Hightech Healthcare – Teil 2: Medizintechnik und ihre Meilensteine zur Unsterblichkeit

Die meisten medizinischen Wunder sind mittlerweile technische. Auf unserer Visite durch internationale Forschungslabore hast Du von nadelfreien Bluttests bis zur „Gedanken-Lese-Maschine“ bereits einige spannende Projekte gefunden. Heute erfährst Du, wie Querschnittsgelähmte wieder laufen lernen können, Augen Computer steuern und welche Meilensteine bis zur Unsterblichkeit sonst noch geplant sind.

Den Blutzucker im Auge: Google hat Diabetiker im Visier

Mit Blick auf den Absatz amerikanischer Fastfood-Ketten mag verständlich sein, warum man der Zivilisationskrankheit Diabetes im Silicon Valley besonders viel Aufmerksamkeit schenkt. Für Patienten der Blutzuckerkrankheit haben sich die Experten im jüngst zu Verily umbenannten Lifescience-Abteil von Alphabet einiges ausgedacht. Am ehesten (also frühestens 2020) dürfte es die smarte Kontaktlinse auf den Markt schaffen, die über Tränenflüssigkeit den Glukosespiegel messen kann. Zwischen zwei Schichten sind mikroskopisch kleine Sensoren, Chips und eine Antenne in die Linse gepresst. Einer der Prototypen soll zudem ein LED-gestütztes „Frühwarnsystem“ beinhalten, das Betroffene über unnormale Zuckerwerte alarmiert.

Bei einem zweiten Projekt für Diabetiker-Patienten Typ-1 und Typ-2 verstecken sich die Sensoren zur Blutzuckermessung in Bandagen, die mit der Google-Cloud vernetzt sein sollen. So wären die ermittelten Daten direkt dem Arzt zugänglich.

Augenblicke, die alles sagen

Es gibt Krankheiten, bei denen Kommunikation nur noch mit den Augen möglich ist. Anders als in der französischen Filmbiografie „Schmetterling und Taucherglocke“ (2007) gibt es jedoch intelligente Geräte, die Gedanken buchstäblich von den Augen ablesen. Not Impossible entwickelte bereits 2003 eine Brille, die es ermöglicht, mit den Augen zu malen. Dieser Eyewriter wurde für Menschen konzipiert, die sich auf Grund einer Nervenkrankheit wie ALS oder MS, dem Locked-in-Syndrom oder nach einem Schlaganfall weder bewegen noch sprechen können.

Mittlerweile gibt es weitere computergestützte Technologien, mit denen kleinste Bewegungszeichen wie ein Wimpernschlag erkannt und in Sprache übersetzt werden können. Der Anwender navigiert mit seinen Augen auf einem Bildschirm ein Tastenfeld aus Buchstaben, Zahlen oder Symbolen, in dem er einzelne Zeichen fixiert. Die Systeme sind individuell programmierbar und lassen sich zum Beispiel auch einsetzen, um im Internet zu surfen oder den Fernseher zu bedienen.

Intelligente Pflaster für alle Lebenslagen

Sprühpflaster, Anti-Stress-Pflaster, Raucher-Pflaster ... „Trostpflaster“ – alles alte Hüte. Im medizinischen Sektor wird das „Pflaster der Zukunft“ ständig neu erfunden: Chip-Pflaster aus sensorischer Folie ermitteln Vitalwerte, Algenpflaster helfen bei der Wundheilung und das Thermometer-Tape erkennt natürlich Fieber.

Neueste Errungenschaft im Pflaster-Segment liefern Forscher aus Massachusetts. Ihr elektronischer Klebeverband liefert die medikamentöse Behandlung gleich mit. Hydrogel und Titan-Draht bilden einen dehnbaren Stromleiter, dessen eingebaute Sensoren auf Veränderungen der Körpertemperatur reagieren und das Medikament direkt auf die Wunde leiten. Wird Nachschub benötigt, leuchten die integrierten LEDs. Das Hightech-Pflaster könnte zum Beispiel für die Behandlung von Verbrennungsopfern nützlich sein.

Aus Australien kommt ein weiteres smartes Pflaster, das Bakterien aus der Wunde saugt. Basis des sogenannten Nanomesh-Materials bilden mikroskopisch feine Polymerfäden, die mit einer entkeimenden Flüssigkeit überzogen sind.

 

Mit kleinen (technischen) Schritten zur Unsterblichkeit

Einen fortschrittlichen Beitrag in der Reha-Medizin bringt Querschnittgelähmten bereits der Gehroboter Ekso-Skelett. Dieses nachgebaute Nervensystem besteht aus Sensoren von den Füßen entlang der Beine bis zum zentralen Steuersystem auf dem Rücken des Anwenders. Impulse des Oberkörpers setzen die elektronischen Hüft- und Kniegelenke in Bewegung. Bislang wird der Geh-Roboter als Hilfsmittel in der Krankengymnastik eingesetzt. Es ist aber denkbar, dass mit der Weiterentwicklung dieser Technik Querschnittgelähmte eines Tages wieder durch den Park spazieren können.

Und weil all das nicht genug Science-Fiction-Potenzial bietet, setzt der Google-Biotech-Konzern Calico noch einen oben drauf: Hier suchen Experten auf Grundlage der Krebszellenforschung nach dem Algorithmus der Unsterblichkeit. Im Kern steht die Frage, warum Zellen überhaupt altern und was die Wissenschaft dagegen tun kann.

Wenn man aber mal tiefer darüber nachdenkt, dürfte diese Formel allerdings bald gar nicht mehr nötig sein: Der Mensch anno 2115 könnte als lebendes Ersatzteillager mit vernetzten Mikro-Chip-Implantaten, sensorischen Prothesen und digitalen Elektroteilen vermutlich nicht mehr „sterben“, sondern höchsten „kaputt gehen“.

In diesem Sinne: „Bei Risiken und Betriebsstörungen lesen Sie die Bedienungsanleitung und fragen Sie Ihren Arzt oder Installateur.“

Du hast unseren ersten Rundgang durch die internationalen Forschungslabore verpasst? Dann kannst Du hier nochmal abtauchen und feststellen, dass man demnächst auch mit Nadelphobie angstfrei zum Arzt gehen kann.