Eine Szene aus "The French Dispatch" mit Bill Murray und Jeffrey Wright
© picture alliance / Collection Christophel | Searchlight Pictures - American
Rachel McAdams in Send Help
Meredith Grey erschöpft und nachdenklich in OP-Kleidung.

The French Dispatch: Das Ende des Wes-Anderson-Films erklärt

Wie ist das Ende von „The French Dis­patch” zu erk­lären? Wes Ander­sons Film ist extrem vielschichtig. Was bedeuten die Episo­den und jew­eils let­zten Szenen? 

Achtung, der fol­gende Text enthält Spoil­er. Wenn Du den Film noch nicht gese­hen hast, soll­test Du lieber nicht weiterlesen.

„The French Dispatch”: Die verschachtelte Struktur des Films erklärt

Wes Ander­sons „The French Dis­patch” aus dem Jahr 2021 erzählt nicht eine einzige Geschichte: Die Hand­lung beste­ht aus ein­er Rahmenebene, in die drei Kurz­filme einge­bet­tet sind. Diese Erzählweise spiegelt das The­ma des Films wider. Nach dem Tod des Chefredak­teurs Arthur How­itzer Jr. (Bill Mur­ray) soll die let­zte Aus­gabe eines franzö­sis­chen Mag­a­zins erscheinen – das ist die Rah­men­hand­lung. Drei Journalist:innen steuern dafür jew­eils einen Artikel bei. Ihre Arbeit­en sind als eigen­ständi­ge Kurz­filme in den Film eingear­beit­et. Die Szenen in der Redak­tion verbinden die einzel­nen Episoden.

Der Wes-Ander­son-Film ist also selb­st wie ein Mag­a­zin aufge­baut. Erst am Ende von „The French Dis­patch” ergibt alles ein run­des Gesamtbild.

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Das sind die ver­schiede­nen Ebe­nen von „The French Dis­patch” im Überblick:

  • Rah­men­hand­lung: Die Redak­tion arbeit­et an der let­zten Magazinausgabe.
  • Pro­log: „Der radel­nde Reporter” – Reise-Reporter Herb­saint Saz­er­ac berichtet über den Ort Ennui-sur-Blasé, in dem das Mag­a­zin entsteht.
  • Artikel 1: „Das Beton-Meis­ter­w­erk” – Kun­stkri­tik­erin J.K.L. Berensen schreibt über den Mörder und Kün­stler Moses Rosenthaler.
  • Artikel 2: „Revi­sio­nen eines Man­i­fests” – Poli­tikjour­nal­istin Lucin­da Kre­mentz recher­chiert zu einem Studierendenprotest.
  • Artikel 3: „Das pri­vate Speisez­im­mer des Polizeikom­mis­sars”: Food‑Reporter Roe­buck Wright will ein Porträt über einen Koch schreiben, doch dann kommt alles anders.

Jed­er Kurz­film hat seine eigene Machart, beson­dere Far­ben und eine spezielle Erzählweise. Typ­isch sind auch Wes Ander­sons visueller Stil und die Mis­chung aus trock­en­em Humor und skur­rilen Charak­teren. In jed­er der drei Geschicht­en ver­lieren die Journalist:innen fast voll­ständig aus den Augen, worüber sie eigentlich bericht­en soll­ten. Sie stoßen stattdessen auf etwas, was ihnen eine neue Per­spek­tive eröffnet – auch auf ihr eigenes Leben.

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Was bedeutet der Prolog mit dem radelnden Reporter?

Am Anfang von „The French Dis­patch” radelt Reise-Reporter Herb­saint Saz­er­ac (Owen Wil­son) durch Ennui und zeigt die schö­nen und die schmutzi­gen Eck­en der Stadt. Er hebt auch soziale Gegen­sätze und absurde Begeben­heit­en her­vor. Dieser Pro­log ist kurz, ver­spielt und sub­jek­tiv – wie die Kolumne eines Mag­a­zins. Er gibt also den Ton vor und spiegelt die Struk­tur des Films bere­its im Kleinen.

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„The French Dispatch”: Das Ende der Episode „Das Beton-Meisterwerk” erklärt

Kun­stkri­tik­erin J.K.L. Berensen (Til­da Swin­ton) erzählt diese Episode als Vor­trag. Sie spricht über Leben und Werk des Kün­stlers Moses Rosen­thaler (Beni­cio del Toro), der wegen Mordes im Gefäng­nis sitzt. Dort malt er abstrak­te, ver­störende und inten­sive Porträts der nackt posieren­den Gefäng­niswär­terin Seli­na (Léa Seydoux).

Der ehe­ma­lige Häftling und jet­zige Kun­sthändler Julian Cadazio (Adrien Brody) ent­deckt Rosen­thalers Werk zufäl­lig und erken­nt sofort das Geschäftspoten­zial. Er ver­sucht, die Werke gegen den Willen des Kün­stlers zu ver­mark­ten – mit riesigem Erfolg. Doch kurz danach ver­liert Rosen­thaler seine Inspi­ra­tion. Kunsthändler:innen um Cadazio drän­gen ihn, neue Werke zu liefern, aber er bleibt stur.

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Jahre später erschafft er nach einem Auf­s­tand schließlich doch ein neues Werk, beein­druck­ender denn je. Das Prob­lem für Cadazio und die anderen: Die mon­u­men­tal­en Bilder sind auf die Gefäng­niswände gemalt. Für den Kün­stler ist das logisch: Er arbeit­et dort, wo er lebt, liebt und lei­det. Aber die Händler:innen sehen nur die Ware, nicht die Kun­st an sich.

Am Ende dieser Episode von „The French Dis­patch” lässt Cadazio die gesamte Beton­wand her­aus­brechen, um sie in einem pri­vat­en Muse­um auszustellen. Der Kurz­film ist also eine Satire auf die Kunst­welt: Er zeigt, wie weit Händler:innen gehen, um Bilder zu Geld zu machen – selb­st wenn sie dafür ein Gefäng­nis zer­legen müssen.

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„Revisionen eines Manifests”: Was bedeutet das Ende dieser Episode in „The French Dispatch”?

Die zweite Episode in „The French Dis­patch” dreht sich um Lucin­da Kre­mentz (Frances McDor­mand). Sie ist besessen von der Idee, dass Jour­nal­is­mus neu­tral sein soll – ohne sich selb­st daran zu hal­ten. In „Revi­sio­nen eines Man­i­fests” berichtet sie über die „Schachbrett‑Revolution” an ein­er Uni­ver­sität. Aus­lös­er für den Protest der Studieren­den ist ein eigentlich banaler Kon­flikt: Männliche Studierende fordern Zugang zu den Wohn­heimen der Frauen. Die Autorin trifft den Anführer der Bewe­gung, Zef­firelli (Tim­o­th­ée Cha­la­met), und begin­nt eine Affäre mit ihm.

Der junge Mann ver­fasst ein Man­i­fest. Aber im Lauf der Hand­lung kor­rigiert Kre­mentz dieses nicht nur, son­dern fügt ganze Pas­sagen und Fußnoten hinzu – und schreibt es dann sog­ar weit­ge­hend neu. Damit verän­dert sie die Bewe­gung selb­st. Es wird immer unklar­er, wer die Rev­o­lu­tion eigentlich anführt: Zef­firelli, die Repor­terin oder die junge Juli­ette (Lyna Khoudri), die den Anführer herausfordert?

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Eigentlich protestieren die Studieren­den gegen die Regeln der Gesellschaft. Iro­nis­cher­weise nutzen sie jedoch ein Man­i­fest, das aus­gerech­net von jeman­dem aus dem Estab­lish­ment stammt. Am Ende dieser Episode in „The French Dis­patch” stirbt Zef­firelli bei einem Unfall. Er wird trotz­dem zum Sym­bol der gescheit­erten Bewe­gung – und auf T-Shirts, Postern und anderen Fanar­tikeln vermarktet.

Diese Sto­ry basiert auf wahren Ereignis­sen, die sich 1968 an ein­er Paris­er Uni­ver­sität abge­spielt haben. Der Protest der Studieren­den entzün­dete sich ähn­lich wie im Film an der Frage, ob Män­ner und Frauen in den Wohn­heimen der jew­eils anderen über­nacht­en dür­fen. Die „The New Yorker”-Journalistin Mavis Gal­lant schrieb über die Geschehnisse – sie diente als Inspi­ra­tion für die Fig­ur Lucin­da Krementz.

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„Das private Speisezimmer des Polizeikommissars”: Erklärung der Episode am Ende von „The French Dispatch”

Im drit­ten Kurz­film von „The French Dis­patch” erin­nert sich Autor Roe­buck Wright (Jef­frey Wright) in einem Fernse­hin­ter­view an einen beson­deren Abend. Er ist zum Aben­dessen beim Polizeikom­mis­sar von Ennui (Math­ieu Amal­ric) ein­ge­laden. Das Essen bere­it­et Polizeikoch Leut­nant Nescaffi­er (Stephen Park) zu, über den Wright ein Porträt ver­fassen will.

Doch dann wird der Sohn des Kom­mis­sars ent­führt. Es fol­gt ein waghal­siger Ret­tung­sein­satz, den der Film ani­miert darstellt. Dann pro­biert der Koch die vergifteten Radi­eschen, die er für die Ent­führer zubere­it­et hat, um den Jun­gen zu ret­ten: Deren unge­wohn­ter Geschmack fasziniert ihn – obwohl ihn das fast das Leben kostet.

Diese Geschichte dreht sich aber auch darum, wie es Men­schen erge­ht, die in einem anderen Land leben und arbeit­en – also um Exil, Fremd­heit und Iden­tität. Denn sowohl Wright als auch Nescaffi­er sind keine Fran­zosen. Bei­de sind nicht von hier, aber sie kön­nen auch nicht mehr dor­thin zurück, wo sie herkom­men.

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Am Ende dieser Episode von „The French Dis­patch” ste­ht eine Schlüs­sel­szene. Ver­leger Arthur How­itzer Jr. fordert den Autor auf, ein Zitat von Nescaffi­er in seinen Text aufzunehmen, das er aus­ge­lassen hat. Es geht dabei eigentlich um den bit­ter­süßen Geschmack des Gifts, das der Koch so beschreibt: „Etwas Ver­mis­stes suchen, etwas Zurück­ge­lassenes ver­mis­sen.” Tat­säch­lich lässt sich genau so das Gefühl des Exils beschreiben: Betrof­fene suchen etwas, das sie nicht mehr find­en, und ver­mis­sen etwas, das sie nicht mehr zurückbekommen.

Die Fig­ur Roe­buck Wright ist an den bekan­nten Autor James Bald­win angelehnt: Dieser zog 1948 aus den USA nach Paris, um dem Ras­sis­mus und der Homo­pho­bie in seinem Heimat­land zu entkommen.

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Das Ende der Rahmenhandlung von „The French Dispatch”: Was bedeuten die letzten Szenen?

Arthur How­itzer Jr. stirbt, bevor die let­zte Aus­gabe des Mag­a­zins erscheint, aber nach­dem er alle Texte redigiert hat. Sein Tod ist der Anlass, dass die Redak­tion über­haupt eine Abschied­saus­gabe pro­duziert. Der Film ist also rück­blick­end erzählt: Wir sehen die let­zte Aus­gabe, die ihm gewid­met ist.

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Am Ende von „The French Dis­patch” sitzen alle Autor:innen zusam­men und schreiben How­itzers Nachruf. Sie tun das gemein­sam, obwohl sie son­st immer allein arbeit­en. Der Film endet mit dem Satz, dass die Aus­gabe „ohne Änderun­gen” gedruckt wird – die Journalist:innen zeigen damit ihren Respekt gegenüber dem Mann, der sie alle geprägt hat.


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