Die 275 Meter lange Netzskulptur der Amerikanerin Janet Echelman schwebt wie tanzendes Polarlicht im Himmel. Nachts wird das Gebilde in farbiges Licht eingetaucht. Dann können Besucher auf der zarten Leinwand ihre Spuren hinterlassen. Das machen sie mithilfe einer App auf ihren Smartphones. Ermöglicht wurde das durch den Datenkünstler Aaron Koblin.
Der 33-jährige preisgekrönte Amerikaner ist Art-Director für Datenkunst im Google Creative Lab. Er und die 49-jährige Künstlerin Echelman begegneten sich auf der TED (Technology, Entertainment, Design)-Konferenz 2011. Auf den ersten Blick hätten die beiden Künstler unterschiedlicher nicht sein können. Koblin arbeitet mit Unmengen von Daten und macht sie sichtbar. So hat er zum Beispiel 2009 die Flugrouten von zehntausenden Flügen in „Flight patterns“ über Nordamerika mit farbigen Linien dargestellt. Ein feines, pulsierendes Netz entstand. In „Visualizing Amsterdam SMS Messages“ sieht der Betrachter die SMS-Nachrichten, die sich die Bewohner von Amsterdam am Neujahrstag schicken, als dreidimensionale bunte Säulen ausschlagen. „Daten können uns menschlicher machen“, sagt Koblin über sein Verhältnis zur digitalen Welt.
Echelman dagegen kreiert Skulpturen aus Fischernetzen. Schwebende Giganten, die unsichtbaren Raum sichtbar machen. Nachts, wenn die Netze durch Farben sichtbar und damit zu sphärischen Körpern werden, die lebendig erscheinen. „Ich erschaffe Skulpturen, die mir das Gefühl von Schutz geben, gleichzeitig mich aber mit dem endlosen Himmel verbinden“, beschreibt Echelman ihre Arbeit.
Echelmann stellte fest, dass ihre Skulpturen in der Vergangenheit besonders auf Menschen wirkten. „Es entsteht ein sozialer Raum, der von einer besinnlichen und ruhigen Atmosphäre geprägt ist. Menschen, die sich nicht kennen, fangen miteinander zu reden an, über das, was sie gerade erleben“, erzählt Echelman.
Dieser soziale Raum führte die beiden Künstler zusammen. Echelman erschafft ihn, Koblin macht ihn sichtbar. Beide Künstler blieben nach der Konferenz miteinander in Kontakt. Als Echelman die Möglichkeit hatte, eine Netzskulptur für die TED-Konferenz im März 2014 zu entwerfen, kontaktierte sie Koblin, „weil er perfekt für dieses Projekt war.“ „Unnumbered Sparks“, sagt die Künstlerin, „ist eine Weiterentwicklung meiner Arbeit. Die Besucher können unmittelbar das beeinflussen, was sie dort gerade sehen“, sagt Echelman über die Interaktion bei „Unnumbered Sparks“.
Echelmans Skulptur wird zur Leinwand für den Datenkünstler Koblin. „Wir tragen alle Geräte mit uns in der Hosentasche rum, die es uns ermöglichen, mit Menschen überall auf der Welt in Verbindung zu treten“, sagt Koblin. Er kreierte eine App, mit der sich Hunderte gleichzeitig auf ihren Smartphones einloggen können. Alle Daten werden direkt auf Google Chrome eingespielt, auf einem Server gebündelt und auf eine weitere Google Chrome-Instanz weitergeleitet, wo die Daten grafisch in Echtzeit gerendert werden. Auf der Skulptur sehen die Benutzer dann sofort, was sie auf der App gemacht haben.
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Im Nachthimmel von Vancouver funkelt das zarte Gebilde. Der Wind spielt mit dem Himmelskörper, gibt ihr immer wieder neue Formen. . „Ich hätte nie gedacht, dass ich auf diese Art mal mein Handy benutzen werde, sagt eine Besucherin, „es heute hier getan zu haben, das ist unglaublich.“