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The Future is Exciting: Das ganz normale Leben mit künstlicher Hand – Porträt von Bertolt Meyer

Plat­ten aufle­gen, Fahrrad fahren, reisen, forschen: Bertolt Mey­er ste­ht mit­ten im Leben und macht vieles mit links – und das ohne linken Unter­arm. Möglich macht es eine hochmod­erne, kün­stliche Hand. In unser­er Rei­he #The­Fu­tureI­sEx­cit­ing erzählen wir Dir heute die Future Sto­ry des Wis­senschaftlers aus Chem­nitz und zeigen Dir, wie dig­i­tale Tech­nik seinen All­t­ag bere­ichert. Ready?

Bertolt Mey­er ste­ht vor dem Spiegel und knöpft die Ärmel seines Hemdes zu. Er bindet sich die Schuhe, greift zum Ruck­sack und zur Jacke, tippt kurz auf seinem Smart­phone herum und macht sich auf den Weg zur Bahn – alles ganz nor­mal. Dass bei Bertolt trotz­dem etwas „anders“ ist, siehst Du erst auf den zweit­en Blick. Dem Pro­fes­sor aus Chem­nitz fehlt seit sein­er Geburt der linke Unter­arm. All diese alltäglichen Hand­griffe führt er wie selb­stver­ständlich mit ein­er kün­stlichen Hand aus.

Ein Glücksgriff: Moderne Technik für einen fast barrierefreien Alltag

Dys­melie heißt die sel­tene Fehlbil­dung, mit der Bertolt Mey­er 1977 in Ham­burg geboren wurde. „Das kommt nur etwa ein­mal auf 100.000 Geburten vor – ein­fach Pech“, bringt Bertolt es nüchtern auf den Punkt. Dass ihm knapp unter­halb des linken Ellen­bo­gens der Arm fehlt, war für ihn aber nie ein großes Prob­lem. Obwohl ihm die kör­per­liche Ein­schränkung im All­t­ag immer wieder an Gren­zen brachte und Impro­vi­sa­tion­stal­ent erforderte, emp­fand er es stets als „Nor­malzu­s­tand“. Bar­ri­eren wie in Kind­heit­sta­gen ken­nt Bertolt heute aber nicht mehr – dank i-Limb-Quan­tum, ein­er soge­nan­nten „myoelek­trischen“ Hand­prothese. „Ich komme im All­t­ag nicht mehr an Gren­zen, son­dern kann vol­lkom­men funk­tion­ieren.“

Keine Berührungsängste: „Die Leute sind fasziniert“

Seine neu gewonnenen Möglichkeit­en weiß Bertolt in allen Lebens­bere­ichen zu schätzen und zu nutzen. An der Tech­nis­chen Uni­ver­sität (TU) Chem­nitz arbeit­et der Pro­fes­sor für Organ­i­sa­tions- und Wirtschaft­spsy­cholo­gie ger­ade an ein­er Studie, bei der er sich auch mit sein­er eige­nen Sit­u­a­tion auseinan­der­set­zt. Er unter­sucht, wie mod­erne bion­is­che Tech­nik – also Prothe­sen, Exoskelette und ähn­liche Hil­f­s­mit­tel – Stereo­type über Men­schen mit Behin­derun­gen verän­dert. Er selb­st bemerkt im All­t­ag über­wiegend pos­i­tive Reak­tio­nen und resümiert: „Die Leute sind fasziniert.“ Das über­rascht mit Blick auf die Funk­tio­nen und Optik der High­tech-Prothese nicht.

Feinfühlige Hightech-Hand mit eigener App

Zwei Elek­tro­den auf Bertolts linken Ober­arm messen die Muskel­ströme, die dafür zuständig wären, Aktio­nen des fehlen­den Handge­lenks aus­führen. Die sen­si­blen Sen­soren über­set­zen die Impulse in mech­a­nis­che Befehle – so fein­mo­torisch, dass Bertolt mit­tler­weile sog­ar ein rohes Ei hal­ten kann. Angetrieben von sechs winzi­gen Elek­tro­mo­toren kann er nicht nur Gegen­stände greifen, son­dern alle fünf Fin­ger einzeln ans­teuern und bewe­gen. Unter­stützung bekommt Bertolt von ein­er Blue­tooth-App, über die er die Prothese kon­fig­uri­ert. „So lernt die Hand, das zu machen, was sie machen soll.“ Bis zu 36 indi­vidu­elle Griff­muster sind für die i-Limb-Quan­tum-Prothese ver­füg­bar, 24 hat Bertolt bere­its pro­gram­miert. Regelmäßig instal­liert er über die Smart­phone-App auch Firmware-Updates, damit zum Beispiel die Bat­terie der kün­stlichen Hand länger hält.

Mehr als ein Gadget, sondern „ein Teil von mir“

Dank der robusten Titan­fin­ger kann Bertolt so ziem­lich jedem Hob­by nachge­hen, das ihm Spaß macht. In sein­er Freizeit ste­ht er zum Beispiel regelmäßig am Mis­ch­pult und legt elek­tro­n­is­che Musik auf – vorzugsweise ana­log. Plat­ten­teller abbrem­sen und Knöpfe drück­en kann er allerd­ings nur, weil er die Zeigefin­ger bei­der Hände einzeln ausstreck­en kann. Auch zum Beispiel beim Rad­fahren ist die kün­stliche Hand immer dabei. „Sie ist ein Teil von mir, Teil mein­er Wahrnehmung und Teil meines Kör­per­schemas“ – selb­st im Schlaf. „Wenn ich träume, träume ich mich mit Prothese.“ Dass ein Stück Tech­nik auch emo­tion­al ein Teil von ihm gewor­den ist, find­et Bertolt selb­st „ganz schön abge­fahren“.

The future ist exciting: Bionische Technik für die Behandlung von morgen  

Dass Bertolt und seine kün­stliche Hand so gut aufeinan­der einge­spielt sind, kam natür­lich nicht von heute auf mor­gen. Mit dem Her­steller Össur ste­ht er im engen und regelmäßi­gen Aus­tausch. Als „Ver­such­skan­inchen“ unter­stützte er die isländis­che Fir­ma von Anfang an bei der Entwick­lung der Prothese, unter­nahm in der BETA-Phase erste Bewe­gungsver­suche und testet bis heute neue Fea­tures vor dem Release. Eben­so begleit­et er das Unternehmen bei Messen und bringt seine Erfahrun­gen bei inter­na­tionalen Forschungs-Events sowie Podi­ums­diskus­sio­nen mit ein. Mitte Okto­ber war er beispiel­sweise auf dem Ada Lovelace Fes­ti­val in Berlin zum The­ma „Assis­tive Tech­nol­o­gy: Dis­abil­i­ty Design & Inclu­sive Inno­va­tion“ auf dem Podi­um dabei.

„Zukun­ft wird erst dann zum Fortschritt, wenn Men­schen sie annehmen“, ist ein Faz­it von Bertolt, das mehr aus sein­er per­sön­lichen Erfahrung als aus sein­er Studie her­vorge­ht. „Eine solch tolle bion­is­che Prothese verdeut­licht doch, was für eine große Chance die Dig­i­tal­isierung ist, um mehr Men­schen mehr Teil­habe im All­t­ag zu ermöglichen.“ Mit anderen Worten: The future is excit­ing.

Noch mehr span­nende Inno­va­tio­nen rund um Deine aufre­gende Zukun­ft find­est Du hier auf fea­tured und auf Youtube in unser­er Playlist „The Future Is Excit­ing“.

Bist Du auch überzeugt, dass mod­erne Tech­nik das Leben viel­er Men­schen verbessern kann oder fall­en Dir sog­ar weit­ere Beispiele ein? Teile sie mit uns!

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