- Gösta Engzell: Jurist, Diplomat – und lange Zeit Teil des Problems
- Schwedens Neutralität: Zwischen Humanität und Anpassung
- Die Wende 1942: Als das Grauen nicht mehr ignoriert werden kann
- Bürokratischer Widerstand: Wie Akten Leben retten
- Warum ließ Deutschland Schwedens bürokratischen Widerstand zu
- Wie portraitiert der Netflix-Film die Geschehnisse?
Während Europa brennt, kämpft Gösta Engzell nicht mit Waffen, sondern mit Paragrafen. Die Netflix-Produktion „Die schwedische Verbindung“ beleuchtet die wahre Geschichte eines Mannes, der Schwedens Neutralität neu definierte – und damit tausende Leben rettete. Erfahre hier alles zu den realen Begebenheiten.
Am 19. Februar 2026 startet bei Netflix das Historiendrama „Die schwedische Verbindung“. Der Film erzählt die wahre Geschichte von Gösta Engzell, einem schwedischen Spitzenbeamten, der während des Zweiten Weltkriegs im Außenministerium arbeitete und durch geschickte juristische Manöver zehntausenden Juden das Leben rettete.
Die wahre Geschichte hinter „Die schwedische Verbindung“ zeigt, wie bürokratischer Widerstand funktioniert – und wie sich ein Beamter, der zunächst Teil einer restriktiven Flüchtlingspolitik ist, zu einem zentralen Akteur humanitärer Rettungsaktionen entwickelt.
Gösta Engzell: Jurist, Diplomat – und lange Zeit Teil des Problems
Gösta Engzell wird am 14. Februar 1897 im südschwedischen Halmstad geboren. Sein Vater arbeitet als Postmeister, Engzell selbst studiert Jura in Stockholm und schließt 1919 ab. Danach durchläuft er die klassische Karriere eines schwedischen Juristen: Tätigkeit an Gerichten, später Assessor am oberen Gericht in Jönköping und verschiedene Positionen in Ministerien. 1933 wird er zum Hofgerichtsrat ernannt.
1938 übernimmt Engzell eine Schlüsselposition: Er wird Leiter der Rechtsabteilung im schwedischen Außenministerium. Damit sitzt er im Zentrum der schwedischen Flüchtlingspolitik – just in dem Moment, als sich die Verfolgung von Juden im nationalsozialistischen Deutschland dramatisch verschärft.
Engzell ist in dieser frühen Phase keineswegs ein Retter. Im Gegenteil: Wie viele Beamte seiner Zeit vertritt er zunächst eine restriktive Linie. Schweden verfolgt ab Ende der 1930er-Jahre eine zunehmend ablehnende Haltung gegenüber jüdischen Flüchtlingen.
Ein besonders umstrittenes Kapitel ist ein Abkommen vom Oktober 1938: Jüdische Pässe aus dem Deutschen Reich werden mit einem roten „J“ gekennzeichnet, sodass Grenzbeamte sie leichter zurückweisen können.
Schwedens Neutralität: Zwischen Humanität und Anpassung
Um Engzells spätere Rolle zu verstehen, musst Du die politische Lage der damaligen Zeit kennen. Schweden bleibt im Zweiten Weltkrieg offiziell neutral. Doch diese Neutralität ist, wie Historiker es nennen, eine „Janus-Neutralität“: Das Land liefert Eisenerz an Deutschland, erlaubt deutschen Truppentransit und zensiert kritische Berichte der eigenen Presse. Gleichzeitig nimmt es – zumindest zeitweise – Flüchtlinge auf.
Das Museum der Unschuld: Handlung, Besetzung und Netflix-Start der türkischen Serie
Bis in die späten 1930er-Jahre kamen etwa 3000 Menschen aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei nach Schweden. Nach der Pogromnacht im November 1938 dürfen noch rund 650 Juden einreisen. Danach wird die Politik deutlich strenger.
Die Regierung fürchtet eine deutsche Invasion. 1942 ist Schweden von besetzten Gebieten umgeben. Premierminister Per Albin Hansson zögert lange, eine großzügigere Flüchtlingspolitik zu verfolgen, weil er das Land nicht gefährden will. Gleichzeitig existieren in Teilen der Gesellschaft antisemitische und nationalistische Strömungen.
Die Wende 1942: Als das Grauen nicht mehr ignoriert werden kann
Der entscheidende Einschnitt für Engzell erfolgt nach einem Treffen mit dem lettischen Juden Gilel Storch, der später Vertreter des World Jewish Congress in Schweden wird. Storch berichtet von Massenerschießungen und systematischer Vernichtung in Riga. Engzell dokumentiert dieses Gespräch sorgfältig.
Parallel erreichen weitere Berichte Stockholm. Der schwedische Konsul Karl Vendel meldet im Februar 1940 Deportationen in „unbekannte Konzentrationslager“. Kurz darauf informiert der SS-Offizier Kurt Gerstein den schwedischen Diplomaten Göran von Otter über Massenmorde im Lager Belzec. Gerstein, der erkennt, in welch grauenhaftes System er verstrickt ist, versucht, die Welt über die Verbrechen der Nazis zu informieren.
Diese Berichte verdichten sich zu einem Bild: Es geht nicht mehr um Diskriminierung oder Vertreibung, sondern um systematische Vernichtung. Als im November 1942 norwegische Juden deportiert werden – unter anderem 532 Menschen mit dem Schiff „SS Donau“ nach Auschwitz –, reagiert die schwedische Öffentlichkeit schockiert.
Am 30. November 1942 schreibt Engzell an die schwedische Gesandtschaft in Berlin, man müsse „zumindest versuchen“, denen zu helfen, die eine Verbindung zu Schweden hätten. Dieses Konzept der „Swedish Connection“ wird zum Kern seiner Strategie.
How To Get To Heaven From Belfast Staffel 2: Geht das Netflix-Mystery weiter?
Bürokratischer Widerstand: Wie Akten Leben retten
Was folgt, ist kein spektakulärer Geheimdienst-Thriller, sondern akribische Verwaltungsarbeit. Engzell und sein kleines Team im Außenministerium überprüfen alte Anträge, suchen nach Verwandtschaften, Geschäftsbeziehungen oder früheren Aufenthalten in Schweden. Jede noch so dünne Verbindung kann genügen, um ein Visum oder einen Pass zu rechtfertigen.
Historiker sprechen von „bürokratischem Widerstand“. Gemeint ist die bewusste Auslegung von Regeln zugunsten der Verfolgten. Diese Strategie greift besonders bei norwegischen und dänischen Juden. Etwa 1100 norwegische Juden können nach Schweden fliehen – rund 60 Prozent der jüdischen Bevölkerung Norwegens.
In Dänemark gelingt 1943 eine beispiellose Rettungsaktion: 7220 der 7800 dänischen Juden und 686 nichtjüdische Ehepartner:innen werden über das Meer nach Schweden gebracht. Auch in Ungarn spielt Schweden eine Rolle. Nachdem Deutschland das Land 1944 besetzt, entsendet Schweden Diplomaten nach Budapest.
Raoul Wallenberg wird zur bekanntesten Figur dieser Mission. Doch Historiker betonen, dass Engzell in Stockholm die rechtlichen Grundlagen schuf und Diplomaten ermächtigte, Schutzpässe auszustellen. Insgesamt tragen schwedische Behörden laut schwedischen und internationalen Quellen zur Rettung von 30.000 bis 40.000 Juden bei.
Warum ließ Deutschland Schwedens bürokratischen Widerstand zu
Ein entscheidender Faktor ist die wirtschaftliche Abhängigkeit des Deutschen Reiches von schwedischen Rohstoffen. Berlin will die Beziehungen zu Schweden deshalb nicht gefährden.
Marty Supreme im Stream: Wann startet der neunfache Oscar-Anwärter im Heimkino?
Das verschafft Engzell Spielraum. Sein Widerstand bleibt innerhalb des Systems – und gerade deshalb ist er schwer angreifbar. Engzell wird später zum schwedischen Botschafter und stirbt 1997 im Alter von 100 Jahren. Über seine Rolle sprach er stets zurückhaltend und bezeichnete sein Handeln als „Teil der täglichen Arbeit“.
Wie portraitiert der Netflix-Film die Geschehnisse?
Der Netflix-Film „Die schwedische Verbindung“ konzentriert sich auf das Jahr 1942. Henrik Dorsin („Triangle of Sadness“) spielt Engzell als zurückhaltenden, leicht väterlichen Beamten. Sissela Benn („Populära problem“) verkörpert seine Mitarbeiterin Rut Vogel. Jonas Karlsson („Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“) übernimmt die Rolle eines antisemitischen Kabinettssekretärs, der Visaanträge blockiert.
Statt dramatischer Action zeigt der Film den Kampf mit Aktenbergen, Sitzungen und moralischen Konflikten. Die wahre Geschichte hinter „Die schwedische Verbindung“ ist deshalb so bemerkenswert, weil sie zeigt: Widerstand muss nicht laut sein. Er kann auch in Formularen, in juristischen Formulierungen und in der Entscheidung liegen, eine Vorschrift menschlich auszulegen.
Du siehst hier keinen klassischen Helden mit dramatischen Reden, sondern einen Beamten, der erkennt, dass Neutralität nicht Gleichgültigkeit bedeuten darf – und der beginnt, seine Position zu nutzen.
Mit GigaTV greifst Du auf Free-TV, Pay-TV und sogar Streamingdienste wie Netflix zu. Der Tarif GigaTV inklusive Netflix bietet Dir eine riesige Auswahl an Filmen, Serien und Dokumentationen zuhause oder unterwegs. Falls Du von diesem Angebot noch nicht gehört hast, schau am besten hier bei unserer Übersicht vorbei.
Du hast Deinen Mobilfunk-Vertrag bei Vodafone? Dann sparst Du dauerhaft 2 Euro pro Monat – hier geht’s zur Aktion!