esports-Frauenpower: So zocken sich Ladies in die Profi-Liga

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esports-Frauenpower: So zocken sich Ladies in die Profi-Liga

Die esports-Community wächst. Hobby-Gamer träumen von großen Sponsorenverträgen, esports-Turniere füllen ganze Stadien und Profi-Zocker kassieren millionenschwere Preisgelder – nur Frauen sind im esports bisher noch eher selten vertreten. Dass sich das allmählich ändert, zeigen erfolgreiche Gamerinnen und Initiativen internationaler esports-Organisationen.

Der teambasierte Ego-Shooter Overwatch von Blizzard gilt nicht nur als eines der erfolgreichsten Online-Spiele weltweit, sondern hat laut Quantic Foundry auch die bislang höchste Frauenquote. Das Kuriose ist, dass sich bei den Teams der jüngst gegründeten Overwatch-Profiliga gerademal eine einzige Dame findet. Kim „Geguri“ Se-yeon zockt künftig im Team der Shanghai Dragons neben knapp 100 männlichen Gamern. Woran liegt‘s?

Du spielst wie ein Mädchen – sehr gut!

Hartnäckig hält sich das Vorurteil, esports und Gaming wären Männersache. Doch die öffentliche Wahrnehmung täuscht. Tatsächlich sind fast die Hälfte aller Gamer in Deutschland weiblich. Exakt 47 Prozent ermittelte der Branchenverband Game bei einer Studie im Jahr 2016. Frauen zocken also ebenso gerne wie Männer – und zeigen bereits in internationalen Profi-Turnieren wie der Intel Extreme Masters World Championship (IEM), dass sie den männlichen Kollegen in nichts nachstehen. Allerdings beweisen die Spielerinnen bislang vor allem in Frauenteams und in eigenen Damen-Wettbewerben ihr Können. Genau das stößt im esports kontroverse Debatten an. Mit Sportwissenschaftler Professor Doktor Froböse haben wir über die Zukunft des esports gesprochen:

Gleichstellung im esports: Es kann funktionieren

Während sich im klassischen Sport das Argument hält, Frauen und Männer müssten wegen ihrer körperlichen Unterschiede in verschiedenen Ligen spielen, hebelt der esports diese Logik aus. Frauen können natürlich genauso reaktionsschnell und sicher mit der Maus hantieren wie Männer. Der neu gegründete esports Bund Deutschland (ESBD) fordert daher statt einer geschlechtsspezifischen Trennung einen Kulturwandel, der Frauen und Männern gleiche Aufstiegschancen im esports einräumt. Dafür bräuchte es Coaches und Strukturen, die Spielerinnen und Spieler unabhängig von ihrem Geschlecht fördern. Wie das funktionieren kann, zeigt zum Beispiel die amerikanische esports-Organisation Cloud 9, bei deren Nachwuchsprogramm Jungen und Mädchen bereits gemeinsam trainieren.

Frauen im esports: Forschung als Handlungsgrundlage

Dieses Positiv-Beispiel ändert aber erstmal nichts daran, dass aktive esports-Spielerinnen vor allem auf Spitzenebene rar sind. Die Gründe dafür möchte der ESBD in den nächsten Monaten wissenschaftlich aufschlüsseln, um neue Handlungsansätze zu entwickeln. Sind zum Beispiel MOBAs (Multiplayer Online Battle Arena) wie Dota 2 und League of Legends für Spielerinnen attraktiver als Taktik-Shooter oder Sportsimulationen? Reizen Frauen eher Titel mit weiblichen Charakteren wie bei Overwatch? Um mehr Damen im esports zu etablieren, möchte der ESBD in diesem Jahr Erkenntnisse aus einer fundierten Datengrundlage hervorbringen.

ESL zeigt Einsatz für Vielfalt in der Gaming-Community

Mit Forschung, Aufklärung und Workshops wollen auch die ESL (Electronic Sports League) und der Tech-Konzern Intel mit ihrer Organisation Any Key mehr Diversität in den esports bringen. Im Fokus steht unter anderem die Förderung von Frauen, die sowohl hinter den Kulissen bei der Spieleentwicklung und Organisation als auch in Wettkämpfen präsenter sein sollen. Um verhärtete Denkmuster aufzubrechen und weibliche Aktivitäten im esports zu unterstützen, plant die ESL auch weitere Fördermaßnahmen. An Interesse oder Talent mangelt es bei den Mädels definitiv nicht – eher an Beachtung.

Streaming für mehr Sichtbarkeit und Selbstvertrauen

Dass reine Frauen-Turniere auch eine förderliche Umgebung schaffen können, um in der esports-Welt auf sich aufmerksam zu machen und Selbstvertrauen zu gewinnen, weiß Profi-Gamerin Matilde „Mattye“ Wiik vom LGB-Damenteam Intel. Bei ihrem ersten öffentlichen Wettkampf streamte sie via Twitch ihren Einsatz bei Counter-Strike: Global Offensive (CS:GO) und erreichte damit eine Fangemeinde, die sie bis heute unterstützt. Zugleich ermutigte sie andere junge Spielerinnen, sich allen Vorurteilen zum Trotz im esports auszuprobieren. Auch in der digitalen Gaming-Welt brauchen Nachzüglerinnen also reale Vorbilder – und davon gibt es mittlerweile viele.

Frauen im esports: Ladies in der Profi-Liga

Nach und nach erkämpfen sich die Mädels ihren Platz in allen relevanten esports-Rängen. Über einen historischen Triumph freute sich im Februar 2018 die Kanadierin Sasha „Scarlett“ Hostyn, die bei den Intel Extreme Masters (IEM) in PyeongChang als erste Frau ein Major StarCraft II Turnier gewann. Die belgische Fernsehmoderatorin Eefje „Sjokz“ Depoortere hostet hingegen seit Jahren die europäische League of Legends Championship Series und wurde als „Personality of the Year“ mit dem Esports Industry Awards 2017 ausgezeichnet.

ESL-Mitarbeiterin Lauren „Pansy“ Scott wird als Casterin der Counter-Strike-Szene regelmäßig für die größten Turniere der Welt engagiert, mischt aber auch bei Games wie World of Tanks, Battlefield und Dirty Bomb auf höchstem Niveau mit. Stephanie „Missharvey“ Harvey ist nicht nur Game-Designerin bei Ubisoft Montreal, sondern seit über zehn Jahren professionell in Counter-Strike aktiv und belegt mit ihrem Damen-Team CLG Red regelmäßig Top-Plätze bei internationalen Wettkämpfen. Auch die Schwedin Julia „Juliano“ Kiran ist als Counter Strike-Profi in der esports-Szene eine feste Größe, gewann im letzten Jahr die Frauen-Turniere der Copenhagen Games sowie der Intel Challenge in Kattowitz. Zuletzt unterschrieb sie als eine der fünf weltbesten Spielerinnen einen Vertrag bei der Royal Emirates Sports Academy (RES) in Dubai.

Fest steht, dass die Zahl der erfolgreichen Frauen im esports steigt, wenn auch langsam. Bei jeder Gelegenheit zeigen die Ladies, dass sie ihren männlichen Mitstreitern in nichts nachstehen. „Du spielst wie ein Mädchen“ ist in diesem Kontext längst als Kompliment zu verstehen.

Was denkst Du, welche Initiativen Frauen im esports weiterbringen und ihnen zum Durchbruch verhelfen? Wir freuen uns auf Deine Ideen und Meinung!

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