- "The French Dispatch": Die verschachtelte Struktur des Films erklärt
- Was bedeutet der Prolog mit dem radelnden Reporter?
- "The French Dispatch": Das Ende der Episode "Das Beton-Meisterwerk" erklärt
- "Revisionen eines Manifests": Was bedeutet das Ende dieser Episode in "The French Dispatch"?
- "Das private Speisezimmer des Polizeikommissars": Erklärung der Episode am Ende von "The French Dispatch"
- Das Ende der Rahmenhandlung von "The French Dispatch": Was bedeuten die letzten Szenen?
Wie ist das Ende von "The French Dispatch" zu erklären? Wes Andersons Film ist extrem vielschichtig. Was bedeuten die Episoden und jeweils letzten Szenen?
Achtung, der folgende Text enthält Spoiler. Wenn Du den Film noch nicht gesehen hast, solltest Du lieber nicht weiterlesen.
"The French Dispatch": Die verschachtelte Struktur des Films erklärt
Wes Andersons "The French Dispatch" aus dem Jahr 2021 erzählt nicht eine einzige Geschichte: Die Handlung besteht aus einer Rahmenebene, in die drei Kurzfilme eingebettet sind. Diese Erzählweise spiegelt das Thema des Films wider. Nach dem Tod des Chefredakteurs Arthur Howitzer Jr. (Bill Murray) soll die letzte Ausgabe eines französischen Magazins erscheinen – das ist die Rahmenhandlung. Drei Journalist:innen steuern dafür jeweils einen Artikel bei. Ihre Arbeiten sind als eigenständige Kurzfilme in den Film eingearbeitet. Die Szenen in der Redaktion verbinden die einzelnen Episoden.
Der Wes-Anderson-Film ist also selbst wie ein Magazin aufgebaut. Erst am Ende von "The French Dispatch" ergibt alles ein rundes Gesamtbild.
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Das sind die verschiedenen Ebenen von "The French Dispatch" im Überblick:
- Rahmenhandlung: Die Redaktion arbeitet an der letzten Magazinausgabe.
- Prolog: "Der radelnde Reporter" – Reise-Reporter Herbsaint Sazerac berichtet über den Ort Ennui-sur-Blasé, in dem das Magazin entsteht.
- Artikel 1: "Das Beton-Meisterwerk" – Kunstkritikerin J.K.L. Berensen schreibt über den Mörder und Künstler Moses Rosenthaler.
- Artikel 2: "Revisionen eines Manifests" – Politikjournalistin Lucinda Krementz recherchiert zu einem Studierendenprotest.
- Artikel 3: "Das private Speisezimmer des Polizeikommissars": Food‑Reporter Roebuck Wright will ein Porträt über einen Koch schreiben, doch dann kommt alles anders.
Jeder Kurzfilm hat seine eigene Machart, besondere Farben und eine spezielle Erzählweise. Typisch sind auch Wes Andersons visueller Stil und die Mischung aus trockenem Humor und skurrilen Charakteren. In jeder der drei Geschichten verlieren die Journalist:innen fast vollständig aus den Augen, worüber sie eigentlich berichten sollten. Sie stoßen stattdessen auf etwas, was ihnen eine neue Perspektive eröffnet – auch auf ihr eigenes Leben.
Was bedeutet der Prolog mit dem radelnden Reporter?
Am Anfang von "The French Dispatch" radelt Reise-Reporter Herbsaint Sazerac (Owen Wilson) durch Ennui und zeigt die schönen und die schmutzigen Ecken der Stadt. Er hebt auch soziale Gegensätze und absurde Begebenheiten hervor. Dieser Prolog ist kurz, verspielt und subjektiv – wie die Kolumne eines Magazins. Er gibt also den Ton vor und spiegelt die Struktur des Films bereits im Kleinen.
"The French Dispatch": Das Ende der Episode "Das Beton-Meisterwerk" erklärt
Kunstkritikerin J.K.L. Berensen (Tilda Swinton) erzählt diese Episode als Vortrag. Sie spricht über Leben und Werk des Künstlers Moses Rosenthaler (Benicio del Toro), der wegen Mordes im Gefängnis sitzt. Dort malt er abstrakte, verstörende und intensive Porträts der nackt posierenden Gefängniswärterin Selina (Léa Seydoux).
Der ehemalige Häftling und jetzige Kunsthändler Julian Cadazio (Adrien Brody) entdeckt Rosenthalers Werk zufällig und erkennt sofort das Geschäftspotenzial. Er versucht, die Werke gegen den Willen des Künstlers zu vermarkten – mit riesigem Erfolg. Doch kurz danach verliert Rosenthaler seine Inspiration. Kunsthändler:innen um Cadazio drängen ihn, neue Werke zu liefern, aber er bleibt stur.
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Jahre später erschafft er nach einem Aufstand schließlich doch ein neues Werk, beeindruckender denn je. Das Problem für Cadazio und die anderen: Die monumentalen Bilder sind auf die Gefängniswände gemalt. Für den Künstler ist das logisch: Er arbeitet dort, wo er lebt, liebt und leidet. Aber die Händler:innen sehen nur die Ware, nicht die Kunst an sich.
Am Ende dieser Episode von "The French Dispatch" lässt Cadazio die gesamte Betonwand herausbrechen, um sie in einem privaten Museum auszustellen. Der Kurzfilm ist also eine Satire auf die Kunstwelt: Er zeigt, wie weit Händler:innen gehen, um Bilder zu Geld zu machen – selbst wenn sie dafür ein Gefängnis zerlegen müssen.
"Revisionen eines Manifests": Was bedeutet das Ende dieser Episode in "The French Dispatch"?
Die zweite Episode in "The French Dispatch" dreht sich um Lucinda Krementz (Frances McDormand). Sie ist besessen von der Idee, dass Journalismus neutral sein soll – ohne sich selbst daran zu halten. In "Revisionen eines Manifests" berichtet sie über die "Schachbrett‑Revolution" an einer Universität. Auslöser für den Protest der Studierenden ist ein eigentlich banaler Konflikt: Männliche Studierende fordern Zugang zu den Wohnheimen der Frauen. Die Autorin trifft den Anführer der Bewegung, Zeffirelli (Timothée Chalamet), und beginnt eine Affäre mit ihm.
Der junge Mann verfasst ein Manifest. Aber im Lauf der Handlung korrigiert Krementz dieses nicht nur, sondern fügt ganze Passagen und Fußnoten hinzu – und schreibt es dann sogar weitgehend neu. Damit verändert sie die Bewegung selbst. Es wird immer unklarer, wer die Revolution eigentlich anführt: Zeffirelli, die Reporterin oder die junge Juliette (Lyna Khoudri), die den Anführer herausfordert?
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Eigentlich protestieren die Studierenden gegen die Regeln der Gesellschaft. Ironischerweise nutzen sie jedoch ein Manifest, das ausgerechnet von jemandem aus dem Establishment stammt. Am Ende dieser Episode in "The French Dispatch" stirbt Zeffirelli bei einem Unfall. Er wird trotzdem zum Symbol der gescheiterten Bewegung – und auf T-Shirts, Postern und anderen Fanartikeln vermarktet.
Diese Story basiert auf wahren Ereignissen, die sich 1968 an einer Pariser Universität abgespielt haben. Der Protest der Studierenden entzündete sich ähnlich wie im Film an der Frage, ob Männer und Frauen in den Wohnheimen der jeweils anderen übernachten dürfen. Die "The New Yorker"-Journalistin Mavis Gallant schrieb über die Geschehnisse – sie diente als Inspiration für die Figur Lucinda Krementz.
"Das private Speisezimmer des Polizeikommissars": Erklärung der Episode am Ende von "The French Dispatch"
Im dritten Kurzfilm von "The French Dispatch" erinnert sich Autor Roebuck Wright (Jeffrey Wright) in einem Fernsehinterview an einen besonderen Abend. Er ist zum Abendessen beim Polizeikommissar von Ennui (Mathieu Amalric) eingeladen. Das Essen bereitet Polizeikoch Leutnant Nescaffier (Stephen Park) zu, über den Wright ein Porträt verfassen will.
Doch dann wird der Sohn des Kommissars entführt. Es folgt ein waghalsiger Rettungseinsatz, den der Film animiert darstellt. Dann probiert der Koch die vergifteten Radieschen, die er für die Entführer zubereitet hat, um den Jungen zu retten: Deren ungewohnter Geschmack fasziniert ihn – obwohl ihn das fast das Leben kostet.
Diese Geschichte dreht sich aber auch darum, wie es Menschen ergeht, die in einem anderen Land leben und arbeiten – also um Exil, Fremdheit und Identität. Denn sowohl Wright als auch Nescaffier sind keine Franzosen. Beide sind nicht von hier, aber sie können auch nicht mehr dorthin zurück, wo sie herkommen.
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Am Ende dieser Episode von "The French Dispatch" steht eine Schlüsselszene. Verleger Arthur Howitzer Jr. fordert den Autor auf, ein Zitat von Nescaffier in seinen Text aufzunehmen, das er ausgelassen hat. Es geht dabei eigentlich um den bittersüßen Geschmack des Gifts, das der Koch so beschreibt: "Etwas Vermisstes suchen, etwas Zurückgelassenes vermissen." Tatsächlich lässt sich genau so das Gefühl des Exils beschreiben: Betroffene suchen etwas, das sie nicht mehr finden, und vermissen etwas, das sie nicht mehr zurückbekommen.
Die Figur Roebuck Wright ist an den bekannten Autor James Baldwin angelehnt: Dieser zog 1948 aus den USA nach Paris, um dem Rassismus und der Homophobie in seinem Heimatland zu entkommen.
Das Ende der Rahmenhandlung von "The French Dispatch": Was bedeuten die letzten Szenen?
Arthur Howitzer Jr. stirbt, bevor die letzte Ausgabe des Magazins erscheint, aber nachdem er alle Texte redigiert hat. Sein Tod ist der Anlass, dass die Redaktion überhaupt eine Abschiedsausgabe produziert. Der Film ist also rückblickend erzählt: Wir sehen die letzte Ausgabe, die ihm gewidmet ist.
Am Ende von "The French Dispatch" sitzen alle Autor:innen zusammen und schreiben Howitzers Nachruf. Sie tun das gemeinsam, obwohl sie sonst immer allein arbeiten. Der Film endet mit dem Satz, dass die Ausgabe "ohne Änderungen" gedruckt wird – die Journalist:innen zeigen damit ihren Respekt gegenüber dem Mann, der sie alle geprägt hat.