- Antonio „Tony“ Chichiarelli: Ein Künstler auf Abwegen
- Die Banda della Magliana: Italiens berüchtigtes Gangster-Netzwerk
- Ein falsches Kommuniqué: Der Fall Aldo Moro
- Der Raub des Jahrhunderts: Brink’s Securmark 1984
- Der Mord an Tony Chichiarelli
- Die Wahrheit über Tony Chichiarelli: Was Netflix daraus macht
Talentiert, skrupellos und bis heute ein Rätsel: Der italienische Netflix-Thriller „Der Fälscher“ erzählt die unglaubliche Geschichte von Antonio Chichiarelli. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter dem düsteren Drama und wer war der Mann wirklich, der ganz Italien narrte?
Am 23. Januar erscheint auf Netflix der italienische Thriller „Der Fälscher“ („Il Falsario“) – ein düsteres Porträt über einen Mann, der mit Talent, Täuschung und krimineller Genialität in die tiefsten Abgründe der italienischen Nachkriegsgeschichte eintaucht. Doch wer war dieser Mann wirklich? Hier erfährst Du die wahre Geschichte hinter „Der Fälscher“.
Antonio „Tony“ Chichiarelli: Ein Künstler auf Abwegen
Antonio Giuseppe Chichiarelli wird 1948 im abruzzesischen Dorf Magliano de’ Marsi geboren. Schon früh zeigt er ein außergewöhnliches Talent für Zeichnungen und Malerei. Während seiner Jugend soll er zwei Gemälde aus einer Kirche gestohlen haben – nicht aus Habgier, sondern um sie zu kopieren. Dieses frühe Spiel mit Original und Fälschung wird später sein Markenzeichen.
Nach dem Wehrdienst zieht es Tony in die italienische Hauptstadt. In Rom führt er zunächst ein prekäres Leben: obdachlos, mittellos, aber voller Ehrgeiz. Er schlägt sich mit Taschendiebstahl, Betrug und Hehlerei durch und wird 1970 erstmals wegen Waffenbesitzes verhaftet.
Es folgen weitere kurze Haftstrafen, bei denen er im Gefängnis Regina Coeli Danilo Abbruciati begegnet, einem der späteren Bosse der berüchtigten „Banda della Magliana“. Der Beginn einer folgenschweren Freundschaft.
Die Banda della Magliana: Italiens berüchtigtes Gangster-Netzwerk
Die Banda della Magliana ist in den 1970ern mehr als eine gewöhnliche Verbrecherbande. Sie kontrolliert Drogenhandel und Glücksspiel, ist an Entführungen beteiligt und pflegt enge Verbindungen zu rechten Terrorgruppen, Geheimdiensten und sogar zur Freimaurerloge Propaganda Due (P2). Chichiarelli wird Teil dieses Netzwerks. Er liefert Fälschungen, Ausweise, Gemälde und später auch politische Desinformationskampagnen.
1977 lernt Tony Chiara Zossolo kennen, die eine Kunstgalerie in Rom besitzt und ihn in die Welt des Kunsthandels und dem zu jener Zeit florierenden Markt der Kunstfälschung einführt. Seine Fähigkeiten als Fälscher machen ihn unentbehrlich und verhelfen ihm zu großem Ansehen unter Sammlern und Galerien.
Besonders erfolgreich ist er mit Werken von Giorgio de Chirico, einem Künstler, der seine eigenen früheren Werke später kopierte und so das Erkennen authentischer Werke bis heute erschwerte. Tony malt so überzeugend, dass selbst Expert:innen seine Fälschungen kaum von Originalen unterscheiden können.
Er lernt immer einflussreichere Menschen kennen und beginnt neben Kunstwerken auch Dokumente zu fälschen. Das Geschäft blüht, Tony wird wohlhabend und passt seinen Lebensstil seinem Einkommen an. 1977 eröffnet er einen Möbelladen, ein Jahr später mietet er eine Luxusvilla und heiratet schließlich Chiara Zossolo.
Ein falsches Kommuniqué: Der Fall Aldo Moro
Am 16. März 1978 wird der italienische Ex-Ministerpräsident Aldo Moro von den Roten Brigaden entführt. Fünf Polizisten sterben bei dem Überfall. In den 55 Tagen seiner Gefangenschaft veröffentlicht die Terrorgruppe mehrere Kommuniqués.
Am 18. April taucht plötzlich ein angebliches „Kommuniqué Nr. 7“ auf. Es behauptet, Moro sei hingerichtet und seine Leiche im Lago della Duchessa versenkt worden. Die Polizei durchsucht tagelang den See. Doch die Nachricht ist falsch und stammt nicht von den Roten Brigaden.
Erst Jahre später wird klar: Das Dokument wurde von Antonio Chichiarelli gefälscht – mit einer Schreibmaschine aus seinem eigenen Laden. Wer ihn damit beauftragte, bleibt bis heute unklar. Es gibt Hinweise auf eine Aktion durch extremistische Flügel innerhalb der italienischen Geheimdienste, um die Ermittlungen zu torpedieren, die Roten Brigaden zu diskreditieren oder die öffentliche Meinung zu manipulieren. Aufgeklärt wird der Fall jedoch nie.
Der bekannte Investigativ-Journalist Mino Pecorelli, der die Fälschung sofort durchschaute, wird ein Jahr später ermordet. Auch sein Tod bleibt bis heute ungeklärt. Viele vermuten einen Zusammenhang zum Fall Moro.
Der Raub des Jahrhunderts: Brink’s Securmark 1984
Am 24. März 1984 wird die Brink’s Securmark in Rom überfallen. Die Täter erbeuten zwischen 35 und 50 Milliarden Lire. Die Summe entspricht heute rund 70 Millionen Euro. Der Raub ist perfekt geplant: Die Täter geben sich als Polizisten aus, schlagen zu, während die Stadt durch eine Großdemonstration abgelenkt ist, und verschwinden spurlos.
Am Tatort hinterlassen sie absichtlich Spuren, die auf die Roten Brigaden hindeuten: Patronenhülsen, Granaten, Flugblätter. Doch auch diese Inszenierung ist mutmaßlich eine Fälschung von Antonio Chichiarelli, um die Behörden erneut auf eine falsche Spur zu locken.
Ein Junkie, der später auspackt, behauptet, Chichiarelli habe ihm im Austausch gegen einen Anteil an der Beute Details zum Raub erzählt. Die Polizei findet in Tonys Besitz sehr viel Bargeld, Schmuck, Waffen und sogar Bildmaterial über den Raub. Zu diesem Zeitpunkt ist Tony allerdings schon tot.
Der Mord an Tony Chichiarelli
Antonio Chichiarelli bewegt sich in einer Welt, in der Unterweltbosse, Terroristen, Geheimdienstleute und Hochstapler gemeinsame Sache machen. Er fälscht Kunstwerke für Sammler und Dokumente für kriminelle Netzwerke. Er schreibt Desinformationsbriefe für politische Operationen und plant spektakuläre Überfälle.
Gleichzeitig führt er aber ein scheinbar bürgerliches Leben. Mit seiner Frau Chiara Zossolo betreibt er eine Galerie in Trastevere, einen Möbelladen und später eine Porzellanmanufaktur. Er lebt in einer Villa in einem römischen Nobelviertel, fährt teure Autos, trägt Maßanzüge. Doch sein Doppelleben ist riskant und endet schließlich tödlich.
Am 28. September 1984 wird Antonio Chichiarelli in Rom erschossen. Elf Schüsse treffen ihn, als er mit Cristina und dem gemeinsamen Baby unterwegs ist. Seine Frau überlebt schwer verletzt, verliert sogar ein Auge, doch das Kind bleibt unversehrt. Auch dieser Mord wird nie aufgeklärt.
Viele glauben, dass Chichiarelli „zu viel wusste“. Über den Fall Moro, über Brink’s, über Mino Pecorelli, über Verbindungen zwischen Mafia, Terrorgruppen und Geheimdiensten. Vielleicht war er einfach für alle Seiten zu gefährlich geworden.
Die Wahrheit über Tony Chichiarelli: Was Netflix daraus macht
Der Film „Der Fälscher“ erzählt Chiciarellis Geschichte als Mischung aus Thriller, Drama und Historienportrait. Regisseur Stefano Lodovichi lässt Pietro Castellitto in der Hauptrolle zwischen Kunst, Lügen und Macht balancieren, verdichtet die wahren Ereignisse aber mit fiktionalen Elementen.
Das Label „falsamente ispirato a una storia vera“ – frei übersetzt: „falsch inspiriert von einer wahren Geschichte“ – beschreibt den Ton des Films also treffend. Denn das Leben von Antonio Chichiarelli war selbst eine Fälschung: kunstvoll, gefährlich und bis zum Schluss ein Rätsel.
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