Trinkwasser-Test digital: Smarte Regelungstechnik gegen Keime

Digitale Vorreiter

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Datum 17.10.2019
Lesezeit 7 Min.

Trinkwasser-Test digital: Smarte Regelungstechnik gegen Keime

Trinkwasser-Tests automatisiert und digital durchführen: Wie lassen sich Mikroorganismen, besonders Legionellen, in Trinkwassersystemen noch besser vermeiden? Und wie bleiben entsprechende Prüfsysteme annähernd wartungsfrei? Das Unternehmen ACTAQUA aus dem badischen Schriesheim bietet dafür eine innovative Lösung: den digitalen Hausmeister PAUL.

Wasserhahn auf, Glas darunter, Erfrischung genießen: In Deutschland ist Trinkwasser das Lebensmittel Nummer eins. Dass wir Wasser direkt aus der Leitung trinken können, ohne es vorher filtern oder abkochen zu müssen, verdanken wir der Trinkwasserverordnung (TrinkwV). Deren Regelungen sind ausschlaggebend dafür, dass das Trinkwasser eine sehr gute Qualität aufweist. Dennoch finden Keime und Bakterien manchmal optimale Bedingungen im Wasser vor, um sich zu vermehren. Was also hilft wirklich gegen Legionellen und Co.? Ein smartes Regelungssystem überprüft fortlaufend die Wassertemperatur und reagiert ganz ohne menschliches Zutun.


Trinkwasserkontrolle: Warum ist sie so wichtig?

Trinkwasser ist die wohl wertvollste Ressource der Welt. In Deutschland fließt das „blaue Gold“ in bester Qualität aus dem Wasserhahn. Doch ist es wirklich immer uneingeschränkt genießbar? Tatsächlich können insbesondere in Mehrfamilienhäusern Trinkwasseranlagen von Mikroorganismen befallen werden.

Vor allem schlecht gewartete Rohrleitungen oder Wasserspeicher bergen ein Risiko für die Bildung und Vermehrung von Legionellen. In solchen Umgebungen finden die Erreger mitunter ideale Lebensbedingungen vor und können sich ungebremst vermehren – falls nicht die richtigen Gegenmaßnahmen getroffen werden.

In höheren Konzentrationen können sie gefährliche Infektionen, wie die Legionärskrankheit (Legionellose) auslösen. Kinder und ältere Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind besonders gefährdet. Die Erreger verteilen sich über feine Wassertröpfchen, sogenannte Aerosole, in der Luft. So können sie in die Atemwege gelangen. Gelangen die Legionellen in die Lunge, können sie schwere Lungenentzündungen auslösen.

Das Robert-Koch-Institut hat seit der Einführung einer Meldepflicht für die Legionellose im Jahr 2001 kontinuierlich steigende Zahlen registriert. In den vergangenen Jahren haben sich diese bei rund 600 Erkrankungen jährlich stabilisiert.

Als Immobilienbesitzer oder -verwalter sollten Sie sich das Gefahrenpotenzial bewusst machen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen treffen.

 

Video: YouTube / NDR

 

Sicheres Leitungswasser zu jeder Zeit: Der „digitale Hausmeister” macht es möglich

Den Kampf gegen die unsichtbare Gefahr in der Leitung hat sich ein Unternehmen aus der Nähe von Heidelberg auf die Fahnen geschrieben: „Unsere Wurzeln liegen im Sanitärbereich und wir haben seit vielen Jahren mit dem Thema Trinkwasserhygiene zu tun.“, erklärt Maiko Dufner, Gründer der Firma ACTAQUA. Genau diese Expertise half dem Unternehmen, den „digitalen Hausmeister PAUL“ zu entwickeln. Er lässt Legionellen keine Chance. Das Akronym PAUL steht dabei für „Permanent Analytic Use Log”.

„Legionellen kommen natürlicherweise überall dort vor, wo es Wasser gibt“, erklärt Prof. Martin Exner, Direktor des Institutes für Hygiene und Öffentliche Gesundheit an der Universität Bonn. In geringen Mengen seien sie für den Menschen ungefährlich. Stehendes Wasser mit einer Temperatur zwischen 25 und 55 Grad Celsius biete ihnen jedoch ideale Bedingungen, um sich zu vermehren – und zur Gefahr für den Menschen zu werden. „In Warmwassersystemen sollte man diesen Temperaturbereich daher vermeiden und für eine gleichmäßige Durchströmung sorgen“, so Exner.

Für Immobilienbetreiber war es bislang schwierig, in Trinkwassersystemen eine Temperatur von mindestens 55 Grad Celsius dauerhaft zu garantieren und darüber hinaus gemäß Trinkwasserverordnung zu dokumentieren. Genau für dieses Problem haben die Gründer von ACTAQUA eine Lösung gefunden. Sie haben ein Werkzeug entwickelt, welches Know-how aus dem Handwerk mit moderner Sensorik und Datenanalyse verbindet. So entstand der digitale Hausmeister PAUL.

Wie funktioniert PAUL, wie entstand die Idee und welche Möglichkeiten bietet das System für Immobilienbesitzer? Erfahren Sie mehr in diesem Video:

Video: YouTube / Unitymedia Business

 

Digitale Überwachung: So haben Mikroorganismen keine Chance

Zwei Faktoren – eine permanente Flüssigkeitszirkulation im gesamten System und eine konstante Warmwassertemperatur von 65 Grad Celsius oder mehr – lösen das Problem. Die Leitung zwischen Warmwasserbehälter und Zapfstelle wird konstant auf einer Temperatur von mehr als 55 Grad gehalten. Kosten für Desinfektionsmaßnahmen entfallen, da sich keine Mikroorganismen bilden können.

Neben der Legionellen-Prävention gibt es weitere positive Effekte. Es gibt weniger Verschleiß durch etwaige Kalkablagerungen oder sonstige Rückstände und geringere Instandhaltungskosten, da die Wartung in größeren Abständen durchgeführt werden kann. Laut Geschäftsführer Maiko Dufner bringt PAUL ein Einsparpotenzial von bis zu 25% der Gesamtkosten.

Ein weiterer Faktor, der besonders für Vermieter interessant sein dürfte: Ist eine Wohnung längere Zeit nicht belegt, kann PAUL mögliche Leerstände direkt und systemisch von der übrigen Versorgung abtrennen. Bei Neubelegung wird die Leitung gespült – und der Mieter kann einziehen. Regelmäßige, automatisch veranlasste Spülungen verhindern darüber hinaus die Bildung von Sedimenten, in denen sich Mikroorganismen ebenfalls wohl fühlen.

So kann die Trinkwasserversorgung dank digitaler Unterstützung kosteneffizient und hygienisch betrieben werden.

 


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Trinkwasserüberwachung via IoT als Teil eines Smart Building

Alle Komponenten des Trinkwassersystems werden miteinander sowie mit einer zentralen Steuereinheit vernetzt. Eine Software in der Steuereinheit macht das System intelligent. Und eine schnelle Internetverbindung gewährleistet den bidirektionalen Datenaustausch mit dem Gebäude. Zusammen mit anderen Steuerungs- und Regelungskomponenten entsteht ein echtes Smart Building.

Bei ACTAQUA trifft Know-how aus dem Sanitärhandwerk auf das Internet of Things (IoT). Aus dieser Symbiose entsteht eine innovative und effiziente Art der Objektbetreuung. Und PAUL entwickelt sich weiter: Eine Cloud-Anbindung ist für die Zukunft vorgesehen. Damit soll die zentrale Steuereinheit ersetzt werden, die aktuell noch im Gebäude verbaut wird. Zudem können die smarten Ventile und Sensoren künftig drahtlos miteinander kommunizieren.

 

„Es gibt smarte Erzeuger, es gibt smarte Verbraucher. Wir aber kümmern uns um das Dazwischen, wir bringen Intelligenz in die Wegstrecke. PAUL ist ein Teil von Smart Building.“
Maiko Dufner, Geschäftsführer von ACTAQUA

 

Video: YouTube / ACTAQUA GmbH

 

Sauberes Trinkwasser im Gebäude: Die baulichen Faktoren

Es gibt natürlich auch bauliche Faktoren, die die Trinkwasserqualität beeinflussen. Die wichtigsten Tipps für Immobilienbesitzer finden Sie hier im Überblick:

  • Legionellen sind vor allem im Bereich der Warmwasserversorgung eine Herausforderung. Sie fühlen sich zwischen 25 und 55 Grad Celsius am wohlsten.
  • Achten Sie darauf, das Warmwasser mindestens einmal täglich auf über 65 Grad zu erhitzen („Legionellen-Schaltung”) und beheben Sie Ausfälle der Heizungsanlage sofort.
  • Leitungen, die schlecht isoliert sind oder ins Leere laufen, können die Entstehung von Legionellen begünstigen.
  • Vermeiden Sie jegliche Leitungsabschnitte mit Staugefahr oder sogenannte Totleitungen. Entfernen Sie diese bei Altbauten zeitnah.
  • Sehen Sie, wo möglich, separate Installationskanäle für Warm- und Kaltwasser vor.
  • Trennen Sie Leitungen in leer stehenden Wohnungen vom restlichen Versorgungssystem. Spülen Sie bei Neuvermietung das Leitungssystem gründlich durch.
  • Erwägen Sie den Einbau einer Wasserenthärtungsanlage. Diese reduziert ebenfalls das Risiko für Legionellen.

 

Leitungswasser-Tests: Das sagt der Gesetzgeber

Gebäude mit einem Warmwasserspeicher, der mehr als 400 Liter fasst, unterliegen seit 2012 einer regelmäßigen Prüfpflicht. Dasselbe gilt für Häuser mit einem zentralen Durchlauferhitzer und mindestens einer vermieteten Einheit. Konkret betrifft dies etwa zwei Millionen Mehrfamilienhäuser in Deutschland. Die entsprechende Untersuchung muss alle 3 Jahre durchgeführt werden. Derartige Vorschriften sind in der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) festgelegt.

Was zunächst wie eine teure, zusätzliche Belastung für Bauherren und Vermieter klingt, kann letztlich Leben retten. Laut Informationen des Abrechnungsdienstleisters MINOL sind 15 Prozent der untersuchten Proben tatsächlich auffällig. Und mit steigender Anzahl an Wohneinheiten im Gebäude erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Befall festgestellt wird.

Auf der Webseite des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) finden Sie die Liste mit allen Untersuchungsstellen der einzelnen Bundesländer. Damit die Prüfung gesetzlich anerkannt wird, muss das beauftragte Labor nach §15 Absatz 4 TrinkwV zertifiziert sein. Außerdem muss die entsprechende Entnahmestelle vom den obersten Landesbehörden zugelassen und dort gelistet sein.

Die Ergebnisse sind nach erfolgter Prüfung mindestens durch Aushang bekannt zu machen – und für den Fall von Beschwerden durch Mieter aktenkundig zu halten. Außerdem gibt das Umweltbundesamt konkrete Empfehlungen aus, was das Thema Gefährdungsanalyse angeht.

Sollten sich tatsächlich Auffälligkeiten finden, kann es richtig teuer werden: Dann sind unter Umständen eine thermische und chemische Desinfektion, eine UV-Bestrahlung des Warmwasserspeichers und die Ultra-Filtration des gesamten Wasserleitungssystems fällig. Ansonsten kann es für Mieter und Hausbewohner lebensgefährlich werden.

 

Der Text stammt ursprünglich von Unitymedia. Unitymedia gehört seit 2019 zum Vodafone-Konzern.

 

Wie halten Sie es mit der Legionellen-Prävention? Könnte ein smartes System wie PAUL auch in Ihren Immobilien für mehr Sicherheit sorgen? Wir sind gespannt auf Ihre Einschätzung in den Kommentaren.

 

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