Frauen in der Videospielindustrie: Wie Initiativen und Programme den Anteil an weiblichen Talenten steigern wollen

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Frauen in der Videospielindustrie: Wie Initiativen und Programme den Anteil an weiblichen Talenten steigern wollen

Wenn Du nach einflussreichen Größen der Gaming-Branche gefragt wirst, fallen Dir wahrscheinlich nicht allzu viele weibliche Namen ein. Frauen in der Gaming-Industrie sind noch immer unterrepräsentiert. Doch es tut sich was: Initiativen, Förderprogramme und Unternehmen in aller Welt setzen sich für mehr Diversität in ihrer Branche ein und unterstützen weibliche Talente auf dem Weg in höhere Karriere-Level.

Computer- und Videospiele waren lange Zeit als Männerdomäne verschrien. Spätestens seit der Nintendo Wii, der Entwicklung von Casual Games und dem Boom mobiler Spiele-Apps für Smartphones und Tablets hat sich das geändert. Aktuelle Studien belegen, dass nahezu die Hälfte der Gamer weiblich ist – eine lukrative Zielgruppe mit steigendem Wert.

Warum mehr Frauen in der Gaming-Industrie mitspielen sollten 

Der Branchenverband Game bezifferte den Anteil weiblicher Spielerinnen in Deutschland zuletzt auf 47 Prozent. In den USA nutzen  65 Prozent aller Frauen zwischen 10 und 65 Jahren mobile Spiele, wie eine Studie von Google Play und Newzoo belegt. Das Problem: Dem gegenüber stehen nur 20 bis 25 Prozent Frauen aufseiten der Spieleentwicklung. 27 Prozent sind es hierzulande laut der Games-Studie der Hamburg Media School. Zwar gab es schon in den 90er Jahren Unternehmen wie Purple Moon Interactive, die Spiele von Frauen für Frauen entwickelten, sie blieben aber Einzelfälle. Damit läuft die Gaming-Industrie Gefahr, mit ihren Spiele-Inhalten und Darstellungen, insbesondere von weiblichen Charakteren, eine wachsende Zielgruppe zu verfehlen.

Mann und Frauen spielen ein Computerspiel auf Konsole

Umdenken in der deutschen Gaming-Branche

Dass sich dieser Umstand nicht positiv auf das Geschäft auswirkt, dämmert allmählich immer mehr Vertretern der Unterhaltungsindustrie. Die meisten großen Unternehmen der deutschen Spielebranche setzen bereits eigene „Women in Games“-Veranstaltungen und -Programme um. Zum Beispiel öffnen viele Spielefirmen beim bundesweiten Girl’s Day ihre Türen und unterstützen potenzielle Anwärterinnen bei der Berufsorientierung. Auch der Games-Verband greift das Thema Frauen in der Games-Branche in Service-Beiträgen auf und sensibilisiert damit für die Bedeutung weiblicher Akteure in diesem boomenden Marktsegment.

Vodafone und ESL für mehr Diversität im esport

Um überholte Denkmuster aufzubrechen, haben die ESL und der Technologiekonzern Intel die Organisation Anykey ins Leben gerufen. Mit Aufklärung, Forschungsarbeiten und Workshops wollen sie mehr Akzeptanz von Frauen in der Gaming-Industrie schaffen und weibliche Akteure motivieren, die hinter den Kulissen bei der Spielentwicklung, der Organisation von esport-Wettkämpfen oder als aktive Spieler in der Profi-Liga mitmischen wollen. Mit Vodafone hat die ESL für dieses Anliegen einen weiteren starken Partner gewonnen. Auch der Kommunikationskonzern setzt sich mit weltweiten Aktionen und Programmen für Diversität in allen gesellschaftlichen Bereichen ein – so auch in der digitalen Spielbranche.

Women in Gaming: Facebook vernetzt Frauen der Gaming-Industrie

Auch Facebook-COO Sheryl Sandberg möchte die Gaming-Branche für Frauen offener und attraktiver gestalten. Dafür startete der Milliardenkonzern Anfang des Jahres die offizielle Online-Plattform Women in Gaming. Ziel sei es, eine globale Community aufzubauen, in der sich Frauen austauschen, vernetzen und gegenseitig ermutigen können. Der Fokus der Plattform liegt jedoch auf den Storys: In kurzen Clips erzählen Frauen der Branche aus und über ihren Alltag, berichten über Schwierigkeiten und wie sie ihnen begegnet sind. Mit einer Reihe von Partnern aus der Gaming-Industrie möchte Facebook die Damenwelt auch auf wichtigen Branchen-Events wie der E3, Gamescom und European Women in Games Conference unterstützen.

Global Gaming Women: Know-how und Connectivity für die Karriere

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt seit 2016 die gemeinnützige Organisation Global Gaming Women (GGW), mit der die American Gaming Association Frauen aus allen Bereichen der Gaming-Welt vernetzen und fördern will. Bei weltweiten Veranstaltungen bringt die GGW aufstrebende Newcomerinnen und weibliche Branchen-Profis zusammen. Mit Know-how und Kontakten, die in dieser schnelllebigen Branche besonders wichtig sind, sollen die Damen ihr berufliches Potenzial in der Gaming-Industrie ausschöpfen können. Daneben organisiert die GGW Webinare, Bildungs- und Schulungsprogramme sowie Networking-Events für weibliche Talente und Führungskräfte.

Bereits seit 2009 setzt sich auch die Wohltätigkeitsorganisation WIGJ dafür ein, mehr Frauen für die Spieleindustrie zu gewinnen und die bereits in der Branche Beschäftigen zu unterstützen. Bei der European Women in Games Conference in London werden vom 11. bis 12. September 2018 wieder namhafte Branchenvertreter gegenwärtige Herausforderungen beleuchten und Handlungsansätze zur Unterstützung von Frauen diskutieren.

Wenn Frauen in der Gaming-Industrie auf höchstem Level mitspielen

Dass Frauen ihren männlichen Kollegen im Top-Management und in der Entwicklungsabteilung in nichts nachstehen, haben bereits mehrere Damen bewiesen. Laura Miele ist als Executive Chief Studios Officer bei Electronic Arts (EA) eine der mächtigsten Frauen im globalen Gaming-Business. Zwanzig Jahre nach ihrem Einstieg bei EA ist sie für die Vermarktung von populären Titeln wie FIFA, Battlefield, Mass Effect, Need for Speed oder Dragon Age verantwortlich.

Ihr Erfolg und die wachsende Gruppe weiblicher Gamer sprechen für sich: Langfristig werden es sich zukunftsorientierte Spiele-Unternehmen nicht mehr leisten können, das Potenzial von Frauen in der Branche zu ignorieren.

 

Was denkst Du? Warum sind noch so wenige Frauen in der Gaming-Industrie präsent und welche Unterstützung bräuchten sie? Wir freuen uns auf Deinen Kommentar!

 

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