Das Ende von "Tiefe Wasser" erklärt: Ben Affleck und Ana de Armas lieben und morden in einem Erotik-Thriller nach Buchvorlage. Wie der Film endet und was ihn von Patricia Highsmiths Roman unterscheidet, liest Du hier.
Eine neue Verfilmung von Tiefe Wasser
Der Thriller von Adrian Lyne ("Eine verhängnisvolle Affäre") erschien 2022 bei verschiedenen Streamingdiensten, in den USA bei Hulu, hierzulande bei Amazon Prime Video. Ursprünglich sollte der mit Ben Affleck und Ana de Armas prominent besetzte Film sogar in die Kinos kommen, daraus wurde allerdings nichts.
"Tiefe Wasser" basiert auf dem 1957 erschienen Roman "Deep Water" von Patricia Highsmith. Das Buch wurde zuvor bereits von Michel Deville in Frankreich (1981) und als TV-Zweiteiler fürs ZDF verfilmt (1983).
Die Story im Film: Kurzfassung
Bevor Du das Ende von "Tiefe Wasser" erklärt findest, hier zunächst eine kurze Zusammenfassung des Filminhalts: Die Ehe von Victor (Ben Affleck) und Melinda van Allen (Ana de Armas) steckt in der Krise. Ruheständler Vic kümmert sich um die gemeinsame Tochter Trixie (Grace Jenkins), während Melinda die Mutterrolle eher lästig ist. Die Leidenschaft zwischen Vic und Melinda scheint erloschen.
Um die Familie zusammenzuhalten und eine Scheidung zu vermeiden, nimmt Vic die Affären seiner Frau hin, jedenfalls vordergründig. Dieser Deal, zunächst auch im Bekanntenkreis akzeptiert, beginnt jedoch bald zu bröckeln. Vic verunsichert einen von Melindas Liebhabern mit der Bemerkung, er hätte einen verschollenen Ex-Lover seiner Frau ermordet.
Das stellt sich als schlechter Scherz heraus. Der Vermisste wird erschossen aufgefunden, der Täter gefasst. Aber Vic macht damit deutlich, dass er nicht mehr der stille Dulder ist, sondern vielmehr bereit, für seine Ehe aktiv zu werden.
Die Maske des biederen Familienvaters fällt, dahinter kommt Bösartigkeit zum Vorschein. Bei einer Gartenparty ertränkt Vic schließlich Melindas Klavierlehrer Charlie. Und er erschlägt Tony, einen weiteren ihrer Liebhaber.
Tiefe Wasser: So endet der Film
Melinda ahnt zwar, dass Vic ihren Lover Charlie auf dem Gewissen hat. Statt entsetzt zu sein, fühlt sie sich aber eher geschmeichelt. Als Vic sie fragt, warum sie keine Angst vor ihm habe, liefert Melinda eine irre Erklärung: "Weil du für mich getötet hast."
Nach dem nächsten Mord scheint Melinda aber doch kalte Füße zu bekommen. Sie findet Tonys Ausweis in Vics Hobbyraum und will ihn verlassen. Außerdem alarmiert sie den ohnehin misstrauischen Nachbarn Don Wilson.
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Dieser kommt daraufhin Vic auf die Spur, beobachtet ihn bei der Beseitigung der Leiche. Bevor Don jedoch die Polizei einschalten kann, wird er von Vic in den Tod gehetzt. Währenddessen legt Melinda eine Wende hin: Denn als Trixie sich weigert, mit ihrer Mutter zu verschwinden, verbrennt Melinda die Beweise für Vics Täterschaft.
Als Vic nach Hause kommt, beginnt ein neues Kapitel im Leben dieser dysfunktionalen Familie. Es gibt eine Art Happy End, da es offenbar keinerlei Beweis mehr dafür gibt, dass Vic drei Menschen umgebracht hat. Nur er, seine Frau und seine Tochter wissen, was er getan hat.
Tiefe Wasser: Das Ende erklärt – und was es bedeutet
Das Ende von "Tiefe Wasser" stellt herkömmliche Erwartungen und Moralvorstellungen auf den Kopf. Aber es ist konsequent: Der Film von Adrian Lyne hat keine moralische Botschaft, er ist vielmehr eine Studie kranker Seelen, die Grenzen überschreiten.
Die beiden Hauptfiguren haben wenige bis keine sympathischen Züge, und sie begehen schwerste Verfehlungen – aber sie kommen ungeschoren davon. Vermutlich wird es weitere Tote im Umfeld der Familie van Allen geben, denn das Morden ist es, was die Beziehung von Vic und Melinda am Leben erhält.
Noch erschreckender: Die erst sechsjährige Tochter Trixie durchschaut dieses Spiel und spielt es mit. Sie hält zu ihrem Vater, hat zu ihm sogar ein liebevolleres Verhältnis als zu ihrer Mutter. Wie kann das sein?
Vic und Melinda sind ein besonders krasses Beispiel für eine Vorstadtfamilie der gehobenen Mittelschicht, die hinter ihrer glänzenden Fassade längst in Trümmern liegt. Aber ist das wirklich das Thema, um dass es in "Tiefe Wasser" geht? Geht es darum, wie verdorben unsere moderne (westliche) Gesellschaft ist?
Gewalt als Liebesbeweis
Dieses Thema bedient die Buchvorlage von Patricia Highsmith deutlich besser. Der Film "Tiefe Wasser" schlägt andere Töne an. Viel schrillere: Vic und Melinda sind ganz einfach kaputte Typen. Ihre Ehe ist am Ende, ihre Beziehung ein Gefängnis. Der Ausweg ist aber nicht die Trennung, sondern das gemeinsame Abtauchen in moralische Abgründe.
Um die Ehe aufrechtzuerhalten und zumindest die Illusion von Normalität zu wahren, entwickeln Vic und Melinda ein extremes Verhalten. Sie treffen eine Übereinkunft, die letztlich den Tod zum Lebenselixier ihrer vermeintlichen Liebe macht.
Die Affären seiner Frau treiben Vic zu einem Ausbruch von Eifersucht und Gewalt. Er bringt zwei ihrer Liebhaber um. Melinda erkennt, dass diese Gewaltausbrüche Vics Art sind, ihr seine Liebe zu zeigen. Das bestätigt ihre Stellung als Ehefrau – und belohnt ihre Untreue.
Melinda beteuert Vic zu Beginn immer wieder ihre Liebe. Doch er scheint unfähig, diese Gefühle zu erwidern. Sie ist zunächst von ihrer Ehe gelangweilt. Als sie allerdings begreift, wie weit er geht, um seine Liebe zu zeigen, ist Melinda fasziniert.
Beide machen sich mitschuldig am unmoralischen Verhalten des jeweils anderen: Vic durch Melindas Untreue, sie durch seine Morde. Noch verstörender ist, was mit ihrer Tochter Trixie passiert.
Trixie wird zur Komplizin ihrer fürchterlichen Eltern. Statt von Mutter und Vater angewidert zu sein, akzeptiert sie das Verhalten von Vic und Melinda. Ihre Mitwisserschaft stärkt sogar die Bindung zu ihren Eltern. Trixie ist genauso krank wie Vic und Melinda.
Tiefe Wasser: So endet die Buchvorlage
Patricia Highsmith lässt ihre Story im Roman ganz anders enden. Melindas Untreue und Vics Morde führen die beiden nicht näher zusammen, sie zerstören ihre Ehe endgültig. Der Roman ist eine Geschichte der Verachtung: Melinda tanzt ihrem Mann mit ständigen Avancen auf der Nase herum.
Der wiederum hat keinerlei Gefühle mehr für seine Frau. Die Melinda aus dem Roman entspricht dem Bild einer Femme fatale, die Männer rücksichtslos um den Verstand bringt. Sie demütigt Vic, der sich wehrt, indem er ihre Liebhaber ermordet. Schließlich bringt er auch sie um – er erwürgt sie, bevor Don mit der Polizei eintrifft.
Der Roman endet im Gegensatz zum Film also moralisch: Melinda wird für ihr Fehlverhalten mit dem Tod bestraft, Vic verhaftet und vor Gericht gestellt.
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