The Perfect Neighbor: Die wahre Geschichte hinter der gefeierten Netflix-Doku

Die neue Netflix-Doku „The Perfect Neighbor“ widmet sich dem Mord an Ajike Owens durch ihre Nachbarin Susan Lorincz im Jahr 2023 sowie der anschließenden Diskussion um das „Stand Your Ground“-Gesetz in den USA. Hier erfährst Du die wahre Geschichte hinter dem Film.

Ajike „AJ“ Shantrell Owens wurde nur 35 Jahre alt, ermordet durch ihre 58-jährige Nachbarin vor den Augen ihres zehnjährigen Sohnes. Die Tat sorgte 2023 in den USA für Aufsehen und führte zu einer öffentlichen Debatte über das sogenannte „Stand-Your-Ground-Law“. Die zweifach mit dem Emmy ausgezeichnete Regisseurin Geeta Gandbhir („By the People: The Election of Barack Obama“) widmet sich dieser Thematik ab dem 17. Oktober 2025 in der Netflix-Dokumentation „The Perfect Neighbor“.

Der Film feierte 2025 beim Sundance Film Festival Premiere und kam bei den Kritiker:innen so gut an, dass Netflix sich die Rechte für fünf Millionen US-Dollar sicherte. Auf der Filmwebsite Rotten Tomatoes erreicht „The Perfect Neighbor“ eine Zustimmungsquote von 100 %. Hier erfährst Du mehr über die wahre Geschichte hinter der Doku, die vor allem auf Bodycam-Aufnahmen setzt, um ihre Geschichte zu erzählen.

Die wahre Geschichte hinter The Perfect Neighbor: Was ist das Stand-Your-Ground-Law?

Um die Brisanz des Mordes an AJ Owens zu verstehen, ist die Bedeutung des Stand-Your-Ground-Laws entscheidend. Dieses Gesetz ist in etwa mit dem deutschen Notwehrrecht vergleichbar. Allerdings sind die Vorgaben in Deutschland deutlich schärfer als in den USA. Der größte Unterschied liegt in der Verhältnismäßigkeit: Während in Deutschland tödliche Gewalt nur im äußersten Notfall angewendet werden darf und zunächst das Mittel mit dem geringsten Schaden gewählt werden sollte, entfällt diese Anforderung in den USA komplett.

Wenn sich eine Person bedroht fühlt, darf sie tödliche Gewalt anwenden, solange sie befürchten muss, angegriffen zu werden – selbst dann, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass die Gefahr gar nicht so groß war. Das gilt in den USA übrigens auch auf öffentlichen Plätzen, auf denen sich die bedrohte Person rechtmäßig aufhält, und nicht nur auf dem eigenen Grundstück.

Das Gesetz sorgt seit jeher für Kritik. Für „The Perfect Neighbor“ sind vor allem zwei Aspekte wichtig: Studien belegen, dass Tötungen durch Feuerwaffen seit Einführung dieser Gesetze zugenommen haben. Zudem gibt es eine rassistische Ungleichheit: Weiße Menschen, die auf People of Color schießen, kommen häufiger mit dem Verweis auf das Stand-Your-Ground-Law davon als People of Color, die auf Weiße Menschen schießen.

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Ajike Owens, Susan Lorincz und der 2. Juni 2023

Ajike Owens und Susan Lorincz kennen sich seit mindestens 2021, beide sind Nachbarinnen und leben im Süden der Stadt Ocala in Florida. Die Wohngegend gilt als familienfreundlich. Lorincz scheint sich jedoch an der Lautstärke der drei Kinder ihrer Nachbarin zu stören. Immer wieder ruft sie die Polizei. Eine Nachbarin erzählt, dass Lorincz sehr oft wütend auf die spielenden Kinder war und sie ständig beleidigte, angeblich auch rassistisch.

Ein Streit mit den Kindern am 2. Juni 2023 führt schließlich zur Tragödie. Lorincz wirft einen Inline-Skate und trifft eines der Kinder am Fuß. Nach einem anderen schwingt sie ihren Regenschirm. Geschockt erzählen die Kinder ihrer Mutter davon. Daraufhin macht sich Owens zusammen mit ihrem zehnjährigen Sohn auf den Weg zu Lorincz, um sie mit den Anschuldigungen zu konfrontieren.

Als sie an die Tür klopft, schießt Lorincz von innen auf sie. Eine Nachbarin hört, wie ihr Sohn schreit: „Sie haben auf meine Mama geschossen.” Sie eilt zu Hilfe und versucht, die schwer verletzte Owens wiederzubeleben. Lorincz alarmiert die Polizei schon zum zweiten Mal an diesem Tag. Das erste Mal hatte sie wegen Hausfriedensbruch Alarm geschlagen. Die Polizist:innen sind deswegen bereits auf dem Weg zu ihr und finden Owens blutend auf dem Boden vor dem Haus ihrer Nachbarin. Wenig später stirbt die dreifache Mutter im Krankenhaus.

Verzögerte Verhaftung wegen des Stand-Your-Ground-Laws

Gegenüber der Polizei sagt Lorincz aus, dass Owens die Tür aufbrechen wollte und sie aus Notwehr gehandelt habe:

„Ich geriet in Panik und dachte: „Oh mein Gott, diesmal wird sie mich wirklich umbringen.“ [...] Ich kann mich nicht einmal daran erinnern, die Waffe in die Hand genommen zu haben, ich weiß nur noch, dass ich geschossen habe.“

Gemäß dem Stand-Your-Ground-Law käme sie damit straffrei davon. Am 5. Juni 2023 teilt Marion-Country-Sheriff Billy Woods mit, dass er Lorincz nicht verhaften könne. Zunächst müsse nämlich geprüft werden, ob das Stand-Your-Ground-Gesetz in diesem Fall greifen würde.

Bodycam-Aufnahme aus The Perfect Neighbor

Diese Aussage sorgt für einen öffentlichen Aufschrei: Am 6. Juni protestieren 30 Menschen vor dem lokalen Gericht und fordern die Verhaftung von Lorincz. Einen Tag später wird die Täterin schließlich festgenommen, nachdem die Ermittler:innen zahlreiche Aussagen und Videomaterialien ausgewertet haben. Sheriff Woods gibt zu Protokoll:

„Beide waren sehr aggressiv, es ging hin und her. [...] Es wurde gegen die Türen und Wände geschlagen und Drohungen ausgesprochen. Und in diesem Moment wurde Frau Owens durch die Tür erschossen.“

Lorincz wird wegen Totschlags mit einer Schusswaffe, grober Fahrlässigkeit, Körperverletzung und Beleidigung angeklagt. In einer anschließenden Pressekonferenz stellt Sheriff Woods klar, dass Lorincz nicht nach dem Stand-Your-Ground-Law gehandelt habe: „Diese Situation ist ein Paradebeispiel dafür, dass es nicht gerechtfertigt war. Es war einfach nur Mord.“ Ihre Anwälte versuchen die Strafe mit dem Stand-Your-Ground-Law, Missbrauch in der Kindheit und Posttraumatischer Belastungsstörung abzumildern, was nur teilweise gelingt. Am 16. August 2024 wird Lorincz für schuldig befunden und am 25. November 2024 zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

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The Perfect Neighbor: Parallelen zu Trayvon Martin und Ralph Yarl

Der Mord an Owens löst eine bis heute andauernde Diskussion über die Rechtmäßigkeit des Stand-Your-Ground-Laws aus. Weitere Beispiele sind der Mord an dem 17-jährigen Trayvon Martin am 26. Februar 2012 durch den Nachbarschaftswächter George Zimmerman in Florida sowie der Mord an dem 16-jährigen Ralph Yarl durch Andrew Lester am 13. April 2023 in Missouri. Beide Opfer waren People of Color.

Martin wurde 2012 ermordet, als er unbewaffnet auf dem Rückweg zum Haus seines Vaters war und von Zimmerman gestellt und erschossen wurde. Zimmerman hielt ihn für einen Einbrecher und wurde nach dem Stand-Your-Ground-Gesetz freigesprochen. Yarl wurde 2023 erschossen, als er seine Zwillingsbrüder von einer Verabredung abholen wollte, sich aber an der Adresse geirrt hatte. Sein Mörder feuerte ohne Vorwarnung durch die Tür auf den 16-Jährigen, da er sich bedroht fühlte. Der Täter gestand seine Schuld ein, starb jedoch wenige Tage vor der Urteilsverkündung im Alter von 86 Jahren.

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