Eddington: Das Ende der Covid-Western-Satire erklärt

In “Eddington”, dem neuen Film von Ari Aster (“Midsommar”), liefern sich Joaquin Phoenix und Pedro Pascal ein Duell, bei dem es bald um mehr geht als nur die simplen Verordnungen zur Maskenpflicht. Doch was passiert am Ende des Films wirklich? Wer sind die vermummten Angreifer? Und wie geht das Ganze für alle Beteiligten aus? In unserer Erklärung zu “Eddington” erfährst Du die Antworten.

Eine Covid-Satire, ein Crime-Thriller, ein Neo-Western, aber auch ein Spiegel- und Zerrbild einer Gesellschaft, die bis in ihre Grundfesten gespalten scheint. Es ist gar nicht so einfach, Ari Asters neuem Werk “Eddington” ein klares Label aufzudrücken. Was als bitterböse Groteske über zwei Männer beginnt, die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Haltung zur Corona-Krise um das Amt des Bürgermeisters streiten, gipfelt in einem bleihaltigen Finale, das eher an die Action von Filmen wie “Sicario” erinnert.

Auf dem Weg dahin werden nicht nur persönliche wie gesellschaftliche Konflikte ausgetragen, sondern auch mehrere Morde verübt und ein 20 Jahre zurückliegendes Verbrechen aufgeklärt. Und das alles, bevor das zentrale, im Chaos versinkende Wüstenkaff Eddington von einer mysteriösen, terroristischen Gruppierung in ein Schlachtfeld verwandelt wird.

Wenn Du also zum Schluss etwas den Überblick verloren hast, würde uns das nicht wundern. Unsere Erklärung liefert die Antworten zu den wichtigsten Fragen zu “Eddington”, was die zahlreichen Drehungen und Wendungen bedeuten und was Du zum Ende des Films wissen musst.

Joe vs. Ted: Mehr als nur Corona-Politik

Im Zentrum von “Eddington” steht der Konflikt zwischen dem Sheriff Joe Cross (Joaquin Phoenix) und dem Bürgermeister Ted Garcia (Pedro Pascal). Ted ist ein liberaler Politiker, der sich für die Einhaltung der Corona-Maßnahmen einsetzt und ein gewaltiges Datenzentrum in Eddington bauen will. Joe kann Ted so schon nicht sonderlich leiden, aber als er sich von ihm wegen der Einhaltung der Maskenpflicht gedemütigt fühlt, hat er genug: Er lässt sich als Gegenkandidat bei den Bürgermeisterwahlen aufstellen.

Während in der Kleinstadt Black-Lives-Matter-Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus aufflammen, wird Joes Wahlkampf zunehmend persönlich. Denn seine Abneigung gegenüber Ted rührt auch darin, dass dieser vor vielen Jahren bereits Joes Frau Louise (Emma Stone) datete. Da es zwischen dem Sheriff und seiner Frau kriselt und sich Louise zunehmend dem Sektenführer Vernon (Austin Butler) zuwendet, verstärkt diese Tatsache nur seine Verbitterung und Unsicherheit.

Dadurch lässt sich Joe zu einer verhängnisvollen Aktion hinreißen: Bei einer Pressekonferenz beschuldigt er Ted, dass er die damals 16-jährige Louise geschwängert und zu einer Abtreibung gezwungen habe. Außerdem bezichtigt er Ted der Vergewaltigung nach dem Gesetz, also dass er die minderjährige Louise missbraucht hat. 

Eddington: Alles zu Handlung und Besetzung des Films

Der Schuss geht aber gehörig nach hinten los, als Louise kurz darauf online ein Video postet und sämtlichen Anschuldigungen ihres Mannes widerspricht. Tatsächlich soll es ihr eigener Vater gewesen sein, der sie damals missbraucht hatte. Joe ist vor der ganzen Stadt bloßgestellt.

Die Eskalation: So wird Joe zum Mörder

Nach der fehlgeschlagenen Attacke auf Ted wird Joe auch noch von Louise verlassen, die sich nun endgültig in die Arme von Vernon (Austin Butler) und seiner Sekte begibt. Das bringt das Fass endgültig zum Überlaufen. Joe will Ted bei einer Wahlveranstaltung zur Rede stellen, wird von diesem aber als Strafe für die Anschuldigungen geohrfeigt. 

Joaquin Phoenix in Eddington

Wütend und gedemütigt rast Joe zurück in die Stadt und stößt dabei auf den örtlichen Säufer, der gerade in eine Bar eingebrochen ist und randaliert. In dem Moment brennt die letzte Sicherung von Joe durch. Ohne sichtbare Gefühlsregung erschießt er den Obdachlosen, säubert den Tatort und beseitigt die Leiche. Es ist sein erster Mord und jetzt ist er nicht mehr zu stoppen. Joe will Rache.

In der darauffolgenden Nacht nimmt er sich sein Scharfschützengewehr und bringt sich auf einem Hügel in der Nähe von Teds Haus in Position. Als sich die Gelegenheit ergibt, erschießt er Ted kaltblütig und tötet auch dessen jugendlichen Sohn Eric (Matt Gomez Hidaka). 

Anschließend geht er in aller Seelenruhe ins Haus und sprüht an die Wand den Slogan “Keine Gerechtigkeit, kein Frieden”. So will er den Verdacht auf Organisationen wie Antifa und die Black-Live-Matters-Protestler:innen schieben. Außerdem nimmt er Teds Taschenuhr mit.

Darum schiebt Joe den Mord auf Michael

Joe hat jedoch nicht damit gerechnet, dass sich auch die Polizei des benachbarten Reservats Pueblo County in die Ermittlungen einmischen könnte. Das Gelände um Teds Haus befindet sich nämlich genau auf der Grenze zwischen Eddington und Pueblo County. Der zuständige Polizist Butterfly Jimenez (William Belleau) wird schnell misstrauisch, da Joe offensichtlich versucht, den Fall unter den Teppich zu kehren. Er entdeckt außerdem eine der Patronenhülsen, die Joe in der Nacht nicht mehr finden konnte.

Um die Ermittlungen schnellstmöglich zu beenden, muss Joe einen anderen Schuldigen finden. Seine Wahl fällt ausgerechnet auf den einzigen Schwarzen Deputy seiner eigenen Dienststelle, Michael (Michael Ward). Dafür fälscht er nicht nur Beweise, sondern versteckt auch Teds Taschenuhr und die Tatwaffe in Michaels Auto. Als Motiv dient Eifersucht, da Michael zuvor per Instagram ein Video erhalten hat, in dem Teds Sohn Eric mit Michaels Ex-Freundin rummacht.

Joes Vertuschungsversuch erfolgt so stümperhaft, dass er früher oder später vermutlich aufgeflogen wäre. Immerhin erkennt Officer Butterfly in der Polizeiwache sofort, dass die Bürgermeister-Slogans auf der Tafel in derselben Handschrift geschrieben wurden, wie das Bekennerschreiben an der Wand in Teds Haus. Doch alles soll anders kommen, denn kurz darauf versinkt Eddington im Chaos.

Die Terroristenattacke: Wie wird Eddington zum Schlachtfeld?

Michael verbringt nur kurze Zeit im Gefängnis, denn er wird von Unbekannten befreit. Joe ist zu dem Zeitpunkt auf den Fersen von Butterfly, der den Sheriff bereits des Mordes an Ted und Eric verdächtigt. Nun will der Reservats-Cop seine Theorie prüfen und die Tatwaffe Dawn (Deirdre O'Connell) zeigen, der Mutter von Louise. Sie könnte schließlich erkennen, ob die Waffe Joe gehört.

Als Joe von Michaels Verschwinden aus dem Gefängnis erfährt, eilt er zurück. Doch von Michael fehlt jede Spur. Erst am Abend finden Joe und sein zweiter Deputy Guy (Luke Grimes) ihn in der Wüste – doch sie laufen in eine Falle.

Michael versucht sie noch mit “Wenn ich rede, erschießen sie mich.” zu warnen, aber es ist zu spät. Joe bemerkt noch den Geruch von Benzin, dann geht ein Sprengsatz in die Luft. Guy wird sofort getötet. Michaels Schicksal ist zunächst unklar. Flammen buchstabieren ein “Kein Frieden” in den Boden, während eine Drohne über ihnen schwebt und alles filmt.

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Joe ist zwar betäubt, aber weitgehend unverletzt. In der Nähe entdeckt er einige maskierte Männer und eröffnet das Feuer auf sie. Es ist der Beginn einer atemlosen Hetzjagd. Joe wird durch das nächtliche Eddington verfolgt, stets unter Beschuss der mysteriösen Angreifer. Der Sheriff kann sich kurzzeitig in einen Waffenladen retten, wo er kurz Luft holt und sein Waffenarsenal aufstockt.

Mit einem großkalibrigen Maschinengewehr tritt er anschließend auf die Straße und lässt ein Dauerfeuer auf seine Gegner los. Dabei trifft er zwar ein paar Angreifer, tötet aber versehentlich auch Officer Butterfly, der ihm dicht auf den Fersen war. Obwohl es ein Unfall war, ist es für Joe also beinahe ein Glückstreffer.

Irgendwann geht Joe aber die Munition für sein MG aus. Einer der Attentäter nutzt die Gunst der Stunde, stürmt auf den Sheriff zu und rammt ihm ein Messer in den Kopf. Nur Brian (Cameron Mann), ein Freund von Eric und Teil der örtlichen Black-Lives-Matters-Proteste, rettet ihn vor noch mehr Schaden. Er schießt auf den Angreifer und trifft ihn –mehr aus Glück als aus Können – tatsächlich nach mehreren Schüssen tödlich.

Wer sind die mysteriösen Angreifer?

Auch am Ende von Eddington ist nicht völlig klar, wer die Angreifer in jener Nacht wirklich waren. In einigen Ausschnitten aus den Nachrichten wird gezeigt, dass sie offiziell als linke Terroristen gelten.

Dass das linke Spektrum verdächtigt wird, ist auch kein Wunder. Immerhin wurden bei der Attacke Slogans benutzt, die sich eher der radikalen Linken zuordnen lassen. Außerdem wurden die Attentäter auch für den Mord an Ted und Eric verantwortlich gemacht. Auch hier wies die Nachricht, die Joe an die Wand sprühte, in Richtung der Proteste gegen die Polizei. Zusammen mit den Videos von militanten Linksextremisten, die schon vor dem Angriff auf Eddington die Runde machten, weisen alle Hinweise in eine Richtung. 

Doch Zweifel schürt eine kurze Szene wenige Minuten vor der Eskalation der Gewalt. Darin ist ein Jet zu sehen, der in Richtung Eddington fliegt. Darin sitzen maskierte Männer mit Protestschildern, auf denen unter anderem Parolen wie “Der weiße Mann ist der Virus, Hier kommt die Heilung” geschrieben sind. Wurden die Terroristen etwa extra eingeflogen, um das Pulverfass Eddington zum Explodieren zu bringen?

Die Szene deutet zumindest deutlich an, dass die Angreifer möglicherweise gar nicht dem linken Lager angehören. Maskierte Männer in einem Nobeljet lassen sich auf jeden Fall nur schwer mit der offiziellen Version von linksextremistischen Untergrundkämpfern in Einklang bringen. Es wäre also möglich, dass die eingeflogene Truppe es so aussehen lassen sollte, dass der Angriff von Linksextremisten verübt wurde.

Eine eindeutige Antwort hält uns Ari Aster aber bis zum Schluss vor. 

Das Ende erklärt: Was wird aus Joe, Brian und Co.?

Das Ende von “Eddington” zeigt, wie es mit Eddington und seinen Bewohner:innen nach den blutigen Ereignissen weitergeht. Joe hat seine grauenhafte Kopfwunde auf wundersame Weise überlebt und scheint mit seinen Morden ungeschoren davongekommen zu sein. Immerhin ist der Einzige, der ihm auf der Spur war, mit Butterfly gestorben.

Tatsächlich gilt Joe als lokaler Held und wurde sogar zum Bürgermeister ernannt. Viel Freude hat er daran aber nicht. Denn als Folge seiner Verletzung ist er komplett handlungsunfähig an den Rollstuhl gefesselt und kann sich auch nicht mehr verbal äußern. Seine Pflege übernimmt Louises Mutter Dawn, die auch für ihn spricht. Ironischerweise muss Joe nun also hilflos mitansehen, wie das neue Datenzentrum in Eddington eingeweiht wird – das Herzensprojekt von Ted.

Szenenbild aus Eddington

Die Verschwörungstheoretikerin Dawn, einst erklärte Feindin der technologischen Anlage, ist nun liebend gern Teil des Fortschritts der Stadt. Am Abend steht für Joe die nächste Folter an: Dawn zeigt ihm ein Video von einer Veranstaltung des Sektenführers Vernon. Im Hintergrund ist die lächelnde, hochschwangere Louise zu sehen. Ein weiter Schlag ins Gesicht für Joe, der sich immer eine Familie mit Louise gewünscht hat. Auch wenn also seine Morde ungesühnt bleiben – genießen kann er seinen Sieg nicht. 

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Joes Retter Brian ist es dafür in der Zwischenzeit umso besser ergangen. Durch seinen Heldenstatus nach dem Angriff auf Eddington konnte er sich zu einem rechten Influencer aufschwingen. Die Rolle des Black-Lives-Matters-Aktivisten hat er also hinter sich gelassen, was wenig verwunderlich ist. Schon zuvor war ja ziemlich offensichtlich, dass er sich für die Proteste nur interessierte, weil er an ein Mädchen rankommen wollte.

Eine freudige Überraschung am Ende von Eddington beschert uns zumindest Michael. Denn auch er hat die Explosion in jener Nacht überlebt, auch wenn er tiefe Narben davongetragen hat. Offenbar wurde er des Mordverdachts freigesprochen, denn er scheint noch immer als Polizist zu arbeiten. Michaels grimmiger Blick verrät, dass er nicht vergessen hat.

Zum Schluss sehen wir, wie er weiterhin seine Schießfähigkeiten trainiert. Er ist im Verhältnis zu einer vorherigen Szene deutlich besser geworden. Ob er seine Rache plant?

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