Marvin (Elyas M'Barek) wird von Paparazzi belagert. im Film Liebesdings
© Constantin Film Verleih / Violetta Grimm
Eine Familie glücklich vereint in "Locke & Key"
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Liebesdings | Kritik: Romantikkomödie? Eher ein Liebesgraus!

Film­star flieht vor Trubel, der um ihn gemacht wird und lan­det bei ein­er boden­ständi­gen Frau, die nichts mit dem Busi­ness zu tun hat. Klingt bekan­nt, oder? Ob diese Grund­formel und Elyas M’Barek als Haupt­darsteller eine Geling-Garantie für die Roman­tikkomödie von Ani­ka Deck­er ist, ver­rat­en wir Dir in unser­er Kri­tik zu „Liebes­d­ings“.

Mar­vin Bosch (Elyas M‘Barek) ist auf dem Höhep­unkt sein­er Schaus­pielka­r­riere und kann nir­gend­wo mehr hin, ohne erkan­nt zu wer­den. Das ruft natür­lich auch fiese Reporter:innen mit noch fieseren Fra­gen auf den Plan. Als Mar­vin der ganze Trubel zu viel wird, taucht er nicht auf der Pre­miere seines neuesten Films auf, son­dern unter. Eher zufäl­lig lan­det er in einem fem­i­nis­tis­chen The­ater, in dem Frie­da (Lucie Heinze) arbeit­et. Sie und ihre Freund:innen find­en die Ankun­ft des Stars aber nur mäßig lustig, immer­hin haben sie mit ganz eige­nen Prob­le­men zu kämpfen.  Ob Mar­vin trotz­dem das Herz von Frie­da erobert und die bei­den sich gegen­seit­ig helfen kön­nen?

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Liebesdings: Klischees über Klischees

Falls Du hoff­st, in Liebes­d­ings eine authen­tis­che Darstel­lung des Lebens eines Film­stars zu sehen, wirst Du ent­täuscht. Denn Regis­seurin und Drehbuchau­torin Ani­ka Deck­er (Drehbuch „Keinohrhasen“, „Zweiohrküken“) holt alles aus der Klis­chee-Kiste raus, was sie dort so find­en kann: Ein einge­bilde­ter Schaus­piel­er mit ein­er dun­klen Ver­gan­gen­heit, Fre­unde, die von klein auf mit ihm durch den Kiez ger­an­nt sind, Journalist:innen, die nur darauf abzie­len, Schauspieler:innen durch per­sön­liche Fra­gen zu degradieren und ein Leben in ober­fläch­lichem Saus und Braus.

Marvin (Elyas M'Barek) im Interview mit Boulevardjournalistin Bettina Bamberger (Alexandra Maria Lara) im Film Liebesdings

Mar­vin (Elyas M’Barek) im Inter­view mit Boule­vard­jour­nal­istin Bet­ti­na Bam­berg­er (Alexan­dra Maria Lara). Seinen Fre­un­den Sam­my (Peri Baumeis­ter) und Hakan (Denis Mos­chit­to) schwant Übles. — Bild: Con­stan­tin Film Ver­leih / Vio­let­ta Grimm

Als Pro­tag­o­nist Mar­vin dann zufäl­lig im The­ater 3000 lan­det kam kurz die Hoff­nung auf, dass es mit diesem Ortswech­sel auch einen Stim­mungswech­sel geben kön­nte. Aber weit gefehlt, dort triff­st Du auf noch mehr Klis­chees: Der ahnungslose Mar­vin muss aufgek­lärt wer­den, was ein Cis-Mann ist und die homo­sex­uelle Kol­le­gin von Frie­da kön­nte eine ganz eigene Stereo­typen-Kiste aus­füllen.

Das Ensemble vom Theater 3000 schaut erstaunt auf den unliebsamen Besucher

Das „3000“-Ensemble (v.l.n.r.): Jacky (Lin­da Pöp­pel), Roc­co (Paul Zich­n­er), Pen­ny (Vic­to­ria McConnell), Wiebke (Anna Thal­bach), Zel­da (Maren Kroy­mann), Hans (Simon Pearce) und Frie­da (Lucie Heinze). — Bild: Con­stan­tin Film Ver­leih / Vio­let­ta Grimm

Liebesgeschichte, welche Liebesgeschichte?

Eigentlich ist Liebes­d­ings eine Liebeskomödie. Zumin­d­est dacht­en wir das. Denn für gewöhn­lich zeich­nen sich eben solche durch die Entste­hung ein­er Liebes­beziehung im Ver­lauf der Spielzeit aus. Bei Ani­ka Deck­ers Film ist das aber keine Entwick­lung, son­dern eher ein plumpes Umschal­ten. Zwis­chen der ersten − abso­lut hölz­er­nen − Unter­hal­tung von Mar­vin und Frie­da und dem Moment, als die bei­den in der Kiste lan­den und doch schw­er ver­liebt sind, ver­stre­icht erstaunlich wenig Zeit. Sel­ten war eine Romanze so steif und unglaub­würdig wie in diesem Film. Da juckt es uns dann auch nicht mehr, wie die Geschichte aus­ge­ht (SPOILER: natür­lich mit Hap­py End).

Der Weg ist das Ziel, aber Liebes­d­ings ver­liert sich in Neben­strän­gen, die schlichtweg unin­ter­es­sant sind. Beispiel­sweise die Sto­ry von Boule­vard-Mag­a­zin-Fies­ling Bet­ti­na Bam­berg­er, immer­hin großar­tig gespielt von Alexan­dra Maria Lara. Warum die Geschichte rund um ihren Fre­und René (Michael Ostrows­ki) und dessen verzweifel­ten Ver­suche, ihr einen Heirat­santrag zu machen, so viel Raum ein­nimmt, haben wir nicht ver­standen. Genau­so wenig wie Mar­vins Ver­gan­gen­heit. Diese Stränge sind nicht wichtig für die Sto­ry und die Zeit kön­nte viel bess­er eben in genau den Kern des Films gesteckt wer­den: in die Liebesgeschichte.

Marvin (Elyas M'Barek) und Frieda (Lucie Heinze) kommen sich näher im Film Liebesdings

Mar­vin (Elyas M’Barek) und Frie­da (Lucie Heinze) kom­men sich langsam näher. — Bild: Con­stan­tin Film Ver­leih / Vio­let­ta Grimm

Mit dem Holzhammer gearbeitet

Ja, die Sto­ry klingt sehr nach dem Klas­sik­er „Not­ting Hill“ und nein, sie reicht bei weit­em nicht an den Film mit Julia Roberts und Hugh Grant her­an. Wed­er die bei­den Hauptdarsteller:innen, noch die zahlre­ichen und fast schon überzäh­li­gen Nebendarsteller:innen ver­sprühen Charme. Klis­chees und Stereo­type geben sich die Klinke in die Hand, ein Fet­tnäpfchen fol­gt auf das näch­ste und der eigentlich nett gewählte Rah­men, Macho-Film­star mit sen­si­blem Touch trifft auf Laien­darsteller in fem­i­nis­tis­chem The­ater, wird ver­murkst. Denn schlussendlich bildet diese Prämisse nur den Sto­ry­bo­gen, geht aber ob der vie­len, unin­ter­es­san­ten Neben­stränge und der miss­lun­genen Liebesgeschichte, völ­lig unter. Da wäre so viel mehr gegan­gen!

Liebesding in der Kritik: Unser Fazit

Liebes­d­ings ist mehr Liebesgraus als Genuss. Wed­er die Gags noch die Sto­ry an sich funk­tion­ieren und der Not­ting Hill-Abklatsch nervt bere­its nach weni­gen Minuten. Sofern Du Lust auf eine char­mante Komödie mit tollen Charak­teren und net­ten Gags hast, geh lieber nicht in Liebes­d­ings, son­dern schau Dir nochmal Not­ting Hill mit Julia Roberts und Hugh Grant an.

Liebes­d­ings

Genre: Liebeskomödie, Roman­tikkomödie
Bun­desstart: 7. Juli 2022
Laufzeit: 99 Minuten
FSK: ab 12 Jahren freigegeben
Regie: Ani­ka Deck­er
Drehbuch: Ani­ka Deck­er

 Du schaust gerne deutsche Liebeskomö­di­en? Ver­rate uns in den Kom­mentaren, welche Liebesgeschichte es Dir in let­zter Zeit beson­ders ange­tan hat.

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