Der Cast von Jim Knopf und die Wilde 13 (2020)
© 2020 Rat Pack / JM Filmproduktion / Warner Bros. Ent. / Joe Albas
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Jim Knopf und die Wilde 13: Die Kritik zum neuen Fantasy-Blockbuster

Am 1. Okto­ber startet mit „Jim Knopf und die Wilde 13” die Fort­set­zung der Fil­madap­tion von „Jim Knopf und Lukas der Loko­mo­tivführer” in den deutschen Kinos. Doch was inter­essiert einen Erwach­se­nen schon die Ver­fil­mung eines Kinder­buch­es aus den Sechziger­jahren? Vielle­icht der Umstand, dass sie Botschaften ver­mit­telt, die jeden inter­essieren soll­ten. Vielle­icht das Wis­sen darum, dass der Autor fest daran glaubte, dass Fan­tasie die Gegen­wart for­men kann. Oder dass diese Botschaften nicht nur Gen­er­a­tio­nen, son­dern auch Kul­turen miteinan­der verbindet. Gar nicht mal so kindisch.

Allein in den USA existieren drei Inseln mit dem Namen Hap­py Island”. Jede Wette, dass kaum ein Deutsch­er je von diesen Inseln gehört hat. Dafür ken­nen Mil­lio­nen Men­schen aus allen Gen­er­a­tio­nen seit über 60 Jahren eine Insel, die man im Gegen­satz zu den Hap­py Islands auf kein­er einzi­gen Land­karte find­en wird. Das winzige Lum­mer­land ist ein Ort, der auf den inneren Land­karten zahlre­ich­er Men­schen min­destens genau­so viel Platz ein­nimmt wie Buller­bü, Phan­tasien oder Taka-Tuka-Land. 

Der Cast von Jim Knopf und die Wilde 13

Auch Teil 2 der Michael Ende-Fil­madap­tion führt durch ein fan­tastis­ches Aben­teuer. — Bild: 2020 Rat Pack / JM Film­pro­duk­tion / Warn­er Bros. Ent. / Joe Albas

Die Her­aus­forderung, diesen hochemo­tion­al beset­zten Fan­tasieort glaub­würdig auf deutsche Kinolein­wände zu zaubern, meis­terte Regis­seur Den­nis Gansel bere­its in sein­er ersten großar­tig ger­ate­nen Fil­madap­tion der Jim Knopf-Rei­he des deutschen Schrift­stellers Michael Ende.

Mit einem Bud­get von rund 25 Mil­lio­nen Euro gilt das mitreißende Fam­i­lien­aben­teuer Jim Knopf und Lukas der Loko­mo­tivführer” von 2018 auch heute noch als eines der teuer­sten deutschen Film­pro­jek­te. Rund zwei Mil­lio­nen Fans ließen sich in den deutschen Kinos von der detail­ver­liebten und werk­treuen Umset­zung des Kinder­buchk­las­sik­ers verza­ubern. Auch ihre Fort­set­zung wird das Pub­likum nicht ent­täuschen.

Jim Knopf und die Wilde 13: Neue Abenteuer mit Wurzeln und Flügeln

Es ist nun schon eine ganze Weile her, seit­dem Jim (Solomon Gor­don) und Lukas (Hen­ning Baum) ihr erstes gemein­sames Aben­teuer beste­hen mussten. Mit­tler­weile ist Lum­mer­land eine Städtepart­ner­schaft mit der chi­ne­sis­chen Metro­pole Ping einge­gan­gen und um die kleine Hal­binsel Neu­lum­mer­land und eine neue Bewohner­in in Gestalt von Jims bester Fre­undin Prinzessin Li Si reich­er. 

Den­noch sor­gen sich Frau Waas (Anette Frier) und Lukas, der Loko­mo­tivführer, um ihren jun­gen Schüt­zling Jim. Mit einem Gesicht wie sieben Tage Kum­mer­land-Wet­ter treibt den Jun­gen die Frage nach sein­er Herkun­ft mehr denn je um. Ganz zu schweigen von sein­er Sehn­sucht nach weit­eren Aben­teuern jen­seits von Lum­mer­land. Auch Lukas weiß keinen Rat, denn ein richtiges Aben­teuer, das kann man nicht suchen, das find­et einen”. Welche Ironie, dass am Anfang dieses neuen Aben­teuers vor­erst etwas essen­tiell Wichtiges nicht gefun­den wird. 

Anette Frier, Uwe Ochsenkencht und Christoph Maria Herbst in Jim Knopf und die Wilde 13

Die her­zlichen Lum­mer­län­der nehmen den ein­samen Schein­riesen Herr Tur Tur bei sich auf. — Bild: 2020 Rat Pack / JM Film­pro­duk­tion / Warn­er Bros. Ent. / Joe Albas

Als das Postschiff im Nebel beina­he an der Küste der putzi­gen Insel zer­schellt, verkün­det König Alfons der Viertelvorzwölfte (Uwe Ochsenknecht) seinen Unter­tassen, äh Unter­ta­nen, dass der Vor­fall mit dem Postschiff ihm nochmal unter die Augen gerieben, also vor die Nase geführt” habe, dass es so nicht weit­erge­hen kann. Lum­mer­land braucht drin­gend einen Leucht­turm”, stellt der schus­selige Inselkönig entschlossen fest.

Jim und Lukas sind Feuer und Flamme und ver­sprechen, den Schein­riesen Herr Tur Tur in sein­er Wüstenoase aufzusuchen und ihn als kostengün­sti­gen Leucht­turm zu engagieren. Doch das wird nicht die einzige Mis­sion bleiben, auf die Jim und Lukas sich mit aller­lei neuen und alten Fre­un­den und Fein­den begeben müssen. Schließlich sucht die Piraten­mannschaft der Wilden 13 immer noch nach einem würdi­gen Endgeg­n­er, eine reizende Meer­jungfrau nach einem magis­chen Stein, so manch­er Außen­seit­er nach Fre­und­schaften und Jim nach seinen Wurzeln …

Jim Knopf und die Wilde 13” dauert 109 Minuten, ist ab 0 Jahren freigegeben und startet ab dem 1. Okto­ber 2020 in den deutschen Kinos.

Bildgewaltiges Abenteuerkino mit Herz und Verstand

Kul­turgut verpflichtet, egal ob fan­tastisch oder real­is­tisch. Das weiß auch Regis­seur Den­nis Gansel, der Jims und Lukas’ neue Reise ein weit­eres Mal betont märchen­haft, detail­re­ich und liebevoll in Szene set­zt. Die Ästhetik ist keine regionale, son­dern eine inter­na­tionale. Auch das nach Aus­sagen von Warn­er Bros. 20 Prozent schmalere Bud­get für den zweit­en Teil tut dem aufwendig insze­nierten Lein­wand­aben­teuer keinen Abbruch. 

In far­ben­fro­hen Set­tings und episodis­chen Aben­teuer­prü­fun­gen führt es die liebge­won­nen Pro­tag­o­nis­ten recht action­re­ich und buch­stäblich durch Winde, Wüsten und Wild­wass­er. Neue und alte Fig­uren punk­ten mit ihrem ein­ma­lig hohen Wieder­erken­nungswert, vom schrul­li­gen Lum­mer­land-Bewohn­er bis zum eigen­bröt­lerischen Halb­drachen Nepo­muk, inbrün­stig gesprochen von Michael Bul­ly Her­big.

Solomon Gordon und Henning Baum in Jim Knopf und die Wilde 13

Pirat­en und Lum­mer­län­der arbeit­en schon bald Hand in Hand. — Bild: 2020 Rat Pack / JM Film­pro­duk­tion / Warn­er Bros. Ent. / Joe Albas

Im Gegen­satz zum ersten Teil hal­ten sich CGI- und Green­screen-Effek­te hier etwas mehr im Hin­ter­grund. Mehrw­ert und Tonal­ität des Fam­i­lien­films bestechen durch eine unbeschw­erte Mis­chung aus fan­tastis­chem Bud­dy- und Road­movie für alle Alter­sklassen. Gansels Realver­fil­mung find­et auch im zweit­en Teil kindgerechte Meta­phern für gesellschaftliche und zwis­chen­men­schliche Werte wie Tol­er­anz, Mut und Fre­und­schaft. 

Die bom­bastis­che akustis­che Unter­malung erfol­gt wie bere­its im ersten Teil mit der eingängi­gen Titel­musik der leg­endären gle­ich­nami­gen Pro­duk­tion der Augs­burg­er Pup­penkiste.

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Charismatischer Cast im Zeichen der Identitätssuche und Integration

Wer sich mit Jim, Lukas und Kon­sorten auf die Reise macht, der darf sich auf leuch­t­ende Kinder­au­gen freuen. Stil­voll ani­mierte Land­karten zeich­nen die Aben­teuer-Route nach, vom Bar­barischen Meer bis zum Land, das nicht sein darf. Zwis­chen prächti­gen und stilecht­en Piraten­schätzen und kindgerecht­en Rät­seln zum Mit­fiebern und der ein oder anderen ras­an­ten Bruch­landung bleibt aber stets genug Raum für die Pro­tag­o­nis­ten. 

Da ste­ht vor allem Jim im Mit­telpunkt, der in sein­er Pubertät nach Iden­tität und Herkun­ft sucht. Der 15-jährige Brite Solomon Gor­don punk­tet in dieser Rolle zwar mit pos­i­tiv­er Ausstrahlung, aber es fällt dem jun­gen Nach­wuchss­chaus­piel­er stel­len­weise schw­er, den Inter­ak­tio­nen sein­er Haupt­fig­ur mit den deutschen Darstellern emo­tionale Tiefe zu ver­lei­hen. Gor­don dazu in einem Inter­view: Ich habe meinen Text auf Englisch gesprochen, die anderen ihren auf Deutsch […] Es ist ein biss­chen schwieriger […] Es ist anders. Ich wusste ja dann nie genau, was die anderen wirk­lich sagten, also manch­mal kamen meine Gefüh­le dabei etwas falsch herüber. Aber es war schon okay.”

Solomon Gordon als Jim Knopf in Jim Knopf und die Wilde 13

Solomon Gor­don als Jim Knopf in Jim Knopf und die Wilde 13 — Bild: 2020 Rat Pack / JM Film­pro­duk­tion / Warn­er Bros. Ent. / Joe Albas

Lukas-Darsteller Hen­ning Baum gibt eine boden­ständi­ge Per­for­mance ab und verkauft seine jun­gen Zuschauer nicht für dumm. Auf zu starke Überze­ich­nun­gen und überkan­didelte Gefühlsaus­brüche, die häu­fig im Kinder­film-Genre zu bekla­gen sind, verzichtet der 48-Jährige erfreulicher­weise auch im zweit­en Teil. 

Im Gegen­satz dazu gibt sich Ku’damm 56”-Star Son­ja Ger­hardt unge­wohnt hölz­ern und the­atralisch in ihrer Neben­rolle der heiratswilli­gen Meernixe Sur­su­lapitschi, doch der ver­hält­nis­mäßig kleine Part bringt in diesem Fan­ta­sy-Block­buster nichts ins Wanken. Dafür gle­ich in mehrfach­er Aus­führung vertreten: Come­di­an und Schaus­piel­er Rick Kavan­ian. Der 49-Jährige spielt mit Inbrun­st gle­ich eine ganze Mannschaft rechtschreib­schwach­er Pirat­en und meis­tert dabei mit Charme und Witz den schmalen Grad zwis­chen Humor und Kla­mauk.

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Völkerverständigung und Humanismus im Sinne des Schöpfers

Ehren­sache, dass auch im zweit­en Teil Michael Endes dur­chaus poli­tisch gemeinte Geschichte eine Botschaft feiert, die sich derzeit kaum noch aktueller gestal­ten kön­nte und den­noch so zeit­los und saftig ist, wie das Rosi­nen-Gugel­hupf-Rezept von Frau Waas.

Im Ende-Uni­ver­sum ste­hen Wass­er- und Feuer­we­sen, Schein­riesen und Halb­drachen vor allem ihre eige­nen Vorurteile im Weg und das schon seit Hun­derten von Jahren. Michael hat Vorurteile bewusst aufge­grif­f­en, um sie dann umzukehren. Gerechtigkeit war ihm ein wichtiges Anliegen”, erin­nert sich Michael Endes Lit­er­at­ura­gent Hocke in einem Inter­view mit der Zeit, der erfreut darüber sein dürfte, wie die Fil­madap­tion die essen­tiell­sten Textstellen dies­bezüglich auf­greift. 

Bemerkenswert auch, wie Jim Knopf und die Wilde 13”, dessen Buchvor­lage aus dem Jahr 1962 stammt, mit viel Ein­fühlsamkeit das Gegen­teil unser­er gegen­wär­ti­gen Real­itäten zu suchen und vor allem zu find­en weiß: In Zeit­en von Covid 19 bemühen sich Nepo­muk und Co. vor allem um mehr Nähe. Während die Can­cel Cul­ture außer­halb des Kinosaals hohe Wellen schlägt, weiß man sog­ar über die Gren­zen Lum­mer­lands hin­aus sauber miteinan­der zu kom­mu­nizieren. Und während draußen die Demokratie in so manchem Land in ihren Grund­festen erschüt­tert wird, tri­um­phiert sie in Jim Knopf und die Wilde 13” auf ganz­er Lin­ie.

Henning Baum als Lukas in Jim Knopf und die Wilde 13

Jim Knopf und die Wilde 13 ist ein regel­rechter Film­schatz. Er erhielt das Prädikat beson­ders wertvoll von der FBW-Jugend Filmjury. — Bild: 2020 Rat Pack / JM Film­pro­duk­tion / Warn­er Bros. Ent. / Joe Albas

Denn auch im zweit­en Teil mis­sion­ieren die Lum­mer­län­der ihren ganz eige­nen lib­eralen Insel-Lifestyle, der da lautet: Leben und leben lassen. Man lasse dem Näch­sten seine Mack­en und Unter­schiede, denn genau die machen ihn liebenswert und Lum­mer­land lebenswert. Wer in der Spiegel­wüste zusam­men mit einem Find­elkind, einem Loko­mo­tivführer, einem Schein­riesen und einem Halb­drachen am Lager­feuer sitzt und bei Feigenkaf­fee und gegrill­tem Wüsten­sand auf Plu­ral­is­mus und Diver­sität anstößt, der lebt ganz sich­er, was er predigt. 

Ende pflegte zu sagen, dass das Magis­che an Geschicht­en sei, dass sie die Wirk­lichkeit for­men kön­nten. Er schrieb für das Kind im Erwach­se­nen und den Erwach­se­nen im Kind. Endes Fre­und und Lek­tor Roman Hocke ver­ste­ht seine Geschicht­en als Entwurf, als Inspi­ra­tion und als Vorschlag für die Gesellschaft zugle­ich. Let­ztlich solle man sich bei Endes Geschicht­en nur eines fra­gen: Wie wün­scht man sich das Miteinan­der und wofür will man ein­ste­hen? Vielle­icht ist ja mal eine erdachte Welt dabei, von der wir sagen: Die ist bess­er, so kön­nte es wer­den.”

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GigaTV Film-Highlights

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