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„Angel Has Fallen“ in der featured-Filmkritik: Das Seemannsgarn des gebrechlichen Helden

Der Präsi­dent ist in Gefahr, zum drit­ten Mal. Und zum drit­ten Mal kann schein­bar nur Secret Ser­vice Agent Mike Ban­ning den Tag ret­ten. Auch wenn er dies­mal vom Jäger zum Gejagten wird. Warum der Abschluss der Has-Fall­en-Trilo­gie Stan­gen­ware fürs Heimki­no ist, erfährst Du in der fea­tured-Filmkri­tik zu „Angel Has Fall­en“.

Dafür, dass „Angel Has Fall­en“ bere­its der dritte Teil ein­er Film­rei­he ist, nimmt er erstaunlich wenig Bezug auf seine Vorgänger. Das erle­ichtert zwar den Quere­in­stieg für neue Zuschauer, hin­ter­lässt aber auch irgend­wie einen faden Beigeschmack. Spätestens, wenn es um den Vor­wurf des Hochver­rats geht, sollte Mike Ban­ning nach „Olym­pus Has Fall­en“ und „Lon­don Has Fall­en“ einen deut­lich höheren Ver­trauens­bonus genießen. Stattdessen erk­lärt ihn das Drehbuch zum Staats­feind Num­mer Eins.

Most Wanted: Vom Jäger zum Gejagten

Mike Ban­ning (Ger­ald But­ler) bekommt die Rech­nung für seinen aufre­gen­den Job als Leib­wächter des Präsi­den­ten (Mor­gan Free­man) präsen­tiert. Schmerz- und Schlafmit­tel sind seine besten Fre­unde. Seine Fam­i­lie bekommt er zu sel­ten zu Gesicht. Zu allem Übel passiert auf einem schw­er bewacht­en Ange­laus­flug des Präsi­den­ten das Unmögliche: Ein Drohnen­schwarm löscht fast das gesamte anwe­sende Schutzper­son­al aus. Neben dem im Koma liegen­den Präsi­den­ten, über­lebt nur Mike Ban­ning. Das reicht als Grund, ihn als Hochver­räter zu brand­marken. Ab jet­zt ist Mike auf der Flucht und ver­sucht seine Unschuld zu beweisen.

Drehbuch: Stangenware statt Maßanfertigung

Dass man den Plot-Twist schon hun­dert Meter gegen den Wind riecht, liegt zweifels­frei an einem Drehbuch, das auss­chließlich mit Fig­uren­typen und Ele­menten über­füt­tert wurde, die Action­fans schon unzäh­lige Male begäh­nt haben. Ein Beispiel: Der Vater unseres Titel­helden, Clay Ban­ning, gespielt von Urgestein Nick Nolte, lebt als paramil­itärisch­er Ein­siedler im Wald. Das erin­nert stark, an ähn­lich gebaute Filme wie „Harte Ziele“ (1993) oder auch „R.E.D. 2“ (2013), vielle­icht zu stark. Der schrul­lige Ein­siedler, als Helfer in der Not? Zu gefäl­lig! Schlim­mer ist aber vielle­icht noch der dadurch eingestreute Humor, der im Kon­text dieses behaupteten Action­thrillers, fehlplatziert wirkt. Das gipfelt in ein­er Post-Cred­it-Szene, die so selt­sam gezwun­gen wirkt, dass die Frage aufkommt, ob das Drehbuchteam über­haupt selb­st wusste, wohin mit ihrem Stoff. Tat­säch­lich regt diese Szene das krude Gedanken­spiel an, ob „Angel Has Fall­en“ nicht am Ende ein klammheim­lich­es Pre­quel zu dem „Honig im Kopf”-Remake, „Head Full of Hon­ey“, ist, in dem Nick Nolte einen ver­wirrten Witwer mit anges­pan­nter Vater-Sohn-Beziehung spielt. Spaß! Aber irgend­was muss man doch mit diesem gescheit­erten Erzäh­lver­such anstellen, um sich wenig­stens irgend­wie dran zu erfreuen.

Alles egal: Logic Has Fallen

Hak­en wir das Offen­sichtliche zuerst ab: „Angel Has Fall­en“ erzählt zum drit­ten Mal die gle­iche Sto­ry, mit nahezu aus­tauschbaren Fig­uren. Neu ist der gewollte, aber inkon­se­quent erzählte Ansatz des ver­wund­baren Helden. Das funk­tion­ierte in „The Dark Knight Ris­es“ mit­telgut. „Logan – The Wolver­ine“ hinge­gen hat die Mess­lat­te für das The­ma weit nach oben ver­schoben. Der große Unter­schied zu „Angel Has Fall­en“ beste­ht darin, dass Zuschauer, bei den genan­nten Beispie­len, ein echt­es Inter­esse an den Fig­uren haben.

„Angel Has Fall­en“ schaufelt sich dies­bezüglich sein eigenes Grab. Da erfahren wir neben­bei, dass Mike Ban­ning Rück­en­prob­leme hat und auch noch irgend­was am Kopf. Deswe­gen guckt er zu Beginn ab und an derang­iert. Vielle­icht würde man mehr mit­fiebern, wenn er abge­se­hen von einem inter­val­lar­ti­gen Augen­ver­drehen son­st irgend­wie eingeschränkt in seinen Möglichkeit­en wäre. Ist er aber nicht. Ger­ald But­ler schaut zerknit­tert, ballert wild um sich und besitzt die schiere Uner­schöpflichkeit eines Ste­haufmän­nchens.

Dass die einzig nen­nenswerte Frauen­fig­ur auf hal­ber Strecke auss­chei­det, ist kein Logik­loch, zugegeben. Aber beze­ich­nend für ein Fran­chise, das in sein­er amerikanis­chen Patri­o­tismus-Fil­terblase ur-kon­ser­v­a­tiv ist. Und das ist furcht­bar schade. Und unnötig.

Gekauft, wie gesehen: Solide Action ohne Überraschungen

„Angel Has Fall­en“ bietet bekan­ntes Action­spek­takel, mit Explo­sio­nen und Gewehrsal­ven im Minu­ten­takt. Das ist für einen Son­nta­gnach­mit­tag auf der Couch zweifels­frei das Richtige. Ob Du dafür nun eine Kinokarte ziehst, entschei­dest Du natür­lich selb­st. Aber vielle­icht wartest Du auch ein­fach, bis Du „Olym­pus Has Fall­en“, „Lon­don Has Fall­en“ und „Angel Has Fall­en“ in der Voda­fone Videothek abrufen kannst.

 

Genre:                    Action

Bun­desstart:           29.08.2019

Laufzeit:                 161 Minuten

FSK:                       Ab 16 Jahren

Regie:                    Ric Roman Waugh

Drehbuch:           Robert Mark Kamen, Matt Cook, Ric Roman Waugh

                              Creighton Rothen­berg­er (Sto­ry), Katrin Benedikt (Sto­ry)

 

Was hältst Du vom Fran­chise um den Schutzen­gel des Präsi­den­ten? Welchen Szenar­ien sind noch denkbar? Wir freuen uns auf Deine Ideen!

Titel­bild: Jack Eng­lish­man / Lion­s­gate

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