Von interaktiven Galerien und virtuellen Rundgängen: Ein Ausflug ins digitale Museum

Von interaktiven Galerien und virtuellen Rundgängen: Ein Ausflug ins digitale Museum

Du wolltest immer schon mal neben einem Dinosaurier stehen, die Mona Lisa aus der Nähe inspizieren oder eine Kunstgalerie aus dem 19. Jahrhundert besuchen? Na dann los! In digitalen Museeen ist nahezu alles möglich. Wir zeigen Dir, wie Du Dir Kultur ins eigene Wohnzimmer holst, durch die Erdgeschichte reist und in Kunstwerke eintauchst.

„Pssst, Handy weg und bloß nichts anfassen!“ Solche Ermahnungen hast Du im Museum früher bestimmt öfter gehört. Heute klingt das eher so: „Bau die Statue um“, „Lass uns tauchen gehen“ oder „Spring zurück in die Zukunft“. Nahezu jede Kultureinrichtung zählt mittlerweile virtuelle Führungen, interaktive Apps und Online-Angebote zu ihrem Programm. So kannst Du Geschichte, Kunst und Kultur völlig neu entdecken.

Geht unter die Haut: Virtual Reality in der Mumienforschung

Du denkst, Mumien gab es nur im Alten Ägypten? Weit gefehlt. Das Reiss-Engelhorn-Museum (REM) in Mannheim stellt Dir das weltweite Natur- und Kulturphänomen bei seiner Mumien-Ausstellung genauer vor. Mit moderner Technik und neuesten Erkenntnissen aus der Forschung kannst Du bei einer VR-Spezialführung  über 50 menschliche und tierische Mumien inspizieren. Dafür haben die Forscher mit der Software Specto VR aus Computertomografie-Daten der Funde 3D-Darstellungen von Knochen, Muskeln und anderen Gewebearten erstellt, die Du mit einer VR-Brille genauer inspizieren kannst.

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Abtauchen im Seerosen-Teich von Claude Monet

Dass berühmte Persönlichkeiten und Künstler von den Toten auferstehen, ist in der digitalen Kulturbranche keine Seltenheit mehr. Nachdem das Dalí-Museum den spanischen Künstler mit Künstlicher Intelligenz wiederbelebt, kannst Du nun die Arbeiten des französischen Malers Claude Monet virtuell erkunden. Seine Seerosen im Pariser Orangerie-Museum gehören zu den berühmtesten Gemälden der Welt. Sie wurden von Lucid Realities und mehreren Co-Producern (ARTE France, Lucid Realities, Camera lucida productions, Musées d’Orsay et de L’Orangerie, Gebrueder Beetz Filmproduktion) kreiert. Eine große Ausstellung mit Fotos und einem Virtual-Reality-Video erzählen nun die spannende Geschichte ihrer Entstehung. Mit der VR-Produktion von Arte kannst Du bei einer dreidimensionalen Expedition wortwörtlich in den berühmten Gartenteich eintauchen.

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Kunstmesse ArtBAB bringt die erste VR-Ausstellung in den Nahen Osten

Die internationale Kunstmesse ArtBAB (Art Bahrain Across Borders) hat zahlreiche Kunststiftungen, Kulturdistrikte und Museen mit Blockchain-, KI- und VR-Spezialisten zusammengebracht, um bei einer neuen VR-Tour ein multidimensionales Kulturerlebnis zu schaffen. Unter dem Motto „Vermächtnisse“ widmet sich die Messe zeitgenössischen Werken und dem Erbe des Königreichs Bahrain am Persischen Golf. Bei der aktuellen Ausgabe kannst Du mit einem Vive Pro-Headset in einem eigens eingerichteten Virtual Reality-Space drei VR-Ausstellungen „besuchen“, die Dir unter anderem chinesische Kunstsammlungen sowie niederländische und flämische Meisterwerke aus dem 17. Jahrhundert zum Greifen nahe bringen.

Kunst im Netz: Das volle Kulturprogramm von der Couch

Morgens Louvre, mittags Museum of Modern Art, abends die Staatliche Kunstsammlungen in Dresden – auch das ist kein Problem. Das Google Cultural Institut hat in Kooperation mit über 1.200 Museen, Galerien und Instituten aus 70 Ländern die weltweit größte Online-Kunstsammlung auf eine Plattform gebracht. Bei virtuellen Rundgängen à la Google Street View kannst Du am PC durch internationale Museen und Ausstellungshallen schlendern, historische und zeitgenössische Werke der Bildenden Kunst bewundern und per Mausklick Hintergrundinfos abrufen. Mit der dazugehörigen Arts & Culture-App auf Deinem  iOS– oder Android-Gerät und einem Google Cardboard werden die 360-Grad-Touren zu echten Kultur-Highlights auf der Couch.

Wenn Du meinst, dass Dir bei Googles Kunstsammlung absolute Must-sees entgehen könnten, kannst Du im Anschluss durch die digitalen Galerien von Europeana stöbern. Neben Kunstkategorien wie „Art“, „Music“, „Photography“ und „Natural History“ laden Themenausstellungen mit Titeln wie Wurst und Zigaretten zu Weihnachten oder Gesichter Europas dazu ein, auf der Kulturplattform vorbeizuschauen.

Multimediale Entdeckungsreisen durch die Geschichte

Als passionierter Kunstbanause kannst Du Dir natürlich auch Geschichte und Naturkunde ins Wohnzimmer holen.

In Zusammenarbeit mit dem Natural History Museum bietet Google im Netz eine digitale Entdeckungsreise durch 4,6 Milliarden Jahre Erdgeschichte. Von der Entstehung des Sonnensystems bis in unsere Gegenwart kannst Du Dich durch unzählige Epochen klicken und Dich mit interaktiven 3D-Modellen, Videos und Audioerklärungen zum Beispiel über ausgestorbene Tierarten schlau machen.

Verblüffen statt belehren: Naturkunde zum virtuellen Anfassen

Richtig spannend wird es mit den 3D- und VR-Erlebnissen aber erst vor Ort: Beim Projekt Hold the World führt Dich ein 3D-Hologramm des Wissenschaftlers Sir David Attenborough hinter die Kulissen des Londoner Natural History Museums. Hier hat das Sky VR Studio mit den Forschern einige Urzeitgiganten virtuell zum Leben erweckt und macht wertvolle Funde für jedermann greifbar. Mit einem Oculus Rift-VR-Headset und Controller kannst Du zum Beispiel das Skelett von einem Stegosaurus genauestens unter die Lupe nehmen und aus jeder gewünschten Perspektive untersuchen.

Virtuelle Zeitreise: Neulich in der Kunstausstellung

Die Wände bis oben hin voll mit Gemälden, pompös und ziemlich überladen – aber platzsparend. So war das halt damals, 1878. Die historische Galerie des Frankfurter Städel-Museums wurde nicht etwa nachgebaut, sondern ebenfalls virtuell rekonstruiert – ganz ohne Google, dafür mit Unterstützung von Samsung. Bei dem Projekt Zeitreise beamst Du Dich mit einer Gear VR ins Museum des 19. Jahrhunderts.

Das Ganze ist aber nicht der erste digitale Streich des Städels. Das Online-Game Imagoras animiert schon die Jüngsten spielerisch zu einem Museumsbesuch. Eine digitale Kunstsammlung auf der Homepage bietet einen kulturellen Überblick und nach dem interaktiven Online-Kurs kannst Du bei der nächsten Vernissage bestimmt mit anderen Experten um die Wette fachsimpeln.

Dass sich mit modernen Technologien auch Digital Natives für vermeintlich biedere, analoge Themen begeistern lassen, hat sich in der Kulturszene offenbar herumgesprochen. Digitale Medien schaffen aber nicht nur neue Plattformen und Interaktionsmöglichkeiten, sondern auch eigenes Kulturgut: Nach dem in Los Angeles der erste Selfie-Kulturpalast eröffnete, hat Tokio im Sommer 2018 das weltweit erste Museum für digitale Kunst eingeweiht.

Ob Online-Angebote für Zuhause oder vor Ort bei interaktiven Rundgängen mit dem Smartphone oder einer VR-Brille: Die neuen, faszinierenden Möglichkeiten des Erlebens und Eintauchens sind für Museen definitiv eine Investition in die Zukunft.

Bist Du öfter im Museum unterwegs? Online oder zur virtuellen „Live“-Besichtigung? Schreib uns, was Du am digitalen Museum besonders spannend findest.

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