Kate Beckinsale als Lindy im Actionfilm Jolt
© 2021 LEONINE Studios
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Jolt in der featured-Filmkritik: Wenn Schockschwerenot ein Drehbuch wäre

Neon­far­bene Action­spek­takel mit ein­er abge­fahre­nen Prämisse und Rachethriller sind ger­ade schw­er ange­sagt. In dem Action­film „Jolt“ vere­int Regis­seurin Tanya Wexler bei­des und schickt „Underworld“-Star Kate Beck­in­sale, die mit ein­er man­gel­nden Impul­skon­trolle zu kämpfen hat, auf einen bun­ten Rachefeldzug. Warum das übers Mit­tel­maß nicht her­aus­re­icht, erfährst Du in der fea­tured-Filmkri­tik zu Jolt.

Kate Beck­in­sale ist dank Fil­men wie der Under­world-Rei­he, „Van Hels­ing“ oder dem Remake von „Total Recall“ bestens mit dem Action-Genre ver­traut. Trotz der erprobten Pro­tag­o­nistin kommt bei Jolt allerd­ings der Ein­druck auf, dass Zeitlu­pen- und Sound-Effek­te, vor allem den Man­gel an gut­gemacht­en Kampf­chore­ografien übertünchen sollen. Seit dem 23. Juli kannst Du den Action­film bei Ama­zon Prime sehen. Wir nehmen ihn für Dich unter die Lupe.

Impulskontrolle: Lindy und ihre Schockmomente

Lindy (Kate Beck­in­sale) hat erhöhte Reflexe und ist über­men­schlich stark, allerd­ings nur, wenn sie die Kon­trolle ver­liert. Ihr Aggres­sion­sprob­lem fängt bei Gewalt­fan­tasien an und gipfelt in Schlägereien. Damit sie ihren Aus­brüchen nicht hoff­nungs­los aus­geliefert ist, hat ihr Ther­a­peut Dr. Munchin (Stan­ley Tuc­ci) eine Weste entwick­elt, mit der sie sich selb­st schock­en und damit die Impulse unter­drück­en kann. Als weit­ere Ther­a­piemaß­nahme stellt sich Lindy einem Date, lernt dabei den Buch­hal­ter Justin (Jai Court­ney) ken­nen und ver­liebt sich Hals über Kopf in ihn. Als Justin kurz darauf ermordet wird, gibt es für Lindy kein Hal­ten mehr. Ab diesem Moment nutzt Lindy ihre Fähigkeit­en, um Justins Mörder:innen zu find­en – ohne Impul­skon­trolle. Dabei sind ihr zwei Polizist:innen auf den Fersen, die es mal mehr, mal weniger Ernst mit den Dien­stvorschriften nehmen.

Die Detectives Nevin (Laverne Cox) und Vicars (Bobby Cannavale) streiten auf einem Flur.

Für die Detec­tives Nevin (Lav­erne Cox) und Vic­ars (Bob­by Can­navale) ist Lindy eine Verdächtige. — Bild: © 2021 LEONINE Stu­dios

Du willst mehr zum Cast und der Film-Crew von Jolt erfahren? Wer in dem Action­film mit von der Par­tie ist, haben wir für Dich zusam­menge­fasst: Jolt auf Ama­zon Prime: Alles zum Action­film mit Kate Beck­in­sale.

Neon-Action-Schmunzel-Movie: Die Formel zum Mittelmaß

In den ver­gan­genen Jahren sprießen neon­far­bene Action­filme aus dem Boden wie Pilze im Herb­st im Wald. Eine abge­fahrene Prämisse und beson­ders exzen­trische Charak­tere dür­fen da nicht fehlen. Wir denken an „Hotel Artemis“ mit Jodie Fos­ter, „Atom­ic Blonde“ mit Char­l­ize Theron, „Nerve“ mit Emma Roberts, zulet­zt „Guns Akim­bo“ mit Daniel Rad­cliffe und den kom­menden „Gun­pow­der Milk­shake“ mit Karen Gillian und Lena Head­ey. Die eben genan­nten wirken häu­fig als hätte ein Videospield­e­sign­er den Film geplant, so lev­e­lar­tig und grafisch over-the-top sind sie insze­niert.

Jolt macht dies­bezüglich keine Aus­nahme. Jed­er Schock, den Pro­tag­o­nistin Lindy sich selb­st ver­passt, wird von einem „bzzz“-Sound unter­malt und passend dazu gibt es manch­mal eine kleine Blitzan­i­ma­tion in ihren Augen. Zuschauer:innen wis­sen dann: Aha, irgend­was passiert jet­zt. Im Ver­gle­ich zu den ein­gangs erwäh­n­ten Fil­men, ver­lässt sich Jolt etwas zu sehr auf das Gim­mick der Heldin und ver­schleiert damit nur spär­lich, dass die Sto­ry im Prinzip schon zig­mal char­man­ter erzählt wurde: Begabte Anti­heldin zügelt sich, um nicht noch mehr Unschuldigen weh zu tun. Das hat Mar­vels „Jes­si­ca Jones“ deut­lich kreativ­er erzählt – und kon­se­quenter. Jolt lässt Kate Beck­in­sales Charak­ter von Szene zu Szene het­zen und schenkt ihr fet­zige Sprüche. Abge­se­hen davon, erfol­gt kein­er­lei Charak­terze­ich­nung. Das ist schade, denn in Kom­bi­na­tion mit ein­er ständig abge­bilde­ten Unbe­sieg­barkeit, macht es Jolt uns unmöglich, an auch nur irgen­deinen Charak­ter anzuknüpfen. Am Ende reicht mit­telmäßige Action im Neon­licht nicht aus, um ein brauch­bares Drehbuch zu erset­zen.

Eine Frau schlägt sich mit einem Mann.

Neon­far­benes Action­spek­takel: In Jolt spielt Kate Beck­in­sale eine energiege­ladene Türste­herin, die mit Aggres­sion­sprob­le­men zu kämpfen hat. — Bild: © 2021 LEONINE Stu­dios

Du bist ein Fan von Action­fil­men wie Jolt? Welche Du Dir nicht ent­ge­hen lassen soll­test, liest Du hier: Die 8 besten Action­filme.

Brake: Action mit angezogener Handbremse

Wer sich einen Action­film wie Jolt anschaut, erwartet sel­ten eine Shakespeare‘eske Charak­ter­studie. Auch der kür­zlich ges­tartete „Nobody“ besticht eher mit hand­festen Prügelorgien als mit einem raf­finierten Plot. Solange es kracht, ordentlich auf die Zwölf gibt, Dinge umher­fliegen und das ansprechend insze­niert ist, sind Action-Fans in der Regel zufrieden.

Regis­seurin Tanya Wexler hat 2012 mit der umjubel­ten Rom­Com „In guten Hän­den“ die Erfind­ung des elek­trischen Vibra­tors erzählt, insofern ist ihr Action mit elek­trischen Gim­micks im Film nicht fremd. Der Funke will bei Jolt trotz­dem nicht über­sprin­gen. Schnell liegt die Ver­mu­tung nahe, dass die Zeitlu­pen-Effek­te und schnellen Schnitte vor allem kaschieren sollen, dass die Pro­duk­tion kaum hand­feste Action zu bieten hat – und jene, die übrig bleibt, fällt dann auch noch ungewöhn­lich zahm aus. Natür­lich gibt es Explo­sio­nen und gek­loppt wird sich auch, aber über das untere Mit­tel­maß kommt der Film dabei nie hin­aus. Schade eigentlich, denn die Prämisse des Films, wäre ja prädes­tiniert für absurde Action mit Gewalt­spitzen.

Unser Fazit zu Jolt: Kurzweilige Stangenware als Origin-Story

Jolt möchte unter­hal­ten und greift dafür auf alles zurück, was ger­ade ange­sagt ist, verzichtet dabei allerd­ings auf ein brauch­bares Drehbuch. Kate Beck­in­sale hätte ohne Zweifel mehr aus dieser Fig­ur machen kön­nen, wenn es denn eine Idee davon gegeben hätte, was der Film eigentlich will. Sowohl Com­e­dy-Ele­mente als auch die Charak­ter-Idee tra­gen nicht über die Laufzeit hin­weg. Ein paar hüb­sche Momente hat der Film zwar trotz­dem, aber eben kein­er­lei Alle­in­stel­lungsmerk­male. Gibt es denn nicht irgen­dein Fil­mu­ni­ver­sum, in dem man Jolt aufnehmen kön­nte? Als Solofilm funk­tion­iert er lei­der nicht.

Jolt
Orig­inalti­tel: Jolt
Genre: Action
Bun­desstart: 23.07.2021 (Prime Video)
Laufzeit: 91 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Regie: Tanya Wexler
Drehbuch: Scott Wascha
Vor­lage: Orig­i­nal-Drehbuch

Welche Action-Hero­ine feierst Du ab? Wir freuen uns auf Deine Filmtipps in den Kom­mentaren!

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