mit "Der Pate – Teil II" von Francis Ford Coppola, für den De Niro den Oscar als bester Nebendarsteller erhielt.

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1976 ging die Geschichte weiter: Erst in „Der letzte Tycoon“, dann in „Taxi Driver“, Martin Scorseses Kultfilm über Taxifahrer Travis Bickle. Brückner wurde von Scorsese sogar höchstpersönlich als deutsche Synchronstimme für den Film gecastet. Vielleicht ein Grund, warum es seitdem keine Alternative mehr zu Brückner gab, wenn es um Robert De Niro geht.

Zu den bekanntesten Robert-De-Niro-Filmen, die Christian Brückner synchronisierte, zählen:

  • 1978: Die durch die Hölle gehen
  • 1980: Wie ein wilder Stier
  • 1984: Es war einmal in Amerika
  • 1991: Kap der Angst
  • 1993: Mary Shelley´s Frankenstein
  • 1995: Casino
  • 1995: Heat
  • 1997: Jackie Brown
  • 1998: Ronin
  • 1999: Reine Nervensache
  • 2004: Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich
  • 2007: Der Sternwanderer
  • 2012: Silver Linings
  • 2019: The Irishman
  • 2019: Joker
  • 2023: Killers of the Flower Moon

Hier findest Du ein Interview mit Christian Brückner auf YouTube:

Weitere bekannte Synchronrollen: Harvey Keitel und Martin Sheen

Gefragt ist Christian Brückner nicht nur für De-Niro-Filme, sondern auch als Sprecher für bekannte Schauspieler wie Harvey Keitel, Martin Sheen, Burt Reynolds, Warren Beatty und Peter Fonda.

Eine Auswahl von Christian Brückners bekanntesten Synchronrollen:

Als Harvey Keitel:

  • 1988: Die letzte Versuchung Christi
  • 1989: Im Zeichen der Jungfrau
  • 1991: Thelma & Louise
  • 1992: Bad Lieutenant
  • 1993: Snake Eyes
  • 1993: Die Wiege der Sonne
  • 2002: Roter Drache
  • 2014: Grand Budapest Hotel

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Als Martin Sheen:

  • 1979: Apocalypse Now
  • 1980: Der letzte Countdown
  • 1982: Gandhi
  • 1987: Wall Street
  • 1993: Hot Shots! – Der zweite Versuch

Als Peter Fonda:

  • 1975: Vier im rasenden Sarg
  • 1977: Outlaw Blues
  • 1978: Heißer Asphalt

Preisgekrönte Hörbücher und Hörspiele

Mindestens ebenso erfolgreich und umtriebig wie als Synchronsprecher ist Brückner auch als Sprecher von Hörbüchern und Hörspielen. Allein die ARD-Hörspieldatenbank verzeichnet ganze 793 Sprecherrollen unter seinem Namen. Kein Wunder, denn seit 1956 vertont er bereits Hörbücher und Hörspiele, von denen viele auf der offiziellen Hörbuchbestenliste landeten.

Zu bekannten Hörbüchern, die Christian Brückner vertonte, zählen:

  • Mein Freund Winnetou von Karl May (Hörspielreihe, 1980)
  • Der Prozeß von Franz Kafka (2002)
  • Aus dem Leben eines Taugenichs von Joseph von Eichendorff (2004)
  • Brokeback Mountain von Annie E. Proulx (2006)
  • In eisigen Höhen von Jon Krakauer (2011)
  • Der Pate von Mario Puzo (2017)
  • Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling (2021)
Robert de Niro im Film "Taxi Driver".

Eigener Hörbuchverlag: Parlando

Nachdem Brückner seit 1956 an Hunderten Hörproduktionen mitgewirkt hatte, gründete er mit seiner Frau Waltraut Brückner den Hörbuchverlag Parlando. Darin vertonte er Werke der Weltliteratur als Hörbücher und legte dabei den Schwerpunkt vor allem auf US-Literatur in deutscher Übersetzung sowie auf klassische europäische Literatur.

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Für ihr Engagement erhielt das Ehepaar 2005 den Deutschen Hörbuchbreis in der Kategorie „Das besondere Hörbuch“. 2022 gaben die Brückners die Einstellung des Verlags bekannt, da sich Hör- und Kaufgewohnheiten durch neue Streamingangebote stark änderten.

Dokumentarfilme, Musikproduktionen und Filmrollen

Zu weiteren Tätigkeitsfeldern von Christian Brückner zählen:

  • Dokumentarfilme: Im Bereich Dokumentarfilme ist Brückner als Off-Stimme für die Geschichtsdokus von Guido Knopp sowie für eine Vielzahl an Naturdokus wie „Unser Planet“ bekannt.
  • Musikproduktionen: Eine zweite Leidenschaft neben Hörbuchproduktionen bildet für Brückner die Verschmelzung von musikalischen und literarischen Werken. Bekannte Musikproduktionen umfassen Homers „Odyssee“ mit dem Cologne Contemporary Jazz Orchestra, „Brückner Beat“ mit Texten der Beat-Generation sowie „Brückner Bukowski“ als musikalische Inszenierung von Texten des Autors Charles Bukowski.
  • Schauspiel: Mit seinen Wurzeln im Theater versuchte Brückner sein Glück auch vor der Kamera. Zu einigen seiner Rollen in Film und Fernsehen zählen „Anpassung an eine zerstörte Illusion“ (1977), die ZDF-Serie „Spiel des Lebens“ (1996), „Tatort – Lauf eines Todes“ (1980) sowie „Liebe am Fjord – Zwei Sommer“ (2013).

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Auszeichnungen

Für seine fünf Jahrzehnte umspannende Karriere und seine Verdienste als Synchronsprecher und Hörbuchproduzent erhielt Brückner einige der renommiertesten deutschen Auszeichnungen. Unter anderem:

  • 2005: Deutscher Hörbuchpreis
  • 2006: Adolf-Grimme-Preis
  • 2006: Lesewerk-Preis
  • 2012: Sonderpreis des Deutschen Hörbuchpreises für sein Lebenswerk

2018 erhielt Brückner zudem das Deutsche Verdienstkreuz für sein Lebenswerk und seine Leistungen für die deutsche Kultur.

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