The Long Walk: Das Ende der Stephen-King-Verfilmung erklärt

Das Ende von „The Long Walk“ erklärt: Der Horrorfilm nach dem gleichnamigen dystopischen Roman von Stephen King wirft etliche Fragen auf. Die eine oder andere versuchen wir hier zu beantworten – aber ein paar Rätsel dürften dennoch bleiben.

The Long Walk: Darum geht's in dem Film

Der „Long Walk“ findet einmal jährlich statt, soll die Arbeitsmoral im Land heben, und die Teilnahme ist freiwillig. Dieser Wettbewerb kennt nur einen Gewinner, alle anderen bezahlen ihn mit dem Leben – es ist ein Todesmarsch.

50 junge Männer, einer für jeden Bundesstaat der USA, marschieren Tag und Nacht, bis nur einer übrig bleibt. Bewaffnete Soldaten mit gepanzerten Fahrzeugen begleiten die Männer. Wer das Tempo von vier Meilen pro Stunde unterschreitet, pausiert oder zusammenbricht, wird erschossen.

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Das Kommando führt ein Major, der keinerlei Kompromisse kennt. Den Sieger erwartet großer Reichtum – und er darf sich etwas wünschen, außer so etwas wie den Weltfrieden oder die Abschaffung des Todesmarsches.

So weichen Buch und Film voneinander ab

An dieser Prämisse aus dem Roman ändert sich auch im Film nicht viel – abgesehen davon, dass es im Buch 100 Männer sind, die zu dem Gewaltmarsch antreten. Stephen Kings Roman „The Long Walk“ (deutscher Titel: „Todesmarsch“) erschien 1979, der Autor begann aber bereits in den 1960er-Jahren mit der Arbeit an der Geschichte.

Viele der damaligen Leser:innen haben sich das Ende von „The Long Walk“ mit der Nähe zum Vietnamkrieg erklärt. Sie sahen Kings Geschichte in erster Linie als eine Art Abbild des Kriegs in Fernost, der auch Zehntausende junge Amerikaner das Leben kostete.

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Pläne, das Buch zu verfilmen, gab es seit den 1980er-Jahren. Aber erst rund 45 Jahre nach Veröffentlichung des Romans wird aus „The Long Walk“ endlich ein Kinofilm – unter der Regie von Francis Lawrence („Die Tribute von Panem“). Nach so langer Zeit sind Änderungen am Konzept unausweichlich: Das Kinopublikum von heute hat nicht mehr viel mit den Leser:innen von einst gemeinsam. Die Welt, in der wir leben – und in der mehr oder weniger die Geschichte spielt –, ist eine andere.

Protagonist des Romans ist Raymond Garraty. Ray freundet sich während des Marsches mit seinem Konkurrenten Peter McVries an. Beide halten sehr lange durch, aber es kann nur einen Gewinner geben. Im Buch ist das Ray, sein Freund Peter ist der drittletzte Teilnehmer, der stirbt.

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Stephen King hat seiner Geschichte allerdings ein offenes Ende gegeben: Als der Major Ray zum Sieg gratulieren will, reißt Ray sich los und läuft auf eine schwarze Gestalt zu, die ihn heranwinkt. Eine Halluzination? Der Tod? Stirbt Ray trotz seines Sieges – und wenn nicht, wie lebt er nach diesen furchtbaren Verlusten und Erlebnissen weiter?

Wie viele gute Geschichten lässt auch „The Long Walk“ mehrere Interpretationen zu. Das Ende des Films weicht allerdings deutlich vom Romanfinale ab. Ein offenes Ende ist es aber geblieben.

Das Ende von The Long Walk erklärt

Im Buch ist es Peter, der am Wegrand sitzen bleibt, aufgibt und daher erschossen wird. Im Film ist es Ray (Cooper Hoffman), der sich setzt, Peter (David Jonsson) seine Liebe gesteht und damit seinen Tod provoziert. Aber das Ende von „The Long Walk“ ist nicht einfach damit erklärt, dass Peter statt Ray den Marsch gewonnen hat.

Denn was nach dem Marsch passiert, ist eine weitere schockierende Wendung, die es so nicht im Roman gibt. Peter äußert seinen Wunsch: Er bittet um ein Gewehr. Mit den Worten „Die ist für Dich“ erschießt er den Major (Mark Hamill) und verschwindet in der Nacht.

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Warum wird er nicht verfolgt? Kommt Peter mit dem Mord davon? Darauf gibt der Film keine Antworten – und er braucht es auch nicht. Denn vor dem formal offenen Ende erzählt er eine modernisierte Dystopie, die sehr viel direkter mit den Themen Solidarität, Menschlichkeit und Liebe zu tun hat als der Roman.

Immer wieder retten Ray und Peter ihre Konkurrenten und einander. Sie hören sich gegenseitig zu, geben sich moralische Unterstützung. Und sie entdecken, intensiver als im Buch, ihre Gefühle füreinander. Ray und Peter sind nicht einfach beste Freunde, wenn das unter dem Druck einer tödlichen Bedrohung überhaupt möglich ist – sie sind ein Liebespaar.

Liebe und Rache

Peter und Ray sind ein tragisches Liebespaar, denn es ist vollkommen klar, dass nur einer von beiden überleben kann. Diese Ausweglosigkeit ist der Schlüsselmoment des Films. Die beiden jungen Männer scheinen ihre Rollen zu tauschen – indem sie sich füreinander opfern. Ray will Rache, weil der Major einst seinen Vater umbrachte. Gewinnt er, will er den Major erschießen.

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Peter argumentiert dagegen. „Rache ist nicht genug“, sagt er seinem Freund. „Wenn du es schaffst“, rät Peter Ray, „schlage ich vor, dass Du Dich für die Liebe entscheidest.“ Nachdem Ray sein Leben gegeben hat, damit sein Freund überlebt und siegt, scheint sich Peters Einstellung komplett zu verändern.

Denn seine ursprüngliche Idee war, als Sieger den Wunsch zu äußern, dass der lange Marsch künftig zwei Sieger hat – damit wenigstens eine Freundschaft den Todeskampf überlebt. Dass Peter den Major erschießt, erscheint zunächst wie ein Verrat an seinen eigenen Idealen.

Der Major (Mark Hamill) steht auf einem Militarfahrzeug.

Denn er nimmt Rache für den Tod seines Liebsten – etwas, das er Ray auszureden versucht hatte. Aber diese Wendung lässt sich auch als Moment der Erkenntnis verstehen. Peter wird nie wieder so viel Macht haben wie in diesem Augenblick. Er ist ein armer Bursche, der in einem unfreien Land unter offenbar unmenschlichen Bedingungen leben muss.

Jetzt kann er etwas tun, was sonst unmöglich ist: ein Zeichen setzen. Peter erkennt, dass es am Ende keinen Sieger bei diesem langen Marsch gibt. Und deshalb sorgt er mit seinem Schuss dafür, dass auch der Major den Schauplatz nicht als Sieger verlässt.

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Oder ist der Major mehr als nur ein örtlicher Kommandant? Ist er gar der Mann, der das ganze Land seiner autoritären Führung unterwirft? Dann wäre seine Erschießung ein Tyrannenmord, also eine womöglich moralisch gerechtfertigte Gewalttat. Das lässt der Film aber offen. Das Ende von „The Long Walk“ zu erklären, ist auch im Fall der Verfilmung nicht einfach – es bleibt ein Fall zum Grübeln.

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