Cleveland-Entführung: Die wahre Geschichte hinter dem Drama

Basiert „Die Cleveland-Entführung“ auf einer wahren Geschichte? Ariel Castro hält Michelle Knight, Amanda Berry und Georgina DeJesus bis zu elf Jahre lang in in Cleveland gefangen. 2013 wird Ariel Castro festgenommen. Hier liest Du, was die Frauen in dieser Zeit durchmachen mussten – die Grundlage für den Film „Die Cleveland-Entführung“.

Das Wichtigste in Kürze

  • Drei Frauen und ein Kind werden 2013 aus Castros Haus in Ohio befreit.
  • Ariel Castro entführt seine Opfer ab 2002 und hält sie wie Sklavinnen gefangen.
  • Die Regisseurin Alex Kalymnios verfilmt die Geschichte 2015 unter dem Titel „Cleveland Abduction“.

2207 Seymour Avenue – ein Ort des Grauens

Am 6. Mai 2013 vergisst Ariel Castro, eine Tür zu verriegeln. Dadurch gelingt Amanda Berry und ihrer sechsjährigen Tochter die Flucht aus dem Haus in der 2207 Seymour Avenue in Tremont. Kurz darauf entdeckt die Polizei im Haus zwei weitere Frauen, die seit Jahren vom „Monster von Cleveland“ gefangen gehalten wurden. Für die Frauen ist es das Ende einer Tortur, doch für die Gerechtigkeit, die sie verdienen, ist es erst der Anfang.

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In seinem Haus in Ohio hält Ariel Castro drei Frauen gefangen, die er zu unterschiedlichen Zeiten entführt hat – und das über einen Zeitraum von neun bis elf Jahren. Dort misshandelt und vergewaltigt er sie mehrfach, wodurch es zu mehreren Fehlgeburten sowie zur Geburt einer Tochter kommt, die lebend gerettet wird.

Nachbar:innen geben an, mehrfach die Polizei gerufen zu haben, als sie sonderbare Vorgänge in Castros Haus bemerken, jedoch ohne Ergebnis. Auch Familie und Bekannte geben an, nichts von den entführten Frauen im Haus geahnt zu haben, obwohl abgesperrte Bereiche darin sie stutzig machen.

Wie kommt es zu den Entführungen, was trieb Ariel Castro an und wie gelingt den Frauen letztlich die Flucht?

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Wahre Geschichte der „Cleveland-Entführung“: Die Opfer und Überlebenden

Nur acht Kilometer Entfernung liegt zwischen dem Ort der Entführung und dem Haus, in dem die drei Frauen über Jahre hinweg gefangen gehalten und misshandelt werden. Zu den Opfern und Überlebenden von Ariel Castro zählen:

Michelle Knight: 11 Jahre Gefangenschaft

Castro entführt Michelle Knight, damals 21 Jahre alt, am 22. August 2002. Michelle ist gerade auf dem Weg vom Haus ihrer Cousine. Am Tag der Entführung wollte sie vor Gericht die Erziehungsberechtigung für ihren Sohn Joey erwirken, den sie mit 18 Jahren bekam und selbst Jahre nach ihrer Befreiung aus der Gefangenschaft von Ariel Castro nicht sehen darf.

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Eigenen Aussagen im ABC-Interview zufolge, verläuft sie sich damals auf dem Weg zum Gerichtstermin. Dabei bietet ihr Castro, der Vater eines ihrer Freundinnen, seine Hilfe an. Statt zum Gerichtsgebäude fährt er zu seinem Haus in 2207 Seymour Avenue, wo er Michelle elf Jahre gefangen hält.

Unter anderem erleidet Michelle während der Gefangenschaft fünf Fehlgeburten und einen Gehörschaden. Die Polizei gesteht später ein, dass nur begrenzte Ressourcen für ihre Suche zum Einsatz kamen. Nach ihrer Befreiung verarbeitet sie ihre Erlebnisse in der Autobiografie „Die Unzerbrechliche“, auf Englisch „Finding Me: A Decade of Darkness, a Life Reclaimed“ (2014).

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Amanda Berry: Entführt am Vorabend ihres Geburtstags

Einen Tag vor ihrem 17. Geburtstag, am 21. April 2003, wird Amanda Berry von Ariel Castro entführt. Sie befindet sich auf dem Rückweg von ihrem Job bei Burger King, als ihr letzter Anruf bei ihrer Schwester eingeht. Später wird sich herausstellen, dass Castro ihr eine Mitfahrgelegenheit anbietet, die zu einem zehnjährigen Horrortrip wird.

Trotz der Beiträge in der Fox-Sendung „America’s Most Wanted“ und der „The Oprah Winfrey Show“ sowie verzweifelter Versuche ihrer Mutter bleibt sie spurlos verschwunden. Sieben Jahre vor der Befreiung, im Jahr 2006, stirbt Amandas Mutter Louwana Miller an Herzversagen.

Während der Gefangenschaft wird Amanda schwanger und bringt ihre Tochter Jocelyn am 25. Dezember 2006 zur Welt. Michelle Knight hilft trotz widriger Bedingungen und Drohungen bei der Geburt. Später nimmt Castro das Kind mit zu seiner Mutter und zeigt Fotos seiner Tochter, die er mit Amanda Berry hat, seinen erwachsenen Kindern.

Hier findest Du das Interview mit Amanda Berry auf dem YouTube-Kanal des Senders Fox 8 News Cleveland:

https://www.youtube.com/embed/TadRJ-TC1k0?si=3kQNNJJjOs6BuCov

Georgina DeJesus: Das jüngste Opfer

Mit nur 14 Jahren wird Georgina „Gina“ DeJesus am 2. April 2004 auf ihrem Heimweg von der Schule von Ariel Castro entführt. Genau wie Michelle und Amanda weckt Castro kein großes Misstrauen, als er ihr eine Mitfahrgelegenheit anbietet, da sie ihn als Vater einer ihrer Freundinnen kennt. In der Sendung „America’s Most Wanted“ wird erstmals eine Verbindung zur Entführung von Amanda Berry hergestellt, während Michelle Knights Verschwinden zu diesem Zeitpunkt schon keine Erwähnung mehr findet.

Besonders makaber ist, dass Castro mindestens zwei Mahnwachen für Gina besucht und sich an der Suche beteiligt hat. Castros Sohn Anthony, ein Journalismus-Student, interviewt sogar Ginas Mutter, ohne zu ahnen, dass sein eigener Vater der Täter ist.

Hier findest Du ein Interview mit Georgina DeJesus auf dem YouTube-Kanal von Fox 8 News Cleveland:

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Ariel Castro – die Biografie eines Monsters

Wie kommt der medienwirksam als „Monster von Cleveland“ betitelte Ariel Castro dazu, drei Frauen und deren Kind wie Sklavinnen zu halten? Ansätze einer Antwort liefert vielleicht Castros Biografie, die früh von Missbrauch und Gewalt geprägt wurde.

Geboren 1960 in Puerto Rico zieht Castro mit seiner Familie als Kind in die USA, wo er schließlich in Cleveland, Ohio mit neun Geschwistern als strenger Katholik aufwächst. Bereits in Puerto Rico wird Castro von einem Nachbarn mehrfach sexuell belästigt und von einem Onkel vergewaltigt. Auch von seiner Mutter wird er regelmäßig geschlagen und angeschrien.

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1992 zieht Castro mit seiner Freundin Grimilda Figueroa in die 2207 Seymour Avenue, wo Castro zunehmend gewalttätig ist, Grimilda mehrfach schwer verletzt und wegen häuslicher Gewalt festgenommen wird. Grimilda verstirbt schließlich 2012 an den Folgen eines Gehirngerinnsels, das auf Castros Gewalt zurückgeführt wird.

Bis zu seiner Verhaftung im Jahr 2013 arbeitet Castro als Busfahrer in Cleveland, wo er mehrfach wegen Fehlverhaltens und Fahrlässigkeit negativ auffällt. Im Verlauf des Gerichtsverfahrens kann Castro den Ablauf der Entführungen detailliert beschreiben und gibt zu, dass er keinen Plan dahinter verfolgte, abgesehen davon, dass er sich selbst als kaltblütigen Sexsüchtigen beschreibt, berichtet USA Today.

Hier findest Du den Originalbericht zum Gerichtsverfahren von Ariel Castro von euronews:

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Ariel Castro bekennt sich zu allen 977 Anklagepunkten schuldig und wird zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt. Am 3. September 2013 wird er erhängt in seiner Gefängniszelle gefunden.

Die Cleveland-Entführung: Die Verfilmung eines Verbrechens

So zynisch es sein mag, tragische Geschichten und Verbrechen wie die Cleveland-Entführung rufen unweigerlich Filmemacher auf den Plan. Kein Wunder, dass der Film „Cleveland-Abduction“ von der Regisseurin Alex Kalymnios 2015 auf dem US-Sender Lifetime ausgestrahlt wird und auch Netflix im Jahr 2024 erreicht.

Der Film verarbeitet die Entführung und Befreiung von Michelle Knight, Amanda Berry und Georgina DeJesus und wird für eine oberflächliche und klischeehafte Fiktionalisierung des Verbrechens kritisiert.

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