Woman of the Hour: Die wahre Geschichte des Dating-Game-Mörders Rodney Alcala

Eine junge Schauspielerin gewinnt 1978 in einer TV-Show ein Date – und spürt sofort, dass mit dem Mann etwas nicht stimmt. Hier erfährst Du die wahre Geschichte hinter „Woman of the Hour“, der jetzt auch bei Netflix verfügbar ist.

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Anna Kendrick feierte mit „Woman of the Hour“ ihr Regiedebüt. Der Film, der 2023 beim Toronto International Film Festival Premiere hatte, läuft derzeit beim Streamingdienst Netflix und weiß noch immer zu schockieren. Kendricks Film basiert nämlich auf einem realen TV-Moment aus dem Jahr 1978. 

Damals tritt der Serienmörder Rodney Alcala in der US-Show „The Dating Game“ auf – und gewinnt ein Date mit Kandidatin Cheryl Bradshaw. Was sie nicht weiß: Rodney ist zu diesem Zeitpunkt bereits ein verurteilter Sexualstraftäter und mehrfacher Mörder. Hier erfährst Du die wahre Geschichte hinter „Woman of the Hour“.

Triggerwarnung: Der folgende Text beinhaltet Schilderungen von sexueller Gewalt. Wenn Du empfindlich auf solche Themen reagierst, solltest Du lieber nicht weiterlesen.

Die wahre Geschichte hinter Woman of the Hour: Wer war Rodney Alcala?

Rodney James Alcala wird 1943 in Texas als Rodrigo Jacques Alcala-Buquor geboren. Seine Familie zieht in den 1950er-Jahren nach Kalifornien. Nach außen wirkt er intelligent, künstlerisch begabt und charmant. Sein IQ wird auf 135 geschätzt, später ist sogar von Werten von bis zu 170 die Rede. 

Während seiner Zeit bei der US-Armee fällt er jedoch durch sexuelles Fehlverhalten auf. Nach einer Panikattacke diagnostizieren Militärpsychiater eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und Anzeichen für sexuellen Sadismus und Psychopathie, was schließlich zu seiner Entlassung führt. 

Daniel Zovatto in Woman of the Hour

Später sollen Diagnosen zu narzisstischen und Borderline-Persönlichkeitsstörungen folgen. Dennoch führt Alcala ein scheinbar normales Leben und studiert an der UCLA und in New York Film und Regie.

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Er inszeniert sich als ambitionierter Fotograf, verspricht Modelkarrieren und lockt seine Opfer mit Charme und falschen Versprechungen. Ermittler:innen sprechen später von einem kalkulierten Vorgehen. 

Die wahre Geschichte des Dating-Game-Mörders 

Sein erstes bekanntes Opfer ist 1968 die achtjährige Tali Shapiro. Alcala entführt, missbraucht und misshandelt das Kind brutal. Doch bevor er sie töten kann, tritt die Polizei seine Apartment-Tür ein – ein Zeuge hatte die Entführung bemerkt und den Notruf verständigt. Shapiro überlebt schwer verletzt, liegt wochenlang im Koma. 

Alcala gelingt die Flucht, während sich die Polizisten um das schwer verletzte Kind kümmern. Alcala landet auf der „Most Wanted“-Liste des FBIs, taucht aber nicht unter. Stattdessen nimmt er das Pseudonym John Berger an und schreibt sich an der New Yorker Universität ein, wo er Regie unter dem bekannten Regisseur Roman Polański studiert. 

Während er 1971 in einem Sommercamp arbeitet, erkennen ihn zwei Mädchen auf einem Fahndungsfoto. Ein Jahr später wird er wegen Kindesmissbrauchs verurteilt, kommt aber schon nach rund drei Jahren Haft auf Bewährung wieder frei – ein folgenschweres Versagen der Justiz.

Mordserie in mehreren Bundesstaaten

Zwischen 1977 und 1979 mordet Alcala in New York und Kalifornien. Zu seinen später nachgewiesenen Opfern gehören Cornelia Crilley (23), Ellen Hover (23), Jill Barcomb (18), Georgia Wixted (27), Charlotte Lamb (32), Jill Parenteau (21) und Robin Samsoe (12).

Er vergewaltigt, schlägt und stranguliert die Frauen. Die Leichen legt er häufig in bestimmten Positionen ab. Ermittler berichten, Alcala habe seine Opfer teils gewürgt, bis sie bewusstlos wurden, sie wieder zu sich kommen lassen – und den Vorgang wiederholt.

Viele Fälle bleiben jahrzehntelang ungelöst. Erst DNA-Analysen bringen in den 2000er-Jahren Klarheit. Insgesamt wird Alcala wegen sieben Morden verurteilt. Behörden vermuten jedoch deutlich mehr Opfer – teilweise ist von bis zu 130 Taten die Rede.

Rodney Alcala bei „The Dating Game“: Ein Serienmörder im Fernsehen

Mitten in dieser Mordserie geschieht 1978 das Unfassbare: Rodney Alcala tritt bei der US-Kuppelshow „The Dating Game“ (in Deutschland später als „Herzblatt“ bekannt) auf. Die Sendung, moderiert von Jim Lange, ist zu diesem Zeitpunkt ein populäres Format. Eine Bachelorette stellt drei unsichtbaren Kandidaten Fragen und wählt am Ende einen Gewinner für ein gemeinsames Date.

Cheryl Bradshaw, 22 Jahre alt und angehende Schauspielerin, ist die Kandidatin der Episode. Ihr Agent hat ihr geraten, an der Show teilzunehmen, um bekannter zu werden. Alcala wird als erfolgreicher Fotograf vorgestellt, der gerne Motorrad fährt und Fallschirm springt. 

In der Sendung antwortet er auf Bradshaws Frage, wie er aussehe, mit: „Ich heiße Banane und sehe gut aus.“ Auf die Nachfrage, ob er das näher beschreiben könne, sagt er: „Schäl mich.“ Das Publikum lacht.

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Produzent:innen wollen die Show in den 1970ern provokanter und „sexier“ gestalten. Rückblickend wirkt Alcalas Auftreten verstörend – damals gilt er als charismatisch. Er gewinnt die Show.

Cheryl Bradshaw: „Seltsame Schwingungen“

Nach der Aufzeichnung lernt Bradshaw ihn hinter der Bühne kennen. Später ruft sie die Produktionskoordinatorin an und sagt, laut deren Aussage in einem Interview bei ABC „20/20“, sie könne nicht mit ihm ausgehen. Von ihm gingen „seltsame Schwingungen“ aus, sie fühle sich unwohl. Bradshaw sagt das Date ab.

Bild aus Woman of the Hour

Was sie nicht weiß: Alcala hat zu diesem Zeitpunkt bereits vier Morde begangen, die ihm noch niemand nachweisen kann. Außerdem ist er ein registrierter Sexualstraftäter. Er war 1974 auf Bewährung entlassen worden, kam kurz darauf wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen erneut hinter Gitter. Erst 1977 – ein Jahr vor der Show – kommt er wieder frei. Trotzdem schafft er es in die TV-Show.

Serienmörder Rodney Alcala: Festnahme und Prozess

1979 verschwindet die zwölfjährige Robin Samsoe in Kalifornien. Zeug:innen berichten von einem Mann, der sich als Fotograf ausgibt. Erneut wird ein Phantombild veröffentlicht, das zu Alcalas Festnahme führt.

In einem gemieteten Lagerraum finden Ermittler Hunderte Fotos von Frauen und Mädchen. Darunter befinden sich mutmaßliche Opfer. Einige der abgebildeten Personen können nie identifiziert werden. Auch ein Beutel mit persönlichen Gegenständen liegt in dem Lager, darin die Ohrringe von Robin Samsoe.

Der Prozess zieht sich über Jahrzehnte. 1980 wird Alcala erstmals zum Tode verurteilt. Das Urteil wird aufgehoben, ebenso ein zweites, 1986. Alcala bleibt zwar lebenslang in Haft, aber erst 2010 verurteilt ihn ein Gericht wegen insgesamt fünf Morden. Mittlerweile konnten wichtige DNA-Spuren analysiert werden. 

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2012 gesteht er zwei weitere Taten in New York. Es kommt allerdings nie zu einer Hinrichtung. Auch zwei weitere Morde, die ihm angelastet werden können, werden aufgrund des sich verschlechternden Gesundheitszustandes des Serienkillers nicht mehr verhandelt. Rodney Alcala stirbt 2021 im Alter von 77 Jahren im Gefängnis unter natürlichen Umständen.

Woman of the Hour: Wie nah bleibt der Film an der wahren Geschichte?

Anna Kendrick inszeniert „Woman of the Hour“ bewusst aus weiblicher Perspektive. Der Film verzichtet auf explizite Gewaltdarstellungen und konzentriert sich stattdessen auf das Gefühl permanenter Bedrohung.

Kendrick nimmt sich allerdings dramaturgische Freiheiten: In der Realität treffen sich Bradshaw und Alcala nach der Show nicht mehr persönlich. Eine dramatische Konfrontation, wie sie im Film gezeigt wird, ist nicht belegt. Doch der Kern bleibt wahr: Ein Serienmörder sitzt 1978 im US-Fernsehen – und niemand erkennt ihn.

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