Expertengutachten

Wissenschaftler und Behördenvertreter des Gesundheitswesens überprüfen Gesundheitsrisiken auf Basis des gesamten Wissensstandes und nicht anhand einzelner wissenschaftlicher Studien. Die Befunde werden von Gremien erstellt, die sich aus Experten des betreffenden Gebietes zusammensetzen. Wir orientieren uns an solchen Expertengutachten, um Empfehlungen für das Thema Mobilfunk und Gesundheit zu erhalten. Wir berücksichtigen dabei ausschließlich die Bewertungen von Gremien, die von anerkannten nationalen oder internationalen Gesundheitsbehörden beauftragt wurden, beispielsweise die Weltgesundheitsorganisation (WHO), den Gesundheitsrat der Niederlande (HCN), die Schwedische Strahlensicherheitsbehörde (SSM) (vorher die Schwedische Strahlenschutzbehörde - SSI) und die britische Gesundheitsschutzbehörde (HPA) sowie in Deutschland die Deutsche Strahlenschutzkommission (SSK).

Seit 2001 wurde eine beträchtliche Anzahl von Expertengutachten zur wissenschaftlichen Studienlage zum Themengebiet Mobilfunk und Gesundheit von Expertengremien in der ganzen Welt durchgeführt. Im Kasten "Weitere Informationen" finden Sie einen Link zur Auflistung jener Bewertungen, die von 2006 bis heute veröffentlicht wurden. Die Tabelle der Expertengutachten beinhaltet eine komplette Zusammenstellung der Gutachten, die unserem wissenschaftlichen Ansatz genügen.

Im Mai 2011 hat eine Expertengruppe der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), eine spezielle Organisation innerhalb der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ihre Einschätzung des Krebsrisikos durch hochfrequente elektromagnetische Felder (HF), einschließlich der durch Rundfunksender, Mobilfunkanlagen, Mikrowellen und Radar, veröffentlicht. Die IARC hat HF als "möglicherweise krebserregend für Menschen (Gruppe 2B)" eingestuft, "basierend auf einem erhöhten Risiko für Gliome, einem bösartigen Typ von Hirntumoren, in Zusammenhang mit der Nutzung von Handys". Die vollständigen Ergebnisse sollten 2012 veröffentlicht werden. Die WHO wird eine Bewertung der Gesundheitsrisiken von HF durchführen, die auf einer Begutachtung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu allen potenziellen Gesundheitseffekten von HF beruht. Die IARC-Klassifikation wird hierzu beitragen.

Die Internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP), eine formell von der WHO anerkannte Nichtregierungsorganisation, erarbeitet Richtlinien zur Begrenzung der Exposition von Menschen durch Hochfrequenz-Felder. Beachten Sie ihre Richtlinien von 1998, deren Gültigkeit im August 2009 erneut durch die ICNIRP bestätigt wurde (siehe Kasten "Weitere Informationen").

Eine Expertengruppe der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), einer speziellen Organisation innerhalb der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hat ihre Einschätzung des Krebsrisikos durch Hochfrequenzfelder (HF), einschließlich der von Rundfunksendern, Mobilfunksendern, Mikrowellen und RADAR, bekannt gegeben. Die IARC hat HF als "möglicherweise krebserregend für Menschen (Gruppe 2B)" eingestuft, "basierend auf einem erhöhten Risiko für Gliome, einer bösartigen Hirntumorart, in Verbindung mit der Nutzung von Mobiltelefonen". Die vollständigen Ergebnisse sollen 2012 veröffentlicht werden. In einem Artikel des The Lancet Oncology Volume 12, Issue 7, erklärt die IARC:

"Die Arbeitsgruppe folgerte, dass es eine "begrenzte Beweislage für Menschen" für die Kanzerogenität von HF-Feldern gibt, die auf einem positiven Zusammenhang zwischen Gliomen und Akustikusneurinomen und der Exposition durch HF-Felder von drahtlosen Telefonen beruht. Einige Mitglieder der Arbeitsgruppe beurteilten die derzeitige Beweislage für Menschen als "unzureichend". Nach ihrer Meinung gibt es eine Inkonsistenz zwischen den beiden Fall-Kontroll-Studien sowie ein Fehlen einer Dosis-Wirkungs-Beziehung in den Interphone-Ergebnissen; kein Anstieg der Rate von Gliomen und Akustikusneurinomen in der Dänischen Kohortenstudie1, und bis heute zeigen die festgestellten zeitlichen Trends des Auftretens von Gliomen keine parallele Entwicklung zu den zeitlichen Entwicklungen der Mobilfunknutzung. Angesichts der begrenzten Hinweise für Menschen und für Tierexperimente stuft die IARC HF-Felder als "möglicherweise krebserregend für den Menschen (Gruppe 2B) ein."

Die IARC Klassifizierung berücksichtigt nur, ob es einen möglichen Zusammenhang zwischen langfristiger und häufiger Mobilfunknutzung und Krebs gibt, sie macht keine Aussage zur Wahrscheinlichkeit des Auftretens. Um die Wahrscheinlichkeit und damit das damit verbundene Risiko zu verstehen, wird die WHO eine ausgeweitete Einschätzung des Gesundheitsrisikos vornehmen, die 2012 erwartet wird. Diese Einschätzung wird alle wissenschaftlichen Ergebnisse berücksichtigen, die zum Thema Hochfrequenzfelder und Gesundheit verfügbar sind, einschließlich der IARC-Klassifizierung und der Arbeit der ICNIRP. Auf Grundlage dieser Einschätzung der WHO werden Regierungen und Gesundheitsschutzbehörden entscheiden, welche weiteren Empfehlungen - falls überhaupt - notwendig sind.

Das neueste WHO Fact Sheet vom Juni 2011 folgert, dass bis heute keine schädlichen Gesundheitseffekte durch die Mobilfunknutzung bewiesen werden konnten.

[1] Schüz J, Jacobsen R, Olsen JH, Boice JD Jr, McLaughlin JK, Johansen C. Cellular telephone use and cancer risk: update of a nationwide Danish cohort. J Natl Cancer Inst 2006; 98: 1707-13.

Gesundheitsbehörden auf der ganzen Welt haben auf die IARC-Klassifizierung reagiert. Im Folgenden lesen Sie eine Zusammenfassung ihrer Kommentare.

Die Internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP)
Die Internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung nimmt die Veröffentlichung der IARC-Klassifizierung von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern in Gruppe 2B auf der IARC-Skala der krebserregenden Stoffe für den Menschen zur Kenntnis. ICNIRP erwartet mit Interesse die vollständige Monografie mit der Begründung und der Argumentation, die die IARC zu ihrer Bewertung geführt hat. ICNIRP hat eine Überprüfung der potenziellen Gesundheitseffekte von HF einschließlich der Kanzerogenität und anderer Aspekte vorgenommen. Die ICNIRP wird eine Überarbeitung der ICNIRP-Richtlinien zur Begrenzung der HF-Exposition für die Allgemeinheit und den Arbeitsschutz vornehmen. Dabei wird sie alle Aspekte aus der Literatur berücksichtigen, einschließlich der Quellen aus der IARC-Monografie berücksichtigen.

Die Australian Radiation Protection and Nuclear Safety Agency (ARPANSA)
Die ARPANSA begrüßt den Bericht und sieht einen Bezug zwischen der IARC-Klassifizierung und der derzeitigen ARPANSA-Empfehlung, einschließlich der Empfehlung für praktische Möglichkeiten, wie Menschen ihre Exposition durch drahtlose Telefone verringern können. Dies beinhaltet: die Begrenzung der Gesprächsdauer, die bevorzugte Nutzung drahtgebundener Telefone, die Nutzung von Freisprech- und Lautsprechereinrichtungen und das Schreiben von Textnachrichten anstatt von Telefongesprächen. Die Nutzung des Handys in gut versorgten Gebieten wird ebenfalls normalerweise dazu führen, dass das Telefon mit geringerer Sendeleistung arbeitet und die Exposition weiter vermindert. ARPANSA hat auch Eltern empfohlen, ihre Kinder zu ermutigen, die Methoden zur Verminderung der Exposition zu verwenden. ARPANSA zieht nicht in Betracht, dass die neue Klassifizierung Anlass zu Panik geben solltet.

Das Irish Department of Health and Children
Angesichts dieser Ergebnisse rät der Chefarzt der Abteilung für Gesundheit und Kinder, dass Kinder und Jugendliche, die ein Mobiltelefon nutzen, angeregt werden sollten, die Handys nur für notwendige Anrufe zu nutzen. Alle Anrufe sollte kurz gehalten werden, da längere Gespräche die Dauer der Exposition gegenüber elektromagnetischen Feldern verlängern. Alle Handynutzer können ihre Exposition durch elektromagnetische Energie verringern, indem sie weniger Gespräche führen, die Gesprächsdauer verkürzen, Textnachrichten schreiben anstatt zu telefonieren, Handys nur nutzen, wenn keine drahtgebundenen Telefone zur Verfügung stehen, eine kabelgebundene Freisprecheinrichtung verwenden, so dass das Telefon nicht direkt an den Kopf gehalten werden muss, und es vermeiden, ein sendendes Telefon am Gürtel oder in der Tasche zu tragen. Unter der wissenschaftlichen Unsicherheit des Krebsrisikos durch Mobiltelefone haben viele Länder einschließlich Deutschland, Frankreich, Österreich, Großbritannien und Russland eine Vorsorgehaltung zur Mobilfunknutzung eingenommen, insbesondere bei Kindern.

Die britische Health Protection Agency (HPA)
Die HPA nimmt die Schlussfolgerung zur Kenntnis, dass ein gewisses Risiko vorhanden sein könnte und dass man den Zusammenhang zwischen Mobiltelefonen und einem Krebsrisiko genau beobachten sollte. Die HPA befürwortet den Aufruf für weitere Forschung zum langfristigen und häufigen Gebrauch von Mobiltelefonen. Die HPA führt selbst Forschung durch und begutachtet die Forschung über Gesundheitseffekte durch Funkwellen. Die IARC-Klassifizierung ist in Übereinstimmung mit vorhergehenden Bewertungen der Wissenschaft und den Empfehlungen der HPA zur Mobilfunknutzung. Die Position der HPA ist, dass es keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise für ein Krebsrisiko durch die Exposition elektromagnetischer Wellen unterhalb der internationalen Richtlinien gibt, aber die Möglichkeit dafür bleibt. Die HPA hat sich immer für einige Vorsorgemaßnahmen bei der Mobilfunknutzung eingesetzt für den Fall, dass es bislang unbekannte Langzeitwirkungen geben sollte. Unter der Voraussetzung möglicher langfristiger Krebseffekte sollte die exzessive Nutzung von Handys durch Kinder vermieden werden. Die Hinweise der HPA zur Nutzung drahtloser Netzwerke in Schulen und anderswo ist ebenfalls in Übereinstimmung mit dieser Klassifizierung. Expositionen durch WLAN-Geräte sind wesentlich geringer als die durch Mobiltelefone und liegen weit unterhalb internationaler Richtlinien, daher gibt es keinen Grund, weshalb Schulen und andere diese Technologie nicht weiter nutzen sollten.

Die Weltgesundheitsorganisation hat eine Reihe von Fact-Sheets veröffentlicht, die Informationen und Hinweise für elektromagnetische Felder und die öffentliche Gesundheit geben. Das Fact Sheet vom Juni 2011 berücksichtigt sowohl die kurzfristigen als auch die langfristigen Wirkungen der Mobilfunknutzung und folgert:
"Bis heute konnten keine negativen Gesundheitseffekte durch die Nutzung von Mobiltelefonen festgestellt werden."

Für kurzfristige Zeiträume erklärt die WHO:
"Bei den von Mobiltelefonen verwendeten Frequenzen wird der Hauptteil der Energie von der Haut und anderem Oberflächengewebe absorbiert. Daher ist der Temperaturanstieg im Gehirn oder anderen Organen vernachlässigbar. Bisher hat keine der Studien schlüssige Belege für negative gesundheitliche Auswirkungen von Hochfrequenz-Expositionen unterhalb der Werte gezeigt, bei denen es zu einer Gewebeerwärmung kommt. Darüber hinaus konnte die Forschung keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Exposition durch elektromagnetischen Feldern und den von manchen Personen berichteten Symptomen oder der "Elektrosensibilität" nachweisen."

Für langfristige Zeiträume erklärt die WHO:
"Epidemiologische Studien zur Untersuchung möglicher langfristiger Risiken der Hochfrequenzexposition haben sich bisher größtenteils auf die Erforschung von Zusammenhängen zwischen der Entstehung von Gehirntumoren und der Mobiltelefonnutzung konzentriert. Da viele Krebsarten aber erst viele Jahre nach den Einwirkungen nachweisbar sind, die zu dem Tumor geführt haben, und da Mobiltelefone erst in den frühen 1990er Jahren eine größere Verbreitung erfahren haben, können epidemiologische Studien derzeit nur jene Krebsarten bewerten, die sich innerhalb kürzerer Zeitspannen manifestieren. Die Ergebnisse von Tierversuchen zeigen jedoch kein erhöhtes Krebsrisiko für die Langzeitexposition gegenüber Hochfrequenzfeldern."

Das Fact Sheet bezieht sich ebenfalls auf die ersten kombinierten Ergebnisse der Interphone-Studie, einer bedeutenden Forschungsarbeit zu möglichen Gesundheitseffekten durch Mobiltelefone. Die Studie, die im Mai 2010 publiziert wurde, folgert:
"Die international zusammengefasste Analyse der Daten von 13 teilnehmenden Ländern hat kein erhöhtes Risiko von Gliomen und Meningeomen durch die Mobilfunknutzung über 10 Jahre gefunden."

Hierzu folgert die WHO:
"Obwohl sich aus den Daten der Interphone-Studie kein erhöhtes Hirntumor-Risiko ableiten lässt, rechtfertigen die zunehmende Nutzung von Mobiltelefonen und der Mangel an Daten zur Mobiltelefonnutzung über Zeiträume von mehr als 15 Jahren weitere Untersuchungen des Zusammenhangs zwischen Mobiltelefonnutzung und dem Hirntumorrisiko. Insbesondere aufgrund der aktuellen Popularität von Mobiltelefonen bei jüngeren Menschen und damit einer potenziell längeren Expositionsdauer im Laufe ihres Lebens hat die WHO weitere Untersuchungen in Bezug auf Menschen in dieser Lebensphase angeregt. Derzeit werden mehrere Studien durchgeführt, die mögliche gesundheitliche Auswirkungen bei Kindern und Jugendlichen untersuchen."

Das Verständnis der Auswirkungen von Basisstationen und drahtloser Technologien
Die Schlussfolgerung des WHO Fact Sheets vom Mai 2006 zu Basisstationen und drahtlosen Technologien ist die folgende:
"Berücksichtigt man die sehr niedrigen Feldstärken und die bislang vorhandenen Forschungsergebnisse, lässt sich kein überzeugender wissenschaftlicher Beweis dafür finden, dass sich die schwachen HF-Signale von Basisstationen und drahtlosen Netzwerken nachteilig auf die menschliche Gesundheit auswirken."

Schlussfolgerung der WHO:
"Im Gebiet biologischer Effekte und medizinischer Anwendungen nichtionisierender Strahlung sind während der vergangenen 30 Jahre circa 25.000 Artikel veröffentlicht worden. Auch wenn manche Leute das Gefühl haben, es müsste mehr Forschung betrieben werden, sind die wissenschaftlichen Kenntnisse auf diesem Gebiet heute umfangreicher als die über die meisten Chemikalien. Nach einer kürzlichen, gründlichen Recherche in der Fachliteratur ist die WHO zu dem Schluss gekommen, dass die derzeitige Kenntnislage die Existenz irgendwelcher gesundheitlichen Folgen einer Exposition durch schwache elektromagnetische Felder nicht bestätigt. Allerdings gibt es noch einige Wissenslücken bei biologischen Effekten, was weitere Forschungen nötig macht."




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