Digitalisierung der Arbeitswelt: Berufe im 21. Jahrhundert

Digitales Business

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Datum 19.09.2018
Lesezeit 6 Min.

Digitalisierung der Arbeitswelt: Berufe im 21. Jahrhundert

Die immer weiter fortschreitende Digitalisierung verändert derzeit ganze Branchen: Chancen und Risiken werden im digitalen Wandel ganz neu ausgewürfelt, schärferer Wettbewerb und neue technische Möglichkeiten führen zu neuen Geschäftsmodellen. Wer langfristig am Markt bestehen will, kann diese Tatsachen nicht ignorieren. Denn das alles führt nicht zuletzt auch zu veränderten Anforderungen an potenzielle Arbeitnehmer: Viele sich wiederholende Tätigkeiten werden im Laufe der Zeit zum Beispiel durch Maschinen ersetzt. Dadurch entstehen gleichzeitig neue Berufsfelder, die andere Qualifikationen voraussetzen.

Noch vor einigen Jahren gab es für Schulabgänger eine überschaubare Anzahl an festen Berufsbildern. Wer durch eine entsprechende Ausbildung oder den Besuch einer Universität seine Laufbahn eingeschlagen hatte, blieb seiner Wahl häufig bis zum Ende des beruflichen Werdegangs treu. Mittlerweile jedoch verändern sich die beruflichen Anforderungen derart rasant, dass eine klassische Berufsausbildung nur noch bedingt auf eine erfolgreiche Karriere vorbereiten kann. Wir zeigen Ihnen, welche Berufsbilder die Digitalisierung in absehbarer Zeit überflüssig machen wird – und welche neuen Jobprofile dafür in der modernen Industrie 4.0 entstehen.

 

Wie Digitalisierung die Arbeitswelt nachhaltig verändert

Ein viel diskutiertes, aktuelles Stichwort lautet Disruption und digitale Transformation. Durch fortschreitende Digitalisierung werden bestehende Strukturen aufgebrochen, und es entsteht eine völlig neue Sicht auf die Art, wie wir kommunizieren und unsere Arbeit verrichten.

Dieser vom österreichischen Ökonom Joseph Schumpeter auch als „Schöpferische Zerstörung” bezeichnete Prozess bringt für so manchen klassischen Beruf das mögliche „Aus”. Immerhin lernt die künstliche Intelligenz inzwischen, nicht nur sich wiederholende, sondern auch komplexere Tätigkeiten selbstständig durchzuführen. Als Beispiel seien hier Roboter genannt, die in der Lage sind, ohne fremde Hilfe Hindernisse zu überwinden und auf wechselnde Umweltanforderungen zu reagieren. Dies stellt so manchen Logistikberuf, aber auch die Reinigungsbranche vor völlig neue Herausforderungen. Wo früher Menschen Waren in Kisten gepackt oder ganze Hallen und Flure gereinigt haben, erledigen inzwischen Roboter zumindest einen Teil dieser Arbeiten.

Vor diesem Hintergrund gibt es nicht wenige Stimmen, die behaupten, dass die fortschreitende Automatisierung und die Industrie 4.0 Arbeitsplätze vernichten würden. Dabei bringt die Veränderung eine Menge an Vorteilen mit sich, die Unternehmen für sich nutzen können:

  • Wenn Fertigungsprozesse noch mehr automatisiert werden, sinken die Produktionskosten und damit auch der Preis des Produkts. Somit können sich mehr Menschen Produkte leisten, die für sie zuvor unerschwinglich waren. Der Markt wächst.
  • Dadurch, dass Jobs mit geringen Qualifikationsanforderungen zunehmend wegfallen, können die Arbeitnehmer für andere, teils neu entstehende Jobs weitergebildet werden.
  • Bedingt durch den demographischen Wandel stehen zumindest in Deutschland ohnehin immer weniger Arbeitskräfte zur Verfügung. In diese Auswahl müssen Unternehmen investieren: Hier können sich betriebliche Qualifizierungsangebote lohnen – und so besonders loyale, passgenau ausgebildete Mitarbeiter hervorbringen.
  • Das Bildungssystem wird sich über kurz oder lang an die veränderten Anforderungen anpassen und Schüler sowie Studenten immer besser für das Arbeitsleben qualifizieren.
  • Für den Arbeitsmarkt-Nachwuchs aus einer Generation von „Digital Natives” ist der Umgang mit digitaler Technologie selbstverständlich. Gründer aus diesem Nachwuchs werden durch Innovation die Gesamtwirtschaft voranbringen und für neue Impulse sorgen.
  • Dank der fortschreitenden Digitalisierung wird es immer weniger wichtig, an welchem Ort und zu welcher Zeit eine Tätigkeit ausgeführt wird. Die Lebensqualität und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie steigen dadurch deutlich an (Stichwort „Work-Life-Balance”).
  • Durch die sinnvolle Verknüpfung der Arbeit von Mensch und Maschine entstehen völlig neue Berufsbilder. Roboter, die auf die Zusammenarbeit mit Menschen spezialisiert sind, werden auch als „Cobots” („Collaborative Robots”) bezeichnet – sie brauchen passend ausgebildete menschliche Arbeitskollegen.
  • Es entstehen neue Manager-Berufe, die sich mit dem technologischen Wandel auseinandersetzen und diesen innerbetrieblich begleiten.
Video: YouTube / fatc 2020

Unabhängig von den möglichen Vorteilen der Industrie 4.0 zeichnen auch die aktuellen Arbeitsmarktzahlen in Deutschland kein Bild, das die Befürchtungen von weitreichenden Jobverlusten untermauern würde. Doch ohne einen klaren Fokus auf Digitalisierung und moderne Arbeitsumfeldgestaltung geraten Unternehmen schnell ins Hintertreffen und haben am Ende vielleicht tatsächlich das Nachsehen.

Es gibt zum Glück bereits unzählige Firmen, die im digitalen Wandel eine Chance sehen: Sie legen ihren Fokus schon jetzt auf den Ausbau persönlicher Stärken der einzelnen Mitarbeiter, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Wer sich der Disruption nicht verschließt, erzielt bereits jetzt einen echten Wettbewerbsvorteil – nicht nur beim Werben um qualifizierte Arbeitskräfte.

 

Vom Mythos der Ersetzung des Menschen

Betrachtet man die Entwicklung der letzten 150 Jahre, so können die Digitalisierung und die vernetzte Industrie 4.0 als einer der wesentlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüche der Neuzeit gesehen werden. Ähnlich große Umbrüche brachte die Industrielle Revolution oder auch die flächendeckende Einführung von Elektrizität: Solche Neuerungen schüren Ängste, Menschen fürchten um ihre Jobs und ihre Zukunft.

Gleiches galt, als in Folge der Ölpreiskrisen in den 1970er- und 1980er-Jahren die Automatisierung als Arbeitsplatzvernichter dargestellt wurde, obwohl es eigentlich vor allem eine handfeste Wirtschaftskrise gab. Das Gegenteil der Arbeitsplatzvernichtung war letztlich der Fall – gefährliche und extrem anstrengende Tätigkeiten wurden zunehmend von Maschinen erledigt. Der allgemeine Wohlstand stieg an, ohne dass es zu (dauerhafter) Massenarbeitslosigkeit und einer vielfach befürchteten Arbeitswelt bestehend aus Maschinen und Robotern kam.

Heute werden Maschinen in der sogenannten Industrie 4.0 nicht nur elektrisch betrieben, sondern auch intelligent miteinander vernetzt. Das hebt den Begriff der Automatisierung auf eine ganz neue Stufe. Bedenkt man hierbei jedoch, dass auch Maschinen bis auf Weiteres nur so intelligent agieren können, wie man es ihnen beibringt, kann von einem vollständigen Ersetzen des Menschen als Arbeitskraft bei Weitem nicht die Rede sein.

Video: YouTube/SWR 3

 

Das Verhältnis zwischen Arbeit und Technologien in der Industrie 4.0

Der Mensch wird somit nicht abgeschafft, sondern im Gegenteil: Die Digitalisierung schafft schon jetzt jede Menge neue Jobs. Man kann sogar davon ausgehen, dass viele weitere, bislang gar nicht existierende Berufsbilder folgen werden. Jedoch ist, um hier den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften decken zu können, eine weitgehend neue Sicht auf Berufsbilder notwendig. Wer heute noch glaubt, durch eine einmalige, abgeschlossene Ausbildung in einem bestimmten Berufsfeld sein Leben lang arbeiten zu können, wird dies nur in wenigen, spezialisierten Bereichen tun können. Vor allem soziale Berufe werden sicherlich noch lange von der Automatisierung ausgenommen bleiben – aber auch Tätigkeiten, die Kreativität und viel handwerkliches, individuelles Geschick erfordern.

Was andere Ausbildungsberufe angeht, so wird aus dem ehemaligen Fabrikarbeiter möglicherweise schon bald ein Aufseher über den Produktionsablauf, der Eishersteller entwirft neue Eissorten und programmiert die produzierenden Maschinen entsprechend und der Zugführer überwacht lediglich den Fahrbetrieb, anstatt ständig tätig werden zu müssen.

Möglich macht all dies vor allem ein immer intelligenteres Zusammenspiel jeglicher Art von Maschine, sei sie auch noch so simpel in ihrer Struktur. Die solide Basis dieser Entwicklung sind unter anderem intelligente Lösungen wie Narrowband-IoT. Dass die Reise ins digitale Zeitalter immer weiter voranschreitet, zeigt auch die konsequente Weiterentwicklung dieser Technik unsererseits: Erst kürzlich haben wir die Möglichkeit geschaffen, pro einzelner LTE-Funkzelle bis zu 10.000 Geräte völlig unkompliziert miteinander zu vernetzen.

 

Zusammenfassung

  • Die Digitalisierung der Arbeitswelt bringt völlig neue Berufsbilder hervor.
  • Sich wiederholende und unangenehme oder anstrengende Tätigkeiten werden mehr und mehr der Vergangenheit angehören.
  • Die Generation der „Digital Natives” wächst vollständig im vernetzten Zeitalter auf und bringt entsprechend innovative Ideen ein, die viele anschließend als Unternehmensgründer auch umsetzen.
  • Durch konsequenten Breitbandausbau und die intelligente Vernetzung von Geräten, wie sie Vodafone vorantreibt, wird die Industrie 4.0 in immer mehr Unternehmen Realität.

 

Wie sehen Sie die Veränderungen durch die Digitalisierung und deren Auswirkungen auf traditionelle Berufsbilder? Steht die klassische duale Ausbildung komplett auf dem Prüfstand? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

 

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