Spiderverse – ohne Spider-Man: Sonys Marvel-Universum kurz erklärt

Wir lieben unsere Comichelden und -schurken, aber die ver­schiede­nen Film- und Serienuni­versen kön­nen ver­wirren. Mit dem 2018 erscheinen­den Anti­helden-Film „Ven­om“ startet Sony sein Spi­der-Man-Uni­ver­sum neu – aber irgend­wie ohne Spi­der-Man. Wir entwirren die Fäden für Dich.

Sony hat bis jet­zt zwei Anläufe unter­nom­men, ein Spi­der-Man-Fran­chise zu etablieren. Nach Sam Raimis erfol­gre­ich­er Trilo­gie (mit Tobey Maguire) ver­suchte man mit „The Amaz­ing Spi­der-Man 1+2“ (mit Andrew Garfield) den Grund­stein für zahlre­iche Spin-offs zu leg­en – mit mäßigem Erfolg. Nun hat man bei der Konkur­renz gel­ernt.

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Lizenzverwertung 101: Wenn Dir das Leben Figuren schenkt, mach Filme draus

Mitte der Neun­ziger manövri­erte Mar­vel nur knapp am Konkurs vor­bei. Zu diesem Zwecke verkaufte das Unternehmen die Film­rechte an einem Großteil sein­er Fig­uren. So kam unter anderem 20th Cen­tu­ry Fox an die X-Men, Uni­ver­sal Pic­tures an Hulk und Sony Pic­tures an den Spi­der-Man-Fig­urenkad­er – inklu­sive Ven­om, Car­nage und anderen Schurken und Helden.

Teil dieser Verträge war es, dass die Rechte regelmäßig genutzt wer­den – anson­sten wür­den sie an Mar­vel zurück­ge­hen. Beispiele dafür sind unter anderem Ghost Rid­er, Pun­ish­er und Dare­dev­il, die nach Solo-Aus­flü­gen nun wieder bei Mar­vel sind und bere­its in das beliebte Mar­vel Cin­e­mat­ic Uni­verse (MCU) inte­gri­ert wur­den.

Der Faden zwischen den Welten: Spider-Man

Spi­der-Man: Home­com­ing war in viel­er­lei Hin­sicht ein markan­ter Punkt für das Mar­vel Cin­e­mat­ic Uni­verse (MCU). Die Rechte für Spi­der-Man & Co. liegen noch immer bei Sony. Ein Deal erlaubt es Mar­vel nun aber, Spi­der-Man und einige andere Fig­uren (zum Beispiel Tante May) im MCU zu ver­wen­den.

Nun besitzt Sony ja aber noch Rechte an diversen anderen Fig­uren aus den Spi­der-Man-Sto­rys, unter anderem Ven­om, Black Cat oder Mor­bius. Der Plan: Sony bastelt sich ein eigenes Fil­mu­ni­ver­sum mit diesen Spi­der-Man-Schurken/Helden, aber ohne Spi­der-Man selb­st – zumin­d­est vor­erst.

MCU Exec­u­tive Pro­duc­er Kevin Feige machte in einem Inter­view mit AlloCiné (Juni) klar: „Aktuell gibt es keine Pläne für Ven­om im MCU. Es ist ein Sony-Pro­jekt.“

…aber…

Sony-Pro­duzentin Amy Pas­cal äußerte sich in einem Inter­view mit der Seite Film­starts dahinge­hend allerd­ings anders und räumte auch die Chance ein, dass Tom Hol­lands Spi­der-Man aus dem MCU auch bei Ven­om & Co. auf­taucht: „Sie spie­len alle in der Welt, die wir ger­ade für Peter Park­er erschaf­fen.“

An diesem Punkt kann man übri­gens dur­chaus seufzen und mit den Augen rollen. Trotz­dem ein Deu­tungsver­such: Sony baut ein Fil­mu­ni­ver­sum auf, dass vor allem für seine Spi­der-Man-Fig­uren funk­tion­iert. Sonys Filmwelt ist durch den MCU-Spi­der-Man (Tom Hol­land) aber zwangsläu­fig Part des großen Mar­vel Cin­e­mat­ic Uni­verse, in dem Iron Man & Co. bald zum Infin­i­ty War antreten wer­den. Durch die Lizen­zrechte wird Sonys Filmwelt zunächst jedoch prak­tisch von Mar­vel ignori­ert oder zumin­d­est stiefmüt­ter­lich behan­delt.

Einen kleinen Licht­blick gibt es trotz­dem. Der kom­mende Avengers: Infin­i­ty War soll die Phase III des MCU abschließen. In einem Inter­view mit der Van­i­ty Fair stellte Kevin Feige einen mas­siv­en Umbruch des MCUs in Aus­sicht – mit neuen Wel­ten und in anderen Zeit­en, die man erkun­den kann. Diese neue Flex­i­bil­ität kön­nte auch das nun entste­hende Sony Mar­vel-Fil­mu­ni­ver­sum mit ein­schließen.

Sonys Marvel-Universum: Comicfilme für Erwachsene

Nach dem Erfolg von Dead­pool und Logan ver­trauen die Stu­dios wieder darauf, dass Com­ic-Adap­tio­nen auch funk­tion­ieren kön­nen, wenn sie härtere Töne anschla­gen. Und damit kön­nten sie soa­gar Erfolg haben. Denn unter Dis­neys Fuch­tel wer­den wohl auch solche Handge­menge wie Civ­il War oder Infin­i­ty War so handzahm bleiben, dass sie für Rat­ing-Instanzen wie zum Beispiel die deutsche FSK weitest­ge­hend jugend­frei sind.

Konkur­rent 20th Cen­tu­ry Fox hat den Bedarf nach dun­klerem Com­ic-Stoff gewit­tert und bringt beispiel­sweise mit „The New Mutants“ einen X-Men-Ableger als Hor­ror­film in die Kinos. Aber wer­fen wir kurz einen Blick auf Sonys bestätigte Spi­der-Man-Spin-offs.

Venom (04. Oktober 2018)

Er ist eine der beliebtesten Fig­uren des Spi­der-Man-Mythos und abwech­sel­nd gruseliger Schurke und/oder fin­ster­er Anti­held: Ven­om. Der Alien-Par­a­sit ver­lei­ht seinem Wirt über­men­schliche Kräfte und ver­stärkt dessen neg­a­tiv­en Seit­en. In den Comics hat zunächst Spi­der-Man selb­st eine Eska­pade mit dem Sym­bion­ten, bevor er ihn schließlich abschüt­teln kann. Der Par­a­sit ver­schmilzt daraufhin mit Peter Park­ers ‚Kol­le­gen’ Eddie Brock und macht aus ihm Ven­om – ein von Gewalt getriebenes Mon­ster und lange Zeit Erzfeind von Spi­der-Man.

Inspiri­ert von David Cro­nen­berg („Die Fliege“) und John Car­pen­ter („Das Ding aus ein­er anderen Welt“) insze­niert „Zombieland“-Regisseur Ruben Fleis­ch­er einen düsteren R-Rat­ed-Sci-Fi-Hor­ror-Film – zumin­d­est laut Presse­bericht­en. Für den Plot des Films ori­en­tierte sich Fleis­ch­er an zwei Sto­ry­lines aus den Comics.

In „Lethal Pro­tec­tor“ eini­gen sich Spi­der-Man und Ven­om darauf, getren­nte Wege zu gehen. Infolge dessen erlebt der Leser Ven­oms Wan­del vom Antag­o­nis­ten zum Anti­helden. Wie auch in der Inspi­ra­tionsquelle ist der Film­plot in San Fran­cis­co ange­siedelt - also weitab vom Super­helden­quell New York City. In „Plan­et of the Sym­biotes“ hinge­gen lockt der abgestoßene Ven­om-Sym­biont eine ganze Horde weit­er­er Par­a­siten von seinem Heimat­plan­eten an. Im Laufe der Ereignisse tritt auch Car­nage auf den Plan, ein blutrün­stiges Mon­ster, das aus der Verbindung eines Sym­bion­ten mit dem Psy­chopa­then Cle­tus Kasady her­vorge­ht – und ver­mut­lich auch Antag­o­nist des Films ist.

Die Haup­trol­le des Reporters Eddie Brock/Venom ist mit „Mad Max“-Star Tom Hardy hochkarätig beset­zt. Die restliche Beset­zungsliste ist noch ein großes Geheim­nis – über­wiegend. „Man­ches­ter by the Sea“-Actrice Michelle Williams spielt Ann Wey­ing, eine Fig­ur, die den Lesern vor allem als der weib­liche Coun­ter­part She-Ven­om bekan­nt ist. Auf der IMDb-Seite zu Ven­om wird außer­dem Schaus­pielerin Sailor Larocque als Scream gelis­tet, ein weit­er­er Sym­biont aus der „Plan­et of…“-Storyline. Unbestätigte Gerüchte brin­gen auch Tom Hol­land – ja, genau, der Spi­der-Man, aus dem MCU – auf die Beset­zungsliste.

Jet­zt erschien der erste Teas­er zu „Ven­om“ und ver­spricht einen gebroch­enen Charak­ter, Ver­fol­gungs­jag­den und Tom Hardy in Höch­st­form. Über den titel­geben­den Ven­om kann man weit­er­hin nur mut­maßen.

Silver & Black (08. Februar 2019)

Der näch­ste Film in Sonys Mar­vel-Uni­ver­sum wird „Sil­ver & Black“ sein. Das weib­liche Pow­er Duo, beste­hend aus der Söld­ner­in Sil­ver Sable und der High-Tech-Diebin Black Cat. Während Sil­ver Sable eine ähn­liche Moralvorstel­lung hat wie der Pun­ish­er, wird Black Cat in den Comics vor allem deshalb inter­es­sant, weil sie das Un/Glück manip­uliert – unbe­wusst, über psion­is­che Kräfte. Auf dem Regi­es­tuhl nimmt Gina Prince-Bythe­wood Platz, die Du bish­er eher von drama­tis­chen Stof­fen kennst, zum Beispiel „Die Bienen­hü­terin“ oder „Before I Fall“, der in Deutsch­land unter dem unsäglichen Titel „Wenn du stirb­st, zieht dein ganzes Leben an dir vor­bei, sagen sie“ in die Kinos kam.

Morbius

Dr. Michael Mor­bius lei­det an ein­er sel­te­nen Blutkrankheit und testet ein Serum aus Vam­pir­fle­d­er­mauszellen in Kom­bi­na­tion mit ein­er Elek­troschock-Ther­a­pie an sich selb­st. Infolge mutiert er zu einem Pseu­do-Vam­pir – kom­plett mit Blut­durst, Angst vor Licht und über­men­schlichen Fähigkeit­en. Soweit die Vor­lage. Wie man sich diesem Stoff bei Sony nähert, ist noch nicht ganz raus. Am Drehbuch schreiben derzeit Burk Sharp­less and Matt Saza­ma, die unter anderem schon für das „Pow­er Rangers“-Reboot und „Drac­u­la Untold“ in die Tas­ten gehauen haben. Nicht offiziell, aber ambi­tion­iert ist der Kurz­film Mor­bius: The Liv­ing Vam­pire.

Freust Du Dich, auf den düsteren Ansatz des Sony Mar­vel-Uni­ver­sums, oder reicht es Dir langsam mit Super­helden auf der Lein­wand?

Foto: © 2012 Sony Pictures Digital Inc.

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