Die Bleikinder: Die wahre Geschichte der Ärztin Jolanta Wadowska-Króls und der Bleivergiftung in Katowice

In der neuen Serie „Die Bleikinder“ bei Netflix dreht sich alles um einen schockierenden Fall im Polen der 1970er-Jahre. Die Ärztin Jolanta Wadowska-Króls deckt eine massive Bleivergiftung bei Kindern auf. Tatsächlich basiert die Handlung aber auf einer wahren Geschichte. Hier erfährst Du alles zu den realen Hintergründen der Netflix-Serie.

„Die Bleikinder“ zählt schon jetzt zu einer der spannendsten europäischen Netflix-Produktionen des Jahres 2026. Die sechsteilige Serie basiert auf der wahren Geschichte der polnischen Kinderärztin Jolanta Wadowska-Króls, die in den 1970er-Jahren eine der schwersten Umweltkatastrophen des Ostblocks aufdeckte – und dafür fast alles verlor. Hier liest Du die wahre Geschichte hinter „Die Bleikinder“.

Die wahre Geschichte hinter Die Bleikinder: Medizinischer Mut gegen ein System des Schweigens

In den frühen 1970er-Jahren arbeitet Dr. Jolanta Wadowska-Króls als Kinderärztin im oberschlesischen Katowice, konkret im Stadtteil Szopienice. Die Region ist geprägt von Bergbau und Schwerindustrie. 

Ein gigantisches Hüttenwerk für Nichteisenmetalle versorgt viele Familien mit Arbeit, vergiftet aber gleichzeitig die Umwelt massiv. Tag und Nacht stößt die Fabrik ungefilterte Abgase aus, die sich als grauer Schleier über Häuser, Straßen und Menschen legen.

Bild aus Die Bleikinder bei Netflix

Wadowska-Króls bemerkt in ihrer Klinik auffällige Häufungen von Entwicklungsverzögerungen, Zahnausfall, Anämie und Verhaltensstörungen bei Kindern. Besonders alarmierend: Die Fälle häufen sich in unmittelbarer Nähe des Hüttenwerks. Die Ärztin vermutet eine systematische Bleivergiftung und beginnt, dem Verdacht nachzugehen.

Was ist eine Bleivergiftung – und warum ist sie so gefährlich?

Blei ist ein giftiges Schwermetall, das sich im Körper anreichert – besonders in Knochen, Organen und dem Nervensystem. Bei Kindern wirkt sich Blei noch gravierender aus als bei Erwachsenen. 

Schon kleine Mengen können die Gehirnentwicklung beeinträchtigen, zu Konzentrationsproblemen, Hyperaktivität und sozialem Rückzug führen. Bleivergiftungen verlaufen oft schleichend und werden deshalb lange nicht erkannt.

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Wadowska-Króls beginnt 1974 eine eigene Studie – inoffiziell, ohne staatliche Genehmigung. Mit Unterstützung von befreundeten Laborantinnen untersucht sie rund 4.500 Kinder aus Katowice. 

Die Ergebnisse sind erschütternd: In mehreren Stadtteilen, vor allem in Szopienice, sind die Bleibelastungen im Blut der Kinder deutlich über dem Grenzwert. Die Diagnose ist eindeutig – hier liegt eine chronische Bleivergiftung vor, verursacht durch die Emissionen des Hüttenwerks.

Eine Ärztin gegen den Parteistaat: Der Kampf um die Wahrheit

Doch die Entdeckung der Ärztin passt nicht ins Bild der politischen Führung. Polen wird zu dieser Zeit von Edward Gierek regiert. Sein Versprechen: wirtschaftlicher Aufschwung, mehr Konsumgüter, ein besseres Leben für alle.

Finanziert sollte der Aufschwung durch massive Kredite aus dem Westen werden. Die Industrie ist das Aushängeschild dieser Strategie, und negative Schlagzeilen über Fabriken, die Kinder krank machen, gefährden das Image. Die politische Führung reagiert mit Einschüchterung

Wadowska-Króls' wissenschaftliche Arbeit wird zensiert, ihre Promotion verhindert. Ihre Dissertation verschwindet spurlos – vermutlich auf Anordnung der Behörden. Sie wird nicht öffentlich diffamiert, aber systematisch zum Schweigen gebracht.

Die Medien berichten nur verschlüsselt über ihre Entdeckung. In der Zeitung „Tribuna Robotnicza“ ist von „Routineuntersuchungen“ der Gesundheit von Kindern die Rede – ohne jede Erwähnung von Blei oder Umweltgefahren. Die offizielle Linie lautet, dass Polen wächst und die Menschen wohlhabender werden. Kritik ist unerwünscht.

Und doch: Der Widerstand wächst

Trotz der Repression gibt Wadowska-Króls nicht auf. Sie organisiert heimlich medizinische Hilfe für betroffene Kinder, vermittelt Aufenthalte in Sanatorien, hilft Familien, neue Wohnungen in weniger belasteten Stadtteilen zu bekommen

Ihre Arbeit geschieht im Verborgenen, unter ständiger Angst vor Verhaftung. Erst als die Fakten nicht länger zu leugnen sind, lenken die Behörden ein. Die Stadtverwaltung lässt besonders belastete Häuser abreißen, neue Wohnblöcke werden gebaut. 

Tausende Kinder werden regelmäßig zur Erholung in die Berge geschickt. Die offizielle Begründung der Stadt für die Evakuierung: „unmittelbare Gefahr für Leben und Gesundheit der Bewohner durch giftige Gase und Staub“.

Ein Leben im Schatten und die späte Anerkennung

Jolanta Wadowska-Króls zahlt einen hohen Preis für ihr Engagement. Ihre wissenschaftliche Karriere ist zerstört, ihre Leistung wird jahrzehntelang nicht anerkannt. Erst nach dem Ende der Volksrepublik und der Öffnung der Archive kommt ihre Geschichte langsam ans Licht. 

Joanna Kulig in Die Bleikinder bei Netflix

In den 2000er-Jahren berichtet die Zeitung „Gazeta Wyborcza“ erstmals ausführlich über die „Madonna von Szopienice“. 2015 erhält Wadowska-Króls die polnische Ehrenmedaille. Zwei Jahre später wird sie zur Ehrenbürgerin von Katowice ernannt. 

2021 erhält sie – Jahrzehnte zu spät – den Ehrendoktortitel der Universität Schlesien. Eine Wandmalerei in Katowice erinnert heute an die Arbeit der am 18. Juni 2023 im Alter von 84 Jahren verstorbenen Heldin. Ihre Geschichte ist inzwischen Thema von Büchern, einem Radiohörspiel – und nun auch einer Netflix-Serie, die auf dem gleichnamigen Sachbuch von Michał Jędryka basiert. 

Jedryka erzählt die Geschehnisse aus der Perspektive eines früheren Patienten Wadowska-Króls und befasst sich neben den medizinischen und politischen Seiten des Vorfalls auch mit den sozialen und psychologischen Folgen für die Betroffenen.

Ein System zwischen Fortschritt und Vergiftung: Der historische Hintergrund

Die Umweltkatastrophe von Szopienice ist kein Einzelfall. In der sozialistischen Planung der 1970er-Jahre war Umweltschutz nachrangig. Die Devise lautete: Produktion über alles. Neue Fabriken wurden oft ohne Rücksicht auf die Bevölkerung oder Natur errichtet.

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In Oberschlesien, dem industriellen Herz Polens, führte das zu dramatischen Belastungen. Die Region wurde später als Teil des „Schwarzen Dreiecks“ bezeichnet – einer der am stärksten verschmutzten Zonen Europas. Die Regierung Gierek gilt heute als ambivalent. 

Einerseits modernisierte sie das Land, brachte westliche Produkte und Lebensstandards. Andererseits verschuldete sie Polen massiv und verschloss die Augen vor den Kollateralschäden des Wachstums. Die Bleivergiftung von Szopienice bleibt daher ein mahnendes Beispiel für diese dunkle Seite des Fortschritts.

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